Händler an der New York Stock Exchange | picture alliance / ZUMAPRESS.com
Marktbericht

S&P 500 über 4500 Punkte An der Wall Street läuft der Countdown

Stand: 25.08.2021 22:24 Uhr

Trotz angezogener Handbremse hat es in New York heute knapp für weitere Rekorde gereicht. Die Spannung vor dem Jackson-Hole-Notenbankertreffen aber steigt. Die Schwankungen waren daher gering.

Nach zunächst abwartendem Beginn haben die US-Börsen im Verlauf doch noch den Vorwärtsgang eingelegt und dabei knapp neue Rekorde erreicht. Größere Schwankungen gab es vor dem wichtigen Jackson-Hole-Notenbankertreffen aber nicht. Wie immer im Vorfeld solcher Ereignisse hielten sich die Anleger mit größeren Aktivitäten zurück, um womöglich nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Allerdings genügen angesichts der hohen Indexstände derzeit schon kleinere Bewegungen, um neue Rekordniveaus zu erreichen und damit die beeindruckende Rally fortzusetzen. So auch heute.

Nicht der Leitindex Dow Jones war dabei der Star des Tages, sondern der marktbreite S&P-500-Benchmarkindex. Dieser übersprang zum ersten Mal die Marke von 4500 Punkten und markierte bei 4502 Zählern eine weitere Bestmarke. Jeden Tag mit kleinen Schritten ein neues Hoch, das scheint für den S&P 500 derzeit fast die Normalität zu sein. Am Ende schloss der Index bei 4496 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,22 Prozent.

Auch die Technologiebörse Nasdaq markierte neue Bestmarken, gestern war sie erstmals über die Marke von 15.000 Punkten gestiegen. Der Schluss heute lag bei 15.041 Punkten um 0,15 Prozent höher. Der Auswahlindex Nasdaq 100, bei 15.404 Punkten am Tageshoch und mit neuem Rekord, schloss bei 15.368 Punkten um knapp 0,1 Prozent leicht höher.

Bleibt der Leitindex Dow Jones, der als einziger der großen Indizes bisher knapp unter seinem Rekordniveau etwas oberhalb von 35.600 Punkten bleibt. Der Dow drehte nach schwächerem Start im Verlauf ins Plus und rückte zuletzt moderat um 0,11 Prozent vor auf 35.405 Zähler.

Was sagt Jerome Powell?

Das wichtigste Thema derzeit ist das bevorstehende Notenbanker-Treffen in Jackson Hole in den USA, das allerdings als Videokonferenz veranstaltet wird. Am Freitag steht dabei eine Rede des US-Notenbankpräsidenten Jerome Powell auf Programm.

Von der Powell-Rede erwarten sich die Anleger Hinweise auf die weitere Geldpolitik der mächtigsten Notenbank der Welt. Angesichts der wieder verschärften Corona-Lage waren die Ängste der Anleger vor einer möglichen geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) zuletzt wieder kleiner geworden. Die Risikobereitschaft war damit gestiegen.

"Natürlich aber wird der Markt Powells Rede ganz genau darauf abklopfen, wie die Fed aktuell die Risiken im Zusammenhang mit der Ausbreitung der Delta-Variante und den neuerlichen Beschränkungen in manchen Teilen der Welt einschätzt", sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park-Heger.

Geht die Hängepartie weiter?

Dass die geldpolitischen Zeichen auf Wandel stehen, steht an den Märkten indes kaum infrage. Unklar ist nur, wie und wann die Fed die Zügel anziehen wird. Dabei dürfte es in einem ersten Schritt um die Reduzierung der monatlichen Anleihenkäufe gehen, im Fachjargon "Tapering" genannt.

Zuletzt wurde auch die Ende des Monats anstehende September-Sitzung der Fed immer wieder als Startpunkt der Wende genannt. Powell dürfte erst im September deutlichere Signale senden, sagte Chefökonom James McCann von Aberdeen Standard Investments. "Ob es dem Markt nun gefällt oder nicht, dies wird wohl keine Rede mit klaren Worten", so der Experte. "Wer hier ein Feuerwerk erwartet, sucht an der falschen Stelle", ergänzte er. Kommt es wirklich so, droht dem Markt damit eine Fortsetzung der Hängepartie.

Zur Wochenmitte tendierte der deutsche Leitindex DAX etwas schwächer. Der Index ging heute bei 15.860 Punkten aus dem Handel, ein Tagesverlust von 0,3 Prozent. Vor allem am Nachmittag verstärkte sich die Abwärtsbewegung, nachdem lange um die Marke von 15.900 Punkten gerungen wurde und im Tageshoch sogar 15.930 Zähler erreicht worden waren.

Trotz erneut positiver Rekordvorgaben von der Wall Street will der Funke damit hierzulande weiter nicht überspringen. Eine Richtungsentscheidung scheint aber auch noch nicht gefallen, denn das Rekordhoch bei 16.030 Punkten bleibt weiter in Reichweite. Kein Ausverkauf also, eher eine Art Stagnation auf hohem Niveau.

ifo-Index erneut schwächer

Auch wenn das wichtigste Börsenthema derzeit der Fortgang der US-Geldpolitik ist - ein Grund für die im Handelsverlauf immer schwächere Investorenstimmung war auch ein ernüchternder ifo-Geschäftsklimaindex. Angesichts von Lieferengpässen und Materialmangel sank der führende deutsche Wirtschaftsindikator im August überraschend stark auf 99,4 Punkte von 100,7 Zählern im Juli - und damit den zweiten Monat in Folge.

Die Lager in der Industrie seien derzeit leergefegt, sagte ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Die wieder steigenden Corona-Infektionszahlen hätten zudem die Erwartungen im Gastgewerbe und Tourismus einbrechen lassen. "Damit zeichnen sich nun dunklere Wolken am Horizont ab", so NordLB-Analyst Tobias Basse.

Die Gemeinschaftswährung hat ihre kurze Schwächephase am Nachmittag überwunden und liegt im US-Handel etwas höher bei 1,1772 Dollar. Eine klare Richtung gibt es damit weiter nicht am Devisenmarkt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1736 (Dienstag: 1,1740) Dollar fest.

Am Nachmittag war der Euro leicht abgerutscht - nach den US-Auftragsdaten für langlebige Güter im Juli. Diese sanken zwar um 0,1 Prozent, Analysten hatten aber einen stärkeren Rückgang von 0,3 Prozent erwartet, was dem Dollar zugute kam. Bei den langlebigen Gütern handelt es sich um industrielle Waren wie Maschinen. Ohne den Transportsektor, zu dem etwa Flugzeuge zählen, erhöhten sich die Aufträge im Juli um 0,7 Prozent. Hier war ein Anstieg von 0,5 Prozent erwartet worden.

Am Ölmarkt zogen die Preise an, nachdem fallende Benzinvorräte in den USA für mehr Kaufinteresse sorgten. Mit fast 72 Dollar je Fass für die Nordseesorte Brent bleiben die Preise zudem auf hohem Niveau. Der Preis für eine Feinunze Gold ist unter die Marke von 1800 Dollar gerutscht, zum Schluss wurden 1790 Dollar gezahlt.

Die Aktie des Spezialisten für Gewerbeimmobilien blieb unter Druck. Aroundtown hat wegen der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr weniger verdient. Das operative Ergebnis, die Funds from Operations (FFO 1), ging in den ersten sechs Monaten im Jahresvergleich um rund ein Viertel auf 172 Millionen Euro zurück. Bereinigt um Kosten für Mietausfälle infolge der Covid-Pandemie fiel das Ergebnis um acht Prozent auf gut 247 Millionen Euro. Während die Berenberg Bank den Titel dennoch für einen Kauf empfiehlt, signalisieren die Analysten von JPMorgan: Verkaufen.

Der schwedische Zahlungsdienstleister wächst weiterhin dynamisch. Der als Börsenkandidat gehandelte Konzern hat im zweiten Quartal einen Anstieg des Transaktionsvolumens auf 20 Milliarden Dollar verzeichnet - von zwölf Milliarden im Vorjahreszeitraum. In der Zeit von April bis Juni erreichte Klarna die Schwelle von 20 Millionen Kunden in den USA, wie das Unternehmen mitteilte. Es wird damit gerechnet, dass der PayPal-Konkurrent dieses oder nächstes Jahr an die Börse geht.

US-Firmen dürfen Insidern zufolge den chinesischen Technologiekonzern Huawei mit Autochips beliefern. Entsprechende Lizenzanträge im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar seien genehmigt worden, so die Nachrichtenagentur Reuters. So kann Huawei etwa mit Halbleitern für in Fahrzeugen genutzte Bildschirme und Sensoren versorgt werden. Der weltgrößte Netzwerkausrüster aus China wird seit Jahren sanktioniert und befindet sich auf einer sogenannten schwarzen Liste, was Handelsbeschränkungen zur Folge hat.

Die Tech-Firma Waymo will jetzt auch in San Francisco in größerem Stil ihre Robotaxi-Dienste anbieten. Nach mehr als zwölfjähriger Testphase in der kalifornischen Metropole werde der Service für ein breiteres Publikum geöffnet, teilte das Unternehmen mit, das zum US-Konzern Alphabet gehört. Wer sich kostenlos im selbstfahrenden Elektro-SUV vom Typ Jaguar I-Pace durch San Francisco befördern lassen will, kann sich über das "Trusted Tester"-Programm der Waymo-App bewerben. Im Gegenzug müssen Nutzer allerdings eine Geheimhaltungserklärung abgeben und die Firma mit Daten und Feedback versorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2021 um 23:42 Uhr.