Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Nasdaq und S&P 500 so hoch wie nie Wall Street auf Rekorde geimpft

Stand: 24.08.2021 22:22 Uhr

Die erste reguläre Zulassung eines Impfstoffs in den USA hat die Hoffnung auf eine schnellere Konjunkturerholung angetrieben. Und der Wall Street neue Bestmarken beschert. Besonders Reise-Aktien hoben ab.

Die jüngste kleine Schwächephase an den US-Börsen scheint wieder überwunden: "Die Investoren haben mehr Angst davor, nicht im Markt zu sein, als dass sie Furcht vor einem Absturz hätten", sagte Anlagestratege Rick Meckler von Cherry Lane Investments. Selbst die Delta-Variante des Coronavirus macht ihnen inzwischen kaum noch Sorgen. Viele Anleger gingen davon aus, dass die Virus-Mutation die Wirtschaft nur verlangsamen und nicht entgleisen lassen wird, meinten Händler.

Die Wall Street setzte am Dienstag unbeirrt ihre Rekordjagd fort und erklomm neue Höhen. Der Nasdaq Composite kletterte erstmals in seiner Geschichte auf über 15.000 Punkten. Am Ende schmolzen die Kursgewinne teilweise weg. Der breiter gefasste S&P 500 schaffte ebenfalls eine neue historische Bestmarke von fast 4500 Punkten und schloss letztlich um 0,15 Prozent höher. Nur der Dow Jones konnte nicht ganz mithalten. Er notierte zum Handelsende fast unverändert und blieb um gut 250 Punkte unter seinem acht Tage alten Höchststand von 35.631 Zählern.

Reise-Aktien heben ab

Besonders Reise-Aktien waren gefragt. Der Sektor-Index stieg um fast zwei Prozent. Die Titel des Kreuzfahrt-Unternehmens Carnival legten um vier Prozent zu, die Aktien des Kasino-Betreibers MGM Resorts zogen um 3,6 Prozent an. Die Papiere von American, Delta und United Airlines rückten um bis zu 3,8 Prozent vor. Die offizielle Zulassung des Impfstoffs von BioNTech und Pfizer durch die US-Arzneimittelbehörde (FDA) schürt die Hoffnung auf eine stärkere Erholung des Tourismus.

China-Aktien heiß begehrt

Die Tech-Rally wurde von den in den USA notierten China-Aktien angeheizt. Die Aktien von JD.com und Pinduoduo schossen zweistellig um bis zu 19 Prozent in die Höhe. Auch die Titel von Baidu und Alibaba erholten sich kräftig. Am Markt hieß es als Begründung, dass Tech-Starinvestorin Cathie Wood nach den Kursrutschen wieder an die JD-Aktien glaube. Zeichen der Entspannung gebe es mit Blick auf die Regulierer zwar nicht, aber es sei nun einige Tage ruhiger geworden um dieses Thema, hieß es.

Verschiebt die Fed die geldpolitische Wende?

Zudem rechnen viele Anleger vorerst nicht mit einer baldigen Straffung der US-Geldpolitik. Auf dem bevorstehenden internationalen Notenbank-Treffen, das wie schon im Vorjahr nur online und nicht in Jackson Hole stattfindet, dürfte Fed-Präsident Jerome Powell keine geldpolitische Wende verkünden, glauben sie. Die nachlassende Konjunkturdynamik lindert den Druck auf die Fed. Am Freitag wird sich Powell äußern.

Im Sog der Rekordjagd an der Wall Street setze der DAX seine Erholungstour fort. Er stieg den dritten Tag in Folge und schloss 0,3 Prozent fester bei über 15.900 Punkten. Damit ist er nicht mehr weit von seinem Rekordhoch entfernt. "Der deutsche Leitindex hat sich stabilisiert", schreibt Analyst Martin Utschneider von der Bank Donner & Reuschel. Die jüngste Konsolidierung wertet der Experte positiv. Das nächste Ziel von 16.200 Punkten habe weiter Bestand, nachdem sich der DAX seit Freitag wieder weitgehend vom jüngsten Rückschlag erholt habe.

Was der DAX nicht schaffte, gelang dem MDAX. Der Index der zweiten deutschen Börsenliga kletterte auf ein Allzeithoch von 36.173 Punkten. Er schloss um 0,5 Prozent höher.

Auch der Euro konnte sich etwas von seinem jüngst erreichten neunmonatigen Tiefstand erholen. Die Gemeinschaftswährung kostete am frühen Abend 1,1759 Dollar. erholt. Dazu beigetragen hat die zuversichtlichere Stimmung an den Finanzmärkten.

Deutscher Aufschwung verfestigt sich

In Deutschland kommt der Aufschwung zunehmend in Gang. Im zweiten Quartal wuchs die Wirtschaft dank der höheren Konsumfreude nach dem Corona-Lockdown im Frühjahr um 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal - und damit etwas stärker als gedacht. Für Schwung sorgten vor allem die privaten Haushalte, die 3,2 Prozent mehr ausgaben als zuletzt.

Die Ölpreise ziehen wieder an. Der Preis für ein Fass der Rohölsorte Brent aus der Nordsee kletterte um 2,7 Prozent auf über 70 Dollar. Steigende Impfraten würden sich voraussichtlich in höherer Mobilität niederschlagen, sagten Experten. "Da viele Unternehmen und Regierungsbehörden wahrscheinlich Impfvorschriften durchsetzen werden, sollten die Fahrten ins Büro im Herbst dramatisch zunehmen", sagte Analyst Edward Moya beim Handelshaus Oanda. Zudem wirkten sich die voraussichtlich zuletzt gesunkenen US-Lagerbestände positiv auf die Stimmung aus.

Der Preis für einen Bitcoin liegt knapp unter der Marke von 50.000 Dollar. Damit reagiert der Kryptomarkt weiterhin positiv auf die Nachricht, dass der Bezahldienstleister Paypal Transaktionen mit Krytowährungen auch in Großbritannien ermöglichen will.

Unter den Einzelwerten im Dax zählten erneut die zuletzt gebeutelten Autowerte zu den größten Gewinnern. Die Aktien von Volkswagen, Continental, BMW und Daimler stiegen zwischen einem und zwei Prozent - dank der Hoffnung auf eine raschere Konjunkturerholung. Die Autobranche leidet unter dem Chip-Mangel. Aus dem Sektor gab es zahlreiche Ankündigungen von Produktionskürzungen wegen fehlender Komponenten. "Das Thema ist noch nicht abgehakt", schrieb das Investmenthaus Jefferies dazu.

Die Aktien von Lanxess konnten anfängliche Kursverluste nach einem Milliardenzukauf wettmachen und schlossen 2,3 Prozent im Plus. Der Chemiekonzern will sein Geschäft rund um Materialschutz- und Konservierungsmittel mit einer weiteren Milliarden-Übernahme in den USA ausbauen. Für rund 1,3 Milliarden US-Dollar soll das Microbial-Control-Geschäft des Herstellers von Duftstoffen und Aromen IFF gekauft werden. "Natürlich kein glücklicher Kauf, wenn man sieht, dass der Preis dreimal so hoch ist wie der Umsatz", kommentierte ein Händler.

Die Schweizer Fluggesellschaft Swiss führt eine Corona-Impfpflicht für ihr fliegendes Personal ein. Diese gelte ab dem 15. November, teilte die Lufthansa-Tochter am Abend mit. Grund seien die weltweiten länderspezifischen Einreisebestimmungen, die zunehmend eine Impfpflicht auch für Crews verlangten. So fordere etwa Hong Kong ab sofort von Besatzungen aus einigen Staaten einen Impfnachweis, so auch für Flüge ab der Schweiz. Die Lufthansa teilte indes mit, sie habe keine Pläne für eine Impfpflicht.

Der Elektronikonzern will in den kommenden Jahren durch massive Investitionen in verschiedenen Geschäftsfeldern expandieren. Samsung plant, binnen drei Jahren fast 206 Milliarden Dollar in die Bereiche Biopharmazie, Künstliche Intelligenz, Halbleiter und in die Roboterindustrie zu stecken. Damit sollen die globale Position in Schlüsselindustrien gestärkt und das Wachstum in der Nach-Corona-Zeit beschleunigt werden. Die Investitionsankündigung kommt kurz nach der Freilassung des Vize-Verwaltungsratschefs Jay Y. Lee aus dem Gefängnis. Insidern zufolge wurden Übernahmen und größere Investitionen wie die Ortsentscheidung für eine 17 Milliarden Dollar teure US-Chipfabrik wegen Lees Fehlen bei Samsung verschoben.

Voltabox-Aktie springt hoch

Nachrichten über einen in Kürze anstehenden Verkauf des US-Geschäfts liessen die Papiere des Systemanbieters für Elektromobilität um mehr als 20 Prozent auf über zwei Euro steigen. Anleger honorieren auch, dass das Unternehmen seine Jahresziele bestätigt hat. Ende Juli noch waren die Papiere auf ein Rekordtief bei 1,43 Euro gesackt. Die Aktie hat seit dem Börsengang eine dramatische Talfahrt hinter sich. Der Mutterkonzern Paragon, ein deutscher Autozulieferer, hatte die Papiere im Oktober 2017 zu einem Ausgabepreis von 24 Euro an die Börse gebracht.

Der Ticketvermarkter und Konzertveranstalter kommt nach scharfen Rückgängen im zweiten Quartal wieder deutlich voran. Steigende Kartenverkäufe ließen den Umsatz um 228 Prozent auf 45,7 Millionen Euro klettern. Allerdings war das Vorjahresquartal stark von der Corona-Pandemie geprägt. Das Betriebsergebnis (Ebitda) belief sich auf 99,1 Millionen Euro nach einem Verlust von 16,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal, beinhaltete allerdings auch 102 Millionen Euro an Wirtschaftshilfen vom Bund.

Dank guter Verkäufe von Vitaminpräparaten und Allergiemedikamenten kann das Pharmaunternehmen Dermapharm im ersten Halbjahr klares Wachstum in der Bilanz präsentieren. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 428 Millionen Euro, das operative Ergebnis (bereinigtes Ebitda) stieg um die Hälfte auf 137 Millionen Euro. Positiv ausgewirkt habe sich auch die Impfstoffproduktion in Kooperation mit BioNTech. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte der Vorstand.

US-Börsenaufsicht reguliert Börsengänge aus China

Chinesische Firmen sollen bei einem Börsengang in den USA Investoren künftig mehr Informationen liefern. Die US-Börsenaufsicht SEC habe den chinesischen Unternehmen, die einen Gang auf das New Yorker Handelsparkett anstrebten, bereits die neuen Anforderungen für die IPO-Prospekte zukommen lassen, so die Nachrichtenagentur Reuters. Anleger sollten mit dem Schritt die Risiken besser verstehen können, die mit einer Investition in ein asiatisches Unternehmen verbunden seien. Die SEC hatte Ende Juli sämtliche Börsenpläne chinesischer Unternehmen an der Wall Street auf Eis gelegt. Seit Jahresbeginn haben Firmen aus der Volksrepublik allein mit Aktienemissionen über die Wall Street die Rekordsumme von 12,8 Milliarden Dollar bei Investoren eingesammelt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. August 2021 um 07:35 Uhr in der Börse.