Händler an der New Yorker Börse | picture alliance/dpa/XinHua
Marktbericht

Rekorde bei Dow und S&P US-Märkte nicht zu bremsen

Stand: 11.08.2021 22:17 Uhr

Nach wie erwartet ausgefallenen US-Preisdaten blieb die Wall Street heute zweigeteilt. Dow und S&P bleiben auf Rekordkurs, Tech-Aktien fallen zurück. Auch der DAX erreichte eine neue Bestmarke.

An der New Yorker Weltleitbörse haben die Anleger differenziert auf die bereits seit Tagen mit großer Spannung erwarteten Verbraucherpreisdaten reagiert. Konkret ging der Leitindex Dow Jones als bester der großen Indizes bei 35.484 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,62 Prozent. Im Verlauf hat der Index zudem bei 35.501 Punkten ein neues Rekordhoch markiert.

Ebenso wie der marktbreite Benchmark-Index S&P 500 bei 4449 Zählern. Im S&P 500, der für die Erfolgsmessung institutioneller Investoren das Maß der Dinge ist, sind sowohl Standard, als auch Technologieaktien enthalten. Er schloss bei 4447 Punkten nur knapp darunter, ein moderater Tagesgewinn von 0,25 Prozent.

Erneut schwächer, wenn auch nur moderat, tendierte die Technologiebörse Nasdaq, die am Ende 0,16 Prozent leicht nachgab und bei 14.765 Zählern endete. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor ebenfalls leicht 0,17 Prozent auf 15.027 Punkte. Auch wenn den Tech-Aktien derzeit das (Zins)-Momentum fehlt - von einem Ausverkauf in Anbetracht der hohen Gewinndynamik von Apple & Co. kann keine Rede sein, die Bewertungen bleiben hoch.

Die Preisentwicklung war das Top-Thema heute und der vergangenen Tage, der gestrige Fortschritt bei den Infrastrukturplänen im US-Senat konnte den Markt hingegen nicht weiter nach oben treiben.

Die US-Inflation stagniert auf hohem Niveau

Konkret legten die Verbraucherpreise um 5,4 Prozent zu, erwartet wurde im Mittel ein Plus von 5,3 Prozent. Damit bleiben die Preise auf hohem Niveau, steigen aber vorerst nicht mehr weiter. Die Kernrate, also die Preisentwicklung ohne die volatilen Energie- und Lebensmittelpreise, lag mit plus 4,3 Prozent genau im Rahmen der Erwartungen.

Damit dürfte manchem Anleger heute ein Stein vom Herzen gefallen sein, war doch bei den Preisdaten insgeheim Schlimmeres für möglich gehalten worden. "Die gute Nachricht lautet: Die US-Inflation droht einstweilen nicht außer Kontrolle zu geraten", kommentierte Elmar Völker von der LBBW. "Allerdings kann sich die US-Notenbank nicht entspannt zurücklehnen", betonte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe.

Geldpolitik der ruhigen Hand

Die Börse ist also zumindest kurzfristig beruhigt. Vor allem weil die Teuerung nicht aus dem Ruder läuft und es für die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) deshalb keinen unmittelbaren Anlass gibt, ruckartig auf die Bremse zu treten. Die höheren Inflationsraten sind nach offizieller Lesart der Fed zudem nur ein vorübergehendes Phänomen, das sich im Verlauf abschwächen wird - eine Hypothese, mit der auch die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit arbeitet - und die bei Experten durchaus umstritten ist.

Biontech und Moderna brechen ein

Zuletzt noch auf Rekordkurs, gaben die Papiere der beiden Impfstoffhersteller Biontech und Moderna heute deutlich nach. Das Biontech-Papier fiel um 13,7 Prozent, das von Moderna um 15,6 Prozent. Auch die Papiere von Biontechs-US-Partner Pfizer gaben deutlich um 3,9 Prozent auf 36,65 Dollar nach.

Grund für den Einbruch der Aktien ist eine Prüfung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), ob gewisse seltene Symptome nach der Gabe von mRNA-Impfstoffen gegen Corona als Nebenwirkungen eingestuft werden sollten. Der zuständige Sicherheitsausschuss befasse sich mit Berichten über eine Form von allergischer Hautreaktion und zwei Nierenleiden, die bei kleinen Personengruppen aufgetreten seien, teilte die EMA am Mittwoch im Rahmen eines Routinebericht mit. Um wie viele Fälle es sich handelte, wurde nicht bekannt. Stellungnahmen der Hersteller lagen zunächst nicht vor.

Angesichts der sinkenden Impfbereitschaft verzichtet Deutschland auf zwei Millionen Dosen des hochwirksamen Moderna-Impfstoffs, wie heute noch bekannt wurde.

Endlich schafft auch der DAX ein Rekordhoch

Lange hat sich der deutsche Leitindex DAX geziert, sein bisheriges Rekordhoch bei 15.810 Punkten zu überwinden, am Nachmittag hatte er es dann im Gefolge neuer US-Preisdaten aber endlich geschafft. Nach zunächst nervösem Beginn schloss der DAX so hoch wie noch nie bei 15.826 Punkten, ein Zuwachs von 0,35 Prozent.

In der Spitze stieg er sogar bis auf eine neue Bestmarke von 15.887 Punkten, ein Zuwachs von rund 0,7 Prozent. Der MDAX der mittelgroßen Werte sank hingegen um 0,25 Prozent auf 35.760 Punkte. Er hatte am Vortag einen Rekord erreicht.

Neben dem Blick in die USA stand für die heimischen Anleger der Fortgang der Berichtssaison für das zweite Quartal auf der Agenda. Neben DAX-Mitglied E.ON haben heute auch eine Reihe von Unternehmen aus der zweiten Reihe ihre Bücher geöffnet. Spitzenreiter im DAX waren Münchener Rück, wo die guten Zahlen vom Vortag noch nachwirkten.

Euro erholt sich, Bitcoin steigt weiter

Am Devisenmarkt legt der Euro nach den Preisdaten zu und wird im US-Handel bei 1,1741 Dollar knapp 0,2 Prozent höher gehandelt. US-Zinsängste hatten die Gemeinschaftswährung zuletzt unter Druck gesetzt und bis knapp an die Marke von 1,17 Dollar fallen lassen. Die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1718 (Dienstag: 1,1722) US-Dollar fest.

Aufwärts geht es auch bei den Kryptowährungen. Der Bitcoin hielt sich bei Preisen von über 46.000 Dollar auf hohem Niveau. Eine Einheit von Ethereum kostete rund 3200 Dollar.

Inflation in Deutschland auf 30-Jahres-Hoch

Die deutschen Verbraucherpreise kletterten im Juli um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Rückkehr zur alten Mehrwertsteuerhöhe, teure Energie und Engpässe bei etlichen Waren waren dafür verantwortlich. Eine höhere Teuerungsrate gab es zuletzt im Dezember 1993 mit 4,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen gehen gleichwohl davon aus, dass sich der Preisauftrieb in den kommenden Monaten wieder abschwächt.

E.ON will mehr Gewinn

Keine nennenswerte Kursbewegung gab es bei der Aktie des Energiekonzerns E.ON. Das DAX-Unternehmen hat nach Zuwächsen im ersten Halbjahr seine Prognose erhöht. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg in den ersten sechs Monaten 2021 unter anderen dank eines höheren Gasabsatzes um 45 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Nun wird ein bereinigtes Ebit im Bereich von 4,4 bis 4,6 Milliarden Euro und ein bereinigter Konzernüberschuss in Höhe von 2,2 bis 2,4 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2021 erwartet.

CO2-Kosten belasten Uniper

Die ehemalige E.ON-Tochter Uniper hat im ersten Halbjahr weniger verdient. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei auf 580 Millionen von zuvor 680 Millionen Euro geschrumpft, teilten die Düsseldorfer heute mit. Belastend hätten sich unter anderem höhere Rückstellungen für den Erwerb von Verschmutzungsrechten ausgewirkt. Der Konzern bestätigte aber seinen Ausblick für das bereinigte Ebit für das Geschäftsjahr 2021 von 800 bis zu 1,05 Milliarden Euro.

Thyssenkrupp-Aktie immer tiefer

Im MDAX rutschte die Aktie des Industrie- und Stahlkonzerns Thyssenkrupp deutlich ab und war größter Verlierer. Die Erwartungen an den Industriekonzern seien nicht hoch gewesen, aber die Kürzung des Ziels für den freien Mittelzufluss belaste den Kurs, sagte ein Marktteilnehmer. Thyssenkrupp hat seine Erholung auch im dritten Geschäftsquartal fortgesetzt. Ergebnis, Umsatz und Auftragseingang verbesserten sich im Vergleich zum pandemiebedingt schwachen Vorjahreszeitraum spürbar. So wurden zwischen April und Ende Juni die Auftragseingänge mit 8,8 Milliarden Euro fast verdoppelt. Der Umsatz nahm um 51 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro zu.

Lanxess setzt Vorgaben hoch

Im abgelaufenen zweiten Quartal steigerte der Spezialchemiekonzern Lanxess bei einem Umsatzplus von gut einem Viertel auf 1,83 Milliarden Euro das operative Ergebnis im Vergleich zum coronabelasteten Vorjahreszeitraum um knapp ein Viertel auf 277 Millionen Euro. Gute Geschäfte mit der Autoindustrie sowie mit Stoffen rund um Materialschutz, Desinfektionsmittel und Wasseraufbereitung stimmen den Chemiekonzern Lanxess optimistischer für 2021.

Talanx trotzt Katastrophen

Der Versicherungskonzern kann trotz teurer Schäden aus der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands sein Gewinnziel nach oben schrauben. Die Überschwemmungen verursachten Schäden von brutto 600 Millionen Euro, zwei Drittel davon entfielen auf die Rückversicherungstochter Hannover Rück, erklärte Talanx in Hannover. Trotzdem erwartet der Versicherer 2021 nun einen Nettogewinn von 900 bis 950 Millionen Euro; bisher galten 900 Millionen Euro als Obergrenze. Auch die Bruttoprämien dürften schneller wachsen als gedacht.

Jenoptik hofft auf zweites Halbjahr

Der Technologiekonzern hat im zweiten Quartal Umsatz und Gewinn gesteigert. Der Umsatz legte um 29,6 Prozent zu auf 213 Millionen Euro, wie das Unternehmen mitteilte. Das operative Ergebnis (Ebitda) konnte sich mehr als verdoppeln auf 53,7 Millionen Euro. "Auf der Basis der sehr guten Ergebnisse und in Erwartung eines starken zweiten Halbjahres sind wir auf gutem Weg, die jüngst angehobenen Ziele für 2021 zu erreichen", sagte Jenoptik-Chef Stefan Traeger.

Freenet hebt den Ausblick an

Der Mobilfunkanbieter ist nach regeren Geschäften durch eine Entspannung in der Corona-Krise zuversichtlicher und hebt den Ausblick an. Es werde nun mit einem Betriebsgewinn (Ebitda) zwischen 430 und 445 (bisher 415 bis 435) Millionen Euro gerechnet, teilte das Unternehmen aus Büdelsdorf mit.

Rund lief es zuletzt vor allem im Segment TV und Medien, wo Freenet von einem Kundenzustrom bei seinem Internetfernsehangebot waipu.tv profitierte. Auch dank Kosteneinsparungen legte das Ebitda in der ersten Jahreshälfte um 3,9 Prozent auf 222,3 Millionen Euro zu. Der Umsatz hingegen litt unter den Covid-19-bedingten Schließungen der mobilcom-debitel-Läden wie auch der Gravis-Stores und fiel um 2,5 Prozent auf knapp 1,24 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet der größte Mobilfunkanbieter in Deutschland ohne eigenes Netz weiterhin eine stabile Umsatzentwicklung.

Ceconomy wagt eine Prognose

Für das Geschäftsjahr 2020/21 (Ende September) erwartet die Konzernmutter der Elektronikketten Media Markt und Saturn einen leichten bis moderaten währungsbereinigten Anstieg des Gesamtumsatzes, wie Ceconomy am Mittwochabend mitteilte. Im Vorjahr hatte der Konzern rund 20,8 Milliarden Euro erlöst. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern rechnet das Management nun mit 210 bis 250 Millionen Euro Gewinn nach 236 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Die Unsicherheiten bezüglich der weiteren Pandemieentwicklung blieben angesichts der schwankungsanfälligen Vorgaben und Regeln bestehen, hieß es von Ceconomy.

Paukenschlag bei Bilfinger

Der Industriedienstleister will sein Überschusskapital für eine vorzeitige Schuldentilgung einsetzen. Rund 109 Millionen Euro werden für die vorzeitige Ablösung der ausstehenden Tranchen der Schuldscheindarlehen im Oktober 2021 statt im April 2022 verwendet, was zu Zinseinsparungen von drei Millionen Euro pro Jahr führt, wie das im SDAX notierte Tradtionsunternehmen mitteilt.

Zudem wollten Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 eine Sonderdividende von 3,75 Euro je Aktie vorschlagen, das heißt eine Ausschüttung an die Aktionäre von rund 150 Millionen Euro. Diese erfolge zusätzlich zur regulären Dividende für 2021. Außerdem wollten Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung 2022 vorschlagen, eine neue Ermächtigung zum Aktienrückkauf im Volumen von maximal zehn Prozent zu erteilen. Bilfinger plane überdies, mehrere hundert Millionen Euro in organisches Wachstum und ergänzende Akquisitionen zu investieren.

Lenovo mit Spitzen-Marge

Die hohe Nachfrage in der coronabedingten Homeoffice-Ära hat dem weltgrößten Computerhersteller zu einem Gewinnsprung verholfen. Im ersten Geschäftsquartal von April bis Juni stieg der Gewinn um mehr als das Doppelte auf 466 Millionen Dollar. Der Umsatz legte um 27 Prozent auf 16,9 Milliarden Dollar zu. Damit kam Lenovo auf eine Marge von 2,8 Prozent - nach eigenen Angaben eine der höchsten seit Jahren. Die Aktie kletterte nach Bekanntgabe der Quartalszahlen um fast zehn Prozent.

Coinbase schafft fast 5000 Prozent Gewinnplus

Coinbase, die größte US-Handelsplattform für Cyber-Währungen wie Bitcoin, hat im zweiten Quartal trotz des vorerst jähen Endes der Rekordjagd am Kryptomarkt prächtig verdient. In den drei Monaten bis Ende Juni schoss der Gewinn im Jahresvergleich um rund 4900 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar in die Höhe. Die Erlöse wuchsen um über 1000 Prozent auf zwei Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete der BR24 Börsenticker am 11. August 2021 um 15:00 Uhr.