Wall Street New York
Marktbericht

Dow im Aufwind Wall Street in gespannter Erwartung

Stand: 30.06.2021 22:36 Uhr

An der Wall Street ging das Wechselspiel zwischen Standard- und Technologieaktien heute weiter. Der Dow legte zu, die Nasdaq eine Pause ein. Die Anleger warten derweil auf Neues vom Arbeitsmarkt.

Standardwerte waren heute an der Wall Street gefragt, die zuletzt so erfolgsverwöhnten Technologieaktien konsolidierten hingegen auf hohem Niveau. Die Nasdaq schloss zwar insgesamt leicht im Minus, bleibt aber auf Rekordniveau. Der Auswahlindex Nasdaq 100, der bei 14.454 Punkten um 0,12 Prozent leichter schloss, markierte bei 14.582 Punkten im frühen Geschäft noch ein weiteres Rekordhoch. Der Composite-Index ging bei 14.504 Punkten aus dem Handel, ein leichter Abschlag von 0,17 Prozent.

Fünftes Rekordhoch in Serie für den S&P-500

Der Leitindex Dow Jones behauptete sich fast den ganzen Tag im Plus und schloss bei 34.502 Punkten um 0,61 Prozent höher. Nachdem der Dow zuletzt mit der Hausse der Technologieaktien nicht mithalten konnte, holte er heute etwas auf. Der marktbreite S&P-500-Index schaffte es ganz kurz vor Handelsschluss noch, das fünfte Rekordhoch hintereinander zu erzielen bei 4302,90 Punkten. Der Index schloss bei 4297 Punkten nur knapp darunter und 0,12 Prozent höher.

Blitzsaubere Aktienbilanz

Auch wenn der letzte Tag des ersten Halbjahres an der Street heute durchwachsen ausfiel, fällt der Rückblick auf das erste Halbjahr beeindruckend aus. Aktien waren die eindeutigen Favoriten der Anleger. Der Aufschwung wurde hauptsächlich von der Aussicht auf einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung nach der Krise, gepaart mit hoher Liquidität der Notenbank erreicht.

Der Dow Jones legte im ersten Halbjahr immerhin 12,7 Prozent zu, die Technologiebörse Nasdaq stieg um 12,5 Prozent. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index, der maßgeblich für die Erfolgsmessung institutioneller Anleger ist, rückte sogar um 14,4 Prozent vor. Es ist ist die beste Halbjahresbilanz seit über 20 Jahren.

US-Arbeitsmarktdaten werden mit Spannung erwartet

Investoren wollten sich aber wegen der am Freitag anstehenden Arbeitsmarktdaten mit neuen Engagements am Aktienmarkt nicht zu sehr vorwagen. Dort hat sich der Stellenaufbau in der Privatwirtschaft deutlich abgeschwächt.

Konkret seien im Juni im Monatsvergleich 692.000 Beschäftigte hinzugekommen, teilte der Arbeitsmarktdienstleister ADP in Washington mit. Analysten waren im Schnitt von einem noch stärkeren Dämpfer ausgegangen auf einen Zuwachs von 600.000 neue Stellen. Im Monat zuvor waren revidiert 886.000 Stellen (bisher 978.000) geschaffen worden. Die ADP-Zahlen gelten als Indikator für die offiziellen Arbeitsmarktdaten am Freitag.

Die offiziellen Daten am Freitag waren in den vergangenen beiden Monaten hinter den Erwartungen zurückgeblieben. "Eine dritte Enttäuschung würde die Tatsache untermauern, dass die wirtschaftliche Erholung an Dynamik verliert", sagte John Brady, Manager beim Brokerhaus R.J. O'Brien & Associates.

Weitere Makrodaten uneinheitlich

Im Juni trübte sich das Geschäftsklima in der Region Chicago derweil überraschend stark ein. Der US-Häusermarkt entwickelte sich dagegen im Mai weiter robust: Die noch nicht ganz abgeschlossenen Hausverkäufe stiegen kräftig. "Zum einen negativ, zum anderen positiv überraschend, aber sie scheinen nicht repräsentativ zu sein für die breitere Wirtschaft", schrieb Volkswirt Ian Shepherdson von Pantheon Macroeconomics über die beiden letztgenannten Wirtschaftsindikatoren.

Unter den Einzelwerten fielen Nvidia mit einem weiteren Rekordhoch bei knapp über 800 Dollar auf. Auch die Rüstungsaktien Lockheed und Ratheon legten nach einem Großauftrag aus der Schweiz zu. Die Schweiz will 36 Kampfjets vom Typ Lockheed Martin F35-A sowie zur bodengestützten Luftabwehr das Raketensystem Patriot des Herstellers Raytheon anschaffen. Der Kaufpreis für beide Systeme beträgt gut sieben Milliarden Franken (6,4 Milliarden Euro).

DAX im Rückwärtsgang

Der DAX hat die Gewinne des Vortages heute wieder abgegeben und tut sich damit weiter schwer, den steigenden US-Märkten zu folgen. Am Ende des Tages gab der deutsche Leitindex 1,02 Prozent ab und schloss bei 15.531 Punkten. Der Index bleibt damit zwar in seiner Bandbreite zwischen 15.500 und 15.800 Punkten. Für neue Rekorde wie in den USA fehlt aber weiter der Schwung, so dass sich die derzeitige Hängepartie fortsetzen dürfte. Im Tagestief war der Index bei 15.461 Zählern schon unter die auch charttechnisch wichtige Unterstützungsmarke von 15.500 Punkten gefallen, konnte diese aber auf Schlusskursbasis behaupten.

Trotzdem kann sich die Bilanz des deutschen Leitindex in diesem Jahr bisher sehen lassen. Für den Monat Juni ergibt sich ein Plus von 0,7 Prozent. Im nun beendeten zweiten Quartal verbuchte der Leitindex einen Zuwachs von 3,5 Prozent. Erst recht sehen lassen kann sich die Bilanz für die ersten sechs Monate 2021 mit einem Gewinn von 13,2 Prozent.

Corona ist wieder zurück

Zum Ende des ersten Halbjahres gingen einige Anleger aber auf Nummer sicher und machten heute Kasse. "Die kurzfristigen Effekte der Inflation scheinen unter Kontrolle und in den Kursen enthalten", sagte Volkswirt Bert Colijn von der ING Bank. "Aber es bleibt Unsicherheit wegen der neuen Coronavirus-Variante und ihres Einflusses auf die wirtschaftliche Erholung."

Kaum Gewinner im DAX

Fast alle DAX-Mitglieder schlossen im minus, lediglich die beiden Fresenius-Aktien (die gestern gegen den Trend verloren hatten), Merck und MTU lagen leicht im Plus. Die Abschläge fielen deutlich höher aus mit Siemens Energy am Index-Ende mit minus 3,2 Prozent. Gestern hatte die Siemens-Abspaltung die Kursliste noch angeführt. Auch Continental, Delivery Hero und VW gehörten zu den größten Verlierern.

Euro schwächelt und bleibt unter 1,19 Dollar

Bei Kursen von derzeit 1,1851 Dollar fällt der Euro im US-Handel weiter zurück. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1884 (Dienstag: 1,1888) Dollar fest.

Die Verunsicherung der Anleger wegen der ansteckenderen Delta-Variante des Coronavirus ist weiterhin spürbar. Nur für kurze Beruhigung sorgte die Nachricht vom Dienstag, wonach der Moderna-Impfstoff nach Unternehmensangaben auch eine Immunantwort gegen die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante anregt.

Ansonsten beschäftigte sich der Markt mit den jüngsten Inflationsdaten aus Europa. So trieb in Frankreich ein kräftiger Anstieg der Energiepreise die Inflation weiter an. In Italien erreichte die Steigerungsrate der Lebenshaltungskosten im Juni den höchsten Stand seit 2018. In der Eurozone aber sank die Inflationsrate im Juni leicht.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, sprach von einer "Ruhe vor dem Sturm". Der Teuerungsanstieg sei noch nicht beendet. Die vorübergehende Mehrwertsteuerreduktion in Deutschland im zweiten Halbjahr 2020 schlägt sich Gitzel zufolge ab der Jahresmitte deutlich in der Teuerungsrate des gemeinsamen Währungsraums nieder. Dieser Effekt allerdings laufe zum 1. Januar 2022 aus. Im kommenden Jahr sei der Inflationsspuk dann wohl vorbei.

DIW sieht Wachstum - und Sand im Getriebe

Die deutsche Wirtschaft wächst derzeit kräftig, hat das DIW-Institut festgestellt. Von April bis Juni dürfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 2,5 Prozent zum Vorquartal steigen, sagten die Forscher heute voraus. Mit zunehmender Eindämmung des Infektionsgeschehens kehrten immer mehr vom Lockdown lange betroffene Dienstleister zur Normalität zurück. "Virusmutationen und eine möglicherweise noch nicht ausreichende Impfquote drohen stellenweise aber immer wieder Sand ins Getriebe zu streuen", warnte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen.

Inflation im Euroraum schwächt sich ab

Die Lebenshaltungskosten in der Eurozone nahmen binnen Jahresfrist um 1,9 Prozent zu, wie die Statistikbehörde Eurostat in einer ersten Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten mit dieser Rate gerechnet. Noch im Mai waren die Verbraucherpreise um 2,0 Prozent gestiegen, was die höchste Teuerungsrate seit Herbst 2018 war. Wie schon im Vormonat wurde die Inflation im Juni vor allem durch die Energiepreise angetrieben. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft eine Teuerung knapp unter zwei Prozent an.

Öl wird immer teurer

Weiter nach oben ging es mit den Ölpreisen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent koste am Abend 0,7 Prozent mehr als gestern, die US-Leichtölsorte WTI legte 1,1 Prozent zu. Kurz vor einer geplanten Videokonferenz von Vertretern der Opec+ zur Förderpolitik des Ölverbunds zeichnen sich schwierige Gespräche ab. Zuletzt war am Markt eine Anhebung der Fördermenge im August erwartet worden.

VW-Aktie fällt durch

Verluste von bis zu vier Prozent müssen die Vorzugsaktien hinnehmen, die am Ende über zwei Prozent schwächer schlossen. Volkswagen hat in einem US-Rechtsstreit um mögliche weitere hohe Bußgelder im "Dieselgate"-Skandal eine empfindliche Niederlage erlitten. Das Oberste Gericht von Ohio entschied am Dienstag, dass der Bundesstaat Sanktionen wegen systematischer Abgasmanipulation gegen den Autobauer verfolgen kann, die über die bereits auf US-Bundesebene vereinbarten Strafen hinausgehen. "Der gesamte Autosektor ist wegen Gewinnmitnahmen unter Druck und allen voran VW", sagt ein Händler.

Daimler erwartet "moderate" Nachfrage nach E-LKW

Hohe Preise für die Elektro-Brummis des Lkw-Herstellers dürften die Nachfrage nach den Fahrzeugen noch nicht ausufern lassen. Der Elektro-Lastwagen eActros kostet etwa drei Mal so viel wie ein vergleichbares Modell mit konventionellem Antrieb, so der Marketing- und Vertriebschef von Mercedes-Benz Lkw, Andreas von Wallfeld, heute zur Vorstellung des Serienmodells.

Syngenta plant Milliardenbörsengang in Shanghai

Der Agrochemiekonzern wird Insidern zufolge im Verlauf des Tages den Prospekt für den geplanten Börsengang in China veröffentlichen. Damit wäre eine Notierung an der Technologiebörse STAR Market in Shanghai noch vor Jahresende möglich. Damit könnte der Besitzer von Syngenta, der Staatskonzern ChemChina, mit dem Börsengang rund 65 Milliarden Yuan oder umgerechnet zehn Milliarden Dollar erlösen. Die Syngenta Group, bestehend aus der Schweizer Syngenta AG, Adama aus Israel sowie den landwirtschaftlichen Aktivitäten der chinesischen Sinochem, sieht sich als Weltmarktführer im Bereich Pflanzenschutz und als Nummer drei im Bereich Saatgut.

Hensoldt beflügelt

Papiere des Rüstungskonzerns Hensoldt steigen auf den höchsten Stand seit Ende April. In der Spitze legte der Kurs um gut drei Prozent auf 15,08 Euro zu. Hensoldt hat nach eigenen Angaben einen Auftrag der Bundeswehr erhalten. Hierbei handelt es sich um Zulieferungen für das Projekt Pegasus zur signalerfassenden Aufklärung aus der Luft. Laut Bundesverteidigungsministerium hat das Projekt ein Gesamtvolumen von gut 1,5 Milliarden Euro, das sich auf viele Unternehmen verteilt.

Noch ein Großauftrag für Nordex und Kapitalerhöhung

Nordex hat erneut in Brasilien einen Großauftrag an Land gezogen und wird 70 Anlagen mit einer Gesamtkapazität von über 399 Megawatt (MW) für einen Windpark im Nordosten des Landes liefern. Baubeginn ist Anfang 2023. Vor einer Woche hatte Nordex einen Auftrag aus Brasilien über 55 Turbinen mit einer Kapazität von 313,5 MW bekanntgegeben.

Am späten Abend gab das Unternehmen aus dem MDAX noch eine Kapitalerhöhung beklannt. Nordex will insgesamt über eine Bezugsrechtsemission knapp 42,7 Millionen neue Aktien für je 13,70 Euro aus genehmigtem Kapital ausgeben. Mit dem Eröso von 584,6 Millionen Euro Geld will Nordex die Kasse und die Bilanz aufbessern und künftiges Wachstum finanzieren. Das Unternehmen war zuletzt wegen der Corona-Krise in die roten Zahlen gerutscht. Nachbörslich sackte es auf der Handelsplattform Tradegate nach dem Bekanntwerden der Kapitalerhöhung um 7,5 Prozent ab.

Großaktionär Acciona mit seinem Anteil von rund einem Drittel und die Beteiligungsgesellschaft Skion (4,3 Prozent) wollen ihre Bezugsrechte dem Unternehmen zufolge ausüben. Die Kapitalerhöhung soll aus einer Barkomponente von brutto 388 Millionen Euro bestehen sowie einer Sacheinlage des Großaktionärs Acciona über rund 196,6 Millionen Euro, mit der Darlehensforderungen gegen die Gesellschaft eingebracht werden. Aktionäre können für je elf Bestandsaktien vier neue Aktien erwerben.

Grenke will BaFin-Bericht nicht veröffentlichen

Der Leasingspezialist Grenke aus dem SDAX will den Abschlussbericht der Finanzaufsicht BaFin zur Sonderprüfung durch die Behörde nicht veröffentlichen. "In dem sehr umfänglichen Bericht der von der BaFin beauftragten Wirtschaftsprüfungskanzlei Mazars werden Kundenklarnamen genannt und detailliert aufgezeigt, mit welchen Scoring-Prozessen wir Kunden prüfen", so Aufsichtsratschef Ernst-Moritz Lipp gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zur Begründung. Grenke hatte ein Zwischenergebnis der Sonderprüfung bereits im Februar veröffentlicht und sah sich darin großteils entlastet.

Didi kommen zu 16,65 Dollar

Der chinesische Fahrdienst-Vermittler Didi wird bei seinem Debüt an der New Yorker Börse mit 80 Milliarden Dollar bewertet. Der erste Kurs der zu 14 Dollar ausgegebenen Hinterlegungsscheine (ADS) wurde am Mittwoch mit 16,65 Dollar festgestellt. Das sind 19 Prozent mehr als der Ausgabepreis von 14 Dollar, der bereits am oberen Ende der Preisspanne gelegen hatte.

Zum Vergleich: Der US-Rivale Uber ist an der Börse 95 Milliarden Dollar wert. Didi hatte die Emission wegen der hohen Nachfrage um zehn Prozent auf 316,8 Millionen Papiere aufgestockt und insgesamt 4,4 Milliarden Dollar erlöst. Didi ist der größte Börsengang eines chinesischen Konzerns in den USA seit sieben Jahren. Damals erlöste der Online-Riese Alibaba 25 Milliarden Dollar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juni 2021 um 12:00 sowie um 17.00 Uhr.