Nasdaq Leuchtreklame
Marktbericht

Weitere Rekorde Tech-Aktien bleiben im Fokus

Stand: 23.06.2021 22:31 Uhr

Bei ruhigem Geschäft schnaufte die Wall Street heute durch. Abflauende Zinsängste kommen allerdings den Technologieaktien zugute. Die Nasdaq bleibt auf Rekordjagd.

Nach der hohen Volatiliät der vergangenen Handelstage ging es heute an der New Yorker Weltleitbörse ruhiger zu. Die Anleger schnauften durch, nachdem Notenbankchef Jerome Powell gestern Inflationssorgen der Märkte dämpfte. Er war insbesondere bei seiner Haltung geblieben, dass höhere Inflationsraten sich wieder zurückbilden würden und einer "ungewöhnlichen Situation" in der abklingenden Pandemie geschuldet seien. Damit scheint die Börse vorerst zufrieden zu sein.

Die großen US-Indizes behaupteten daraufhin heute ihr hohes Niveau, die Schwankungen waren aber insgesamt gering. Im frühen Geschäft standen Technologieaktien im Blick, die von nachlassenden Zinssorgen besonders profitieren und umgekehrt. Sowohl der Nasdaq-Composite-Index bei 14.317 als auch der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 14.324 Punkten erreichten im Handelsverlauf weitere Rekordstände. Sie konnten das Niveau aber nicht halten, am Ende schloss der Composite-Index bei 14.271 Punkten um 0,13 Prozent höher. Der Nasdaq 100 ging bei 14.274 Punkten aus dem Handel, ein Miniplus von 0,03 Prozent.

"Die Sorgen vor in absehbarer Zeit steigenden Zinsen flauen wieder ab", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Profiteur dieser Entwicklung sind einmal mehr die Technologieaktien." Eine steigende Inflation und höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen.

Der Leitindex Dow Jones konsolidierte heute ebenso wie der breiter aufgestellte S&P-500-Index. Der Dow beendete den Handelstag letztlich bei 33.874 Punkten leicht um 0,21 Prozent im Minus, der S&P gab 0,11 Prozent nach auf 4241 Punkte.

Buffett spendet 4,1 Milliarden Dollar

Unter den US-Einzelwerten geben Microsoft leicht nach. Gestern hatte die Börse das Unternehmen erstmals mit mehr als zwei Billionen Dollar bewertet. Im Fokus steht heute aber die von Firmen-Mitbegründer Bill Gates und seiner Frau Melinda ins Leben gerufene Bill and Melinda Gates Foundation (BMG).

Wie Großinvestor und Anlagelegende Warren Buffett erklärte, verlässt er den BMG-Stiftungsrat und wird Berkshire Hathaway-Aktien im Wert von 4,1 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke spenden. "Meine Ziele stimmen zu 100 Prozent mit denen der Stiftung überein, aber meine physische Teilnahme ist in keiner Weise notwendig, um diese Ziele zu erreichen", erklärte Buffett, der seit langem mit Bill Gates befreundet ist.

Gates und seine Frau Melinda gaben vor etwa einem Monat ihre Scheidung nach 27 Jahren Ehe bekannt, haben jedoch versprochen, ihre philanthropische Arbeit gemeinsam fortzusetzen. Die BMG engagiert sich unter anderem im Kampf gegen Krankheiten.

DAX nach Gewinnmitnahmen im Minus

Dreimal hintereinander, das war dann wohl doch zu viel. Der DAX, der sowohl gestern als auch vorgestern im späten Geschäft von einer anziehenden Wall Street ins Plus gehoben worden war, fiel heute mit der lustlosen US-Tendenz zurück. Er gab damit die Gewinne der Vortage wieder ab. Am Ende des Tages schloss der Index bei 15.456 Punkten um 1,2 Prozent schwächer und fiel auch unter die technische Unterstützung um 15.500 Punkte.

Inflation bleibt das Thema Nummer Eins

Übergeordnet gibt es weiter nur das Inflationsthema an der Börse - und damit verbunden die Sorgen vor einer schärferen Gangart der Notenbanken.

"Konjunkturdaten spielen keine Rolle", sagte Aktienhändler Keith Temperton vom Brokerhaus Forte Securities. "Die einzigen Daten, die wichtig sind, sind die zur Inflation. Es geht nur darum, dass die Zentralbanken den Zuckerrausch am Markt füttern, und das wird nicht so schnell enden, denn wenn es das tut, wird alles zusammenbrechen."

Notenbanken bleiben abwartend

In der Tat haben weder die Federal Reserve und schon gar nicht die EZB unmittelbare Straffungen angekündigt. In den USA deutet sich bestenfalls ein ganz vorsichtiger Einstieg in den Ausstieg an, und in Europa findet das Thema trotz ebenfalls steigender Preisdaten schlicht nicht statt. Monetärer Gegenwind für die Märkte sieht jedenfalls anders aus. "Bemerkenswert ist, dass die Notenbanken hinreichend gelassen bleiben bezüglich der Inflationsperspektiven", sagte der Chefvolkswirt der DekaBank, Ulrich Kater.

Euro-Wirtschaft gut in Schwung

Lockerungen nach den Corona-Lockdown sorgen in der Wirtschaft der Eurozone für das kräftigste Wachstum seit 15 Jahren. Der Einkaufsmanagerindex, der Industrie und Dienstleister zusammenfasst, kletterte im Juni unerwartet deutlich um 2,1 auf 59,2 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Mittwoch zu seiner monatlichen Umfrage unter Tausenden Unternehmen mitteilte. Das Barometer signalisiert ab 50 Punkten Wachstum.

"Angesichts der rasanten Nachfrage boomt die Eurozone wie seit 15 Jahren nicht mehr", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Was auch ein zweischneidiges Schwert sein könnte: Da viele Unternehmen aber Schwierigkeiten hätten, die Nachfrage zu bedienen, sei ein wachsender Preisdruck unvermeidlich, warnte Williamson weiter.

Euro stabilisiert sich

Die Gemeinschaftswährung profitiert von den starken Stimmungsdaten. Der Euro kostet im US-Handel 1,1936 Dollar und damit etwas weniger als in Europa. Er bleibt weiter unter der Marke von 1,20 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1951 (Dienstag: 1,1894) US-Dollar fest.

"Die Konjunktur im Euroraum startet durch", kommentierte Experte Christoph Weil von der Commerzbank die Daten. Dank der Lockerungen der Corona-Beschränkungen habe die Wirtschaft "spürbar an Fahrt aufgenommen". Fundamentalen Gegenwind für den US-Dollar gab es dann am Nachmittag nach schwächer als erwartet ausgefallenen neuen Wirtschaftsdaten.

US-Konjunktur verliert im Juni an Dynamik

Die von der Corona-Krise gut erholte US-Wirtschaft hat im Juni ihre Schlagzahl verringert. Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Dienstleister und Industrie zusammen - fiel um 4,8 auf 63,9 Punkte, wie das Institut IHS Markit am Mittwoch zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Das Barometer hielt sich aber weit über der Marke von 50, ab der es ein Wachstum signalisiert. In der Industrie allein liefen die Geschäfte so gut wie noch nie, während sie bei den Dienstleistern an Schwung verloren.

Das Barometer deute "auf ein weiteres beeindruckendes Wachstum der US-Wirtschaft im Juni hin und rundet damit einen beispiellosen Wachstumsschub im zweiten Quartal als Ganzes ab", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson. Dass sich der Aufschwung zuletzt etwas verlangsamt habe, liege an Kapazitätsengpässen. Dadurch könnten die Unternehmen die Nachfrage nicht in vollem Umfang bewältigen.

Die Verkäufe neuer Häuser sind in den USA derweil erneut stark gefallen. Die Neubauverkäufe sanken im Mai im Monatsvergleich um 5,9 Prozent, wie das Handelsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Es war der zweite Rückgang in Folge. Analysten wurden von der Entwicklung überrascht. Sie hatten im Mittel einen leichten Anstieg um 0,2 Prozent erwartet.

Ölpreis nicht zu stoppen

Getrieben von der Hoffnung auf wirtschaftliche Nachholeffekte nach der Pandemie ist der Anstieg der Ölpreise derzeit nicht zu stoppen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostet über 75 US-Dollar. Die Ölpreise bewegen sich damit weiter in der Nähe ihrer mehrjährigen Höchststände. Experten soagr halten Preise von 100 Dollar je Fass für möglich. Auftrieb erhielten die Preise zuletzt durch neue Vorratsdaten aus den USA. Das American Petroleum Institute (API) meldete am Dienstagabend einen neuerlichen deutlichen Rückgang der landesweiten Rohölbestände.

Münchener-Rück-Aktie vor der Hurrikan-Saison

Aktien des Rückversicherers Münchner Rück gehören im DAX zu den größten Kursverlierern. Analysten der Citigroup haben die Titel von ihrer europäischen Empfehlungsliste gestrichen, auch wenn sie ihr grundsätzlich positives Anlageurteil bestätigten. Die Experten gehen aber zunächst vorsichtig in die Hurrikan-Saison und wollen offenbar abwarten, ob Großschäden die Gewinnausbeute des Unternehmen belasten.

Bayer weiter unter Druck

Die Bayer-Aktie leidet weiterhin unter einer neuen Klage wegen des Unkrautvernichters Glyphosat in den USA. Gute Nachrichten kamen aus der Medikamenten-Pipeline des Konzerns. Bayer darf sein Herzmedikament Verquvo in Japan verkaufen. Das japanische Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Soziales habe das Mittel Vericiguat (Markenname Verquvo) zur Behandlung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz zugelassen.

Vonovia setzt Frist für Übernahme

Von Mittwoch an haben die Aktionäre von Deutsche Wochen vier Wochen Zeit, das Übernahmeangebot von Vonovia anzunehmen. Die Frist läuft bis zum 21. Juli (24 Uhr), das teile Vonovia am Morgen mit. Bis dahin muss Vonovia auf mehr als 50 Prozent der Anteile kommen, fast 22 Prozent hat sich Vonovia Stimmrechtsmitteilungen zufolge bereits im Vorfeld gesichert. Das Angebot liegt bei rund 18 Milliarden Euro, die Aktionäre von Deutsche Wohnen sollen 52 Euro je Aktie erhalten. Der Deutsche-Wohnen-Vorstand um Michael Zahn hat sich hinter die Offerte gestellt.

Siemens und Biontech expandieren in Singapur

Siemens wird Partner von Biontech beim Aufbau einer Impfstoffproduktion in Singapur. Man wolle die Zusammenarbeit beim schnellen Auf- und Ausbau von Kapazitäten intensivieren, teilte Siemens am Mittwoch mit. Der Münchner Konzern war bereits am schnellen Umbau einer Produktion in Marburg beteiligt.

"Jetzt wollen wir diesen Erfolg gemeinsam auf andere Fertigungsstätten übertragen – und so den Covid-19-Impfstoff möglichst schnell weltweit verfügbar machen", sagte Siemens-Vorstand Cedrik Neike. Biontech hatte bereits im Mai mitgeteilt, eine Produktion in Singapur aufbauen zu wollen. Sie soll demnach 2023 in Betrieb gehen und mehrere hundert Millionen Dosen im Jahr herstellen können - das kann, muss aber nicht Corona-Impfstoff sein.

Osram verlässt die Börse

Die österreichische Muttergesellschaft des Leuchtenherstellers, AMS, will die Osram-Aktie Ende des Monats von der Börse nehmen. Das Delisting in Frankfurt und München werde zum 30. Juni erwartet, teilte AMS mit. In einem damit verknüpften Delisting-Angebot hatte der österreichische Sensorikkonzern zuvor weitere 7,2 Prozent der Anteile am Münchner Traditionsunternehmen angeboten bekommen. Insgesamt hält AMS damit künftig 80,3 Prozent am Osram. AMS hatte Ende 2019 nach langem Ringen Erfolg mit einem Übernahmeangebot für Osram.

Pernod Ricard wächst wieder

Der französische Spirituosen-Hersteller Pernod Ricard blickt zuversichtlicher in die Zukunft. Der Vorstand hob seine Ziele für das Gewinnwachstum an und erwartet nun im Bilanzjahr 2020/21 ein Plus von 16 Prozent statt zehn Prozent. "Das Tempo der Erholung ist schneller als erwartet", hieß es. Die Nachfrage beschleunige sich, da die Beschränkungen schrittweise aufgehoben würden.

Electronic Arts kauft schon wieder zu

Der Computerspiele-Hersteller übernimmt den Handygames-Spezialisten Playdemic. Der Kaufpreis für den Entwickler des populären Handyspiels "Golf Clash" belaufe sich auf 1,4 Milliarden Dollar, wie Electronic Arts (EA) mitteilte. Bislang gehörte Playdemic der Firma Warner Bros Games, einer Einheit von WarnerMedia, die von AT&T ausgegliedert wird.

Der US-Videospieleentwickler befindet sich derzeit im Kaufrausch: Im Februar erwarb EA Glu Mobile für 2,4 Milliarden Dollar und im Dezember akquirierte es das britische Unternehmen Codemasters für 1,2 Milliarden Dollar. Die Nachfrage nach virtueller Unterhaltung ist in Corona-Zeiten in die Höhe geschossen - die Downloads von mobilen Spielen gingen nach dem Ausbruch der Pandemie in die Milliarden.

Cherry kommt zu 32 Euro am unteren Ende

der Tastaturhersteller Cherry muss sich bei seinem Börsengang mit einem Ausgabepreis im unteren Bereich der Spanne zufrieden geben. Dieser sei auf 32 Euro je Aktie festgelegt worden, teilte das Unternehmen am Mittwochabend in München mit. Die Spanne hatte bei 30 bis 38 Euro gelegen.

Die anfängliche Marktkapitalisierung des Unternehmens liege bei 778 Millionen Euro, hieß es weiter. Hier hatte Cherry im besten Fall fast eine Milliarde Euro erwartet. Der Bruttoemissionserlös inklusive Mehrzuteilungsoption beträgt 416 Millionen Euro. Cherry selbst erhält davon lediglich 138 Millionen Euro, der Rest geht an Altaktionäre. Der Streubesitz liege bei rund 53 Prozent. Erster Handelstag im Regulierten Markt (Prime Standard) an der Frankfurter Wertpapierbörse soll der 29. Juni sein.

Krispy Kreme ist börsenreif

Die zum Firmenimperium der deutschen Milliardärsfamilie Reimann gehörende US-Donutkette Krispy Kreme hofft auf Einnahmen von mehr als 600 Millionen Dollar bei ihrem anstehenden Börsengang. Am oberen Ende der Preisspanne von bis zu 24 Dollar pro Aktie würde die Bewertung von Krispy Kreme in Richtung der Marke von vier Milliarden Dollar gehen, wie aus einem aktualisierten Börsenprospekt am Dienstag hervorging. Die Anteilsscheine sollen an der Börse Nasdaq unter dem Kürzel "DNUT" notiert werden. Die Reimann-Investmentholding JAB hatte Krispy Kreme 2016 für rund 1,35 Milliarden Dollar gekauft und von der Börse genommen.

Über dieses Thema berichtete B5 Aktuell in der Börse am 23. Juni 2021 um 07:15 Uhr.