Wall Street New York
Marktbericht

Lustloser Handel Wall Street ohne klare Richtung

Stand: 25.05.2021 22:23 Uhr

An der Wall Street haben sich Bullen und Bären heute nahezu neutralisiert. Es gab Beruhigungspillen von der Notenbank, aber auch schwächere Wirtschaftsdaten. Die Indizes schlossen uneinheitlich.

An der New Yorker Aktienbörse konnten die führenden Indizes heute nicht an die Avancen zum Wochenstart anknüpfen und schlossen nach meist richtungslosem Handel wenig verändert. Dabei wechselten sie mehrfach ihre Vorzeichen. Der Leitindex Dow Jones ging bei 34.312 Punkten aus dem Handel, ein Tagesverlust von 0,24 Prozent. Auch der breiter aufgestellte S&P-500-Index verlor am Ende 0,2 Prozent bei 4188 Zählern.

Etwas besser hielt sich die Technologiebörse Nasdaq, die zur Eröffnung noch rund ein halbes Prozent im Plus gelegen hatte. Die Techwerte konnten die Gewinne dann aber auch nicht halten, der Composite-Index schloss bei 13.657 Punkten mit einem Mini-Minus von vier Punkten nahezu unverändert. Der Auswahlindex Nasdaq 100 ging hingegen leicht um 0,1 Prozent höher bei ebenfalls 13.657 Punkten aus dem Handel.

Zinshoffnungen und Konjunkturdämpfer

Die Stimmung sei verhalten optimistisch, sagte Randy Frederick, Manager beim Brokerhaus Charles Schwab. Mut machte Investoren unter anderem das erneute Bekenntnis der Fed zu ihrer ultra-lockeren Geldpolitik. Direktorin Lael Brainard wiederholte außerdem das Mantra der US-Notenbank, dass der aktuelle Inflationsanstieg vorübergehend sei. "Das ist allerdings ein Katz-und-Maus-Spiel", warnte Giles Coghlan, Chef-Devisenanalyst des Brokerhauses HYCM. "Irgendwann wird die Drosselung der Wertpapierkäufe kommen."

Ein Wermutstropfen war dann die überraschende Verschlechterung der US-Verbraucherstimmung. Das Verbrauchervertrauen fiel zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 117,2 Punkte, wie das private Marktforschungsinstitut Conference Board am Dienstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 118,8 Punkten gerechnet. Steigende Preise und eine immer noch hohe Arbeitslosigkeit könnten die Verbraucherstimmung laut Experten belastet haben.

Außerdem gingen wegen Engpässen bei Bauholz und anderen Materialien die Eigenheimverkäufe im April zurück. Gleichzeitig wurden die Zahlen für den Vormonat nach unten korrigiert. Der Preisanstieg bei Häusern hole das Thema Inflation wieder ins Bewusstsein zurück, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Moderna beantragt Impfstoffzulassung für zwölf bis 17-jährige

Nach dem deutschen Hersteller Biontech und seinem US-Partner Pfizer will auch das US-Unternehmen Moderna für seinen Corona-Impfstoff eine Zulassung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren beantragen. Der Impfstoff schütze auch Heranwachsende zwischen 12 und 17 Jahren zuverlässig vor einer Covid-19-Erkrankung, teilte der Hersteller am Dienstag mit.

Das gehe aus Ergebnissen einer Studie mit mehr als 3700 Teilnehmern aus dieser Altersgruppe hervor. Keiner von ihnen habe nach einer vollständigen Impfung eine Covid-19-Erkrankung entwickelt. Der Impfstoff sei gut vertragen worden. Noch sind die Ergebnisse aber weder von Experten begutachtet noch in einem Fachjournal veröffentlicht.

Anfang Juni will Moderna eigenen Angaben zufolge Ausweitungen seiner Notfallzulassungen weltweit für Kinder und Jugendliche beantragen. Zuvor war bereits der Impfstoff von Biontech/Pfizer in mehreren Ländern auch für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 15 Jahren zugelassen worden, auch die EU-Arzneimittelbehörde prüft derzeit einen entsprechenden Antrag.

Die Hälfte der erwachsenen Amerikaner ist geimpft

Derweil sind in den USA 50 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft, wie aus Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC heute hervorging. Mehr als 61 Prozent der Erwachsenen im Land haben demnach mindestens eine Impfdosis erhalten. In den Vereinigten Staaten wird neben den Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer, bei denen zwei Dosen gespritzt werden, auch der Impfstoff von Johnson & Johnson eingesetzt, der bereits nach einer Dosis seine volle Wirkung entfaltet.

DAX setzt neue Bestmarken

Der deutsche Leitindex DAX geht mit einem moderaten Aufschlag von 0,2 Prozent bei 15.465 Punkten unter Tageshoch aus dem Handel. Dabei konnte der Index anfänglich höhere Gewinne im Verlauf nicht verteidigen und folgte im späten Geschäft einer abbröckelnden Wall Street nach unten. Immerhin liegt das Schlusskursniveau aber so hoch wie noch nie. In der Tagesspitze am Vormittag wurde bei 15.568 Zählern ein Rekordhoch markiert. Was auch auf ein nicht alltägliches Übernahmeangebot aus dem Immobiliensektor zurückzuführen war.

Vonovia will Deutsche Wohnen kaufen

Denn der größte deutsche Immobilienkonzern Vonovia hat angekündigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot im Gesamtwert von rund 18 Milliarden Euro oder 53,03 Euro je Aktie für den Branchenzweiten Deutsche Wohnen abzugeben. Das entspreche einer Prämie von knapp 18 Prozent auf den Schlusskurs vom Freitag und von 25 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate, hieß es. Anders als bei den bisherigen Versuchen konnte sich Vonovia die Unterstützung des Managements der Deutsche Wohnen sichern.

Sollten die Kartellbehörden zustimmen, entstünde durch den Zusammenschluss der beiden DAX-Mitglieder Europas größter Konzern für Wohnimmobilien. Zusammen kommen die beiden einzigen Immobilienkonzerne auf mehr als 550.000 Wohnungen im Wert von mehr als 80 Milliarden Euro und einen Börsenwert von 48 Milliarden Euro. Während das Deutsche Wohnen-Papier mit einem Aufschlag von fast 16 Prozent als Tagessieger durchs Ziel ging, standen Vonovia-Papiere mit einem Minus von deutlich über fünf Prozent am Indexende.

ifo-Geschäftsklimaindex so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr

Aber es gab heute noch mehr, was die Anleger erfreute. Denn die Stimmung der Unternehmen in Deutschland hat sich unerwartet kräftig gebessert. Der vielbeachtete ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im Mai auf 99,2 Punkte von 96,6 Zählern im April und damit auf den höchsten Wert seit Mai 2019, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Dienstag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit 98,2 Punkten gerechnet. "Die deutsche Wirtschaft nimmt Fahrt auf", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.

"Tatsache ist, dass die berechtigten Aussichten auf sukzessive Rücknahmen des Lockdowns und die zurückgehenden Infektionszahlen zunehmend die deutsche Wirtschaft optimistischer stimmen. Aufholprozesse sind bei Einzelhandel, Gaststätten und Hotels zu erwarten", kommentierte Bernd Krampen von der der NordLB.

"Die Weichen sind auf Erholung und Aufschwung gestellt", sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Es geht nur noch darum, wie stark die Erholung ausfallen wird."

Der Dollar neigt zur Schwäche

Der Dollar schwächelte derweil heute weiter gegen den Euro und wird im US-Handel bei 1,2255 Dollar rund 0,3 Prozent gehandelt. Dies trotz ebenfalls schwächerer Konjunkturdaten aus Deutschland. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2264 (Montag: 1,2212) Dollar fest.

Deutsche Wirtschaft schrumpft stärker als erwartet

Während der Ifo-Index eher die mögliche Entwicklung in den kommenden sechs Monaten in Visier nimmt, ist die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal etwas stärker eingebrochen als zunächst berechnet. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für den Zeitraum von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um 1,8 Prozent. In seiner ersten Schätzung von Ende April hatte das Bundesamt einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,7 Prozent angegeben. 

Bitcoin sackt wieder ab - nervöse Anleger

Die Achterbahnfahrt am Markt für Kryptowährungen geht weiter. Nach der Erholungs-Rally am Montag geben Bitcoin und Ethereum heute erneut nach. Der Bitcoin wird aktuell knapp zwei Prozent schwächer gehandelt bei knapp 38.000 Dollar. "Das Auf und Ab unterstreicht die hohe Nervosität unter Marktteilnehmern", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. Chinas massives Vorgehen gegen die Kryptowährungsbranche habe Wirkung gezeigt. Mehrere Firmen kündigten zum Wochenanfang an, ihr Geschäft in der Volksrepublik einzustellen. "Die Katze ist damit offensichtlich aus dem Sack."

Hingegen habe Tesla-Chef Elon Musk erneut für einen Stimmungsaufheller gesorgt. Über Twitter teilte Musk gestern mit, sich mit führenden Bitcoin-Minern aus Nordamerika getroffen zu haben. Diese hätten sich dazu verpflichtet, ihre derzeitige und geplante Nutzung von erneuerbaren Energien offen zu legen. Ob sich die Nutzung von nachhaltigen Energien für den extrem hohen Stromverbrauch des Kryptogeldes als ein Allheilmittel herausstellen werde, bleibe abzuwarten, betonte Emden. "Gut möglich, dass weitere Nationen nach dem Vorbild Chinas in Zukunft dem Mining-Geschäft den Stecker ziehen werden."

Erdogan macht es schon wieder

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat erneut über Nacht bei der Führung der Zentralbank einen Wechsel vorgenommen. Einer der vier stellvertretenden Gouverneure, Oguzhan Ozbas, sei entlassen worden und Semih Tumen trete seine Nachfolge an, heißt es am frühen Dienstagmorgen in einem im Amtsblatt veröffentlichten Dekret. Im März hatten Erdogan den Wechsel an der Spitze der Zentralbank erzwungen: Währungshüter Naci Agbal wurde zwei Tage nach einer Zinserhöhung zur Eindämmung der Inflation durch einen Vertreter der Regierungspartei ersetzt. Der Schritt führte zum Absturz der türkischen Lira. Auch heute gibt die türkische Landeswährung nach.

HeidelbergCement macht Kasse

Der Baustoffhersteller HeidelbergCement verkauft sein Geschäft in Kalifornien und Arizona. Der Konzern nimmt 2,3 Milliarden Euro beim Verkauf an den Hersteller von Baumaterial Martin Marietta Materials ein, teilte das DAX-Unternehmen mit.

7,5 Milliarden Euro für VW-Tochter Lamborghini?

Volkswagen hat einem Medienbericht zufolge ein Milliardengebot für seine Sportwagentochter Lamborghini erhalten. Die Quantum Group habe zusammen mit der Londoner Investmentfirma Centricus Asset Management eine erste Offerte über 7,5 Milliarden Euro vorgelegt, berichtete das Magazin "Autocar" am Dienstag unter Berufung auf Kaufunterlagen. Sowohl VW-Chef Herbert Diess als auch Audi-Chef Markus Duesmann wüssten von der Offerte.

Als Repräsentant von Quantum werde Rea Stark genannt, Mitgründer von Piech Automotive. Zum Management des Elektroauto-Startups Piech Automotive gehören unter anderem Anton Piech, der Sohn des Ex-VW-Chefs Ferdinand Piech, sowie Ex-Porsche-Chef Matthias Müller. Es sei derzeit aber unklar, ob sie auch an dem Kaufangebot beteiligt seien, hieß es in dem Bericht weiter. Lamborghini gehört seit 1998 zu Audi.

Fresenius-Aufspaltung ein Stück unwahrscheinlicher

Nach Spekulationen über eine Aufspaltung des Krankenhaus- und Medizinkonzerns Fresenius SE, stellt sich die größte Aktionärin des DAX-Konzerns hinter das Management. Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung teilte auf Anfrage von dpa-AFX am Dienstag mit, die Stiftung teile die Sichtweise des Fresenius-Vorstands, "dass die derzeitige Konzernstruktur viele Vorteile bietet". Das Unternehmen sei in dieser Struktur für die vor ihm liegenden Aufgaben gut aufgestellt. Daher bestehe "kein Anlass für kurzfristige grundlegende Veränderungen", hieß es weiter.

Post-Aktie nicht zu bremsen

Die Papiere der Deutschen Post haben heute einen Höchststand erreicht. Seit Beginn der laufenden Rekordrally im März gehören die Aktien der Bonner mit plus 30 Prozent in knapp drei Monaten zu den besten DAX-Werten. Jüngste Analystenkommentare signalisierten durchaus weiteren Spielraum. So hatte Samuel Bland von JPMorgan erst in der Vorwoche ein Kursziel von 71,33 Euro angesetzt.

Fraport öffnet Terminal

Nach über einem Jahr Pause öffnet der Frankfurter Flughafen wieder Terminal 2. Das seit März vergangenen Jahres wegen der Pandemie gesperrte Gebäude steht für Passagiere und Fluggesellschaften ab 1. Juni wieder zur Verfügung, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte. Man sei damit auf die erwarteten Passagierzahlen im Sommer gut vorbereitet, sagte Terminal-Manager Sascha König.

Wegen Corona: BVB macht 75 Millionen Euro Verlust

Borussia Dortmund erwartet für das laufende Geschäftsjahr coronabedingt einen Verlust von rund 75 Millionen Euro. Das teilte der börsennotierte Fußball-Bundesligist am Dienstag per Ad-hoc-Mitteilung mit. Nach Abschluss der Bundesliga-Saison 2020/21 habe der Verein mit der Qualifikation für die Champions League und dem Pokalsieg die negativen Auswirkungen der Pandemie in Grenzen halten können, teilte die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mit.

Wie bei allen Bundesligavereinen waren Zuschauer in der laufenden Spielzeit nur reduziert und nur bis Oktober zugelassen, entsprechende Einnahmen fielen weg. Das BVB-Geschäftsjahr 2020/21 endet am 30. Juni. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte bei der Aktionärsversammlung im Herbst 2020 bereits ein Minus von 70 bis 75 Millionen Euro angekündigt, dabei aber nicht ausgeschlossen, dass es sogar noch höher ausfallen könnte. Der Geschäftsbericht sah damals noch eine mögliche Zuschauerauslastung von 20 Prozent vor. Die eigentlich übliche Zuschauerzahl im Dortmunder Stadion liegt bei 81.000 Gästen pro Spiel.

Flatexdegiro hat große Pläne

Der Online-Broker Flatexdegiro setzt sich deutliche höhere Ziele für die kommenden Jahre. Bis 2026 solle die Zahl der Kunden in Europa auf sieben bis acht Millionen steigen, teilte das im SDAX gelistete Unternehmen mit. Dazu will Flatexdegiro pro Jahr im Schnitt eine Million zusätzliche Kunden gewinnen. Bisher hatte sich das Management zum Ziel gesetzt, im Jahr 2025 die Marke von drei Millionen Kunden zu erreichen.

Kartellklage gegen Amazon

Der Generalstaatsanwalt der US-Hauptstadt Washington hat den Online-Handelsriesen Amazon wegen des Vorwurfs verklagt, seine marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen. "Amazons Online-Handelsplattform profitiert von Amazons wettbewerbsfeindlichen Geschäftspraktiken und wird durch sie geschützt", heißt es in der am Dienstag eingereichten Klage von Generalstaatsanwalt Karl Racine. Amazon kontrolliere zwischen 50 und 70 Prozent des Online-Handels in den USA und sorge für "künstlich aufgeblähte Preise".

Amazon reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme. Die Geschäftspraktiken großer Online-Konzerne werden in den USA zunehmend kritisch beäugt. Im vergangenen Jahr reichten Bundesbehörden und Bundesstaaten bereits Klagen gegen den Internetriesen Google und die Online-Plattform Facebook ein. Auch hier geht es um den Vorwurf wettbewerbswidriger Praktiken.