Wall Street New York
Marktbericht

DAX mit großem Verlust Braut sich da ein Sturm zusammen?

Stand: 11.05.2021 22:06 Uhr

Aus Furcht vor einem Sprung der US-Verbraucherpreise und einer daraus folgenden Zinswende sind die Aktienmärkte am Dienstag kräftig unter Druck geraten. Der DAX verlor in der Spitze fast 400 Punkte.

Der DAX schloss 280 Punkte oder 1,8 Prozent schwächer als am Vortag bei 15.119 Zählern. Zeitweise fiel der Leitindex sogar auf ein Tagestief von 15.006 Punkte. Alle 30 DAX-Werte notierten im Minus.

Damit reagierten die Anleger auf Inflationsängste in den USA. Dort wird morgen die Preisentwicklung für den Monat April veröffentlicht. Erwartet wird, dass die Teuerung auf 3,4 Prozent angestiegen ist. Für Mai wird gar eine Inflationsrate von 3,6 Prozent erwartet. Das wäre deutlich mehr als die von der US-Notenbank Fed angestrebten zwei Prozent.

Ökonomen erwarten zwar, dass die Fed besonnen bleibt, da sie selbst ein Überschießen der Inflationsrate über die angepeilte Teuerung von zwei Prozent vorhergesagt hat. Zudem betrachtet sie die Preissteigerungen als temporäres Phänomen. Dennoch gingen die Aktienmärkte in New York den zweiten Tag in Folge auf Tauchstation. Der Dow Jones-Index büßte 474 Punkte ein und schloss bei 34.269 Zählern. Der Technologieindex Nasdaq konnte dagegen seine anfänglichen Tagesverluste wieder wettmachen und schloss kaum verändert bei 13.351 Punkten.

Überhitzt die US-Wirtschaft?

"Die Toleranz der Notenbank Fed gegenüber der Inflation ist begrenzt", warnten die Analysten der DBS Bank. Je nachdem wie die Zahlen ausfielen, müsse mit weiteren Verlusten am Aktienmarkt gerechnet werden, sagte Anlagestratege Sebastien Galy von der Vermögensverwaltung der Nordea Bank. Der Vermögensverwalter T. Rowe Rice erwartet, dass die Fed Ende des Jahres damit beginnen könnte, die Geldschleusen ein wenig zu schließen und die Anleihekäufe zurückzufahren. "Wir erwarten, dass es auf der Zinssitzung im Juni erste Signale in diese Richtung geben wird", so T. Rowe Rice.

Ökonomen befürchten, dass das fast zwei Billionen Dollar schwere Hilfspaket der US-Regierung zu einer Überhitzung der amerikanischen Wirtschaft führen könnte. Darauf deutet auch der kräftige Anstieg der Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen. Sie kletterten von 0,9 Prozent Ende 2020 auf derzeit 1,6 Prozent.

ZEW-Erwartungen verpuffen

Wegen der Furcht vor steigenden Zinsen verpuffte auch der Optimismus der vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) befragten Finanzexperten. Dabei blicken Analysten und Anleger so optimistisch auf die deutsche Konjunktur wie seit mehr als 21 Jahren nicht mehr. Das Barometer ihrer Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung in den nächsten sechs Monaten stieg im Mai um 13,7 auf 84,4 Zähler - der höchste Wert seit Februar 2000.

Euro deutlich über 1,21 Dollar

Gestützt von einem starken ZEW-Index, kletterte der Euro heute mit 1,2167 Dollar auf den höchsten Stand seit Ende Februar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2170 (Montag: 1,2169) Dollar fest. Die Ölpreise haben sich bis zum Abend von zeitweisen Verlusten erholt. Zuletzt kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 68,46 US-Dollar. Das waren 15 Cent mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 16 Cent auf 65,07 Dollar.

Gewinnmitnahmen bei Corona-Gewinnern

Zu den schwächsten Werten in der DAX-Familie gehörten Technologietitel, die als die Profiteure der Pandemie gelten. Dazu zählen die Papiere von Teamviewer, Bechtle oder der Lieferdienst Delivery Hero. Sie verlieren zeitweise bis zu sieben Prozent.

Die Titel des Online-Möbelhändlers Home24 brechen um gut 15 Prozent ein und gehören damit zu den größten Verlierern im SDAX. Dabei sprang der Umsatz bei Home24 im ersten Quartal währungsbereinigt um 64 Prozent auf 159 Millionen Euro. Es handele sich um das höchste Umsatzwachstum in einem Quartal in den letzten sechs Jahren, sagte Firmenchef Marc Appelhoff.

MeinAuto verschiebt Börsengang

Der Online-Neuwagenhändler MeinAuto hat seinen für morgen geplanten Börsengang überraschend abgesagt. Die Emission werde verschoben. "Grund dafür sind die derzeit ungünstigen Marktbedingungen für wachstumsstarke Unternehmen", teilte MeinAuto am Dienstag mit. Die Entscheidung hätten das Unternehmen und der britische Finanzinvestor und Hauptaktionär Hg getroffen. MeinAuto und Hg strebten weiter einen Börsengang an, "sobald sich die Marktbedingungen normalisieren".

E.ON steigert Ergebnis

Der Energiekonzern aus dem DAX hat im ersten Quartal vom Winterwetter sowie von der Restrukturierung des Großbritannien-Geschäfts profitiert. Daher stieg das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, der bereinigte Konzernüberschuss kletterte sogar um 19 Prozent auf 809 Millionen Euro. Den Ausblick bestätigte Eon. Wegen des starken ersten Quartals sieht sich Eon auch beim Thema Schuldenabbau auf Kurs: Das angestrebte Ziel könne dabei bereits in diesem Jahr und somit früher als erwartet erreicht werden.

United Internet überzeugt

Deutlich besser als der TecDAX halten sich die Aktien des Telekomanbieters und Internetdienstleisters United Internet und seiner Tochter 1&1 Drillisch. Die Unternehmen sind gut ins Geschäftsjahr 2021 gestartet. Der Konzernumsatz stieg in den ersten drei Monaten um knapp fünf Prozent auf fast 1,4 Milliarden Euro. Das lag unter anderem daran, dass der Konzern mehr Verträge abschließen konnte. Das um einen Sondereffekt bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um 3,8 Prozent auf 312 Millionen Euro. Umsatz und operatives Ergebnis fielen damit etwas höher aus als Analysten erwartet hatten.

Nordex-Aktie in der Flaute

Die Aktie des Windkraftspezialisten verliert über drei Prozent. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben bei Nordex im ersten Quartal zu Gewinneinbußen geführt. Während die Erlöse auf 1,25 Milliarden Euro stiegen, schrumpfte das operative Ergebnis (Ebitda) von 13,1 auf 10,4 Millionen Euro. "Insgesamt bleiben wir zuversichtlich für 2021 und gehen von einer positiven Entwicklung des Geschäftsverlaufs aus", erklärte Firmenchef Jose Luis Blanco.

Kinnevik steigt ganz bei Zalando aus

Der schwedische Großaktionär Kinnevik steigt Mitte Juni bei Europas größtem Modehändler aus. Um den 18. Juni herum werden die restlichen 21 Prozent, die Kinnevik an Zalando hält, an die eigenen Aktionäre ausgeschüttet, teilte der Start-up-Investor mit. In einer komplexen Transaktion bekommen diese für je 143 ihrer Kinnevik-Aktien 28 Zalando-Papiere. Das entspreche auf Basis des Zalando-Schlusskurses vom Montag einer Ausschüttung von 166 schwedischen Kronen (16,38 Euro), insgesamt umgerechnet 4,52 Milliarden Euro. Die Schweden wollen mit dem Ausstieg ihre Neuausrichtung vorantreiben.

Jenoptik gut erholt

Der Technologiekonzern spürt eine deutliche Belebung der Nachfrage und sieht sich nach einem Gewinnsprung auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Im ersten Quartal steigerte Jenoptik das operative Ergebnis (Ebitda) um rund 47 Prozent auf 20,0 Millionen Euro. Die Erlöse erhöhten sich demnach um sieben Prozent auf 176,0 Millionen Euro. Im Gesamtjahr erwartet der Konzern ein Umsatzplus im niedrigen zweistelligen Prozentbereich und eine Ebitda-Marge, also das Verhältnis von Ebitda und Umsatz, von 16,0 bis 17,0 Prozent.

Bilfinger mit volleren Auftragsbüchern

Auch beim Industriedienstleister sieht es nach einem schwierigen Jahr 2020 wieder besser aus. Im ersten Quartal erwirtschaftete der Mannheimer Konzern einen Gewinn von zehn Millionen Euro nach einem Verlust von 24 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Auftragsbestand wuchs organisch um elf Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Dagegen fiel der Umsatz um fünf Prozent auf 833 Millionen Euro. Das erste Quartal des Vorjahres sei aber noch nicht besonders von der Corona-Krise beeinflusst gewesen.

Aareal verdreifacht Ergebnis

Der Immobilienfinanzierer aus dem SDAX sieht sich nach einem deutlichen Gewinnanstieg im ersten Quartal auf Kurs zu seinen Zielen für das laufende Jahr. Im ersten Quartal habe das operative Ergebnis 32 Millionen Euro und damit fast dreimal so viel wie vor einem Jahr betragen. Der Anstieg geht vor allem auf eine deutlich reduzierte Vorsorge für Kreditausfälle zurück. Experten hatten allerdings mit einem etwas höheren Betriebsergebnis gerechnet. Im laufenden Jahr rechnet die Aareal Bank weiter mit einem Betriebsergebnis zwischen 100 Millionen und 175 Millionen Euro.

Lockdown belastet Ceconomy

Der Umsatz des Elektronikhändlers sank im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 um 5,7 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro, wie Ceconomy mitteilte. Der bereinigte operative Verlust (Ebit) stieg auf 146 (Vorjahr: Minus 131) Millionen Euro. Zahlreiche Filialen vom Media Markt und Saturn in Deutschland und den Niederlanden waren von den behördlich verordneten Schließungen zur Eindämmung der Pandemie betroffen. Am Montagabend hat das Unternehmen bekannt gegeben, dass E.On-Manager Karsten Wildberger ab 1. August den Chefposten bei der Holding mit ihren Ketten Media Markt und Saturn übernimmt.

Tyssenkrupp fällt bei Anlegern durch

Trotz höherer Jahresziele, die sich der Konzern gesetzt hat, büßt die Thyssenkrupp-Aktie fast sieben Prozent ein. Im zweiten Geschäftsquartal hat das MDAX-Unternehmen von der Erholung der Stahl- und der Autoindustrie sowie von guten Geschäften mit Industriekomponenten profitiert. Zuletzt waren die Aktien schrittweise wieder in Richtung der 12-Euro-Marke gestiegen und damit an das einige Wochen alte Hoch seit Januar 2020 herangerückt. Der Zwischenbericht erhielt am Markt eigentlich gutes Feedback, mit einer erhöhten Prognose war jedoch bereits gerechnet worden.

Mutares profitiert von Zukäufen

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Mutares hat dank zahlreicher Zukäufe ihren Quartalsumsatz auf 494 Millionen Euro gesteigert, nach 316 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig stieg das Ergebnis (EBITDA) von 39 Millionen Euro auf knapp 54 Millionen Euro. In diesem Jahr strebt das Unternehmen eine ein-prozentige Netto-Rendite auf den Konzernumsatz an. Auch eine Dividende soll es geben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2021 um 07:35 Uhr.