Nasdaq Leuchtreklame
Marktbericht

DAX steigt im Schlepptau US-Märkte erholen sich

Stand: 21.04.2021 22:27 Uhr

An der New Yorker Börse ist heute im Sitzungsverlauf wieder Kaufinteresse aufgekommen, die großen Aktienindizes drehten ins Plus. Davon profitierte auch der DAX, der im Schlepptau zulegte.

Nach den jüngsten Gewinnmitnahmen sind die Kurse an den wichtigsten US-Aktienbörsen zur Wochenmitte wieder überwiegend gestiegen. Dow Jones und S&P 500 schüttelten ihre Auftaktverluste am Mittwoch rasch ab und auch dem technologielastigen breit aufgestellten Nasdaq-Composite-Index gelang der Dreh ins Plus.

Am Ende des Tages überwand der Leitindex Dow wieder die Marke von 34.000 Punkten und legte 0,9 Prozent auf 34.137 Punkte zu. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index ging bei 4173 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von ebenfalls 0,9 Prozent. Die Technologiebörse Nasdaq rückte 1,2 Prozent vor und schloss bei 13.950 Punkten, der Auswahlindex Nasdaq 100 machte 0,9 Prozent gut auf 13.935 Zähler. Zwar seien die Anleger noch vorsichtig, doch schienen die Börsen einen Boden bilden zu wollen, kommentierte Axi-Marktstratege Stephen Innes.

USA haben ihr Impfziel erreicht

Geholfen hat der Börse, dass die USA ihr Impfziel früher als angekündigt erreicht haben. US-Präsident Joe Biden steht kurz davor, sein zentrales 100-Tage-Ziel von 200 Millionen verabreichten Corona-Impfungen im Land zu erreichen. Mit den Impfzahlen, die am Donnerstag veröffentlicht würden, werde die Schwelle von 200 Millionen gespritzten Impfdosen innerhalb seiner ersten 100 Tage im Amt überschritten, sagte Biden am Mittwoch in Washington. Biden rief gleichzeitig eine neue Phase in der US-Impfkampagne aus. Alle Bürger ab 16 Jahren sollten sich nun impfen lassen können, sagt er. In den USA leben etwa 328 Millionen Menschen.

Kanadas Notenbank reduziert Anleihekäufe

Die Notenbank von Kanada hat am Mittwoch wie erwartet den Leitzins unverändert belassen, aber als erste führende Zentralbank eine Reduzierung der Anleihekäufe beschlossen. Künftig werde die Notenbank nur Staatsanleihen im Volumen von 3,0 Milliarden kanadische Dollar (etwa 2,0 Milliarden Euro) pro Woche kaufen, teilte die Notenbank in Ottawa mit. Bisher hat die Zentralbank Papiere in einem Volumen von 4,0 Milliarden kanadische Dollar pro Woche erworben. Der Leitzins bleibe hingegen weiter bei 0,25 Prozent, hieß es weiter.

Die geldpolitischen Beschlüsse waren an den Märkten mit Spannung erwartet worden. Die Notenbank von Kanada ist die erste der weltweit führenden Zentralbanken, die seit Beginn der Corona-Krise mit einer Straffung ihrer extrem lockeren Geldpolitik begonnen hat. Am Devisenmarkt reagierte der kanadische Dollar mit deutlichen Kursgewinnen auf die geldpolitischen Beschlüsse. In Kanada hatten sich Stimmungsindikatoren aus der Wirtschaft zuletzt deutlich aufgehellt, was auf einen stärkeren Aufschwung hindeutet.

Zum Vergleich: Die US-Notenbank Fed pumpt monatlich 120 Milliarden US-Dollar Krisenhilfe in die Märkte. US-Anleger hatten sich zuletzt gesorgt, dass die Fed dieses Volumen womöglich bald zurückfahren könnte. Schon eine solche Ankündigung könnte für Verwerfungen am Markt sorgen, der unter anderem mit den Milliarden der Fed in einem nie zuvor dagewesenen Ausmaß gestützt wird. Das Warnsignal aus Kanada wurde an der Wall allerdings heute nicht gehört, das Thema künftig aber noch große Bedeutung bekommen.

DAX steigt mit der Wall Street

Danach hatte es heute lange Zeit nicht ausgesehen: Der DAX beendete den Handelstag doch noch mit einem Tagesgewinn von 0,4 Prozent bei 15.195 Punkten. Der Index schloss damit am Tageshoch, das bei 15.210 Punkten lag.

Zuvor hatten dem Markt trotz überwiegend solider Unternehmenszahlen neue Impulse gefehlt. Die Anleger sorgten sich vielmehr um eine mögliche Verzögerung des wirtschaftlichen Erholunsszenarios aufgrund weiterhin hoher Corona-Neuinfektionen. Am Nachmittag wurden diese Sorgen aber relativiert, denn anders als in den besonders schwer betroffenen Ländern wie Indien oder Brasilien geht in den USA die Impfkampagne zügig voran.

Der unstete Handelsverlauf heute zeigt, dass die Corona-Pandemie immer wieder auf der Agenda der Börse(n) auftauchen kann und für Bewegung sorgt. Der Bundestag hat heute das Gesetz zur "Corona-Notbremse" beschlossen. Auf den Handel hatte dies aber keinen Einfluss.

Deutsche Börse wie erwartet schwächer

Trotz der Rekordjagd an den weltweiten Aktienmärkten hat die Deutsche Börse im ersten Quartal weniger verdient als vor Jahresfrist. Unter dem Strich stand ein 14 Prozent niedriger Gewinn von 317 Millionen Euro, wie der Frankfurter Börsenbetreiber nach Handelsschluss mitteilte. Allerdings war die Entwicklung erwartet, denn das Startquartal im vergangenen Jahr war besonders stark, da es wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Pandemie massive Kursausschläge nach oben und unten gegeben hatte.

Vorstandschef Theodor Weimer hatte die Aussichten für das erste Quartal 2021 schon gedämpft. Die Nettoerlöse fielen nun um sieben Prozent auf 855 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (Ebitda) ging um zwölf Prozent auf 521 Millionen Euro zurück. Finanzchef Gregor Pottmeyer zeigte sich im Ausblick aber zuversichtlich: "Da wir diese Entwicklung bei der Prognose für das laufende Geschäftsjahr antizipiert haben, sind wir auch zuversichtlich, unsere Wachstumsziele 2021 zu erreichen."

Die US-Bank JPMorgan hat Deutsche Börse nach Zahlen zum ersten Quartal auf "Overweight" mit einem Kursziel von 170 Euro belassen. Alles in allem seien die Eckzahlen weitgehend wie erwartet ausgefallen, schrieb Analyst Gurjit Kambo in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Im Xetra-Handel ging das Papier des DAX-Mitglieds heute bei 146,00 Euro um 0,9 Prozent leichter aus dem Handel.

Autowerte schwächeln

Auch der Blick auf den DAX-Kurszettel zeigte heute, wie schnell Hoffnungen und Zweifel am schnellen Wirtschaftsaufschwung nach der Krise das Geschehen dominieren können. Besonders Autoaktien, die zuletzt als Konjunkturgewinner par exellence stark gelaufen waren, legten den Rückwärtsgang ein, konnten aber mit dem steigenden Markt am Nachmittag ihre Verluste eingrenzen.

Die Branche leidet zudem unter dem Chipmangel, der die Produktion behindert. Der französische Autobauer Peugeot, Teil der Opel-Mutter Stellantis, ersetzt wegen des weltweit grassierenden Chipmangels digitale Tachometer bei einem Peugeot-Modell durch die altmodischere analoge Variante

VW standen am Indexende mit einem Minus von rund 2,7 Prozent. Ansonsten gingen Gewinne und Verluste quer durch alle Branchen. Bayer und Fresenius legten stärker zu, auch Münchener Rück hielten sich besser als der Markt.

Euro bleibt über 1,20 Dollar

Am Devisenmarkt konnte sich der Euro im Verlauf ebenfalls stabilisieren und die Marke von 1,20 Dollar behaupten. Am späten Abend kostet die Gemeinschaftswährung 1,2027 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2007 (Dienstag: 1,2051) Dollar fest.

Insgesamt gab es heute wenig Impulse. Weder wurden in der Eurozone entscheidende Konjunkturdaten veröffentlicht noch meldeten sich Zentralbanker auf der EZB zu Wort. Vor der Zinssitzung an diesem Donnerstag sind öffentliche Äußerungen von ihnen gemäß einer internen Absprache unerwünscht.

Die Feinunze Gold notierte rund 0,8 Prozent höher bei 1791 Dollar. Der Bitcoin konnte sich nicht vom Rückschlag zum Wochenbeginn erholen und notiert in der Nähe seines Tiefs bei rund 55.000 Dollar. Die drohende Verschärfung der Pandemie-Restriktionen in Indien schickte derweil den Ölpreis auf Talfahrt. "Indien zählt mit circa 4,5 Millionen Barrel pro Tag zu den weltweit führenden Ölimporteuren", sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Verizon mit Licht und Schatten

An der Wall Street ging heute die Berichtssaison der Unternehmen weiter. Der Telekomkonzern Verizon, Mitglied im Dow Jones und Erzrivale der Telekom-Tochter T-Mobile US, meldete dabei für das erste Quartal ein kräftiges Ergebnisplus und auch der Umsatz legte zu. Beide Werte lagen über den Erwartungen der Analysten. Allerdings verlor Verizon rund 170.000 Mobilfunkvertragskunden im ersten Quartal. Analysten hatten mit einem Zuwachs gerechnet. Die Aktie bewegt sich entsprechend kaum.

Netflix unter Druck

Die Netflix-Aktie konnte ihre Verluste an der Nasdaq nur wenig eingrenzen und verlor deutlich 7,4 Prozent. Der Videostreaming-Dienst hatte gestern nach Börsenschluss Zahlen vorgelegt und dabei besonders bei der Neukundengewinnung enttäuscht. Die schwachen Zahlen könnten weitere Gewinnmitnahmen bei den High Techs auslösen, so die Befürchtung bei Händlern.

China fordert mehr Qualität von Tesla

Nach dem Zwischenfall bei der Autoshow in Shanghai steigt in China der Druck auf Tesla. Die chinesische Marktaufsicht forderte am Mittwoch den US-Elektroautobauer auf, eine höhere Qualität bei seinen in China verkauften Fahrzeugen zu gewährleisten. Die Behörde reagierte damit auf den Protest einer Frau gegen den Umgang von Tesla mit ihrer Beschwerde über nicht funktionierende Bremsen.

Für Tesla ist es der zweite Vorfall binnen weniger Tage, bei denen es um die Sicherheit seiner Fahrzeuge geht. Auch in den USA ermitteln die Behörden nach einem Unfall mit einem Tesla-Fahrzeug. In den USA waren vor wenigen Tagen zwei Männer ums Leben gekommen, als ihr Tesla gegen einen Baum krachte. Die Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Unklar ist, ob das Auto im Selbstfahrmodus unterwegs war.

MTU sieht 2024 wieder Vorkrisenniveau

Der Münchner Triebwerksbauer MTU Aero Engines hofft auf eine vollständige Erholung der weltweiten Luftfahrt von der Corona-Krise binnen vier Jahren. "Ab 2024 dürfte das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden", sagte MTU-Vorstandschef Reiner Winkler am Mittwoch auf der virtuellen Hauptversammlung in München laut Redetext. "Danach dürfte die Luftfahrt wieder durchstarten - zuerst im Kurz- und Mittelstrecken-Bereich, etwas zeitverzögert auch auf der Langstrecke." Das DAX-Unternehmen beliefert beide große Flugzeugbauer Airbus und Boeing mit Triebwerken und Triebwerksteilen.

Gewinnmitnahmen bei Zalando

Aktien des Online-Modehändlers Zalando schlossen deutlich im Minus. Dabei lief das erste Quartal gut. Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 bis 48 Prozent auf 2,22 bis 2,26 Milliarden Euro, wie der MDAX-Konzern auf Basis vorläufiger Zahlen mitteilte. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll bei 80 bis 100 Millionen Euro liegen, nachdem Zalando hier ein Jahr zuvor einen Verlust von fast 99 Millionen Euro verbucht hatte.

ASML schwimmt auf der Erfolgswelle

Die weltweite Knappheit bei Halbleitern stimmt den Chipindustrie-Ausrüster ASML optimistischer für das laufende Jahr. Auch dank einer starken Nachfrage nach neuen Produktionsmaschinen und Software-Upgrades erwartet das Management 2021 jetzt ein Umsatzplus in Richtung von 30 Prozent, wie ASML-Chef Peter Wennink am Mittwoch in Veldhoven bekanntgab. Bisher war das Management von einem Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich ausgegangen. An der Börse kamen die Nachrichten zusammen mit einem überraschend starken Start ins Jahr hervorragend an. Die Aktie legte deutlich zu, seit dem Corona-Tief vor gut einem Jahr hat sie sich mehr als verdoppelt.

Roche durch Corona ausgebremst

Der Schweizer Pharmakonzern Roche hat zwar im ersten Quartal 2021 von gut laufenden Geschäften mit Covid-19-Tests in seiner Diagnostiksparte profitiert. Allerdings gingen wegen der Corona-Pandemie weniger Menschen zum Arzt - dies bremste die Geschäfte in der Pharmasparte. Zudem belastete der starke Schweizer Franken. Konzernweit gingen deshalb die Umsätze um rund ein Prozent auf rund 14,93 Milliarden Franken zurück. Währungsbereinigt kam noch ein Plus von drei Prozent heraus. Gewinnzahlen legt Roche nach drei Monaten traditionell nicht vor.

Kering profitiert von Gucci

Der Luxusgüterkonzern Kering ist dank starker Verkaufszahlen seiner italienischen Modemarke Gucci im ersten Quartal aus dem Corona-Tief aufgetaucht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sprang der Umsatz um über 21 Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro nach oben, wie das Unternehmen am Dienstagabend in Paris mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten im Schnitt erwartet. Die Kering-Aktie legte in Paris am Mittwochmorgen um mehr als ein Prozent zu.

Aareal-Chef gibt Amt auf

Der erkrankte Chef des Immobilienfinanzierers Aareal, Hermann Merkens, habe die Aufsichtsratsvorsitzende unterrichtet, dass er nicht zurückkehren werde, teilte der SDax-Konzern am Dienstag mit. "Der für diesen Fall vorsorglich bereits forcierte Prozess der Nachfolgesuche befindet sich inzwischen in einem fortgeschrittenen Stadium", so die Bank weiter. Die Aufgaben von Merkens werden weiterhin im Vorstand verteilt.

Sartorius profitiert weiter von Corona

Der Laborausstatter Sartorius kann sich weiter über eine hohe Nachfrage freuen. Im ersten Quartal sorgte die beschleunigte Impfstoffforschung für volle Auftragsbücher. Der Auftragseingang beim MDAX-Konzern stieg zwischen Januar und März im Jahresvergleich um knapp 81 Prozent. Dabei setzten die Niedersachsen gut 791 Millionen Euro um, das waren gut 55 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) kletterte auf 264 Millionen Euro nach 138 Millionen Euro ein Jahr zuvor.

Apple mit neuem iMac

Dank der Chips aus eigener Entwicklung fordert Apple die PC-Konkurrenz mit einem neuen Desktop-Computer heraus. Der am Dienstag vorgestellte neue iMac ist nur 11,5 Millimeter dick - dünner als viele Monitore ohne einen Computer im Inneren. Möglich macht das Apple zufolge der Umstieg von Intel-Prozessoren auf die hauseigenen M1-Chips. Dadurch könne man unter anderem drastisch Platz sparen: Statt eines voluminösen Kühlsystems seien lediglich zwei kleine Lüfter notwendig.

Norwegens Staatsfonds macht 38 Milliarden Euro Gewinn im Quartal

Davon träumt jedes Unternehmen. Der norwegische Staatsfonds hat im ersten Quartal 2021 nach eigenen Angaben einen Gewinn von 38 Milliarden Euro gemacht. Als Ursache wurden am Mittwoch in Oslo in erster Linie Aktiengewinne genannt. Der Wert des Fonds stieg demnach bis Ende März auf elf Billionen norwegische Kronen (etwa 1,1 Billionen Euro).

Die Gewinne auf dem Aktienmarkt kamen den Angaben zufolge vor allem durch Kursgewinne in den Branchen Finanzen und Energie zustande, wie der Vizechef des Fonds, Trond Grande, erläuterte. Weitere Gewinne gab es demnach im Immobiliensektor. Verluste wurden dagegen bei festverzinslichen Wertpapieren verzeichnet. Der Fonds war von der norwegischen Regierung seit den 90er Jahren aus Gewinnen aus der staatlichen Ölindustrie aufgebaut worden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. April 2021 um 12:00 Uhr.