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Marktbericht

Nasdaq legt zu US-Börsen warten auf Biden

Stand: 13.01.2021 22:30 Uhr

Nach zögerlichem Beginn tasteten sich die US-Anleger noch zaghaft vor. Die Märkte warten auf Konjunkturhilfen der neuen Biden-Regierung. Der DAX setzte derweil seinen Seitwärtstrend fort.

Während an der New Yorker Aktienbörse am Mittwoch die Standardwerte auf hohem Niveau stagnierten, ging es an der Technologiebörse Nasdaq weiter bergauf. Der Leitindex Dow Jones kam ähnlich wie der DAX hierzulande kaum vom Fleck und schloss bei 31.060 Punkten nahezu unverändert. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,2 Prozent auf 3.809 Punkte zu.

Vor dem Beginn der Berichtssaison am Freitag mit Zahlen aus dem Bankensektor hielten sich die Anleger damit zumindest bei den Standardwerten bedeckt. Anleger fragen sich zunehmend, ob die Gewinnausweise die hohen Kurse rechtfertigen können. Zuletzt hatten die Anleger am Aktienmarkt zudem mit Argusaugen auf die Entwicklung der Bond-Renditen geblickt, die derzeit anziehen.

Besser ging es (mal wieder) an der Technologiebörse Nasdaq, wo der Auswahlindex Nasdaq 100 um 0,6 und der Composite-Index um 0,4 Prozent deutlicher anzogen. Gestützt wurden die Techaktien dabei unter anderem von der Nachricht, dass Chipriese Intel einen neuen Firmenchef berufen hat. Insgesamt bleiben die US-Aktienmärkte damit trotz des heute schleppenden Handelsverlaufs auf hohem Niveau und damit stabil.

Die Wall Street wittert frisches Geld

Getragen wird der Markt im Moment dabei hauptsächlich von der Aussicht auf ein billionenschweres Hilfsprogramm der neuen Biden-Administration. Da will kein Investor den fahrenden Zug verpassen. Immerhin stehen bis zu 1,3 Billionen Dollar an staatlicher Hilfe im Raum, da rücken sogar Corona-Ängste in den Hintergrund.

"Die Ankündigung, dass das Hilfspaket mehrere Billionen Dollar schwer sein soll, ist Musik in den Ohren der Investoren", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi.

Die politischen Kämpfe um eine mögliche Amtsenthebung von Präsident Donald Trump noch vor der regulären Machtübergabe am 20. Januar spielten nur eine untergeordnete Rolle. Zwar ist Amerika immer noch damit beschäftigt, den Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar aufzuarbeiten, für die Börse ist es aber nicht das überragende Top-Thema.

Affirm startet rasant

Affirm Holdings haben an diesem Mittwoch einen atemraubenden Börsenstart an der Nasdaq hingelegt. Innerhalb von nur etwa 30 Minuten verdoppelte sich der Wert der tags zuvor für 49 US-Dollar pro Stück ausgegebenen Aktie. Der erste Kurs lag bei 90,90 US-Dollar. Zuletzt stiegen die Titel des Anbieters von Ratenzahlungen für Online-Einkäufer auf knapp 100 Dollar.

Am Dienstag hatte das von Paypal-Mitbegründer Max Levchin gegründete Unternehmen 24,6 Millionen Aktien ausgegeben und damit 1,2 Milliarden Dollar eingenommen. Zum Handelsstart lag der Börsenwert von Affirm bei rund 22 Milliarden Dollar.

DAX fehlen die Impulse

Am Ende eines schwankungsarmen Handelstages schloss der deutsche Leitindex DAX bei 13.939 Punkten, ein leichter Tagesgewinn von 0,1 Prozent. Angesichts der drohenden Verlängerung des verschärften Lockdowns zeigten sich die Anleger zurückhaltend.

Derzeit seien Investoren auf der Suche nach einem Katalysator für eine Fortsetzung der jüngsten Rekordjagd, sagte Chris Beauchamp, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses IG. "Sie sind sich schmerzlich bewusst, dass die Corona-Krise trotz der angelaufenen Impf-Programme noch nicht bewältigt ist."

Denn die Covid-Infektions- und Todeszahlen bleiben in Deutschland trotz Impfstart und Beschränkungen hoch, auch in den anderen europäischen Staaten. Die Furcht vor einer weiteren Verlängerung der Einschränkungen bis Ostern zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie lasse Anleger derzeit lieber vorsichtig agieren und abwarten, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Tagessieger Bayer

Gegen den Seitwärtstrend stemmten sich Bayer, die als Tagessieger über vier Prozent zulegten. Das Papier war nach positiven Analystenkommentaren zum Agrarbereich gefragt, zudem hielt das Unternehmen heute einen Medientag ab.

Analysten wie Jonas Oxgaard von Bernstein Research und Thomas Wrigglesworth hatten jüngst ein positives Bild der Agrar-Branche gezeichnet und auf hohe Preise für Feldfrüchte und wohl gute Gewinne der Landwirte im Jahr 2020 verwiesen. Diese dürften daher 2021 bereit sein, mehr Geld für Dünger und höherwertiges Saatgut auszugeben. Teagesverlierer waren Delivery Hero, die allerdings zuletzt sehr gut gelaufen waren.

Euro fällt zurück, Italien ohne Auswirkung

Der Euro ist derweil unter die Marke von 1,22 Dollar halten und notiert derzeit bei 1,2155 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2166 (Dienstag: 1,2161) Dollar fest. Ohne größere Auswirkung war die Nachricht geblieben, dass die italienische Regierungskoaltion im Streit um die Verwendung von EU-Hilfen auseinandergebrochen ist.

Aktuell gilt die Entwicklung am Markt für US-Staatsanleihen als wichtiger Treiber auch am Devisenmarkt. Bis zum Dienstag waren die Renditen für amerikanische Anleihen stark gestiegen und in der Laufzeit von zehn Jahren wurde bei 1,18 Prozent der höchste Stand seit März erreicht. Zuletzt war die Rendite aber wieder etwas auf 1,13 Prozent gesunken. Auch die Renditen für Unternehmensanleihen steigen derzeit.

US-Inflation etwas höher

Die im Jahresvergleich mit plus 1,4 Prozent leicht höher als erwartet ausgefallenen US-Inflationsdaten für den Dezember bewegen den Markt kaum. "Die höheren Benzinpreise schlagen nun auf die Teuerung durch", meint VP Bank-Chefökonom Thomas Gitzel. Gegenüber dem Vorjahresmonat bleibe die Inflationsrate aber trotz des Anstiegs auf verhältnismäßig tiefem Niveau.

Ölpreise fallen zurück

Die Ölpreise haben ihre frühen Gewinne am Mittwoch wieder abgegeben und fielen nach aktuellen Lagerdaten zurück. Belastet wurden die Preise zur Wochenmitte vor allem auch durch den deutlich steigenden US-Dollar. Eine stärkere US-Währung verteuert Rohöl, das in Dollar gehandelt wird, für Investoren außerhalb des Dollarraums. Die ohnehin schwächelnde Rohölnachfrage wird dadurch zusätzlich belastet.

Trotzdem, Marktbeobachter sprachen von der längsten Phase mit steigenden Ölpreisen seit fast zwei Jahren. Der Goldpreis gab ein halbes Prozent nach auf 1.848 Dollar je Feinunze.

Digitalbranche in Deutschland wächst

Der Umsatz mit IT, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik wird 2021 um 2,7 Prozent auf 174,4 Milliarden Euro steigen, so der Digitalverband Bitkom am Mittwoch. Vor allem das Geschäft mit IT-Hardware - insbesondere mit Computern, Servern und Peripheriegeräten - floriere. Im von der Corona-Krise dominierten Jahr 2020 waren die Erlöse um 0,6 Prozent zurückgegangen. Vor Ausbruch der Krise war noch mit einem Plus gerechnet worden. Trotz der optimistischen Prognose warnte Bitkom-Präsident Achim Berg: "Die aktuelle Situation ist sehr fragil. Alles hängt maßgeblich davon ab, ob das Infektionsgeschehen eingedämmt wird."

Absatzknick bei VW

Die Corona-Krise hat den Verkäufen des Volkswagen-Konzerns im vergangenen Jahr einen kräftigen Dämpfer verpasst. Insgesamt sanken die Auslieferungen der Marken in der weltgrößten Autogruppe um 15,2 Prozent auf rund 9,3 Millionen Fahrzeuge. Deutliche Zuwächse gab es jedoch bei Autos mit alternativen Antrieben. Für reine E-Fahrzeuge meldete der Konzern für 2020 eine Verdreifachung auf knapp 232.000 Stück und bei den Plug-in-Hybriden eine Steigerung um 175 Prozent auf mehr als 190.000 Exemplare.

Gleichzeitig erklärte VW, dass der Engpass bei Computerchips zu einer Ausweitung der Kurzarbeit im Stammwerk Wolfsburg führen werde. Volkswagen hatte am 18. Dezember angekündigt, wegen der weltweiten Engpässe bei Halbleitern die Fertigung an einzelnen Standorten in China, Nordamerika und Europa anzupassen.

Die Post-Aktie bleibt gefragt

Die "Aktie Gelb" gehörte zwischenzeitlich mit rund zwei Prozent Kursplus zu den DAX-Spitzenreitern und peilt nun wieder ihr Rekordhoch von 43,50 Euro aus dem November an. Das hohe Niveau konnte das Papier am Ende aber nicht behaupten, legte aber trotzdem zu.

Der Konzern- und der Finanzchef ließen am Mittwoch weitere Details zu den gestrigen Mittelfristaussagen folgen. Demnach erwartet Post-Chef Frank Appel 2021 Rückenwind in allen Segmenten. Es hatte die Aktie am Dienstag im späten Handel schon befeuert, dass der Konzern dank der anhaltend guten Geschäftslage in der Corona-Pandemie noch selbstbewusster voraus blickt.

ProSiebenSat.1-Aktie unter Druck

Im MDAX verloren Aktien des Medienunternehmens deutlich und waren größter Indexverlierer. Der US-Finanzinvestor und Springer-Großaktionär KKR will sich nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg von einem Großteil seines Aktienpakets am Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 trennen. KKR wollte über Nacht elf Millionen ProSiebenSat.1-Aktien bei institutionellen Investoren platzieren, berichtete Bloomberg am Dienstag.

Telefonica macht Kasse mit Masten

Der spanische Telekomkonzern Telefonica kündigte am Mittwoch an, rund 30.700 von der Telxius-Tochter verwaltete Sendemasten in Deutschland, Spanien, Brasilien, Peru, Chile und Argentinien für insgesamt 7,7 Milliarden Euro an American Tower zu veräußern. Telefonica reduziert durch den Deal seine Verbindlichkeiten um 4,6 Milliarden Euro. American Tower, mit mehr als 183.000 Sendemasten einer der weltgrößten Telekom-Infrastrukturanbieter, baut sich dadurch ein Standbein in Europa auf.

Drägerwerk 2020 im Aufwind

Der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern aus dem SDAX hat dank der Corona-Pandemie im abgelaufenen Jahr kräftig zugelegt. Das Umsatzwachstum habe über den eigenen Erwartungen gelegen, teilte das Unternehmen am Mittwochabend nach Börsenschluss in Lübeck mit.

Die Erlöse stiegen demnach 2020 um mehr als ein Fünftel auf fast dreieinhalb Milliarden Euro. Der Auftragseingang stieg um etwas mehr als ein Drittel. Vor allem die Medizintechnik habe von der Corona-Pandemie profitiert, hieß es weiter. Hier stieg der Umsatz um fast ein Drittel. Die Sicherheitstechnik legte beim Erlös hingegen nur um gut sechs Prozent zu.

Vor dem Hintergrund abnehmender Sondereinflüsse durch die Corona-Pandemie werde sich die starke Geschäftsentwicklung 2021 aber nicht wiederholen. Das Unternehmen rechnet daher in diesem Jahr mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von sieben bis elf Prozent.

Unruhe in Frankreich wegen möglicher Carrefour-Übernahme

Im Einzelhandel bahnt sich möglicherweise ein milliardenschwerer Zusammenschluss an. Die kanadische Alimentation Couche-Tard und der französische Supermarktkonzern Carrefour bestätigten Gespräche über eine mögliche Transaktion.

Frankreichs Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire machte am Mittwoch allerdings schwere Bedenken geltend. Carrefour sei der wichtigste private Arbeitgeber im Land, die Eigenständigkeit Frankreichs bei der Nahrungsmittelversorgung stehe auf dem Spiel. Die Kanadier seien auf Carrefour «in freundlicher Absicht» zugekommen, bestätigte der französische Einzelhandelskonzern in Massy bei Paris. Die Gespräche seien in einem sehr frühen Stadium, hieß es.

Neuer Chef bei Intel

Der zuletzt verstärkt unter Druck geratene Chip-Riese Intel wechselt seinen Chef aus. Der erfahrene Tech-Manager Pat Gelsinger soll zum 15. Februar den Spitzenjob übernehmen, wie Intel am Mittwoch mitteilte. Gelsinger führte zuletzt den Software-Spezialisten VMWare - und hatte zuvor Jahrzehnte bei Intel verbracht, unter anderem als Technologiechef. Die Intel-Aktie reagierte auf die Nachricht bereits nach einem ersten Bericht des TV-Senders CNBC mit einem Kurssprung von bis zu 13 Prozent, aktuell legt sie noch über sieben Prozent zu.

Der aktuelle Intel-Chef Bob Swan war 2018 für den langjährigen Konzernlenker Brian Krzanich nachgerückt, der wegen einer Beziehung im Unternehmen seinen Hut nehmen musste. Der einst unangefochtene Chip-Primus hatte in den vergangenen Jahren an Marktmacht verloren. Unter anderem sorgten Probleme beim Übergang auf eine neue Fertigungstechnologie dafür, dass der Erzrivale AMD mit seinen Prozessoren punkten konnte. Zuletzt verstärkte Apple den Druck mit der Umstellung seiner Mac-Computer auf Prozessoren aus eigener Entwicklung statt Intel-Chips.

Auto1 plant IPO

Der Berliner Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 will im Zuge eines schon länger erwarteten Börsengangs brutto rund eine Milliarde Euro einnehmen. Dazu sollen im ersten Quartal in Frankfurt neue Aktien ausgegeben werden, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Vom übrig bleibenden Nettobetrag sollen dann circa 750 Millionen Euro in das Wachstum gesteckt werden, der Rest soll voraussichtlich zur Rückzahlung einer bestehenden Wandelanleihe verwendet werden. Zusätzlich wollen aktuelle Anteilseigner Aktien verkaufen. Das 2012 gegründete Unternehmen ist in mehr als 30 Ländern tätig. Im Jahr 2019 verkauft Auto1 den Angaben zufolge mehr als 615.000 Fahrzeuge und erzielte einen Umsatz von rund 3,5 Milliarden Euro.

Asos gut im Geschäft

Der britische Online-Modehändler hat von den Geschäftsschließungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie profitiert. Nach einem starken Weihnachtsgeschäft peilt der Vorstand nun beim 2020 beim Gewinn den oberen Rand der Prognosespanne der Analysten an. Diese hatten einen Vorsteuergewinn von 115 bis 170 Millionen Pfund geschätzt. In den vier Monaten bis Ende Dezember verbuchte Asos einen Umsatzsprung von 23 Prozent.

Geely und Foxconn verbünden sich

Der langjährige Apple-Zulieferer Foxconn und der chinesische Autobauer Geely gehen eine Partnerschaft ein. Ziel seien eine Auftragsfertigung sowie Beratungsdienste für Autobauer und Mobilitätsunternehmen, teilten die Firmen am Mittwoch mit. Sie unterzeichneten ein Abkommen zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens, an dem beide Partner je zur Hälfte beteiligt sein werden. Die in Taiwan ansässige Foxconn hatte sich erst unlängst mit dem finanziell angeschlagenen E-Autohersteller Byton zusammengetan, um ihn beim Bau eines Elektro-SUV zu unterstützen.

Zoom beschafft Kapital

Der Videokonferenzdienst Zoom hat sich über ein Aktienangebot frisches Geld besorgt. Es seien 5,15 Millionen Aktien zu 340 US-Dollar das Stück im Zuge einer Kapitalerhöhung platziert und damit 1,75 Milliarden US-Dollar eingespielt worden, teilte Zoom in der Nacht zu Mittwoch in San Jose mit. Der Ausgabepreis lag knapp fünf Prozent unter dem Schlusskurs von Dienstag. Der Zeitpunkt war aber nicht besonders günstig für Zoom: Der Kurs lag gestern bei Bekanntgabe der Pläne um rund 40 Prozent unter dem Höchststand von Mitte Oktober.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Januar 2021 um 07:35 Uhr.