Wall Street New York
Marktbericht

Neue Rekorde Die Wall Street begrüßt Joe Biden

Stand: 20.01.2021 22:32 Uhr

Besser hätte der Start für den neuen US-Präsidenten Joe Biden an den Finanzmärkten nicht sein können. Die Wall Street feierte den Amtswechsel mit neuen Rekorden und wartet auf frisches Geld.

Die New Yorker Börse hat am Mittwoch den neuen Präsidenten Joe Biden mit einem Kursfeuerwerk begrüßt. Sowohl an der Technologiebörse Nasdaq als auch bei breit aufgestellten S&P-500-Index wurden neue Rekordmarken markiert. Der Leitindex Dow Jones legte ebenfalls um 0,8 Prozent auf 31.188 Punkte zu, blieb damit aber hinter den anderen Indizes etwas zurück.

Vor allem die Nasdaq drehte auf. Am Ende schloss der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 13.296 Punkten um 2,3 Prozent, der Composite-Index bei 13.457 Punkten um knapp zwei Prozent höher. Beide Indizes hatten im Handelsverlauf neue Rekorde aufgestellt, der Composite bei 13.486 Punkten, der 100er-Index bei 13.332 Punkten. Auch der breit aufgestellte S&P-500-Benchmarkindex, in dem viele Technologieaktien enthalten sind, war auf Rekordkurs bei 3860 Punkten und schloss am Ende 1,4 Prozent höher bei 3851 Punkten.

Die Börse wittert frisches Geld

Die Märkte setzen ganz auf das von Präsident Biden angekündigte Hilfsprogramms im Volumen von knapp zwei Billionen Dollar, für das die neue Finanzministerin Janet Yellen am Dienstag im Kongress geworben hatte. "Klotzen statt Kleckern lautet die Devise bei künftigen Stützen für die Wirtschaft", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Netflix-Aktie hebt ab

Rückenwind kam auch aus dem Unternehmenssektor. Die Aktie des Online-Video-Dienstes Netflix haussierte und markierte im Verlauf mit einem Kursplus von über 18 Prozent ein neues Rekordhoch bei 593 Dollar. Am Ende schloss das Papier bei 586 Dollar um 16,8 Prozent höher. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg die Zahl der zahlenden Abonnenten um 8,5 Millionen auf knapp 204 Millionen, wie Netflix am Dienstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Damit wurde erstmals die Marke von 200 Millionen Nutzern geknackt. Die Zahlen übertrafen die eigene Prognose und die Erwartungen der Analysten deutlich.

UnitedHealth schlägt sich gut im Corona-Jahr

Auch der US-Krankenversicherer und Dow Jones-Mitglied UnitedHealth steigerte seinen Gewinn im abgelaufenen Jahr um elf Prozent auf 15,4 Milliarden US-Dollar (12,7 Mrd. Euro), wie es am Mittwoch in Minnetonka (im US-Bundesstaat Minnesota) mitteilte. Im vierten Quartal brach der Überschuss zwar um 38 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar ein. Das bereinigte Ergebnis je Aktie fiel aber höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Im neuen Jahr will UnitedHealth-Chef David Wichmann den Gewinn je Aktie weiterhin auf 16,90 und 17,40 Dollar steigern. Im vergangenen Jahr legte er auf 16,03 Dollar zu. Der Konzern bietet neben dem Versicherungsgeschäft auch Datenanalysen im Gesundheitswesen und verschiedene Programme für Rentner an. Außerdem unterstützt UnitedHealth Unternehmen mit Gesundheitsprogrammen für Mitarbeiter. Das Unternehmen gehört mit einem Börsenwert von 332 Milliarden Dollar zu den Schwergwichten bei den Standardwerten.

Heimische Anleger ebenfalls in Kauflaune

Im Vorfeld der heutigen Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden haben auch die Anleger am deutschen Aktienmarkt zugegriffen. Denn die Erwartungen sind hoch an die neue US-Regierung. Nicht nur das neue US-Konjunkturprogramm, auch die Aussicht auf wieder mehr Verlässlichkeit für die exportabhängige deutsche Wirtschaft als unter der Vorgängerregierung hebt derzeit die Stimmung.

DAX über 13.900 Punkten

Der DAX beendete den Handelstag mit einem Tagesgewinn von 0,8 Prozent bei 13.921 Punkten. Der Index macht sich damit wieder auf in Richtung 14.000 Punkte. An dieser Marke hatten sich zuletzt die Geister geschieden, seitdem konsolidiert er auf hohem Niveau. Das Tageshoch lag bei 13.952 Zählern. Der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, und der Kleinwerteindex SDAX markierten sogar neue Rekordhochs.

Corona-Krise im Hintergrund

Selbst die Verschärfung des Corona-Lockdowns bremste die Kauflaune der Anleger heute nicht. Die Anleger zeigen sich sogar erleichtert nach den verabschiedeten neuen Restriktionen durch Bund und Länder.

"Der ganze große Schock ist offensichtlich ausgeblieben", sagte Analyst Timo Emden. "Zwar wird der Gürtel an Restriktionen insgesamt enger geschnallt, doch die heimische Konjunktur hat offensichtlich immer noch ausreichend Luft zum atmen."

Der Euro schwächelt

Der Euro ist am Mittwoch nach anfänglichen Gewinnen ins Minus gedreht. Am späten Abend werden derzeit für die Gemeinschaftswährung 1,2106 Dollar gezahlt. Sie kostet damit etwas weniger als am Vorabend. Am Morgen war der Euro noch bis auf 1,2158 Dollar gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2101 (Dienstag: 1,2132) Dollar fest.

Auch der Devisenmarkt blickt natürlich mit Spannung nach Washington. "Jetzt muss Biden beweisen, dass die Vorschusslorbeeren, mit denen die Finanzmärkte ihn bedacht haben, auch gerechtfertigt sind", kommentierte Esther Reichelt, Devisenexpertin der Commerzbank. "Erst einmal liegt der Fokus dabei voll und ganz auf weiteren Konjunkturhilfen." Schließlich ließen sich große Teile seines 1,9-Billionen-Dollar-Pakets nur in Zusammenarbeit mit den Republikanern umsetzen.

Ölpreis steigt

Ähnlich wie am Aktienmarkt blickten auch Rohöl-Investoren über die aktuelle angespannte Pandemielage hinweg und setzten auf einen baldigen Aufschwung, sagte Analyst Stephen Brennock vom Brokerhaus PVM Oil Associates. "Die Aussichten hellen sich auf." Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um rund 0,7 Prozent auf über 56 Dollar je Barrel (159 Liter). Der Preis für eine Feinunze Gold legte auf 1.869 Dollar zu.

VW will Autonomes Fahren ab 2026

Volkswagen will mit einem neuentwickelten Fahrzeug selbstfahrende Autos erschwinglich machen. Mit dem Projekt "Trinity" wolle die Marke VW eine neue Elektroplattform an den Start bringen, kündigte Markenchef Ralf Brandstätter am Mittwoch auf LinkedIn an. Geplant ist ein Wagen, der anfangs für teilautomatisiertes Fahren (Level 2+) ausgelegt ist und später vollautomatisiertes Fahren (Level 4) ermöglichen soll, sobald dies gesetzlich erlaubt ist. Ein Sprecher bestätigte, das neue Fahrzeug solle ab 2026 in Wolfsburg vom Band rollen. Darüber berichtete auch die "Automobilwoche".

Merck-Aktien brechen ein

Die Merck KGaA sorgt mit einer schlechten Nachricht für Verdruss bei den Anlegern. Der Darmstädter Pharmakonzern hat einen Rückschlag bei einem seiner wichtigen Medikamentenkandidaten erlitten. Der DAX-Konzern hat eine klinische Studie für das Mittel Bintrafusp Alfa abgebrochen. Die Krebsimmuntherapie galt bislang als wichtiger Hoffnungsträger in der Medikamentenpipeline von Merck. Damit sollte eine bestimmte Art von fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom behandelt werden.

Tech-Aktien gefragt

Am deutschen Aktienmarkt fallen die Anteilsscheine von Infineon im DAX und Aixtron im MDAX mit überdurchschnittlichen Kursgewinnen auf. Grund sind die guten Quartalszahlen des Chip-Ausrüsters ASML. Der niederländische Konzern gilt als Gradmesser für die zyklische Halbleiterbranche.

BASF zuletzt besser als gedacht

Der Chemiekonzern BASF hat im vierten Quartal des abgelaufenen Geschäftsjahres beim Ergebnis wieder zulegen können. Das bereinigte Betriebsergebnis stieg stärker als erwartet auf 1,11 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr verbuchte der Konzern einen leichten Umsatzrückgang. Das Ergebnis sank um rund ein Viertel.

Daimler empfohlen

Die Anteilsscheine von Daimler gehören zu den stärksten Werten im DAX. Grund ist eine Kaufempfehlung durch die britische Großbank HSBC. Der zuständige Analyst Henning Cosman räumte ein, bislang die Kostensenkungen des Autobauers unterschätzt zu haben und erhöhte daraufhin die Schätzungen für das operative Ergebnis deutlich.

VW wird in China gebremst

Der Volkswagen-Konzern hat in China zehntausende Autos nicht verkaufen können. Grund dafür seien Lieferengpässe in der weltweiten Chip-Produktion im Dezember, erklärte Stephan Wollenstein, Chef der VW-Aktivitäten in China. Das asiatische Land ist der mit Abstand wichtigste Markt für die Wolfsburger.

Großaktionär stockt bei Hugo Boss auf

Der britische Sportartikelhersteller Fraser Group hat seinen Anteil am Modekonzern Hugo Boss über eine direkte Beteiligung und andere Instrumente um rund die Hälfte auf gut 15 Prozent angehoben. Die Erhöhung der Investitionen spiegele den Glauben an die langfristige Zukunft von Hugo Boss wider, teilte Fraser dazu mit. Die Aktie von Hugo Boss liegt an der Spitze im MDAX.

Shop Apotheke nicht zu bremsen

Anleger greifen erneut bei den Aktien des Online-Arzneimittelversands Shop Apotheke zu. Die Privatbank Berenberg hat das Kursziel für den Wert von 170 auf 205 Euro angehoben und die Einstufung auf "Buy" belassen. Die Marktbeobachter haben ihre Prognosen für Geschäftsentwicklung des Unternehmens bis zum Jahr 2023 erhöht.

Kion empfohlen

Auch die Aktien des Gabelstaplerherstellers Kion legen überdurchschnittlich zu. Das Analysehaus Stifel Europe hat den Wert von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 65 auf 85 Euro angehoben. Der aktuelle Bewertungsabschlag im Vergleich zu Papieren des Konkurrenten Jungheinrich sei nicht gerechtfertigt, hieß es.

Ceconomy zweifelt

Die Elektronikhandelsholding Ceconomy hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2020/21 ihren Umsatz auch dank eines florierenden Online-Geschäfts deutlich gesteigert. Der Ausblick für das Geschäftsjahr sei nun wegen der neuen und verlängerten Lockdowns in einer Vielzahl von Ländern mit deutlich erhöhten Unsicherheiten behaftet, teilte die Holding von Mediamarkt und Saturn mit.

Bilfinger-Chef zurückgetreten

Der Vorstandsvorsitzende des Industriedienstleisters Tom Blades hat mit sofortiger Wirkung sein Mandat niedergelegt. Seine für Finanzen zuständige Kollegin Christina Johansson übernimmt dessen Aufgaben vorübergehend neben ihren bisherigen Aufgaben. Der Aufsichtsrat will nun in den kommenden Monaten einen langfristigen Nachfolger finden.

Rückschlag für OHB

Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB hat sich bei der Ausschreibung der europäischen Raumfahrtagentur ESA für die neue Generation der europäischen Navigationssatelliten Galileo nicht durchgesetzt. Stattdessen bekamen der deutsch-französische Airbus-Konzern und die italienisch-französische Thales Alenia Space den Zuschlag, wie die EU-Kommission in Brüssel mitteilte.

BVB-Aktie leidet unter Bundesliga-Niederlage

Die Aktien des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund fallen mit überdurchschnittlichen Kursverlusten auf. Grund ist die Niederlage gegen den Konkurrenten Bayer Leverkusen.

Luxus-Aktien gefragt

An der Börse greifen die Anleger bei den Papieren von Luxusgüterherstellern wie von Burberry und Richemont ("Cartier") zu. Bei Richemont lief das Geschäft in Asien, Afrika und dem Nahen Osten in letzter Zeit richtig gut. Die britische Luxusmodemarke hat im Gegensatz dazu im dritten Geschäftsquartal einen bereinigten Umsatzrückgang um neun Prozent hinnehmen müssen. Offenbar erwarten die Investoren auch hier eine Verbesserung.

Procter & Gamble erhöht Prognose

Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (P&G) hat wegen der guten Nachfrage nach seinen Produkten während der Pandemie seine Prognose angehoben. P&G rechnet nun für das Geschäftsjahr 2020/21 mit einem Zuwachs beim Umsatz von fünf bis sechs Prozent statt wie bisher von drei bis vier Prozent. Zudem geht das Unternehmen davon aus, dass das Ergebnis je Aktie um acht bis zehn Prozent statt um fünf bis acht Prozent zulegt.

Morgan Stanley mit Gewinnsprung

Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat im vierten Quartal ihren Gewinn um mehr als die Hälfte auf 3,4 Milliarden Dollar in die Höhe geschraubt. Der Konzern profitierte vom boomenden Handel mit Wertpapieren.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Januar 2021 um 12:00 Uhr.