Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Weitere Rekorde US-Anleger warten auf die Fed

Stand: 01.11.2021 21:35 Uhr

An der Wall Street sind die Anleger heute in die Warteschleife gegangen. Nicht aber, ohne trotzdem neue Bestmarken zu markieren. Im Fokus stand die Zinssitzung der Notenbank am Mittwoch.

Die US-Aktienmärkte haben sich im Vorfeld der Zinssitzung der Notenbank Federal Reserve (Fed) robust präsentiert. Die Indizes erreichten heute erneut Bestmarken und behaupteten ihre Gewinne. Börsianer begründeten die gute Laune der Anleger unter anderem mit zuversichtlichen Aussagen der US-Finanzministerin Janet Yellen, was die konjunkturelle Erholung von der Corona-Pandemie betrifft.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging letztlich bei 35.913 Punkten aus dem Handel, ein leichter Gewinn von 0,25 Prozent. In der Spitze hatte der Leitindex die Nase kurz über die Marke von 36.000 Punkten gehoben, fiel dann aber wieder zurück. Für eine weitere Rekordmarke reicht es beim Dow damit nicht.

Die Nasdaq unbeirrt auf Rekordkurs

Anders an der Technologiebörse Nasdaq, die in der Spitze mit 15.598 Punkten ebenso eine Bestmarke markierte wie der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 15.910 und der marktbreite S&P-500-Index bei 4619 Zählern. Am Ende stieg die Nasdaq um 0,63 Prozent auf 15.595 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 legte am Ende 0,35 Prozent zu auf 15.910 Punkte. Der S&P verbuchte ein moderates Plus von 0,18 Prozent auf 4618 Zähler. Wie schon zuletzt kam vor allem im späten Geschäft noch viel Bewegung in den Markt, nachdem sich die Indizes die meiste Zeit über moderat bewegten und zwischenzeitlich auch leicht im Minus gelegen hatten.

Alle Augen auf die Fed

Trotz der späten Käufe: Der Fokus der Anleger lag Händlern zufolge auf der bevorstehenden Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), bei der die Zentralbank voraussichtlich die Reduzierung ihres monatlichen Anleihekaufprogramms ankündigen wird. Diese im Fachjargon als Tapering bekannte Operation zum Herunterfahren der Anleihenkäufe markiert eine geldpolitische Trendwende, die an den Finanzmärkten bereits Spekulationen auf eine Zinserhöhung im nächsten Jahr auslöste.

Sie hat allerdings viel von ihrem Schrecken für die Aktienbörsen verloren, denn Bankchef Jerome Powell sowie zahlreiche seiner Notenbankkollegen haben die Märkte schon länger auf einen solchen Schritt vorbereitet. Die allgemein erwartete Straffung der Geldpolitik durch die großen Notenbanken sei für die Aktienmärkte kein Belastungsfaktor mehr, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets. "Anleger haben im Moment nur Augen für die insgesamt überdurchschnittlich starken Quartalszahlen."

Diese können sich bisher sehen lassen. "Es geht darum, dass die Gewinne viel besser als erwartet ausfallen, und trotz einiger Enttäuschungen bei den Prognosen konzentrieren sich die Anleger darauf", sagte Portfolio-Manager Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Dakota Wealth.

Gelungener Wochenstart für den DAX

Mit einer zumindest anfangs robusten Wall Street im Rücken ist der deutsche Leitindex DAX mit Gewinnen in die neue Woche gestartet. Am Ende schloss der DAX bei 15.806 Punkten um 0,75 Prozent höher und erreichte im Tageshoch sogar 15.849 Zähler. Damit rückt bei einem Abstand von rund einem Prozent auch hierzulande der Rekordstand aus dem August von 16.030 Punkten wieder ins Visier der Investoren.

Der DAX ist zuletzt hinter der New Yorker Weltleitbörse zurückgeblieben, die fast täglich neue Bestmarken erreicht, so auch heute. Vor allem eine bisher überwiegend gut verlaufene Berichtssaison der Unternehmen treibt die Anleger derzeit wieder in den Markt. Konjunktur- und Inflationsängste, die lange das Geschehen bestimmten und für viel Skepsis gesorgt hatten, traten zuletzt in den Hintergrund.

Morgen kommt die Berichtssaison auch bei uns stärker in Fahrt. Mit den beiden Fresenius-Unternehmen legen zwei weitere DAX-Mitglieder ihre Zahlen offen. Auch im weiteren Wochenverlauf erwartet die Anleger ein wahre Zahlenflut aus dem heimischen und europäischen Unternehmenssektor. Auch aus den USA kommen weitere Zahlen, hier ist die Berichtssaison traditionell schon weiter fortgeschritten.

"Buy the dip" - also Rücksetzer zum Kauf nutzen - sei weiter die richtige Strategie, sagte der Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets. "Sah es am Freitagmorgen noch so aus, als könnten die negativen Ausreißer Apple und Amazon die gute Stimmung in der laufenden Berichtssaison trüben, macht der Aktienmarkt zum Wochenstart wieder da weiter, wo er vor den zwei schwarzen Flecken auf einer nahezu reinweißen Weste der Quartalsbilanzen aufgehört hat - er steigt."

Stahlaktien im Fokus

Unter den 40 Einzeltiteln im Index gingen die Gewinne quer durch alle Branchen. Besonders gefragt waren Siemens Healthineers, aber auch Merck. FMC, die Dialysetochter des Gesundheitskonzerns Fresenius, holte etwas von den jüngsten Verlusten auf. Es gab kaum Verlierer, lediglich Flugzeugbauer Airbus am Indexende gab mit gut einem Prozent etwas stärker nach und hielt damit im Index die Rote Laterne. Insgesamt ging es heute ruhiger zu, denn in den süd- und westdeutschen Bundesländern ist der 1. November ein Feiertag.

Ein weiterer Stimmungsaufheller war heute die Beilegung des Handelsstreits zwischen der EU und den USA, die am Wochenende bekannt wurde. Ohne diese wären zum 1. Dezember Strafzölle auf US-Produkte wie Whiskey oder Motorräder fällig geworden. Die Titel von Harley-Davidson legten im US-Geschäft mehr als acht Prozent zu. In Europa gehörten Stahlkocher zu den Favoriten. Das Thyssenkrupp-Papier war im MDAX einer der größten Gewinner. Auch Konkurrent Salzgitter legte zu.

Euro erholt sich

Der Euro legte heute in einem ruhigen Umfeld moderat zu und erholte sich damit etwas von den deutlichen Verlusten am Freitag. Im US-Handel übersprang er knapp wieder die Marke von 1,16 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1578 (Freitag: 1,1645) US-Dollar fest. Unterstützung erhielt der Euro von der freundlichen Stimmung an den Aktienmärkten.

Schwache Umsatzzahlen vom deutschen Einzelhandel bewegten den Handel kaum. Im Vergleich zum Vormonat gingen die Umsätze der Einzelhändler um real (preisbereingt) 2,5 Prozent zurück, berichtete das Statistische Bundesamt. Analysten wurden vom Dämpfer überrascht. Sie hatten einen leichten Anstieg der Erlöse um im Schnitt 0,4 Prozent erwartet.

Auch am Devisenmarkt ist die Zinssitzung der Fed am Mittwoch ein wichtiges Thema. "Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Notenbanken eingreifen und an der Zinsschraube drehen werden", meint Christian Henke, Marktbeobachter bei IG Markets. Höhere Zinsen in den USA stützen den Dollar, der seinen Zinsvorsprung gegenüber dem Euro weiter ausbauen könnte.

US-Industriestimmung trübt sich leicht ein

Die Stimmung in der US-Industrie hat sich im Oktober derweil leicht eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex ISM fiel im Vergleich zum Vormonat um 0,3 Punkte auf 60,8 Zähler, wie das Institute for Supply Management am Montag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit einem deutlicheren Rückgang auf 60,5 Punkte gerechnet. Trotz der Verschlechterung liegt der wichtige Stimmungsindikator für die US-Industrie, der als Gradmesser für das gesamtwirtschaftliche Wachstum gilt, deutlich über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Corona ist noch nicht vom Tisch

Das Thema Corona spielt trotz wieder steigender Infektionszahlen bisher keine Rolle. Helaba-Analystin Claudia Windt warnt jedoch: Neben den Inflationsrisiken sollte auch das Pandemiegeschehen im Blick der Anleger bleiben: "Im beginnenden Winter könnte es an den Börsen nochmal ungemütlich werden."

Gemischte Konjunktursignale aus China

Aus China kamen gemischte Konjunktursignale: Stromengpässe und steigende Rohstoffpreise haben die Stimmung großer staatlicher Industrieunternehmen in China im Oktober belastet, der staatliche Einkaufsmanagerindex sank tiefer unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten, was auf ein Schrumpfen der wirtschaftlichen Aktivitäten hindeutet.

Der vom Wirtschaftsmagazin "Caixin" erfasste Index für die Stimmung in den kleineren und mittleren Industrieunternehmen stieg hingegen überraschend an und lieferte damit ein anderes Bild als der staatliche Index für die großen und staatlich dominierten Betriebe.

Hellofresh-Aktie nachbörslich im Aufwind

Spitzenreiter im nachbörslichen Handel ist das Papier von Hellofresh, das über acht Prozent zulegt. Dessen Zahlenwerk für das dritte Quartal stand ursprünglich morgen auf der Agenda, wurde aber vorgezogen.

Der Kochbox-Versender Hellofresh traut sich erneut mehr zu und hebt die Umsatzprognose für das Gesamtjahr an. Es werde jetzt währungsbereinigt mit einem Erlösplus zwischen 57 und 62 (bisher 45 bis 55) Prozent gerechnet, teilte das Berliner Unternehmen am Abend nach Börsenschluss mit, das erst im September in den deutschen Leitindex DAX eingezogen ist.

Damit würde HelloFresh den Umsatz im besten Fall auf mehr als sechs Milliarden Euro steigern. Inzwischen kommt das Unternehmen auf fast sieben Millionen Kunden weltweit, von denen die Stammkundschaft zudem zuletzt häufiger und mehr bestellte. Im dritten Quartal kletterte der Umsatz währungsbereinigt um 45 Prozent auf 1,41 Milliarden Euro - damit allerdings deutlich weniger als vor einem Jahr, als das Plus bei mehr als 120 Prozent lag. Seit Beginn der Corona-Pandemie profitiert der zehn Jahre alte Anbieter von Lebensmitteln in sogenannten Kochboxen, die im Abo-Modell mit Rezepten und abgemessenen Zutaten direkt an die Haustür geliefert werden, von Hygienebeschränkungen und dem Trend zum Homeoffice.

Barclays-Chef tritt zurück

Der Chef der britischen Großbank Barclays, Jes Staley, tritt nach Untersuchungen der Aufsichtsbehörden über seine Verbindungen zu dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zurück. Die Bank habe am Freitagabend vorläufige Schlussfolgerungen der Behörden erfahren, teilte Barclays mit. Angesichts dieser Informationen und der Absicht von Staley, diese anzufechten, seien das Board der Bank und Staley übereingekommen, dass er als Vorstandschef und Direktor von Barclays zurücktreten werde.

Stahlaktien wie ThyssenKrupp gefragt

Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählten Thyssenkrupp und Salzgitter mit deutlichen Kursgewinnen. Die beiden Stahlproduzenten profitierten Börsianern zufolge von der Einigung zwischen der EU und den USA im Streit um Stahl- und Aluminiumimporte. "Zölle kamen und kommen an den Börsen nie gut an. Von daher hebt hier jede Abschaffung die Stimmung", schrieb Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Deutsche-Bank-Chef: "Inflation kein temporäres Phänomen"

Für Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing ist der Anstieg der Inflationsraten nicht nur ein temporäres Phänomen. Jetzt seien die Notenbanken gefordert, die Entwicklung nicht aus dem Ruder laufen zu lassen. "Sie müssen den Weg aus ihrer sehr lockeren Geldpolitik herausfinden. Und zwar besser früher als später", sagte Sewing der Zeitung.

Die Inflation zieht seit Monaten vor allem wegen stark steigender Energiepreise an. Im Oktober legten die Verbraucherpreise gegenüber dem Vorjahresmonat in den Ländern mit der Euro-Währung um 4,1 Prozent zu, das ist der höchste Wert seit Mitte 2008.

Schwarze Zahlen bei Ryanair

Die irische Billigfluggesellschaft hat zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise in einem Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben. Ryanair wies für die ersten sechs Monate einen Verlust von 48 Millionen Euro aus. Da der Fehlbetrag im ersten Quartal noch bei 273 Millionen Euro gelegen hatte, ergibt sich für das zweite Quartal ein Gewinn von 225 Millionen Euro.

Pandora erhöht Ausblick

Der nach Produktionskapazität größte Schmuckhersteller der Welt hat vor allem dank der hohen Nachfrage in den USA seinen Ausblick für das Gesamtjahr erhöht. Man erwarte nun ein organisches Umsatzwachstum von 18 bis 20 Prozent anstelle von 16 bis 18 Prozent. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) werde nun bei 24 bis 24,5 Prozent angepeilt, etwas höher als die vorherige Prognose von 23 bis 24 Prozent. Im dritten Quartal lag das organische Umsatzwachstum bei 14 Prozent auf 4,73 Milliarden Dänische Kronen, was rund 635,8 Millionen Euro entspricht. Das ist etwas höher als Analysten erwartet hatten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. November 2021 um 07:35 Uhr.