Warren Buffett | picture alliance / dpa
Marktbericht

Standardaktien statt Tech-Werten Buffett bewegt die Wall Street

Stand: 17.02.2021 22:25 Uhr

Star-Investor Warren Buffett hat mit seinen Verkäufen von Apple-Aktien für einen Richtungswechsel an den Börsen gesorgt. Der Dow Jones legte zu, die Nasdaq sackte ab. Inflationssorgen überschatteten den Tag.

Gratis-Schecks haben die Amerikaner in einen Konsumrausch versetzt. Im Januar stiegen die Einnahmen der Einzelhändler unerwartet deutlich um über fünf Prozent. US-Präsident Joe Biden verspricht noch mehr Geld. Doch allmählich wächst die Sorge, dass die billionenschweren Corona-Hilfsprogramme in eine anziehende Inflation münden. Die überraschend deutlich um 1,3 Prozent gestiegenen Erzeugerpreise fachten die Spekulationen um eine anziehende Teuerungsrate an.

US-Anleihen werden attraktiver

Ein Alarmzeichen sind die anziehenden Anleiherenditen. Mit 1,31 Prozent rentieren die zehnjährigen US-Staatsanleihen auf einem Einjahres-Hoch. Mit einer höheren Verzinsung gewinnen die als sicher geltenden Bonds tendenziell an Attraktivität im Vergleich zu Aktien als riskanteres Investment.

Dow auf Rekordhoch

Einige Anleger gingen heute deshalb auf Nummer sicher und machten Kasse. Der breit gefasste S&P 500 schloss fast unverändert. Die technologielastige Nasdaq rutschte um 0,5 Prozent ab. Dagegen kämpfte sich der Dow Jones ins Plus und schaffte mit 31.643 Punkten einen neuen Rekord.

Buffett setzt auf Öl- und Telekom-Aktien

Grund war die große Portfolio-Umschichtung von Starinvestor Warren Buffett. Über sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway investierte er in Aktien von Chevron und Verizon. Prompt zogen die Papiere des Ölkonzerns um 2,7 Prozent und jene des Telekomanbieters sogar um fünf Prozent an. Dagegen reduzierte Buffett sein Engagement bei Apple. Deshalb machten Anleger nun vermehrt einen Bogen um die Technologiewerte. Die Papiere des iPhone-Herstellers verloren fast zwei Prozent und fielen auf den tiefsten Stand seit vier Wochen. Sie gaben so in der Tech-Branche die negative Richtung vor.

Fed hält an ihrer Linie fest

Für Beruhigung sorgte das am Abend veröffentlichte Sitzungsprotokoll der Fed. Dort gab es keinen Hinweis auf eine baldige Änderung der ultralockeren Geldpolitik. Angesichts der Jobmisere in den USA sieht sich die US-Notenbank noch längere Zeit als Nothelferin in der Corona-Krise gefragt. Die Währungshüter wähnen sich noch weit von ihren Zielen Vollbeschäftigung und Preisstabilität entfernt. Damals hatten sie beschlossen, die Konjunktur weiter mit monatlichen Wertpapierkäufen im Volumen von 120 Milliarden Dollar zu stützen. Diese sollen erst zurückgefahren werden, wenn sich die Lage am Jobmarkt durchgreifend verbessert und die Inflation wie gewünscht anzieht.

DAX fällt unter 14.000 Punkte

Angesichts der wachsenden Inflationssorgen musste der DAX heute deutlich Federn lassen. Der deutsche Leitindex schloss um 1,1 Prozent tiefer bei 13.909 Punkten - und notiert damit wieder auf dem Niveau von Anfang Februar. Auch der MDAX fiel um 1,2 Prozent, nachdem er gestern noch ein erneutes Rekordhoch markiert hatte. Investoren fehlten derzeit die Argumente, weiter in den Aktienmarkt einzusteigen, sagte Jochen Stanzl, Marktbeobachter vom Handelshaus CMC Markets.

Zehnjährige Bundesanleihen auf Mehrmonatshoch

Aus Furcht vor einer anziehenden Inflation trennten sich Anleger von niedrig verzinsten Staatsanleihen. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen auf ein Achteinhalb-Monats-Hoch von minus 0,331 Prozent. Vergleichbare T-Bonds rentierten mit plus 1,333 Prozent so hoch wie zuletzt vor einem Jahr.

Dollar zieht an

Steigende Anleiherenditen in Amerika machten indes den Dollar attraktiver. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,6 Prozent. Der Euro fiel Richtung 1,20 Dollar. Zusätzlichen Rückenwind erhielt der Greenback vom überraschend starken Anstieg der US-Einzelhandelsumsätze. Im Gegenzug verbilligte sich der Goldpreis um knapp ein Prozent auf 1777 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Ölpreise sinken wieder

Spekulationen auf einen Anstieg des Angebots drückten auf den Ölpreis. Die Nordsee-Sorte Brent konnte ihr 13-Monats-Hoch von 64,75 Dollar je Barrel nicht halten und kostete am Abend nur noch 63,72 Dollar. Dem "Wall Street Journal" zufolge will Saudi-Arabien wegen der gestiegenen Preise die Ölproduktion in den kommenden Monaten ausweiten

Neue Rekorde beim Bitcoin

Beim Bitcoin geht die Rekordjagd weiter. Die älteste und wichtigste Cyber-Devise stieg um 6,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 51.726,75 Dollar. Vor gerade einmal zwei Monaten hatte sie ihre Bestmarke von 2017 übertroffen und die Schallmauer von 20.000 Dollar durchbrochen. Kurz darauf übersprang sie die Hürden bei 30.000 und 40.000 Dollar und hatte am Dienstag erstmals die Marke von 50.000 Dollar überschritten.

Nur vier Gewinner im DAX

Im DAX gab es heute nur wenige Gewinner. Spitzenreiter war E.ON mit einem Plus von 1,2 Prozent. Auch Siemens, MTU und Daimler verbuchten moderate Kursgewinne.

Beiersdorf-Aktie unter Druck

Aktien des Konsumgüterkonzerns Beiersdorf verloren fast sechs Prozent. Beiersdorf hat 2020 den Umsatzrückgang zwar eingegrenzt und im Corona-Jahr Marktanteile hinzugewonnen. Wegen unvermindert hoher Investitionen in neue Produkte und die Digitalisierung brach der Gewinn jedoch ein. Unter dem Strich stand im abgelaufenen Jahr ein Ergebnis vor Sondereffekten von 636 Millionen Euro, fast ein Fünftel weniger als im Vorjahr.Trotzdem soll den Aktionären eine unveränderte Dividende von 70 Cent je Aktie gezahlt werden. Der Umsatz schrumpfte organisch um 5,7 Prozent auf rund sieben Milliarden Euro.

ThyssenKrupp wird Stahlgeschäft nicht los

Der Industriekonzern Thyssenkrupp muss nun doch an seinem Stahlgeschäft festhalten. Die Übernahmegespräche mit dem Konkurrenten Liberty Steel seien beendet worden, teilte das Unternehmen überraschend am Mittwochabend mit. Eine Veräußerung des Stahlgeschäfts an Liberty Steel werde damit nicht zustande kommen. Anleger reagierten im nachbörslichen Handel sehr enttäuscht. Der Kurs der Thyssenkrupp-Aktie rauschte auf der Handelsplattform Tradegate um mehr als vier Prozent in die Tiefe.

Bafin nimmt K+S ins Visier

Noch deutlicher - um rund 12 Prozent - brachen nach Xetra-Schluss die Aktien von K+S ein. Die Bafin hat Zweifel an der Jahresbilanz des Düngemittelkonzerns. Sie habe die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) mit der Prüfung des Konzernabschlusses zum 31.12.2019 sowie des verkürzten Abschlusses zum 30.06.2020 beauftragt, teilte K+S am Abend mit. Der Vorstand gehe aber davon aus, die Anhaltspunkte der Bafin entkräften zu können. Konkret geht es um den Verdacht, dass K+S einen notwendigen Wertminderungsbedarf falsch und in Teilen zu spät angesetzt habe.

Varta will erste Dividende ausschütten

Die Aktien von Varta stiegen indes im späten Handel um über drei Prozent. Der Batteriekonzern will nach einem starken Jahr erstmals seit dem Börsengang eine Dividende zahlen. Je Aktie sollen die Anteilseigner für das abgelaufene Geschäftsjahr 2,50 Euro erhalten. Für das neue Jahr zeigte sich der Konzern allerdings vorsichtig, was weiteres Wachstum angeht. So soll der Umsatz 2021 auf rund 940 Millionen Euro steigen. Für 2020 war mehr als eine Verdoppelung der Erlöse auf 840 bis 860 Millionen anvisiert. Varta profitiert insbesondere von der bisher starken Marktstellung bei aufladbaren Batterieknopfzellen für die boomenden kabellosen Kopfhörer.

Umsatzeinbruch bei Norma

Der hessische Auto- und Industriezulieferer Norma hat durch die Corona-Krise 2020 einen Umsatzrückgang um 13,4 Prozent auf 952,2 Millionen Euro zu verschmerzen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) brach nach ersten Berechnungen um 62,3 Prozent auf 54,6 Millionen Euro ein. Nach einem starken Rückgang der Geschäfte im ersten Halbjahr habe sich die Nachfrage im weiteren Verlauf - vor allem in China - wieder erholt, so Vorstandschef Michael Schneider.

Elmos-Zahlen nicht gut genug

Nach aktuellen Geschäftszahlen und einem Ausblick auf das erste Quartal sackten die Papiere des Chip-Spezialisten Elmos zeitweise um über acht Prozent ab. Ein Marktteilnehmer erinnerte an den guten Lauf der Aktien vor dem Zwischenbericht. Immerhin hatten sie im noch jungen Jahr zuletzt fast 38 Prozent gewonnen auf das höchste Niveau seit dem Jahr 2000. Experten lobten vor allem den Ausblick. Im vierten Quartal 2020 erzielte Elmos einen Umsatz von 68,7 Millionen Euro und ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) von 8,9 Millionen Euro.

Zalando verliert Großaktionär

Die Papiere von Zalando rutschten um 6,5 Prozent ab, weil die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik ihre Zalando-Aktien an ihre eigenen Anteilseigner weiterreichen will. Mit Kinnevik verliere der Online-Modehändler einen langjährigen Großaktionär, schrieb Analyst Mark Josefson von Pareto Securities.

Teamviewer erhöht Streubesitz

Nur kurz unter Druck gerieten Teamviewer nach einem weiteren Aktienverkauf des Großaktionärs Permira. Dieser trennt sich von Teamviewer-Aktien im Umfang von fast 600 Millionen Euro. Der Kurs drehte aber wieder ins Plus und schloss 4,6 Prozent höher an der MDax-Spitze. Mit jeder Platzierung steige der Streubesitz, sagte ein Händler, und damit auch die Chance auf einen Aufstieg des Software-Dienstleisters in den Dax.

Nestlé verkauft US-Wassergeschäft

Der Nahrungsmittelriese Nestlé hat für sein nordamerikanisches Wassergeschäft einen Käufer gefunden. Der Konzern hat mit den US-Finanzinvestoren One Rock Capital Partners und Metropoulos & Co. eine entsprechende Vereinbarung erzielt, wie Nestlé in der Nacht auf Mittwoch mitteilte. Die Transaktion hat einen Wert von 4,3 Milliarden Dollar. Die veräußerten Geschäfte haben im Jahr 2019 einen Umsatz von rund 3,4 Milliarden Franken erreicht. Nestlé hatte im Juni mitgeteilt, dass der Konzern einen Verkauf seiner Wassersparte in Nordamerika prüfe.

Über dieses Thema berichtete B5 Börse am 17. Februar 2021 um 19:15 Uhr.