Börse Frankfurt

Dow & Co kommen kaum voran Holpriger Börsentag

Stand: 12.01.2021 23:08 Uhr

Nach dem schwachen Wochenauftakt haben sich die Börsen am Dienstag wieder gefangen. An der Wall Street gab es moderate Kursgewinne. Der DAX schloss unverändert. Doch die Anleger bleiben nervös.

Die Corona-Sorgen sind zurück an den Börsen: Wegen der Angst vor einer Ausbreitung der mutierten Coronaviren könnte der Lockdown in Deutschland und auch anderen Teilen Europas verschärft werden. So diskutieren Politiker hierzulande bereits über eine Verlängerung des Lockdowns bis weit über den Januar hinaus, möglicherweise sogar bis Ostern. Das würde die Wirtschaft weiter bremsen.

DAX fast unverändert

Folglich halten sich Anleger mit Aktienkäufen weiter zurück. Der DAX konnte sich zwar am Dienstag nach dem gestrigen Kursrutsch stabilisieren, beendete aber den Xetra-Handel nahezu unverändert bei 13.925 Punkten. Die Rekordjagd ist vorerst beendet. In der vergangenen Woche hatte der deutsche Leitindex noch ein Allzeithoch von 14.131 Zähler erreicht.

Angst vor der Virus-Mutation

Aus vielen Teilen der Welt trudelten am Dienstag schlechte Corona-Nachrichten ein:  Einreisen nach Großbritannien sind bald nur noch mit einem negativen Corona-Test möglich. Südafrika riegelte im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung gar seine Landesgrenzen ab. In China weiteten die Behörden nach dem größten Corona-Ausbruch seit Monaten die Ausgangssperren für Millionen Menschen vor den Toren Pekings aus. Und in Israel stiegen die Infektionszahlen ungeachtet eines dritten Lockdowns auf einen Höchststand.

Wall Street auf Richtungssuche

Die Wall Street zeigte sich relativ orientierungslos. Der Dow Jones legte nur leicht um 0,2 Prozent zu. Der breiter gefasste S&P 500 stagnierte, während die Nasdaq minimal im Minus schloss. Anleger waren hin- und hergerissen zwischen den anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen und der Hoffnung auf milliardenschwere Konjunkturhilfen des designierten US-Präsidenten Joe Biden. Zudem wirft die nahende Berichtssaison der US-Konzerne ihren Schatten. Vor den mit Spannung erwarteten ersten Zahlen der US-Großbanken wollte sich kaum ein Anleger zu weit aus der Deckung wagen.

Größere Kurs-Rückschläge seien indes nicht zu erwarten, sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst des Brokerhauses AvaTrade. Denn ein Ende der ultra-lockeren Geldpolitik der Notenbanken zur Abfederung der Pandemie-Folgen sei bislang nicht in Sicht.

US-Anleiherenditen auf 10-Monats-Hoch

Der amerikanische Anleihenmarkt bereitet den Börsianern zunehmend Sorge, da die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen seit Sommer kontinuierlich angestiegen sind. Inzwischen rentieren Papiere mit einer Restlaufzeit von zehn Jahren mit rund 1,13 Prozent - so hoch wie zuletzt im März 2020. Die Marktteilnehmer reagieren damit auf die geplanten Ausgabenprogramme der Regierung des zukünftigen Präsidenten Joe Biden. "Der Sieg von Biden bei der Wahl im November hat die Hoffnung auf weitere Konjunkturprogramme geschürt. Das gestiegene Zinsniveau stützt seit Mitte der vergangenen Woche auch die US-amerikanische Währung. Am Dienstag konnte sich der Euro aber wieder erholen und stieg bis zum Abend über die Marke von 1,22 US-Dollar.

Regierungskrise in Italien

Wegen des drohenden Bruchs der italienischen Regierung zogen sich Anleger aus den Anleihen des Landes zurück. Dies trieb die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf ein Sechs-Wochen-Hoch von 0,629 Prozent. "Sollte Ex-Regierungschef Matteo Renzi seine Drohung wahr machen und Minister aus der Regierung abziehen, könnte das nicht nur in Italien, sondern in der gesamten Eurozone zu Kursverlusten führen", warnte Marktbeobachter Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners.

AstraZeneca beantragt Zulassung in der EU

Der schwedisch-britische Pharmakonzern AstraZeneca hat eine Zulassung seines Corona-Impfstoffes bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) beantragt. Die Bewertung des Vakzins werde "in einem beschleunigten Zeitrahmen" erfolgen, teilte die EMA am Dienstag in Amsterdam mit. Der Impfstoff könnte nach Einschätzung der EU-Kommission Ende Januar zugelassen werden. Die Kommission hat bis zu 400 Millionen Dosen des Mittels für die 27 EU-Staaten bestellt.

Deutsche Bank treibt Infineon an

Spitzenreiter im DAX war Conti. Zu den Top-Gewinnern gehörte auch die Infineon-Aktie. Rückenwind brachte eine Empfehlung durch die Deutsche Bank mit einem Kursziel von 40 Euro.

Rekordergebnis der Post

Rund zwei Prozent gewannen die Aktien der Deutschen Post. Das Corona-Jahr 2020 hat dem Logistik-Konzern ein Rekordergebnis beschert. Nach vorläufigen Zahlen ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 4,8 Milliarden Euro gestiegen. Dank des Paketbooms stieg der Konzernumsatz um fünf Prozent auf 66,8 Milliarden Euro. Gleichzeitig erhöhte das Unternehmen seine Ergebnisprognosen für die nächsten Jahre. Post-Chef Frank Appel rechnet für die kommenden beiden Jahre mit einem höheren operativen Ergebnis als 2020.

VW Golf 8 bekommt Update

Volkswagen will bei rund 56.000 Exemplaren des Golf 8 Software-Probleme mit einem Update beheben. Der Konzern betonte am Dienstag, es handele sich dabei nicht um einen verpflichtenden Rückruf sowie "keine sicherheitsrelevanten Themen", sondern um eine freiwillige Aktion. Die Maßnahme dürfte aber im Zusammenhang mit Elektronik-Schwierigkeiten bei dem wichtigen Modell zu sehen sein. Immer wieder komme es zu Totalausfällen der Navigation oder anderer Anzeigen auf dem Bildschirm in der Mitte des Cockpits, berichteten die Medien.

Im vergangenen Geschäftsjahr hat der Wolfsburger Konzern bei seiner Kernmarke VW zudem einen deutlichen Absatzeinbruch hinnehmen müssen. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sank um 15 Prozent auf 5,3 Millionen Einheiten. In Westeuropa betrug das Minus sogar fast ein Viertel. Der Absatz reiner Elektroautos und Plug-In-Hybride legte dagegen deutlich zu.

BMW schlägt sich besser als Daimler

Das robuste Geschäft in China hat den Corona-Einbruch bei den deutschen Autobauern abgemildert. BMW verkaufte im vergangenen Jahr weltweit mit gut 2,3 Millionen Autos 8,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Im vierten Quartal stand sogar ein Absatzplus von 3,2 Prozent bei den Marken BMW, Mini und Rolls-Royce zu Buche. Damit schnitten die Münchner im Schlussquartal besser ab als ihr Stuttgarter Rivale Daimler, dessen Absatz in der Pkw-Sparte in gleichen Zeitraum um 1,8 Prozent schrumpfte.

Daimler ruft neue S-Klasse zurück

Der Autobauer Daimler musste am Dienstag eine weitere Hiobsbotschaft bekannt geben: Merrcedes ruft die ersten Exemplare der neuen S-Klasse wegen eines möglichen Sicherheitsrisikos zurück. Betroffen seien weltweit etwa 1.400 Fahrzeuge, die schon in der Hand der Kunden seien, sagte ein Sprecher. Es bestehe die Möglichkeit, dass an der Lenkung nicht passende innere Spurstangen eingebaut wurden, deren Verschraubung den Belastungen auf Dauer nicht standhalten könnte. Die Fahrzeuge sollen nun überprüft und die Spurstangen gegebenenfalls ausgetauscht werden. Daimler hatte sein neues Flaggschiff erst vergangenen September vorgestellt.

RWE verkauft Kleinwasserkraftwerke

Die größten Verlierer im Dax waren die Versorger. RWE büßte fast drei Prozent, EON 2,3 Prozent ein. Der Energiekonzern RWE veräußert 19 Kleinwasserkraftwerke in Frankreich und Portugal an den österreichischen Energieversorger Kelag. Die Anlagen verfügten gemeinsam über eine Kapazität von 65 Megawatt. RWE hatte die Anlagen im Rahmen des Mega-Deals mit E.ON 2019 übernommen. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. RWE ist an der Kelag mit 37,9 Prozent beteiligt.

Shop Apotheke zieht an

Im MDAX fiel die Aktie des Online-Arzneimittelversands Shop Apotheke mit deutlichen Kursgewinnen von fast neun Prozent auf. Die britische Investmentbank Barclays hat das Kursziel für den von 190 auf 195 Euro angehoben und die Einstufung auf "Overweight" belassen. Obwohl die Aktie optisch nicht billig sei, dürfte der Unternehmenswert in den kommenden Jahren sehr hoch bleiben, hieß es zur Begründung. Im Gegensatz bezeichnete die Fondsgesellschaft Kepler das Papier als eine Aktie, die man vermeiden solle.

KKR will bei ProSiebenSat.1 aussteigen

Die Aktien von ProSiebenSat.1 gerieten im späten Handel unter Druck. Der US-Finanzinvestor KKR will sich einem "Bloomberg"-Bericht zufolge von einem Großteil seines Aktienpakets am Fernsehkonzern trennen. KKR plant über Nacht elf Millionen ProSiebenSat.1-Aktien bei institutionellen Investoren zu platzieren, berichtete die Finanznachrichtenagentur. Das wären 4,7 Prozent des Grundkapitals. KKR hatte zuletzt einen Anteil von 6,6 Prozent an ProSiebenSat.1 gemeldet. Der Medienkonzern Axel Springer hatte Spekulationen über Pläne für ein Bündnis mit dem Betreiber von Privatsendern wie ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und Online-Plattformen stets zurückgewiesen.

Ford schließt Werke in Brasilien

Der Autokonzern Ford reduziert sein verlustträchtiges Engagement in Brasilien und schließt seine drei dortigen Werke. Der US-Konzern ist seit 1919 in dem südamerikanischen Land aktiv. Die Maßnahmen führen zu Abschreibungen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Dollar.

GM baut Elektro-Lieferwagen

GM-Chefin Mary Barra
galerie

Mary Barra, CEO General Motors

Der US-Autokonzern General Motors steigt als nächster Branchenplayer ins Geschäft mit Elektro-Lieferwagen ein. Die Produktion der Fahrzeuge soll Ende des Jahres beginnen, unter den ersten Kunden ist der Paketdienst Fedex. Das gab GM-Chefin Mary Barra am Dienstag bei der virtuellen Technik-Messe CES bekannt. Die GM-Lieferwagen sollen eine Reichweite von rund 400 Kilometern mit einer Batterieladung haben. Elektrische Lieferwagen bauen unter anderem auch Mercedes-Benz und Ford sowie Start-ups wie die von Amazon unterstütze US-Firma Rivian.

Horror-Jahr für Boeing

Der US-Luftfahrtkonzern hat im vergangenen Jahr so wenige Flugzeuge ausgeliefert wie seit 43 Jahren nicht mehr. Firmendaten zufolge fiel der Absatz um rund 60 Prozent. Neben der Corona-Krise mit ihren Folgen für den weltweiten Luftverkehr belastete ein nach zwei Abstürzen mit Hunderten von Todesopfern verhängtes Flugverbot für eines der wichtigsten Boeing-Modelle, die 737 MAX.

Kanadier wollen Carrefour schlucken

In der Einzelhandelsbranche könnte sich ein Mega-Deal anbahnen: Der kanadische Einzelhändler Alimentation Couche-Tard erwägt Insidern zufolge die Übernahme des französischen Rivalen Carrefour. Die Kanadier seien bei den Franzosen diesbezüglich bereits vorstellig geworden, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg. Es sei aber nicht sicher, ob es auch zu einer Transaktion komme. Carrefour wird derzeit an der Börse mit knapp 13 Milliarden Euro bewertet. Anleger in Toronto zeigten sich nicht begeistert. Die Aktien von Couche-Tard verloren mehr als zweieinhalb Prozent.

Bitcoin erholt

Der Bitcoin verteuerte sich nach einer Achterbahnfahrt bis zum Abend um zwei Prozent auf 34.655 Dollar, nachdem die virtuelle Währung in den vergangenen Tagen um etwa 30 Prozent abgestürzt war. Der Kryptowährungsmarkt sei weiterhin gespalten, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Kritiker dürften sich bestätigt fühlen, während mutige Spekulanten erneut Engagements tätigen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Januar 2021 um 23:39 Uhr.

Darstellung: