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Marktbericht

DAX steigt, Dow fällt Zweigeteilte Börsenwelt

Stand: 22.12.2020 22:20 Uhr

Während an Europas Börsen am Dienstag Erleichterung über den nahenden Corona-Impfstart herrschte, trübte sich die Stimmung an der Wall Street ein. Wegen schwacher Konjunkturdaten fiel der Dow Jones zurück.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Zwei Tage vor Heiligabend haben die Anleger am deutschen Aktienmarkt wieder ihren Optimismus gefunden. Der DAX erholte sich etwas von seinem Vortagesschock und schloss um 1,3 Prozent fester bei über 13.400 Punkten. Am Montag war der deutsche Leitindex um dreieinhalb Prozent abgestürzt aus Angst vor der neuen Corona-Mutation, die den Flugverkehr nach Großbritannien lahmlegte. "Auch wenn mit 'Corona 2.0' ein Damoklesschwert über den Köpfen der Anleger schwebt, verhindert die Aussicht auf den baldigen Startschuss zu einem Impf-Marathon dies- und jenseits des Atlantiks weitere Verluste", meinte Marktbeobachter Timo Emden von Emden Research.  Die nun beginnenden Impfungen würden die Lage nun Tag für Tag verbessern. Damit verliere die Pandemie auch Schritt für Schritt für die Finanzmärkte an Bedeutung, glauben Börsianer.

Impfstoff dürfte auch gegen das mutierte Virus helfen

Experten sind zuversichtlich, dass der Impfstoff von Biontech auch gegen die neue Variante des Coronavirus wirksam sein dürfte. Biontech wäre nach eigenen Angaben prinzipiell binnen sechs Wochen in der Lage, auch ein Präparat gegen die in Großbritannien aufgetauchte Mutation des Virus herzustellen, sagte Vorstandschef Ugur Sahin. Es sei sehr wahrscheinlich, dass der bereits hergestellte Impfstoff auch gegen die neue Variante wirke. "Das ist aber eine rein technische Überlegung."

Dow Jones rutscht ab

An der Wall Street konnten diese Nachrichten die Anleger nicht beruhigen. Der Dow Jones drehte ins Minus und schloss 0,7 Prozent tiefer bei knapp über 30.000 Punkten. Nur die Nasdaq hielt sich im Plus - dank Apple. Zeitweise kletterte der Tech-Index auf ein neues Rekordhoch. Belastet wurde die Börse von enttäuschenden Konjunkturdaten. Die Stimmung der US-Konsumenten trübte sich zum Jahresende so stark ein wie seit August nicht mehr. Das Barometer für die Verbraucherlaune fiel im Dezember überraschend auf 88,6 Zähler - von 92,9 Punkten im November. Analysten hatten mit einem leichten Anstieg gerechnet.

US-Wirtschaft wächst um über 33 Prozent

Die Wirtschaft der USA hat sich im Sommer noch etwas stärker als erwartet von dem coronabedingten Konjunktureinbruch im Frühjahr erholt. Nach der in den USA üblichen Betrachtungsweise stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal aufs Jahr hochgerechnet um 33,4 Prozent stärker als im Vorquartal. Volkswirte hatten mit einem Wachstum von 33,1 Prozent gerechnet. Zuletzt aber hat sich die Corona-Krise auch in den USA wieder zugespitzt. In mehreren Bundesstaaten wurden Beschränkungen verschärft. Dies dürfte im vierten Quartal erneut besonders den Dienstleistungssektor der größten Volkswirtschaft der Welt belasten. Das am Wochenende beschlossene Konjunkturpaket über 900 Milliarden US-Dollar könnte die Wirtschaft vor einem erneuten Abschwung bewahren, sagte ein Börsianer.

Werden Brexit-Gespräche 2021 fortgesetzt?

Das amerikanische Corona-Hilfspaket stützte auch den Dollar, der zu einem Währungskorb 0,1 Prozent zulegte. Der Euro gab im Gegenzug etwas nach auf 1,2237 Dollar. Das britische Pfund stand ebenfalls unter Druck. Es gibt immer noch keine Einigung bei den Verhandlungen zwischen der EU und Großbritannien über ein Handelsabkommen. Es besteht die Gefahr, dass Großbritannien am Ende des Jahres ohne Abkommen aus dem EU-Binnenmarkt ausscheidet. Insidern zufolge ist die EU zu einer Fortsetzung der Brexit-Gespräche auch nach dem Ablauf der Frist zum Jahresende bereit. Die Hoffnung auf einen Kompromiss im Streit der Regierung in London mit der EU über die Fischereirechte verhindere größere Verluste, sagte Jane Foley, Chefstrategin bei der Rabobank.

Konsumklima sehr schwach

Angesichts der schwierigen Lage lassen die Verbraucher in Deutschland die Köpfe hängen. Das vom Marktforschungsinstitut GfK ermittelte Konsumklima sank um 0,5 auf minus 7,3 Punkte. Als Reaktion auf die Corona-Krise wollen viele Konsumenten nun deutlich mehr sparen. In den kommenden Wochen werde auf das Konsumklima "eine sehr schwierige Phase zukommen", prognostizierten die Forscher.

Konjunkturprognosen sinken

Auch auf die Gesamtwirtschaft wirkt sich die Pandemie stark aus. Das Münchner Ifo-Institut, das KOF aus Zürich und Istat aus Rom rechnen damit, dass die Wirtschaftsleistung im laufenden vierten Quartal im Euroraum um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal sinken wird. Für das kommende erste Quartal 2021 rechnen die Forscher nur noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozent nach bisher 1,5 Prozent. "Der Ausblick wird von großer Unsicherheit darüber überschattet, wie sich die Wirtschaft bei steigenden Ansteckungszahlen und gleichzeitigem Beginn der Impfungen gegen Corona entwickelt", hieß es von den Experten. "Auch könnte ein harter Brexit Lieferketten unterbrechen."

Deutsche Staatsschulden auf Rekordhoch

Durch die Kosten der Pandemie sind die Staatsschulden in diesem Jahr kräftig auf ein Rekordniveau gestiegen. Ende September lagen sie laut dem Statistischen Bundesamt bei knapp 2,2 Billionen Euro und knapp ein Sechstel höher als Ende vergangenen Jahres.

Ölpreise sacken ab

Am Ölmarkt zeigten sich die Marktteilnehmer verunsichert. Wegen der Sorge um die Virusmutationen verbilligte sich das Nordsee-Öl der Sorte Brent. Für ein Barrel (159 Liter) zur Lieferung im Februar wurden zeitweise weniger als 50 Dollar bezahlt. Die Märkte befürchten, dass sich die Nachfrage nach dem Rohstoff nicht so schnell erholen könnte wie noch vor einigen Tagen gedacht.

Paket-Rekord bei der Post

Der Lockdown und der Trend hin zum Online-Shopping beschert der Deutschen Post einen Boom im Paketgeschäft. "Wir haben von Montag bis Samstag der vergangenen Woche insgesamt mehr als 61 Millionen Paketsendungen in unserem gesamten Netzwerk sortiert", sagte ein Unternehmenssprecher den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies sei ein neuer Höchstwert an Paketsendungen, die innerhalb eines solchen Zeitraums jemals bearbeitet worden seien.

HeidelCement vor Verkauf des Kalifornien-Geschäfts

Zu den größten Dax-Gewinnern zählte HeidelbergCement. Die Aktien zogen um fast vier Prozent an. Der Zementhersteller spielt offenbar den Verkauf des Kalifornien-Geschäfts durch. Der Konzern könnte mit diesem Zug 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 1,23 Milliarden Euro) einspielen, berichtete die Finanznachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Bringt Daimler seine Trucks an die Börse?

Der Stuttgarter Autobauer Daimler bereitet einem Medienbericht zufolge den Börsengang seines Lastwagengeschäfts vor. Bereits Ende 2021 könnte Daimler Trucks vom Rest separiert werden und an die Börse gehen, berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf Konzern- und Finanzkreise. Wahrscheinlicher sei der Schritt aber im Jahr 2022. Daimler wollte sich dem Bericht zufolge zu den Überlegungen nicht äußern. Fix sei zwar nichts, die Planspiele in Stuttgart würden allerdings konkreter.

Hornbach im Heimwerker-Fieber

Die Aktien der Baumarktkette Hornbach legen deutlich zu. Das im SDAX notierte Unternehmen hat seinen Umsatz im dritten Quartal um gut ein Fünftel auf 1,37 Milliarden Euro gesteigert. Auch der Gewinn konnte erheblich verbessert werden. Hornbach profitierte vom anhaltenden Trend zum Heimwerken während der Pandemie. Der Vorstand bestätigte eine Prognose für das Gesamtjahr, obwohl es einigen europäischen Ländern Einkaufsbeschränkungen gibt. 

Siltronic empfiehlt Annahme des Übernahmeangebots

Vorstand und Aufsichtsrat des Münchner Chip-Zulieferers Siltronic haben sich offiziell für das Übernahmeangebot des Konkurrenten GlobalWafers aus Taiwan ausgesprochen. In der in solchen Fällen üblichen "begründeten Stellungnahme" empfahlen sie ihren Aktionären die Annahme des Angebots über 125 Euro je Aktie. Siltronic-Chef Christoph von Plotho hatte sich schon am 8. Dezember für das Angebot ausgesprochen: "Dieser Zusammenschluss ist eine große Chance für Siltronic und GlobalWafers, gemeinsam ein Unternehmen zu bilden, das sowohl technologisch wie auch effizienzseitig an der Weltspitze agiert". Die beiden Firmen, bisher die Nummer drei und vier der Branche, können zusammen den japanischen Marktführer Shin-Etsu angreifen.

LPKF im Höhenflug

Überflieger des Tages ist LPKF. Die Aktien des Laserspezialisten schossen um gut zehn Prozent in die Höhe und waren Spitzenreiter im TecDax. Sie erreichten ihren höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. In der vergangenen Woche hatte der Laserspezialist erstmals einen Auftrag für die Ausstattung von Produktionsstätten erhalten, die Dünnschicht-Solarmodule auf Basis der sogenannten CIGS-Technologie produzieren. Seitdem ist der Kurs um rund 18 Prozent gestiegen. Analyst Robert-Jan van der Horst von Warburg Research wertete den Auftrag positiv, weil LPFK damit die Abhängigkeit von einem großen US-Kunden reduziere. Zudem belege der Auftrag die Erholung im Solarsegment.

Easyjet verschiebt Airbus-Order

Der britische Billigflieger Easyjet nimmt erneut einige Flugzeuge von Airbus später ab. Der Flugzeugbauer wird 22 Maschinen statt zwischen 2022 und 2024 erst in den Jahren 2027 und 2028 an die Fluggesellschaft liefern. Die Verschiebung lässt sich Easyjet umgerechnet rund 28 Millionen Euro kosten. Hinzu kommt ein Aufschlag wegen steigender Personal- und Materialkosten.

Apple bastelt am selbstfahrenden Auto

Die Apple-Papiere gewannen fast drei Prozent und steuern auf ihr Rekordhoch von Anfang September bei knapp 138 Dollar zu. Der iPhone-Hersteller will nach Angaben von Insidern 2024 ein autonomes Passagierfahrzeug auf den Markt bringen, das einen Durchbruch bei der Akku-Technik enthalten könnte. "Wenn Apple einen Durchbruch bei den Batterien geschafft hat, könnte das ein wichtiger Schritt nach vorne sein, weil die Batterie-Kosten zu den Knackpunkten bei der Massenproduktion von Elektroautos gehören", sagte Amit Daryanani, Analyst bei der Investmentbank-Beratungsfirma Evercore.

Chefwechsel bei Angry-Bird-Hersteller

Die Aktien des Angry-Birds-Herstellers Rovio legen 6,6 Prozent zu und bauen ihre Gewinne vom Montag aus. Der für das Spielegeschäft zuständige Manager Alexandre Pelletier-Normand übernimmt den Chefposten von Kati Levoranta, die ihren Abgang im Oktober angekündigt hatte. "Der neue Chef kommt aus dem Inneren des Unternehmens, und deswegen wird die Übergangsperiode glatt ablaufen", sagt OP-Analyst Kimmo Stenvall.

Peloton übernimmt Konkurrenten

Die Aktien des Heimtrainerherstellers Peloton stiegen um rund zwölf Prozent. Das Unternehmen will den Konkurrenten Precor für 420 Millionen Dollar kaufen. Die Peloton-Aktie hat sich im laufenden Jahr bereits mehr als verfünffacht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. Dezember 2020 um 17:00 Uhr.