Schild "Nasdaq" | REUTERS
Marktbericht

Tech-Aktien im Minus Gedrückte Stimmung an der Nasdaq

Stand: 22.09.2022 22:19 Uhr

Die Wall Street verarbeitete heute den gestrigen bitteren Zinsentscheid der Notenbank. Während die Standardwerte den Schock besser verkrafteten, bleibt die Tech-Börse Nasdaq angeschlagen.

Die Stimmung an der Wall Street blieb auch einen Tag nach dem Zinsschock der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) gedämpft. Während sich die Standardwerte auf niedrigerem Niveau zumindest stabilisierten, ging es an der Technologiebörse Nasdaq weiter bergab. Denn höhere Zinsen entwerten Experten zufolge zukünftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen besonders.

Der Dow schloss bei 30.076 Punkten moderat um 0,35 Prozent schwächer. Der Index erholte sich damit im Verlauf von seinem Tief, das kurzzeitig unter der Marke von 30.000 Punkten bei 29.994 Punkten gelegen hatte. Die Technologiebörse Nasdaq, die gestern deutlich um 1,8 Prozent gefallen war, grenzte ihre Verluste im Verlauf zwar ebenfalls etwas ein, blieb aber letztlich mit 1,37 Prozent klar im Minus stecken. Der marktbreite S&P-500-Index ging bei 3757 Zählern um 0,84 Prozent schwächer aus dem Markt.

Stürmische Zeiten voraus

Die Fed hatte die Leitzinsen wie erwartet das dritte Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben und weitere Erhöhungen bis zum Jahresende signalisiert. "In Zukunft wird der Markt überempfindlich auf jede Art von Fed-Kommentaren und Daten reagieren", sagte Investment-Experte Brian Klimke von Cetera Financial. Die kommende Zeit könne also stürmisch werden, doch es gebe auch Anlass zu vorsichtigem Optimismus. "Die Bewertungen sind viel besser als zu Beginn des Jahres, die Gewinnschätzungen wurden gesenkt, was es leichter macht, sie zu übertreffen."

Gegen den schwächeren Markttrend legten Aktien des SAP-Konkurrenten Salesforce an der NYSE zu. Das Unternehmen will seine Erlöse bis 2026 auf 50 Milliarden Dollar fast verdoppeln. Analyst Derrick Wood vom Vermögensverwalter Cowen hebt daneben die angepeilte operative Marge von 25 Prozent hervor. Er bekräftigte seine Einstufung mit "Outperform" und das Kursziel von 210 Dollar.

Bei Tesla verdarb ein Fahrzeugrückruf die Laune der Anleger. Die Aktien des E-Auto-Herstellers fielen um mehr als vier Prozent. Rund 1,1 Millionen Teslas müssen in den USA in die Werkstatt wegen möglicher Probleme im Zusammenhang mit den automatischen Fenstersystemen.

Der heimische Handel stand heute ganz im Zeichen des Fed-Zinsentscheids am Vorabend. Wer sich bisher noch irgendwelche Illusionen über eine wie auch immer geartete "Geldpolitik-light" der großen Notenbanken gemacht hatte, dürfte spätestens seit gestern Abend endgültig ernüchtert sein. Denn der Chef der US-Notenbankchef Federal Reserve (Fed), Jerome Powell, hat am Vorabend keinen Zweifel gelassen, dass der Kampf gegen die historisch hohe Inflation von derzeit 8,3 Prozent bei den Verbraucherpreisen absolute Priorität für die Bank hat, auch wenn dadurch die Konjunktur leidet.

Powell sprach zudem Klartext und machte deutlich, dass weitere hohe Zinserhöhungen anstehen. "Ich wünschte, es gebe einen schmerzlosen Weg. Den gibt es nicht."

Die Fed hat gestern wie erwartet ihr Leitzinsniveau um weitere 75 Basispunkte auf eine Bandbreite zwischen nunmehr 3,00 und 3,25 Prozent angehoben, das ist der höchste Stand seit 14 Jahren. Wenig überraschend, dass die Zinspolitik der mächtigsten Notenbank der Welt heute das beherrschende Thema an der Börse war - zumal auch andere westliche Notenbanken keine Zweifel daran lassen, dass sie zur Inflationsbekämpfung weiter auf das Zinspedal drücken werden.

Der DAX tat sich vor dem Hintergrund der strengen Geldpolitik heute entsprechend schwer. Der deutsche Leitindex schloss bei 12.531 Punkten um 1,84 Prozent deutlich leichter. Der Index endete damit auch nahe seines Tagestiefs bei 12.526 Zählern. Ein zwischenzeitliches Aufbäumen im Handelsverlauf bis auf 12.781 Punkte hatte keinen Bestand, vor allem nach der schwächeren Wall-Street-Eröffnung setzten sich die Bären (Verkäufer) endgültig durch.

Kopfschmerzen bereite Investoren nicht die dritte Anhebung des US-Leitzinses in Folge, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. "Vielmehr hat die Angst vor einer harten Landung der US-Wirtschaft die Marktteilnehmer verschreckt." Denn die ungewöhnlich aggressiven Zinserhöhungen der Fed machten eine Rezession unausweichlich.

Die Fed sagte außerdem in diesem Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum voraus als noch vor drei Monaten angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll danach nur noch um 0,2 Prozent wachsen.

In einem schwachen Marktumfeld hielten sich zinssensitive Aktien besser. Denn die Zeichen stehen klar auf weitere Zinserhöhungen, was die Marge besonders der Banken verbessert. Aber auch Versicherungen gehören zu den Profiteuren, können sie doch als große Kapitalsammelstellen die Beiträge ihrer Kunden ertragreicher anlegen als im schwierigen Nullzinsumfeld.

Deutsche Bank standen an der DAX-Spitze, auch Allianz legten zu. Das größte deutsche Geldhaus hält zudem an den diesjährigen Erlöszielen fest, auch wenn der unmittelbare Ausblick auf 2023 nach den Worten von Finanzchef Von Moltke etwas vorsichtiger ausfällt. Die Zinswende kompensiere das entgangene Wachstum in der Bank, erklärte er und prognostizierte einen Erlössprung von 700 Millionen Euro durch die gestiegenen Zinsen.

Zudem standen heute weitere Zinsentscheidungen im Fokus. So folgte die Schweizerische Nationalbank (SNB) dem Vorbild von Fed und Europäischer Zentralbank (EZB) und hob den Leitzins ebenfalls um 0,75 Prozentpunkte an. Damit beendete sie nach acht Jahren die Ära der Negativzinsen. "Die SNB verfährt nach dem Motto: 'Wehret den Anfängen'", sagte Volkswirt Brian Mandt von der Luzerner Kantonalbank. Schließlich sei die Inflation bei den Eidgenossen im internationalen Vergleich noch gemäßigt.

Die britische Notenbank hob den Leitzins zur Überraschung der Marktteilnehmer dagegen eher moderat an. Sie erhöhte ihn nur um 0,50 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent. An den Finanzmärkten war mit einer Anhebung um 0,75 Prozentpunkte gerechnet worden. Gegen den globalen Trend hält Japans Zentralbank derweil an ihrer Niedrigzinspolitik fest. Nach zweitägiger Tagung entschieden die Währungshüter, ihre wichtigsten geldpolitischen Hebel unverändert zu lassen. Der japanische Yen stand heute Morgen massiv unter Druck, bis die Notenbank mit Käufen der eigenen Währung einschritt.

Auch die EZB hat bereits angekündigt, das Leitzinsniveau weiter zu erhöhen. Mit dieser Perspektive im Gepäck bleibt das Marktumfeld für die Aktien- und Rentenmärkte erst einmal mau.

Der Höhenflug der Weltleitwährung geht derweil weiter. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, notiert so hoch wie zuletzt vor etwas mehr als 20 Jahren.

"Was sonst als den Dollar kann man derzeit kaufen", fragt Sally Auld, Chef-Anlegerin des Vermögensverwalters JB Were. "Die Fed wird ihre Zinserhöhungen auf absehbare Zeit nicht beenden." Andere Börsianer verweisen zusätzlich auf die Attraktivität des Dollar als "sicherer Anlagehafen" vor dem Hintergrund der drohenden Rezession in Europa, der schwächelnden chinesischen Wirtschaft und des anhaltenden Ukraine-Kriegs.

Der Euro steht im Gegenzug weiter unter Druck. In der Nacht fiel die Gemeinschaftswährung bis auf 0,9809 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit etwa 20 Jahren. Zuletzt handelte die Gemeinschaftswährung im US-Handel mit 0,9841 Dollar etwas über Tagestief. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 0,9884 (Mittwoch: 0,9906) Dollar fest

Nachdem die Ölpreise bereits gestern angezogen waren, sind sie am späten Nachmittag wieder zurückgefallen und endeten letztlich wenig verändert. Die Preisentwicklung am Ölmarkt ist nach wie vor schwankungsanfällig. Zu tendenziell steigende Preise führen die zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Russland infolge des Ukraine-Kriegs. Da Russland einer der größten Ölförderer der Welt ist, ziehen die Spannungen Risikoaufschläge am Erdölmarkt nach sich. Auf der anderen Seite werden die Rohölpreise durch Konjunktursorgen und die straffe Geldpolitik vieler Zentralbanken belastet.

Am Tag nach der offiziellen Ankündigung der Verstaatlichung war der Handel mit Uniper-Papieren turbulent. Die Aktien des Gas-Versorgers starteten mit einem Abschlag von bis zu 11 Prozent, drehten dann aber ins Plus und schlossen letztlich rund 6,0 Prozent höher.

"Für die zum Glück nur noch mit etwas mehr als sechs Prozent beteiligten Privatanleger gibt es jetzt nur noch die Alternativen flüchten oder standhalten", sagt Aktien-Experte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) der "Rheinischen Post" laut Vorabbericht. Die Aktien des 2016 von Eon abgespaltenen Unternehmens waren gestern in der Spitze um fast 40 Prozent gefallen und und hatten ein Viertel ihres Wertes eingebüßt.

Der Autobauer Volkswagen geht davon aus, dass er die Produktion angesichts der hohen Füllstände der Gasspeicher über den Winter aufrecht erhalten kann. Sollten die Gaslieferungen aus Russland allerdings nicht wieder aufgenommen werden, drohe ab Juni eine Gasknappheit.

Volkswagen sei auf verschiedene Szenarien vorbereitet. "Wir können aber Auswirkungen auf unser Geschäft, etwa durch Störungen in der Lieferkette oder hoheitliche Eingriffe des Staates, trotzdem nicht vollständig ausschließen," sagte Cheflobbyist Thomas Steg. Für den Fall einer Gasmangellage forderte Steg eine Zuteilung der Energiemengen durch die Bundesnetzagentur an den Konzern, mindestens aber auf Ebene der Tochtergesellschaften wie VW oder Audi.

Der weltgrößte Flugzeugbauer Airbusaus dem DAX erhält einen weiteren Großauftrag aus China. Die zu China Southern Airlines gehörende Fluggesellschaft Xiamen Airlines kauft 40 Mittelstreckenjets der A320neo-Reihe, wie sie heute in Guangzhou mitteilte. Einem Airbus-Sprecher zufolge kommt die Bestellung zu den chinesischen Großaufträgen vom Juli hinzu.

Da hatten China Southern, China Eastern, Air China und Shenzhen Airlines insgesamt 292 Maschinen aus der Modellfamilie A320neo bestellt. Für Xiamen Airlines sei es nun die erste Airbus-Bestellung, sagte ein Sprecher des europäischen Flugzeugherstellers. Bisher habe die Gesellschaft ausschließlich auf Maschinen des US-Konkurrenten Boeing gesetzt.

Der Finanzdienstleister Hypoport hat wegen der schwachen Nachfrage die Jahresziele ausgesetzt. Die derzeitige Jahresprognose werde "deutlich verfehlt", teilte das im SDax notierte Unternehmen am Abend nach Börsenschluss in Berlin mit. Es sei nicht prognostizierbar, ob die Zurückhaltung der Verbraucher in der privaten Immobilienfinanzierung im weiteren Jahresverlauf beendet sei. Das zweite Halbjahr zeige bisher eine sehr schwache Nachfrage.

Für das dritte Quartal werde auf vorläufiger Basis mit einem Umsatz leicht unter dem Vorjahresniveau und einem ausgeglichenen Ergebnis vor Zinsen und Steuern gerechnet. Die Aktie geriet nachbörslich auf Tradegate kräftig unter Druck.

Die Aktien des Linux-Spezialisten Suse fielen trotz eines Gewinnanstiegs drastisch um über 21 Prozent. Das war der größte Kurssturz seit dem Börsengang vor rund eineinhalb Jahren. Das operative Ergebnis habe die Erwartungen zwar übertroffen, kommentierte Analyst Charles Brennan von der Investmentbank Jefferies. Allerdings seien die Buchungen zurückgegangen. Außerdem habe das im SDAX gelistete Unternehmen die Prognosen für die Buchungen im Kerngeschäft gesenkt. Zuletzt konnten die Papiere die Verluste auf ein Minus von knapp 25 Prozent reduzieren.

Im Kampf gegen Funklöcher macht eine Kooperation der drei großen deutschen Mobilfunk-Anbieter Fortschritte. Der Netzbetreiber Telefónica (O2) teilte heute mit, dass man der Deutschen Telekom 200 eigene Standorte freigeschaltet und im Gegenzug Zugriff auf gleich viele Standorte des Bonner Konzerns bekommen habe. Bis Jahresende wollen sich die zwei Netzbetreiber an jeweils bis zu 700 Standorten gegenseitig auf das Netz lassen. Es handelt sich um sogenannte graue Flecken, wo also nur ein oder zwei Netze verfügbar sind und nicht alle drei. Wer einen Vertrag bei dem Provider hat, der dort nicht präsent ist, steckt im Funkloch.

Der japanische Technologieinvestor Softbank will mit der südkoreanischen Samsung über eine Partnerschaft mit seiner Chip-Designer-Tochter Arm sprechen. Softbank-Chef und Gründer Masayoshi Son teilte heute mit, mit Samsung ein Treffen zu planen, um eine strategische Allianz zwischen den Südkoreanern und Arm zu prüfen. Samsung-Vize Jay Y. Lee hatte bereits gestern angekündigt, dass Masayoshi Son voraussichtlich im kommenden Monat nach Seoul komme. Softbank hatte Arm, dessen Technologie im iPhone von Apple und in fast allen anderen Smartphones steckt, im Jahr 2016 für 32 Milliarden Dollar gekauft.

Novartis bekräftigt Mittelfristziele

Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat seine Mittelfristziele bekräftigt. "Wir werden unsere Finanzergebnisse weiter verbessern und bis 2027 ein Umsatzwachstum von über vier Prozent erzielen sowie mittel- bis langfristig eine bereinigte operative Gewinnmarge von mehr als 40 Prozent", erklärte der Chef des Arzneimittelherstellers, Vasant Narasimhanam, heute. Der Konzern peile ein Gleichgewicht zwischen kontinuierlichen Investitionen in das Geschäft und der Rückführung von Kapital an die Aktionäre an. Novartis sieht sich auf Kurs, bis 2024 Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Dollar zu erreichen.

FedEx strebt im nächsten Jahr deutliche Kostenersparnisse an. "Wir werden Kosten-, Geschäfts- und Kapazitätshebel ziehen, um uns an die Auswirkungen der reduzierten Nachfrage anzupassen", erklärte der Konzernchef des US-Paketzustellers, Raj Subramaniam, am Donnerstag. Der DHL-Rivale bezifferte das angepeilte Einspar-Volumen auf zwischen 2,2 und 2,7 Milliarden Dollar. Unter anderem solle die Taktung der Flüge bei FedEx Express reduziert und bestimmte Aktivitäten bei FedEx Ground eingestellt werden. Die FedEx-Aktie stieg um rund zwei Prozent nach der Ankündigung an.

Das Unternehmen bestätigte die vorläufigen Zahlen für das erste Quartal: Am Ende stand ein Umsatzplus von gut fünf Prozent auf 23,2 Milliarden Dollar sowie ein Rückgang des bereinigten operativen Gewinns um knapp 20 Prozent auf 1,23 Milliarden. Auch der Nettogewinn fiel um etwas mehr als 20 Prozent auf 875 Millionen Dollar. Die Prognose hatte das Unternehmen in der vergangenen Woche mit Blick auf die Verschlechterung der Weltwirtschaft zurückgenommen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. September 2022 um 09:00 Uhr.