Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance / newscom
Marktbericht

Nasdaq schwächelt Vorsicht regiert

Stand: 07.02.2022 22:25 Uhr

Selbst wenn die Zinswende einigermaßen verdaut sein sollte, bleibt das Thema Ukraine unberechenbar. Vor diesem Hintergrund blieben die Märkte wackelig.

Die US-Märkte haben nach den Turbulenzen der Vortage zu Wochenbeginn eine Stabilisierung versucht. In den letzten Handelsminuten erlitten die Technologiewerte allerdings doch wieder einen Schwächeanfall und der Nasdaq-100 ging 0,8 Prozent tiefer aus dem Handel. Der Dow Jones konnte nur noch ein hauchdünnes Plus von einem Punkt in den Abend retten.

Die US-Aktienmärkte haben weiterhin an den überraschend starken Arbeitsmarktdaten zu knabbern, die am Freitag veröffentlicht wurden. Diese machen es noch wahrscheinlicher, dass die US-Notenbank Fed ab März mehrere Zinsschritte nach oben gehen wird. Seit Freitag gehen manche Marktteilnehmer inzwischen von fünf Zinsschritten aus.

DAX versucht Bodenbildung

Der DAX konnte heute seine zwischenzeitlichen Verluste egalisieren und schloss 0,7 Prozent höher. Die Einlassungen von EZB-Chefin Christine Lagarde vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europaparlaments am Nachmittag kamen gut an. So hatte Lagarde etwa erklärt, dass es keine Anzeichen für eine Überhitzung der Wirtschaft gebe und jede geldpolitische Anpassung graduell sein werde.

Auch bezüglich der Ukraine-Krise nahm der Markt leicht positive Töne aus dem Kreml im Umfeld des Treffens zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron dankbar auf.

Das Tagestief des DAX lag bei 15.076 Punkten, 17 Punkte oberhalb des Vorwochentiefs. Damit hat sich der Unterstützungsbereich knapp unter 15.100 Punkten weiter bewährt. Sollte er erneut getestet werden, rückt die Marke von 15.000 Punkten in den Fokus. Diese sollte der DAX tunlichst nicht preisgeben, sonst droht neue Abwärtsdynamik: Die technischen Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt haben für diesen Fall ein Kursziel von rund 13.800 Punkten berechnet.

Haben Amazon und Nike Interesse an Peloton?

An der Wall Street sorgte der Fitnessgeräte-Hersteller Peloton für Furore. Das Papier sprang um mehr als 20 Prozent nach oben. Das für seine Fitness-Bikes für zu Hause bekannte Unternehmen steht im Fokus neuer Übernahmespekulationen.

Medien zufolge sollen sowohl Nike als auch Amazon ein Angebot prüfen. Die Aktie des einstigen Pandemie-Gewinners war seit ihrem Rekordhoch bei 171,09 Dollar bis zum Freitagsschlusskurs um rund 85 Prozent abgestürzt.

Wieder Ärger mit Musk-Tweet

Tesla hat erneut Ärger mit den Behörden wegen eines Tweets von Elon Musk. Der US-Elektroautobauer hat schon im November eine Vorladung der US-Börsenaufsicht SEC erhalten, wie aus einer Pflichtmitteilung von heute hervorgeht. Dabei ging es um einen Tweet, in dem der Tesla-Chef seine Anhänger gefragt hatte, ob er einen Anteil von zehn Prozent an dem Unternehmen verkaufen solle. Seitdem hat die Tesla-Aktie fast ein Viertel an Wert verloren. Es ist nicht das erste Mal, dass Tesla wegen der Aktivitäten von Musk in sozialen Netzwerken in Schwierigkeiten geriet. So wurde das Unternehmen im Dezember unter anderem wegen des Musk-Tweets verklagt. 2018 hatte Musk einen Rechtsstreit mit der SEC wegen eines Tweets beigelegt, in dem es um einen möglichen Börsenrückzug ging. Damals hatte er eingewilligt, dass die Firmenanwälte Tweets vorab genehmigen, in denen es um wichtige Unternehmensbelange geht.

Euro weiter robust

Der Euro machte sich am Abend wieder in Richtung 1,1440 Dollar auf. Am Donnerstag hatte die europäische Gemeinschaftswährung nach der Ratssitzung der EZB den größten Tagesgewinn seit zwei Jahren verbucht. Seither hält sie sich über der Marke von 1,14 Dollar. Für die Feinunze Gold werden 1817 Dollar gezahlt.

Ölpreise weiter in Nähe ihrer Sieben-Jahres-Hochs

Die Ölpreise halten sich zu Wochenbeginn weiter in der Nähe ihrer Höchststände seit Herbst 2014, auch wenn sie bis zum Abend leichte Abschläge verbuchten. Eigentlich wäre eine ausgedehntere Korrektur nach sieben starken Wochen überfällig, kommentierte Carsten Fritsch von der Commerzbank. Dem stehe aber die aktuelle Nachrichtenlage entgegen. Der Ukraine-Konflikt sorgt für einen deutlichen Risikoaufschlag auf den Ölpreisen, ist Russland doch einer der größten Erdölförderer der Welt.

Hypoport für Eckdaten gefeiert

Am Abend legte Hypoport Eckdaten zu seinen Jahresergebnissen vor. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebit) sei im Vergleich zu 2020 um 30 bis 35 Prozent auf 47,5 bis 49,0 Millionen Euro gestiegen, teilte der Finanzdienstleister mit. Hypoport hatte selbst nur mit 40 bis 45 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz legte um 15 Prozent auf 445 Millionen Euro zu. Die Aktie sprang im Abendhandel deutlich an.

Mercedes-Benz soll in Korea Millionenstrafe zahlen

Im DAX stand die Mercedes-Benz-Aktie im Fokus. Der Autobauer soll in Südkorea wegen falscher Angaben zu den Emissionswerten bei Dieselautos eine Geldstrafe von 20,2 Milliarden Won (14,7 Millionen Euro) zahlen. Südkoreas Wettbewerbsbehörde warf dem deutschen Autohersteller vor, in den Fahrzeugen verbotene Software zur Abgaskontrolle eingebaut zu haben.

Aareal-Bank-Übernahme geplatzt

Größter Verlierer im SDAX war die Aareal Bank. Die Übernahme des Wiesbadener Instituts durch die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge ist vom Tisch. Die Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent sei nicht erreicht worden, teilte ihre Zweckgesellschaft Atlantic BidCo am Freitagabend mit. Daher sei das Angebot erloschen und werde rückabgewickelt.

Starkes Quartal für Aurubis

Im MDAX lag Aurubis vorn. Der Kupfer- und Metallrecyclingkonzern hat von einer hohen Rohstoffnachfrage profitiert und ist mit einem Gewinnsprung ins neue Geschäftsjahr gestartet. Unter dem Strich verdienten die Hamburger in den drei Monaten bis Ende Dezember 118 Millionen Euro und damit fast 90 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um mehr als ein Viertel auf 4,4 Milliarden Euro.

Media Markt und Saturn enttäuschen

Europas größte Elektronikhandelsketten Media Markt und Saturn haben im wichtigen Weihnachtsgeschäft deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn verbucht. Die Erlöse schrumpften im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 von 7,5 auf nunmehr 6,9 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis gab von 346 auf 274 Millionen Euro nach, wie die Eignerin der beiden Ketten, Ceconomy, mitteilte. Allerdings drehte der zuletzt schwache SDAX-Titel im Verlauf klar ins Plus. Die Anleger beruhigte, dass das Unternehmen seinen Ausblick bestätigte.

Credit Suisse auf der Anklagebank

Mit der Credit Suisse sitzt seit heute erstmals eine Großbank auf der Anklagebank des Schweizer Bundesstrafgerichts. Die Staatsanwälte werfen dem Institut und einer ehemaligen Mitarbeiterin Geldwäsche für einen bulgarischen Kokainhandelsring vor. Bei einer Verurteilung droht dem Institut eine Zahlung von rund 42,4 Millionen Franken.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 07. Februar 2022 um 22:15 Uhr.