Händler arbeiten mit Atemschutzmasken an der New York Stock Exchange
Marktbericht

Kursgewinne an Himmelfahrt Börsen schütteln Inflationssorgen ab

Stand: 13.05.2021 22:37 Uhr

Nach dem gestrigen Kursrutsch hat sich die Wall Street heute wieder kräftig berappelt. Gute Daten vom US-Arbeitsmarkt stimmten die Anleger optimistisch. Auch der DAX beendete den Feiertag knapp im Plus.  

Ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle durchleben die Anleger derzeit: Gestern noch purzelten die Kurse an der Wall Street nach unten, heute ging es wieder kräftig aufwärts. Der Dow Jones stieg um 1,3 Prozent und eroberte die Marke von 34.000 Punkte zurück. Der marktbreite S&P 500 rückte um 1,2 Prozent, der technologielastige Nasdaq 100 erholte sich um 0,8 Prozent. Die gestrigen Kursverluste seien überzogen gewesen, meinte Marktteilnehmer Nicholas Colas vom Research-Haus Data Trek.

Starke US-Arbeitsmarktdaten

Für Auftrieb sorgten überraschende Entspannungssignale vom US-Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erstanträge auf US-Arbeitslosenhilfe fiel in der vergangenen Woche überraschend stark auf 473.000. Dies seien so wenig wie noch nie seit Beginn der Pandemie, hieß es.

Die Inflations- und Zinsängste rückten in den Hintergrund. Denn die Renditen am US-Anleihemarkt gingen leicht zurück. Selbst der überraschende Anstieg der Erzeugerpreise um sechs Prozent fachte die Inflationssorgen nicht weiter an.

Im Würgegriff der Inflation

Am Mittwoch noch hatte der unerwartet kräftige Anstieg der US-Verbraucherpreise um über vier Prozent die US-Börsen auf Talfahrt geschickt. Anleger befürchten, dass der Preisdruck die Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt wieder abwürgen könnte. Die US-Notenbank müsste dann womöglich schneller als gedacht die Zinsen anheben. Bei steigenden Zinsen kann sich die Refinanzierung von Unternehmen verteuern. Zudem verlieren Aktien in diesem Szenario im Vergleich zu verzinsten Wertpapieren an Attraktivität. "Aus der Kapitalmarktforschung wissen wir, dass steigende Inflationsraten den Aktienmarkt dann gefährden, wenn sie nachhaltig auf Niveaus von über drei Prozent steigen", hat jüngst Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital, betont.

Nur ein vorübergehendes Phänomen?

Doch handelt es sich bei dem jüngsten US-Inflationsanstieg wirklich um ein nachhaltiges Phänomen? Experten weisen darauf hin, dass dieser zu großen Teilen dem statistischen Basiseffekt geschuldet sei. Im April des Vorjahres hatte die Pandemie die Preise gedrückt. Der stellvertretende Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Richard Clarida, sieht in dem deutlichen Anstieg der Inflation im April jedenfalls noch keine große Gefahr. Die Entwicklung werde sich wahrscheinlich als vorübergehend erweisen, sagte er am Mittwoch auf einer Veranstaltung der National Association for Business Economics.

Kampf zwischen Optimisten und Pessimisten

Konjunktur-Optimisten und -Pessimisten liefern sich derzeit ein hartes Duell. Die Analysten der Deutschen Bank sprechen von einem Tauziehen zwischen den Optimisten, die auf eine kraftvolle Erholung der Konjunktur von den Coronavirus-Folgen setzten und denjenigen, die sich vor den Konsequenzen dieses Booms für die Preisentwicklung und die Geldpolitik fürchteten. Die US-Notenbank Fed hat bislang stets betont, dass der aktuelle Preisanstieg vorübergehend sei und sie an ihrer ultra-lockeren Geldpolitik festhalten werde.

DAX-Achterbahnfahrt an Himmelfahrt

Wegen der Inflationssorgen erlebte der DAX eine Achterbahnfahrt an Christi Himmelfahrt. Am Vormittag sackte er um über zwei Prozent auf bis zu 14.816 Punkte ab. Doch am Nachmittag kam die erhoffte Wende. Der deutsche Leitindex schüttelte vollständig seine Verluste wieder ab und schloss 0,3 Prozent im Plus bei rund 15.200 Zählern. So gesehen gab es doch noch ein versöhnliches Ende eines turbulenten Börsentags an Christi Himmelfahrt.

Euro stagniert

Der Euro stabilisierte sich am Donnerstag nach den Vortagsverlusten. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stagnierte zuletzt bei 1,2080 Dollar. Der Dollar hatte am Mittwoch nach der deutlich höheren Inflation in den Vereinigten Staaten zu fast allen wichtigen Währungen zugelegt.

Die Zinserhöhungsspekulationen sind dagegen für den Goldpreis ein Belastungsfaktor, wirft das gelbe Edelmetall selbst doch keine Zinsen oder Dividenden ab. Das macht es in einem Umfeld steigender Zinserwartungen unattraktiver. Der Goldpreis konnte sich nach seinem gestrigen Kursrutsch aber immerhin über der Marke von 1800 Dollar halten.

Ölpreise unter Druck

Die Ölpreise sanken nach den Gewinnen in den vergangenen Tagen deutlich. Die Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 2,4 Prozent auf 67,67 Dollar je Barrel (159 Liter). Die unkontrollierte Ausbreitung des Coronavirus im wichtigen Abnehmerland Indien und in Südostasien schüre die Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang, schrieben die Analysten des Brokerhauses PVM Oil Associates

Der Betreiber der großen US-Ölpipeline Colonial, die nach einem Cyberangriff ausgefallen war, meldete, dass die Pipeline wieder den Betrieb gestartet habe. Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe und beliefert mehr als 50 Millionen Amerikaner. Die Störung hatte in Teilen des Landes Benzin-Engpässe verursacht.

Tesla-Chef drückt Bitcoin-Kurs

Unterdessen verschreckte Elon Musk mit einer Kehrtwende Anleger von Kryptowährungen. Musks Firma Tesla hat Zahlungen mit der Kryptowährung Bitcoin wegen Umweltbedenken gestoppt. Als Grund nannte der E-Auto-Pionier den hohen Energiebedarf für die Verschlüsselung und Validierung der Transaktionen. Das sei ein herber Rückschlag, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Gut möglich, dass weitere Unternehmen ebenfalls umdenken werden."

Der Kurs der ältesten und wichtigsten Cyber-Devise fiel zeitweise um mehr als 17 Prozent auf 45.000 Dollar. Andere Kryptowährungen wie Ethereum oder Ripple verbuchten ebenfalls zweistellige prozentuale Kursverluste. In ihrem Sog brachen auch Werte aus dem Kryptowährungssektor und die Aktien von Unternehmen ein, die sich mit der Bitcoin & Co zugrundeliegenden Blockchain-Technologie befassen.

Starkes erstes Quartal für DAX-Konzerne

Am deutschen Aktienmarkt können sich Anleger über ein starkes erstes Quartal von Deutschlands Börsenschwergewichten freuen. In der Summe konnten die DAX-Konzerne laut einer Auswertung des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY - trotz anhaltender Beeinträchtigungen durch die Corona-Pandemie - ihren Umsatz im Auftaktquartal um 9,6 Prozent auf rund 362 Milliarden Euro steigern. Angetrieben wurde das Wachstum der Dax-Konzerne EY zufolge vor allem durch das Geschäft in Asien.

Defensiv ist Trumpf!

Besonders gefragt im DAX waren am Donnerstag defensive Werte. Die Titel von RWE, Merck und Fresenius Medical Care führten die Gewinnerliste an. Dagegen wurden konjunkturabhängige zyklische Werte gemieden. Größte Verlierer waren Autoaktien wie BMW, Conti und Daimler.

Achtung, Dividendenabschlag!

An Christi Himmelfahrt wurden im DAX gleich drei Aktien ex Dividende und damit teils deutlich tiefer gehandelt. Adidas, BMW und SAP schütteten nach ihren Hauptversammlungen ihre Dividenden an die Aktionäre aus. Bei Adidas belief sich der Dividendenabschlag auf 3,00 Euro je Aktie, bei BMW waren es 1,90 und bei SAP 1,85 Euro.

Telekom-Beteiligung BT Group verspricht Wachstum

Der britische Telekommunikationskonzern BT Group rechnet im laufenden Geschäftsjahr 2021/2022 wieder mit einem steigenden operativen Ergebnis. In den zwölf Monaten bis Ende März 2022 soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 7,5 bis 7,7 Milliarden Pfund steigen. "Nach Jahren des Rückgangs für BT wird die Zukunft nun Wachstum bringen", sagte Vorstandschef Philip Jansen. Im abgelaufenen Quartal sank der Umsatz um sieben Prozent und der bereinigte Gewinn um sechs Prozent. Die BT-Aktien sackten in London trotzdem um fast sechs Prozent ab. Experten kritisierten höhere Kapitalausgaben des Telekomkonzerns. Darunter litten die Aktien der Deutschen Telekom, sie fielen um 0,6 Prozent. Die Deutsche Telekom ist durch ein Tauschgeschäft mit zwölf Prozent größter Anteilseigner von BT.

Telefonica leidet unter starkem Euro

Die Aktien von Telefonica verloren ein halbes Prozent. Zwar habe der spanische Telekomkonzern im ersten Quartal besser als erwartet abgeschnitten, schrieb ein Analyst vom Investmenthaus Jefferies an. Im operativen Geschäft stehe das Unternehmen aber stark unter Druck. Der spanische Telekommunikationskonzern kämpft weiter mit dem starken Euro und den Folgen der Corona-Krise. Umsatz und operatives Ergebnis sanken zum Jahresauftakt kräftig. Der Umsatz fiel um neun Prozent auf 10,3 Milliarden Euro.

Immer mehr Absagen beim Mobile World Congress

Die für Ende Juni angesetzte Mobilfunk-Messe Mobile World Congress hat mit dem Smartphone-Marktführer Samsung und dem weltgrößten PC-Hersteller Lenovo zwei weitere wichtige Aussteller verloren. Zuvor hatten bereits namhafte Unternehmen wie Google, Intel, Ericsson, Nokia und Cisco angekündigt, dass sie dem Branchentreff fernbleiben werden. Der Veranstalter GSMA hält bisher trotz Corona-Risiken an dem Plan fest, in Barcelona 45.000 bis 50.000 Teilnehmer zusammenzubringen.

Volvo Cars erwägt Börsengang

Der zum chinesischen Geely-Konzern gehörende Autohersteller Volvo Cars erwägt einen Börsengang. Möglich sei ein Listing an der Nasdaq Stockholm, teilten die Schweden am Mittwochabend mit. Eine endgültige Entscheidung über den Schritt sei abhängig von den Marktbedingungen. Es sei zudem nicht sicher, ob es zu einem Börsengang komme.

Boeing bekommt grünes Licht für 737-Max-Reparatur

Die Aktien von Boeing stiegen an der New Yorker Börse um über drei Prozent. Der Flugzeugbauer hat von der US-Luftfahrtaufsicht FAA grünes Licht für Reparaturen an Flugzeugen des Problemtyps 737 Max erhalten. Mit den genehmigten Nachbesserungen sei der Weg für eine Rückkehr zum Flugverkehr frei, teilte der US-Konzern am Donnerstag in Seattle mit. Wegen eines Problems mit der Elektrik konnten die betroffenen Flugzeuge zuletzt nicht abheben.

Streaming-Boom bei Walt Disney flaut ab

Dagegen enttäuschte Walt Disney. Der Entertainment-Gigant wuchs im Streaming-Geschäft weniger stark als erhofft unter der Corona-Krise. Der Online-Videodienst Disney+ zählte Ende März nur knapp 104 Millionen Abonnenten. Damit kamen in den ersten drei Monaten des Jahres lediglich rund neun Millionen neue Abonnenten hinzu. Die coronabedingten Einbußen bei Vergnügungsparks, Ferienresorts und Kreuzfahrten konnten so durch das Streaming-Geschäft nicht kompensiert werden. Im ersten Quartal sanken die Erlöse um 13 Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar. Immerhin konnte Disney den Gewinn fast verdoppeln auf 901 Millionen Dollar. Allerdings hatte die Pandemie das Ergebnis vor einem Jahr um 90 Prozent einbrechen lassen. Die Aktie fiel nachbörslich kräftig.

Buchungen bei Airbnb ziehen an

Die Zimmer-Vermittlungsplattform wittert wieder Morgenluft. Das US-Unternehmen verspürt aufgrund der weltweiten Impffortschritte eine stärkere Buchungsnachfrage und verbucht höhere Umsätze. Im ersten Quartal sprangen die Bruttobuchungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 52 Prozent auf 10,29 Milliarden Dollar in die Höhe und übertrafen damit die Erwartungen deutlich. Die Erlöse zogen um 5,4 Prozent auf 886,9 Millionen Dollar an. Dank Kostensenkungen schrumpfte der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Wertberichtigungen von 334 Millionen Dollar auf 59 Millionen Dollar.

Schlüssel mit Airbnb Anhänger

Milliardenverlust von Alibaba

Die Aktien von Alibaba büßten über zwei Prozent ein. Der chinesische Internet-Riese hat im vierten Geschäftsquartal den Umsatz zwar kräftiger als von Analysten erwartet gesteigert. Unter dem Strich erlitt Alibaba aber einen Quartalsverlust von fast 5,5 Milliarden Yuan. China hatte Milliardenstrafen gegen den Konzern wegen monopolistischen Verhaltens verhängt. Vor einem Jahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 3,2 Milliarden Yuan erwirtschaftet. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Alibaba mit einem Umsatz von mehr als 930 Milliarden Yuan - etwas weniger als erwartet.

CureVac: Gute Studienergebnisse für Auffrischungsimpfstoff

Die Aktien von CureVac sprangen an der Nasdaq um neun Prozent nach oben. Der Tübinger Impfstoffhersteller veröffentlichte ermutigende Studienergebnisse zu einem Covid-19-Impfstoffkandidat der zweiten Generation. Dieser habe eine hohe Immunität gegen Mutationen des Corona-Virus gezeigt.

US-Behörde unterstützt BioNTech-Vakzin für Teenager

Die US-Gesundheitsbehörde CDC unterstützt die Verabreichung des Corona-Impfstoffes von Pfizer/BioNTech für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren. Ein Expertengremium der CDC sprach sich am Mittwoch für die Anwendung bei den Minderjährigen aus, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten. Am Montag hatte bereits die US-Arzneimittelbehörde FDA das Vakzin für diese Altersgruppe zugelassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2021 um 23:41 Uhr.