Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Schwache Wall Street Keine Entspannung an der Börse

Stand: 19.05.2022 22:12 Uhr

Die US-Börsen haben heute nach den zuletzt starken Verlusten nur zeitweise etwas Boden gutmachen können. Doch dann drückten neue Konjunktursorgen auf die Stimmung und die Kurse.

Der Dow-Jones-Index lag zum Handelsschluss am Abend bei 31.253 Punkten und damit 0,8 Prozent im Minus. An der Technologiebörse Nasdaq gab der alle Werte umfassende Composite-Index 0,3 Prozent auf 11.388 Punkte nach.

Noch immer wird der Markt durch die Unsicherheit gebremst, die sich aus der ungünstigen Kombination aus hohen Inflationsraten, einem steigenden Leitzins und den vielfältigen wirtschaftlichen Unsicherheiten wie den Folgen des Kriegs in der Ukraine und Knappheiten bei vielen Gütern ergibt.

"Die Verbraucherkomponente beginnt sich jetzt abzuschwächen, was die Aussicht verstärkt, dass wir tatsächlich auf eine Rezession zusteuern", sagte Randy Frederick, Investmentexperte bei Charles Schwab. Der Konsum ist der Hauptmotor, die Verbraucherausgaben machen mehr als zwei Drittel der Wirtschaftstätigkeit aus.

Schwächere Konjunkturdaten

Die vielen wirtschaftlichen Belastungen hinterlassen am US-Arbeitsmarkt erste Spuren, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind in der vergangenen Woche höher ausgefallen als erwartet. Die Zahl kletterte um 21.000 auf 218.000, wie das Arbeitsministerium am Nachmittag mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt mit lediglich 200.000 Anträgen gerechnet. Die wöchentlichen Erstanträge gelten als kurzfristiger Indikator für die Entwicklung des US-Arbeitsmarkts. Die Notenbank Fed berücksichtigt die Lage am Jobmarkt in ihrer Geldpolitik.

Und auch vom US-Immobilienmarkt gibt es nur durchwachsene Nachrichten. Im April sind Hausverkäufe stärker gesunken als erwartet. Gegenüber dem Vormonat fiel die Zahl der Bestandsverkäufe um 2,4 Prozent, wie die Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR) mitteilte. Analysten hatten ein Minus von 2,3 Prozent erwartet. Es war der dritte Rückgang in Folge.

Außerdem trübte sich das Geschäftsklima in der Region Philadelphia im Mai überraschend deutlich ein.

Kursverluste in Frankfurt

Während des Handels in Deutschland hatte sich der DAX sich mit 13.882 Punkten aus dem Handel verabschiedet - ein Minus von 0,9 Prozent. Dennoch notierte der Index damit rund 200 Punkte höher als am späten Vormittag, als er bei 13.683 Punkten sein bisheriges Tagestief markiert hatte.

Dennoch sollte man diese Gegenbewegung nicht überbewerten. "Auf dem Parkett machen Schlagworte wie Rezession und Gewinneinbruch die Runde", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. Immer weniger Investoren glaubten, dass der US-Notenbank Federal Reserve der Spagat gelingt, die Inflation geldpolitisch zu bekämpfen, ohne den Konjunkturmotor abzuwürgen.

Euro legt wieder zu

Spekulationen auf eine nahende Zinswende auch im Euroraum stützen den Euro. Die Gemeinschaftswährung legte zeitweise auf 1,0607 US-Dollar zu. Vergangenen Freitag war sie mit 1,0348 Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren gefallen.

Im Kreis der Europäischen Zentralbank wird der Ruf nach schnellem Handeln im Kampf gegen die hohe Inflation lauter. Dies belegen auch die heute veröffentlichten Protokolle der Zinssitzung des EZB-Rats von Mitte April. "Einige Mitglieder sahen es als wichtig an, ohne unnötigen Verzug zu handeln", heißt es darin.

Mercedes setzt noch mehr auf Luxus

Mercedes-Benz möchte mit seinen teuersten Luxusautos in den kommenden Jahren stark wachsen und die Gewinne weiter in die Höhe treiben. Der Anteil der Top-Modelle am Verkauf soll deutlich zulegen, die operative Gewinnmarge soll sich bis zur Mitte des Jahrzehnts noch stärker erhöhen als bisher geplant. So rechnet Mercedes-Chef Ola Källenius unter normalen Marktbedingungen für das Jahr 2025 nun mit einer Umsatzrendite von 12 Prozent. In einem starken Marktumfeld sollen es sogar 14 Prozent sein, wie der Konzern heute bei einer Strategiepräsentation mitteilte.

VW will Indien beliefern

Der VW-Konzern hat einen möglichen weiteren Abnehmer seiner Elektroautotechnik in Indien aufgetan. Der Autobauer Mahindra beabsichtige den Einsatz von Komponenten der MEB-Plattform, dazu hätten beide Seiten eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, hieß es von VW. Zunächst wird aber der Umfang einer möglichen Zusammenarbeit geprüft, ein verbindliches Lieferabkommen soll bis Ende 2022 erarbeitet werden.

Deutsche Bank: Achleitner verabschiedet sich

Mit selbstkritischen Tönen verabschiedet sich Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner nach zehn Jahren von den Aktionären. "Auch ich habe die Startvoraussetzungen 2012 anders eingeschätzt, als sie sich heute in der Rückschau darstellen", räumt Achleitner in seiner vorab veröffentlichten Rede zum Auftakt der Hauptversammlung ein. "Doch Fakt ist auch: Wir haben Ihre Deutsche Bank in diesen zehn Jahren wieder aufs richtige Gleis gesetzt. Letztlich steht sie heute erheblich besser da als noch vor einigen Jahren."


Die Aktionäre wählten Alexander Wynaendts bei der Online-Hauptversammlung außerdem mit 97,84 Prozent des anwesenden Grundkapitals in den Aufsichtsrat. Deutschlands größtes Geldhaus hatte zuvor angekündigt, dass der Niederländer im Anschluss zum neuen Vorsitzenden des Aufsichtsrates bestimmt werden soll.

Commerzbank empfohlen

Dank einer neuen Kaufempfehlung der Schweizer UBS entwickelten sich die Papiere der Commerzbank im MDAX stark überdurchschnittlich. Im ersten Quartal hätten die Erträge der Commerzbank die Markterwartung um ein Fünftel übertroffen, schrieb UBS-Analyst Daniele Brupbacher. Auch sei der Ausblick von Zuversicht geprägt. Zudem seien die Kapitalquoten stark, und das Geldhaus könnte für 2022 wieder eine Dividende zahlen. Ein Jahr später seien sogar Aktienrückkäufe drin.

Meta öffnet What's App

Der Facebook-Konzern Meta ändert seine Strategie, um mit seinem teuren Zukauf WhatsApp Geld zu verdienen. Der Chatdienst öffnet für alle Interessenten die Plattform, über die Unternehmen mit ihren Kunden via WhatsApp kommunizieren können. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg machte bei der Ankündigung heute deutlich, dass man mit dem Angebot sowohl kleine als auch große Firmen ansprechen wolle.

McDonald's verkauft Geschäft in Russland

Die US-Schellrestaurantkette McDonald's hat einen Käufer für ihre Restaurants in Russland gefunden. Alexander Gowor, der als Lizenznehmer 25 Restaurants in Sibirien betreibt, habe eingewilligt, die 850 McDonald's-Filialen zu kaufen und den Betrieb unter einem anderen Namen fortzusetzen, teilte der Konzern mit. Den Verkaufspreis gab das Unternehmen nicht bekannt.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 19. Mai 2022 um 08:11 Uhr.