Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Weitere Kursverluste Kein Silberstreif in Sicht

Stand: 09.05.2022 22:13 Uhr

Sorgen, wohin man blickt: Das trübe Zins- und Konjunkturumfeld lastete auch zu Wochenbeginn auf den Aktienmärkten. Vereinzelte erfreuliche Unternehmensdaten halfen kaum.

Was könnte die Aktienmärkte in ihrer schwierigen Lage stützen? Eine Perspektive für ein Ende des Ukraine-Kriegs wäre sicher ein Kurstreiber. Aber eine solche fehlt derzeit vollkommen, auch wenn von der heutigen Siegesfeier in Moskau keine neuen Eskalationssignale ausgingen.

Damit waren die Anleger dies- und jenseits des Atlantiks wieder mit ihren ernsthaften Zins- und Konjunktursorgen allein. Die Aktienmärkte in New York setzten ihre Verlustserie mit klaren Abschlägen fort. Der Dow Jones verlor zwei Prozent auf 23.245 Punkte, der tiefste Stand seit Ende Februar. Die Technologiewerte des Nasdaq 100 büßten sogar vier Prozent ein.

Die US-Marktteilnehmer fürchten vor allem, dass der Kampf gegen die Inflation und Chinas rigide Lockdown-Maßnahmen das Wirtschaftswachstum belasten. Mit Sorge blickten sie insbesondere auf die langfristigen Zinssätze, sagte Christopher Grisanti, Aktienstratege bei MAI Capital Management. "Je höher sie steigen, desto mehr Angst haben sie vor einer Rezession oder einer Stagflation." Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe stieg auf 3,16 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit November 2018.

Sorge um Konjunkturlokomotive China

Am deutschen Aktienmarkt schloss der DAX erstmals seit zwei Monaten unter der Marke von 13.500 Punkten. Schon am Freitag war der deutsche Leitindex 1,6 Prozent tiefer aus dem Handel gegangen.

"Die Zinsen steigen, das Wachstum verlangsamt sich und die Inflation frisst die Geldbeutel der Verbraucher und die Gewinnspannen der Unternehmen auf", sagte Konstantin Oldenburger, Analyst beim Handelshaus CMC Markets.

Stimmungsdämpfer war insbesondere das verlangsamte Wachstum der chinesischen Exporte. Diese stiegen in US-Dollar berechnet nur noch um 3,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte der chinesische Zoll mit. Es ist das langsamste Wachstum seit rund zwei Jahren. Die Importe blieben unverändert. Positiv mag vermerkt werden, dass Fachleute noch schlechtere Zahlen erwartet hatten.

Sorgenvoll war an den Finanzmärkten auf die Moskauer Feiern zum Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland 1945 geblickt worden. Kreml-Herrscher Wladimir Putin kündigte bei seiner Rede entgegen den Befürchtungen weder eine Generalmobilmachung noch den Einsatz neuer Waffensysteme an. Allerdings gab er auch keine Signale, die auf ein baldiges Ende des Krieges hindeuten würden.

Ölpreise sinken

Der düstere Konjunkturausblick lastete zum Wochenstart auch auf dem Ölmarkt, sowohl die Preise für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent als auch der Sorte West Texas Intermediate (WTI) gaben nach.

"Der Ölmarkt reagiert damit nicht auf die Nachricht, dass sich die G7-Länder am Wochenende auf ein schrittweises Importverbot von russischem Öl verständigt haben. Diesen Schritt hatten die meisten G7-Länder ohnehin schon vollzogen", kommentierte Commerzbank-Experte Carsten Fritsch.

Bitcoin rutscht ab

Heute fiel der Kurs der wichtigsten Internet-Devise Bitcoin zeitweise unter die Marke von 31.000 US-Dollar. Das ist der tiefste Stand seit Mitte 2021. Als entscheidend für die schlechte Stimmung am Kryptomarkt gilt die Aussicht auf steigende Zinsen. "Die Zinsangst hat Börsianer dies- und jenseits des Atlantiks voll im Griff", kommentierte Bitcoin-Experte Timo Emden von Emden Research.

Steigende Zinsen lasten meist auf riskanten Anlagen wie Digitalwährungen. Zudem werfen Kryptowerte keine laufenden Erträge wie Zinsen ab. Steigen die Zinsen, sinkt die Attraktivität zinsloser Anlagen.

BioNTech verdreifacht Gewinn

BioNTech hat im ersten Quartal seinen Umsatz und Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht. Der Corona-Impfstoffhersteller meldete einen Nettogewinn von rund 3,7 Milliarden Euro nach rund 1,13 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Der Quartalsumsatz schnellte von 2,05 Milliarden auf 6,37 Milliarden Euro nach oben. BioNTech bekräftigte die Umsatzprognose für seinen Corona-Impfstoff in Höhe von 13 bis 17 Milliarden Euro in diesem Jahr. Den Gewinn will BioNTech in ein Aktienrückkaufprogramm, eine Sonderdividende und in die weitere Forschung und Entwicklung stecken. Das Mainzer Unternehmen und sein US-Partner Pfizer prüfen weiter mögliche Nachfolgeversionen des bisherigen Covid-19-Vakzins.

Ergebniseinbruch bei Schaeffler

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler ist im ersten Quartal deutlich vom Kriegsausbruch in der Ukraine und von Lieferkettenproblemen belastet worden. Der Umsatz kletterte nach vorläufigen Zahlen im Jahresvergleich zwar um 5,6 Prozent auf 3,76 Milliarden Euro. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte aber um gut ein Drittel auf 258 Millionen Euro ab. Die entsprechende Marge sank von 11,2 auf 6,9 Prozent. Das SDAX-Unternehmen traut sich nun auch wieder eine Jahresprognose zu. Der Umsatz soll währungsbereinigt um sechs bis acht Prozent steigen. Die bereinigte operative Marge soll zwischen fünf und sieben Prozent liegen. Schaeffler hatte im März die eigentlich ins Auge gefasste leicht höhere Prognose nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs ausgesetzt.

Lufthansa kauft 17 Boeing-Jets

Die Lufthansa stärkt ihre Langstrecken-Flotte. Wie der MDAX-Konzern am Abend mitteilte, sollen 17 Flugzeuge beim US-Hersteller Boeing gekauft werden. Darunter sind sieben Langstrecken-Passagierflugzeuge vom Typ Boeing 787-9 und zehn Frachtflugzeuge der Typen Boeing 777-8F und 777F. Angaben zum Kaufpreis wurden keine gemacht. "Wir investieren konsequent in sparsamere, leisere und wirtschaftlichere Flugzeuge, die deutlich weniger CO2 ausstoßen und treiben damit schnell unsere Flottenmodernisierung voran", sagte Konzernchef Carsten Spohr.

Infineon erhöht Prognose

Der Halbleiterhersteller Infineon hat seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr von 13 auf rund 13,5 Milliarden Euro erhöht. Nach wie vor übersteige die Nachfrage das Angebot deutlich, sagte Infineon-Chef Jochen Hanebeck. Dabei belasteten globale Unwägbarkeiten die Lieferketten, insbesondere der Ukraine-Krieg und der weitere Verlauf der Corona-Pandemie. Im abgelaufenen Quartal legten die Erlöse auf Jahressicht um 22 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro zu. Die Infineon-Aktie konnte von den erneut erhöhten Jahreszielen nicht profitieren. Marktteilnehmer betonten, der Schritt komme nicht unerwartet.

Hypoport wächst kräftig

Auch die Aktie des Finanzdienstleisters Hypoport konnte nicht von den vorgelegten Quartalszahlen profitieren. Aktuell bewegt sich der MDAX-Titel auf dem niedrigsten Niveau seit dem Ausbruch der Corona-Krise im März 2020. Da half es auch nicht, dass Experte Marius Fuhrberg von Warburg Research von einem starken ersten Quartal sprach. Der Finanzdienstleister meldete ein Umsatzplus von 26 Prozent auf 136,4 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) erhöhte sich um fast 40 Prozent auf 16,9 Millionen Euro.

EnBW erhöht Gaspreise

Der Energiekonzern EnBW hebt zum 1. Juli seine Gaspreise in der Grundversorgung an. EnBW verweist auf die nach Beginn des Ukraine-Kriegs weiter gestiegenen Beschaffungspreise. Die Kunden müssen künftig 34,8 Prozent beziehungsweise 2,92 Cent brutto mehr pro Kilowattstunde zahlen. Für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bedeute dies einen Aufpreis von rund 48,58 Euro pro Monat, teilte EnBW mit. Bei den Strompreisen gebe es hingegen durch den Wegfall der Ökostromumlage eine Entlastung.

Umfassende Kontrolle der Tesla-Fabrik beginnt

Mehr als eineinhalb Monate nach dem Start der offiziellen Produktion hat eine umfassende Kontrolle der neuen Fabrik von Tesla in Grünheide begonnen. Heute startete die sogenannte Erstrevision, eine Art Abnahmeprüfung der Behörden. Bis zum 20. Mai werde geprüft, ob die Anlage tatsächlich genehmigungskonform errichtet wurde und betrieben wird, teilte das Umweltministerium mit.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Mai 2022 um 22:00 Uhr.