Wall Street New York
Marktbericht

Kaum bewegt Die Wall Street schnauft durch

Stand: 06.04.2021 22:21 Uhr

Während unser DAX heute seine Rekordjagd fortsetzte, schalteten die US-Märkte einen Gang zurück. Die Stimmung bleibt aber gut und für einen weiteren Rekordstand reichte es trotzdem.

An der New Yorker Weltleitbörse ging es heute nach dem stürmischen Ostermontag ruhiger zu. Der Leitindex Dow Jones bewegte sich den ganzen Tag über kaum und schloss am Ende bei 33.430 Punkten um 0,3 Prozent etwas leichter. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index riss zwar ebenfalls keine Bäume aus, markierte bei 4086 Punkten aber knapp ein abermaliges Rekordhoch. Der Schlussstand lag bei 4073 Punkten um 0,1 Prozent niedriger. Die Indizes bleiben damit auf hohem Niveau.

Die Technologiebörse Nasdaq konnte zwischenzeitlich etwas stärkere Gewinne von gut einem halben Prozent nicht verteidigen und ging bei 13.698 Punkten leicht um 0,1 Prozent schwächer aus dem Handel. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss bei 13.578 Punkten, ein ebenfalls leichtes Minus von 0,1 Prozent. Insgesamt schnauften die US-Anleger damit durch, nachdem am Ostermontag die großen Indizes allesamt deutlich zugelegt hatten. Anders als in Europa wurde in New York gestern gehandelt.

USA auf dem Weg aus der Krise

Den Börsenaufschwung in den USA führen Experten unter anderem auf zuletzt gute Konjunkturdaten zurück, besonders vom Arbeitsmarkt. Diese bestätigen das Szenario eines kräftigen Wirtschaftsaufschwungs. So auch der jüngste US-Arbeitsmarktbericht, der den Konjunkturoptimismus bestärke und damit die Kurse treibe, erläuterte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Die am Karfreitag veröffentlichten US-Beschäftigtenzahlen seien mit dem Aufbau von 916.000 neuen Stellen überraschend positiv ausgefallen. "Das wirtschaftliche Bild hat sich in den letzten drei Monaten stark verbessert", sagte Oliver Pursche vom Finanzberater Bronson Meadows Capital Management. "Es gibt ein allgemeines Gefühl, dass sich die Dinge weltweit verbessern und dass es schnell besser werden wird."

Hinzu kommen das billionenschwere Konjunkturprogramm der Regierung sowie die aktuellen Impffortschritte, die sogar Inflationsängste derzeit in den Hintergrund treten lassen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sank auf 1,66 Prozent.

DAX auf Rekordjagd

Hierzulande wollten sich die Anleger bei so viel Optimismus nicht lumpen lassen. Der antizipierte globale Wirtschaftsaufschwung kommt den exportstarken deutschen Standarwerten zugute. Der DAX knüpfte am Dienstag denn auch an seine jüngsten Gewinne an und legte weiter zu. Dabei markierte der deutsche Leitindex im Verlauf bei 15.311 Zählern ein weiteres Rekordhoch. Halten konnte der Index am Ende sein Spitzenniveau aber nicht und schloss unter Tageshoch bei 15.212 Punkten, ein Tagesgewinn von immer noch 0,7 Prozent.

"Die Anleger scheinen die Ostertage genutzt zu haben, um Kraft zu tanken und bei Dividendenpapieren beherzt zuzugreifen", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Die Pandemie sei für die Mehrheit der Marktteilnehmer im Augenblick kein Thema mehr.

Nachholbedarf

Der Markt folgte im wesentlichen dem freundlichen Verlauf der New Yorker Börse vom Ostermontag, die er feiertagsbedingt nicht direkt nachvollziehen konnte. Natürlich will auch hierzulande niemand den fahrenden Zug verpassen, allen Corona-Warnungen zum Trotz. Deshalb bestand heute Nachholbedarf.

Apropos Corona: Anders als in den USA ist die Pandemie in Deutschland und anderen europäischen Staaten keineswegs schon überwunden. Gehandelt werden aber derzeit schon die kräftigen Gewinne nach der Pandemie, wenn die Wirtschaft wieder Tritt gefasst hat. Erst wenn dieses Szenario Risse bekommt, könnte es mit der Börsenherrlichkeit erst einmal zu Ende sein.

Technische Analysten mahnen zur Vorsicht

Es gehört also derzeit viel Mut dazu, sich gegen den Markt zu stellen. Rückenwind könnten die Bären am ehesten von der Markttechnik bekommen. Technische Analysten warnen nämlich in Anbetracht der jüngsten Kursgewinne im Index vor einer "überkauften" Situation, was zu Korrekturen führen könnte. "Das aktuelle Niveau preist bereits sehr viele optimistische Annahmen ein", kommentiert Marktbeobachter Andreas Lipkow von Comdirect den neuerlichen DAX-Rekord. Einen weiteren spürbaren Anstieg über die 15.300-Punkte-Marke hinaus sieht er aktuell nicht.

T-Aktie mit Dividendenabschlag

Unter den Einzeltiteln fielen heute nur die beiden Versorger und Delivery Hero negativ auf, ansonsten überwogen ganz klar die Pluszeichen. Die Gewinne gingen dabei quer durch alle Branchen. Fresenius gehören zu den größten Gewinnern. Telekom wurden mit Dividendenabschlag gehandelt (0,60 Euro) und standen damit nur optisch am Indexende.

Euro legt deutlich zu

Der Euro baute am späten Abend seine Gewinne deutlicher aus und wird zuletzt bei 1,1875 Dollar am Tageshoch gehandelt. Am Montag hatte die Gemeinschaftswährung die Marke von 1,18 Dollar zurückerobert. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1812 (Donnerstag: 1,1746) Dollar fest. Die Feinunze Gold gewann 0,7 Prozent auf 1,1742 Dollar.

Die Ölpreise haben am Dienstag derweil deutlich zugelegt und damit starke Verluste vom Vortag größtenteils wettgemacht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Prognosen für das Wachstum der Weltwirtschaft angehoben. Dank Impfungen und Konjunkturpaketen soll die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 6,0 Prozent wachsen. Ein stärkeres Wirtschaftswachstum würde auch die Nachfrage nach Rohöl stützen.

Autoaktien gesucht

Autowerte gehörten am Dienstag zu den Gewinnern im DAX und setzen damit ihren jüngsten Lauf fort. Die deutschen Hersteller BMW, VW, Audi und Porsche haben allesamt ihre Absatzzahlen auf dem wichtigen US-Markt im März kräftig steigern können. Derweil beurteilt die deutsche Autoindustrie dem ifo-Institut zufolge ihre aktuelle Lage so positiv wie zuletzt Anfang 2020, vor Beginn der Corona-Krise. "Bei den Autobauern ist der Frühling angekommen", sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen.

Ist Alphabet bald SAP-Kunde?

Auch die SAP-Aktie steht am Dienstag im Fokus der Anleger. Der Google-Mutterkonzern Alphabet wechselt dem Sender CNBC zufolge bei seiner Finanzsoftware von Oracle zu SAP. Google habe in einer E-Mail an seine Mitarbeiter geschrieben, dass es im Mai zum Wechsel kommen werde, berichtete der US-Sender am Montag.

Google gewinnt Android-Streit

Ebenfalls am Ostermontag hatte das Oberste Gericht der USA in einem wegweisenden Urteil für die Software-Branche einen Urheberrechtsstreit zwischen Google und Oracle um das Smartphone-System Android zu Gunsten von Google entschieden. Der Software-Konzern Oracle, der von Google rund neun Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen forderte, geht damit leer aus.

Commerzbank: Abbau von 1700 Stellen

Die Commerzbank treibt den angekündigten Abbau Tausender Stellen voran. Der "sozialverträgliche Abbau" von 1700 Vollzeitstellen bis Ende 2021 sei über ein Freiwilligenprogramm mit dem Gesamtbetriebsrat vereinbart worden, teilte der Frankfurter MDAX-Konzern am Donnerstag mit. Die Bank hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern bis Ende 2024 von zuletzt knapp 40.000 auf 32.000 zu verringern.

BVB nach Niederlage gegen Frankfurt auf Talfahrt

Die 1:2-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt drückt Borussia Dortmund (BVB) ans Tabellenende des SDAX. Mit der Schlappe sinken die Chancen der Dortmunder für einen direkten Einzug in die Champions League. Im heutigen Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Manchester City gilt der BVB als krasser Außenseiter.

Michael Zorc glaubt derweil an einen Verbleib von Torjäger Erling Haaland in diesem Sommer bei Borussia Dortmund. "Wir planen weiter mit ihm - unabhängig davon, wo wir am Ende landen werden", sagte der BVB-Sportdirektor am Dienstag vor dem Manchester-Spiel.

Auto1-Gründer verkaufen zwei Millionen Aktien

Die beiden Gründer des Online-Gebrauchtwagenhändlers, Christian Bertermann und Hakan Koc, haben rund zwei Millionen Auto1-Aktien für Preise ab 44,75 Euro auf den Markt geworfen. Damit erlösen sie insgesamt mindestens 89,5 Millionen Euro. Mit dem Geld sollten wie angekündigt Steuerverbindlichkeiten beglichen werden, teilte die Bank Goldman Sachs mit, die die Transaktion organisiert hat. Der Aufsichtsrat habe den Verkauf genehmigt. Auto1 hatte sein Börsendebüt in Frankfurt im Februar mit einem Ausgabepreis von 38 Euro je Aktie gefeiert. Zum Handelsschluss am Dienstag notierten die Titel bei 47,50 Euro.

EMA-Stellungnahme zu AstraZeneca erwartet

Ein hoher Vertreter der EU-Arzneimittelbehörde EMA hat eine baldige Stellungnahme seiner Behörde zu möglichen Thromboserisiken bei Corona-Impfungen mit dem Präparat von AstraZeneca angekündigt. Dabei warnte der Chef der EMA-Impfabteilung, Marco Cavaleri, in dem am Dienstag veröffentlichten Interview der italienischen Zeitung "Il Messaggero" vor zu hohen Erwartungen an EMA-Vorgaben. Die Bewertung laufe noch. Zugleich sagte Cavaleri, dass es nach seiner Einschätzung einen noch nicht genauer bestimmten Zusammenhang zwischen Vorfällen mit Blutgerinnseln im Gehirn und den AstraZeneca-Impfungen gebe. Die Aktie des Herstellers gibt leicht nach.

Frankreich wird größter Einzelaktionär bei Air France-KLM

Der französische Staat steigt mit einer Finanzspritze von bis zu vier Milliarden Euro zum größten Einzelaktionär der von der Corona-Krise gebeutelten Fluggesellschaft Air France-KLM auf und wird künftig knapp 30 Prozent der Anteile halten. Frankreich und die Niederlande hielten vor der Einigung auf das neue Finanzierungspaket jeweils rund 15 Prozent an Air France-KLM. Die Niederlande wollen sich jedoch nicht an der Kapitalerhöhung beteiligen - ihr aktueller Anteil wird also verwässert.

Hedgefonds-Ausfall kommt Credit Suisse teuer zu stehen

Die Belastung der Großbank Credit Suisse durch den Ausfall eines US-Hedgefonds dürfte sich auf etwa 4,4 Milliarden Schweizer Franken belaufen, wie das Institut am Dienstag in Zürich mitteilte. Für das abgelaufene erste Quartal rechnet das Management vor Steuern mit einem Verlust von etwa 900 Millionen Franken. Die Bank hat den Rückkauf eigener Aktien ausgesetzt und will die Dividende kappen. Zudem verlieren der Chef der Investmentbank, Brian Chin, und Risikochefin Lara Werner ihre Jobs.

Tesla meldet Lieferrekord

Der E-Auto-Bauer Tesla hat einen Lieferrekord für das erste Quartal gemeldet und dabei die Erwartungen der Experten übertroffen. Nach Angaben des US-Konzerns wurden weltweit 184.800 Fahrzeuge ausgeliefert - nach 180.570 im Vorjahreszeitraum. Dem US-Wirtschaftsdatenanbieter Refinitiv zufolge hatten Analysten 177.822 erwartet.

Waymo bekommt eine neue Spitze

Die Alphabet-Tochter und Spezialistin für autonomes Fahren Waymo bekommt eine neue Führungsspitze. Konzernchef John Krafcik gibt seinen Posten auf. An seine Stelle soll eine Doppelspitze treten, bestehend aus Dmitri Dolgov, einem der Gründer von Googles Projekt für autonomes Fahren, und Tekedra Mawakana, die bislang für das operative Geschäft zuständig war.

LG macht Schluss mit Smartphones

Der südkoreanische Elektronikhersteller LG schließt seine verlustbringende Smartphone-Sparte. Der Verwaltungsrat habe den Schritt am Montag gebilligt, teilte LG Electronics mit. Es sei eine strategische Entscheidung, sich aus dem Bereich "mit unglaublich starker Konkurrenz" zurückzuziehen. Nach jahrelangen Verlusten in der Sparte hatte sich der Rückzug des einst drittgrößten Handy-Herstellers weltweit schon seit längerem angedeutet.

Microsoft erhält Großauftrag vom US-Militär

Das Pentagon hat für bis zu 21,9 Milliarden Dollar Headsets und Cloud-Dienste bei Microsoft bestellt. Der Vertrag läuft über bis zu zehn Jahre und umfasst unter anderem die Produktion von rund 120.000 auf Microsofts Hololens-Hardware aufbauenden Augmented-Reality-Brillen, wie ein Unternehmenssprecher erklärte. Eine Hololens-Brille kostet im normalen Handel 3500 Dollar, doch der Deal mit dem Militär geht weit darüber hinaus.

Amazon entschuldigt sich für "Pinkeln in Flaschen"-Tweet

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon hat sich nach einer Twitter-Auseinandersetzung darüber, wo und wie Beschäftigte ihre Notdurft verrichten, bei einem US-Abgeordneten entschuldigt. Am Osterwochenende bestätigte der US-Konzern erstmals Berichte, wonach Mitarbeiter unter hohem Zeitdruck im stressigen Arbeitsalltag in Flaschen urinieren. Dass dies zunächst über einen offiziellen Twitter-Account von Amazon abgestritten wurde, sei ein "Eigentor" gewesen.

Coinbase strebt Mitte April an die Börse

Das Debüt von Coinbase an der New Yorker Nasdaq soll am 14. April stattfinden, wie die größte US-Handelsplattform für Kryptowährungen in San Francisco mitteilte. Coinbase will laut früheren Angaben gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC 114,9 Millionen Aktien unter dem Tickerkürzel "COIN" an der Nasdaq listen. Am Montag hatte die Marktkapitalisierung der Kryptowährungen erstmals die Marke von zwei Billionen Dollar übersprungen.

Panini-Rivale Topps will per SPAC an die Börse

Der für seine Baseball-Sammelkarten, Fußball-Stickeralben und die Kaugummi-Marke Bazooka bekannte Topps-Konzern geht an die Börse. Das US-Unternehmen will über die Fusion mit einer sogenannten Special Purpose Acquisition Company - kurz SPAC - auf kurzem Wege durch die Hintertür an die Nasdaq, wie es am Dienstag in New York mitteilte. Topps wird bei dem Deal demnach mit rund 1,3 Milliarden Dollar (1,1 Mrd Euro) bewertet. SPACs - häufig als Blankoscheck-Firmen bezeichnet - sind zunächst nur leere Unternehmenshüllen. Sie listen ihre Aktien als Platzhalter, um später mit Firmen verschmolzen zu werden und diese so an die Börse zu holen.

Der 1938 gegründete und von einer Investmentfirma des früheren Disney-Chefs Michael Eisner kontrollierte Konzern hat sich vor allem mit Sammelobjekten einen Namen gemacht. Der Panini-Rivale bietet Aufkleber und Tauschkarten diverser Sportligen an, aber auch aus etlichen Bereichen der Entertainment-Welt - etwa von Starwars oder Marvels Superhelden. Die Sammelbilder waren einst als Beilagen zum Bazooka-Kaugummi gedacht, das früher das Hauptprodukt von Topps war.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 06. April 2021 um 12:00 Uhr.