Kurstafel
Marktbericht

Wieder über 15.900 Punkte DAX macht Boden gut

Stand: 06.09.2021 18:25 Uhr

Unter der Führung der Siemens-Aktie ist der DAX mit viel Schwung in die neue Woche gestartet. Damit rückt das Rekordhoch bei 16.030 Punkten wieder näher ins Visier.

Die Börsenbullen haben heute an der Frankfurter Börse das bessere Ende für sich gehabt. Der deutsche Leitindex DAX rückte am Ende 0,96 Prozent vor und ging bei 15.932 Punkten aus dem Handel. Damit rückt der Index bis fast genau auf 100 Punkte an sein Rekordhoch aus dem August bei 16.030 Zählern heran.

Trotz der heutigen Gewinne ist eine Richtungsentscheidung aber weiterhin nicht gefallen. Denn der Index pendelt schon länger um die charttechnisch wichtige Unterstützungsmarke bei 15.800 Punkten, dessen obere Begrenzung die bisherige Bestmarke weiter bleibt. Die Schaukelbörse hat sich also heute letztlich fortgesetzt.

Einen richtigen Ausverkauf hat es aber bisher auch nicht gegeben, trotz steigender Corona-Zahlen und dem drohenden Wechsel des Zinsregimes in den USA. Laut Jochen Stanzl von CMC Markets kamen als Kurstreiber auch positive Indikationen von den Terminmärkten in den USA hinzu, die auf Rekorde an der Wall Street mit der Wiederaufnahme des Handels am Dienstag hindeuten.

Wegen des Feiertages "Labor Day" waren die US-Anleger heute nicht dabei, die New Yorker Aktienbörse bleibt geschlossen. Vor dem langen Börsenwochenende in den USA hatte der Leitindex Dow Jones noch ein Minus von 0,2 Prozent auf 35.369 Punkte eingefahren. Der Dow Jones hat im Gegensatz zum marktbreiten S&P 500 und den technologielastigen Nasdaq-Indizes zuletzt kein Rekordhoch einfahren können.

Zwar gibt es auf den heimischen Kurszetteln, anders als in den USA, keine so große Anzahl an Technologieaktien, hierzulande versteht sich aber der Siemens-Konzern aus dem DAX immer mehr als solcher - spätestens nach der Abspaltung der Energie-Sparte. Der Plan des Vorstands, die Bewertung dadurch zu erhöhen, scheint zu funktionieren. Siemens-Papiere, die schon zuletzt gut gelaufen waren, erreichten heute bei 146,76 Euro ein Rekordhoch und waren Tagessieger im Leitindex.

Fed-Szenario hilft den Tech-Aktien

Dass Technologieaktien zuletzt besonders in den USA zu den Favoriten der Anleger gehörten, hat mit der Hoffnung der Anleger zu tun, dass die dortige Notenbank Federal Reserve (Fed) weiter expansiv bleibt. Bei niedrigen Zinsen können sich die Tech-Unternehmen somit günstig refinanzieren.

Ein überraschend schwacher US-Arbeitsmarktbericht hat am Freitag diesem Szenario Vorschub geleistet. Das Job-Wachstum habe sich im August stark verlangsamt, mit wenig Anzeichen für eine Belebung des Arbeitskräfteangebots, sagte Barclays-Ökonom Jonathan Millar.

"Dies bringt die Fed in eine Zwickmühle, da sie die Risiken einer starken Nachfrageverlangsamung gegen die Risiken eines knappen Angebots und einer Inflation abwägt." Vor diesem Hintergrund werde die US-Notenbank voraussichtlich erst später mit der Drosselung der massiven Wertpapierkäufe, dem sogenannten "Tapering", beginnen.

EZB wieder in aller Munde

Allerdings hat sich zuletzt etwas überraschend auch die Europäische Zentralbank (EZB) zurückgemeldet mit ähnlichen Tönen, wie sie zuletzt auch aus den USA gekommen waren. Europas Währungshüter fangen nämlich ebenfalls an, sich Gedanken zu machen, wie die im Zuge der Pandemie noch mal aufgestockte Liquiditätsflut wieder eingedämmt werden könnte.

Konkret dürfte es auf der Zinssitzung der EZB am Donnerstag um das Anleihenrückkaufprogramm PEPP gehen, das immerhin über 1,8 Billionen Euro umfasst und bis März 2022 terminiert ist - für die Märkte im weiteren Wochenverlauf ein wichtiges Datum. Insgesamt aber bleibt die EZB in ihrem Zinszyklus hinter der Fed weit zurück, und erste konkrete Zinserhöhungen dürften noch in ganz weiter Ferne liegen.

Ähnlich wie die Fed sieht auch die EZB die höheren Inflationsraten als eher vorübergehende Erscheinung und will künftig im Rahmen ihrer neuen Strategie variabler auf die Entwicklung regieren.

Auf dem Frankfurter Parkett war derweil die am Freitagabend beschlossene Erweiterung des DAX von 30 auf 40 Mitglieder ein großes Gesprächsthema. Bei der bisher größten Reform in der Geschichte des DAX rücken am 20. September zehn Unternehmen in den Leitindex auf.

Die Auserwählten sind der Sportausrüster Puma, die Biotechfirma Qiagen, der Flugzeugbauer Airbus, der Online-Modehändler Zalando, die Medizintechnik-Firmen Siemens Healthineers und Sartorius, der Aromen-Anbieter Symrise, der Volkswagen-Großaktionär Porsche, der Chemikalien-Händler Brenntag und der Lebensmittel-Lieferant Hellofresh.

Ethereum hält sich zu Wochenbeginn mit 3919 Dollar in der Nähe seines Allzeithochs vom Mai. Die Cyberdevise Nummer eins, der Bitcoin, notiert bei 51.500 Dollar wieder etwas unter seinem Tageshoch von 52.177 Dollar und damit leicht im Minus. Das Kursniveau bleibt aber trotzdem hoch. "Die seit Mitte Juli laufende Erholung ist intakt", kommentiert Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Am 13. April 2021 habe Bitcoin sein Rekordhoch (63.518 Dollar) erzielt. "Ein Anstieg von 18 Prozent würde Bitcoin dorthin zurückbringen", so Rethfeld. Ab morgen wird der Bitcoin in El Salvador gesetzliches Zahlungsmittel.

Gold konnte seine jüngsten Kursgewinne weitgehend halten. Das gelbe Edelmetall hatte nach dem schwachen US-Arbeitsmarktbericht am Freitag einen kräftigen Satz nach oben gemacht. Heute kostete eine Feinunze Gold 1823 Dollar und damit 0,2 Prozent weniger als am Freitag.

Der Euro verliert leicht auf 1,1869 Dollar. Am Freitag hatte die europäische Gemeinschaftswährung nach dem enttäuschenden Jobbericht der US-Regierung noch zeitweise über 1,19 Dollar steigen können. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1864 (Freitag: 1,1872) US-Dollar fest. Nun richten sich die Augen der Anleger am Devisenmarkt zunehmend auf die EZB-Sitzung am Donnerstag.

Starke Industrie-Auftragsdaten aus Deutschland

Fundamentalen Rückenwind erhielt die Gemeinschaftswährung von heimischen Auftragsdaten aus der Industrie. Diese hat ausgerechnet in einer Phase massiver Produktionsprobleme eine Rekordflut an Aufträgen erhalten. Das Neugeschäft wuchs im Juli wegen Großbestellungen aus dem Ausland um 3,4 Prozent zum Vormonat.

"Der Auftragseingang erreichte damit seinen höchsten Stand seit dem Beginn der Zeitreihe im Jahr 1991", gab das Statistische Bundesamt am Montag bekannt. Das kommt völlig überraschend: Ökonomen hatten im Vorfeld mit einem Rückgang von 1,0 Prozent gerechnet, nach einem sehr starken Wachstum von 4,6 Prozent im Juni.

"Wahnsinn", kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, die unerwartete Entwicklung. Da einer Umfrage des Ifo-Instituts zufolge 70 Prozent der Industriebetriebe aktuell über Engpässe bei Vorprodukten wie Mikrochips klagen, dürfte sich das Abarbeiten des Auftragsberges allerdings erheblich verzögern. Zum hohen Wachstum trugen allerdings maßgeblich zahlreiche Großaufträge bei, so dass nicht alles Gold war, was glänzte.

Die Ölpreise tendieren heute leichter. Aus Furcht vor einer Nachfrage-Delle hatten sich die Anleger aus dem Rohölmarkt zunächst zurückgezogen. Auslöser der Spekulationen sei die Ankündigung des Ölkonzerns Saudi Aramco von Preisnachlässen für asiatische Kunden, sagt Analyst Virendra Chauhan vom Research-Haus Energy Aspects. Das sei ein Hinweis auf einen geringeren Bedarf und ein möglicherweise steigendes Angebot.

Am deutschen Aktienmarkt rücken mit Beginn der IAA die Autowerte in den Fokus. Die Finanzsparte des VW-Konzerns will neue Abo-Modelle für Autos Schritt für Schritt zu einer wichtigen Säule neben klassischem Leasing und Kreditfinanzierung ausbauen. Der zunehmende Trend zu kurzzeitigem Nutzen anstelle des Besitzens von Fahrzeugen biete hier Chancen, so der Digitalchef von Volkswagen Financial Services (VWFS), Stefan Imme.

Die oberste Führung von Volkswagen richtet sich derweil auf eine mögliche längere Lieferkrise bei den wichtigen Mikrochips ein. Das Fehlen größerer Mengen von Elektronik-Bauteilen, das derzeit zahlreichen Autoherstellern Produktionseinbußen und teilweise auch Kurzarbeit einbrockt, dürfte nach jetziger Einschätzung wohl nicht so rasch vorbei sein, sagte Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Rande der Messe.

Derweil liegt der Absatz des Elektromodells Taycan der Konzerntochter Porsche weit über den Erwartungen. "Wir hatten für den Taycan ursprünglich eine Jahresproduktionskapazität von 20.000 Stück geplant. Soviel haben wir bereits in der ersten Jahreshälfte verkauft", sagt Porsche-Chef Oliver Blume ebenfalls auf der Automesse IAA Mobility.

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius erwartet etwas Entspannung, aber noch kein Ende der Halbleiter-Krise. Die jüngsten Corona-Lockdowns in Malaysia hätten Mercedes-Benz im laufenden Quartal getroffen, und "die Situation ist volatil", sagte Källenius am Sonntagabend vor Beginn der IAA in München. Erst 2023 erwarte er eine deutliche Entspannung.

"In diesem Jahr haben wir unser Einkaufvolumen bei unseren Lieferanten von bislang zwölf auf über 22 Milliarden Euro erhöht", sagte BMW-Chef Oliver Zipse dem "Handelsblatt". "Das gilt für Elektromodelle, deren Produktion bis 2024 beginnt."

Derweil sieht sich das Unternehmen trotz einer Abkühlung des Automarktes in China in der Volksrepublik auf Kurs. "Der Markt wird zwar nicht so wachsen wie in den vergangenen zwölf Monaten, da waren Nachholeffekte wegen der Corona-Unterbrechung zu spüren", sagte Finanzchef Nicolas Peter. "Wir gehen aber davon aus, dass er wächst." Die Volksrepublik ist für die Premiumhersteller inzwischen der wichtigste Einzelmarkt. Überschwemmungen in einigen Landesteilen, die Chipknappheit und Corona-Restriktionen ließen den Absatz in den vergangenen Monaten jedoch zurückgehen.

Bei einer von der US-Regierung für September geplanten Kampagne für Auffrischungsimpfungen könnte einem Insider zufolge zunächst ausschließlich der Impfstoff von Pfizer und BioNTech zum Einsatz kommen. Die US-Rivalen Johnson & Johnson und Moderna seien dafür mit ihren Zulassungsanträgen noch nicht weit genug, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Der Solartechnikkonzern SMA Solar hat seine Prognosen für das Gesamtjahr aufgrund anhaltender Engpässe in der Lieferkette nach unten korrigiert. Sowohl der Umsatz als auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde niedriger ausfallen, als bislang erwartet, teilte das Unternehmen am Montag im hessischen Niestetal mit. Die im TecDAX enthaltene Aktie fiel nach Bekanntwerden der Neuigkeiten um über zehn Prozent.

Der US-Elektroautobauer Tesla kann einem Medienbericht zufolge voraussichtlich mit staatlichen Fördermitteln von rund 1,1 Milliarden Euro aus einem Europäischen Batteriezellenprogramm rechnen. Wie der "Tagesspiegel" berichtet, ist die Förderung durch das Bundeswirtschaftsministerium reif für die Bewilligung. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte die in dem Bericht genannte Fördersumme nicht und verwies auf die im vierten Quartal erwartete Entscheidung dazu.

Der US-Luftfahrtriese Boeing muss mit der Auslieferung seines neuen 787 "Dreamliner" im Zusammenhang mit der Beseitigung von Produktionsmängeln laut einem Pressebericht noch einer Weile warten. Die Auslieferungen des Langstreckenjets würden noch bis mindestens in den späten Oktober hinein ausgesetzt bleiben, da die Flugsicherheitsbehörden dem Inspektionsvorschlag des Konzerns nicht zugestimmt hätten, berichte das "Wall Street Journal" am Wochenende unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

Der irische Billigflieger Ryanair bestellt derweil bei Boeing vorerst doch keine weiteren Flugzeuge vom Typ 737-Max. Man habe sich nicht auf einen Preis einigen können, hieß es am Montag.

Der Klimawandel wird Schäden durch Naturkatastrophen nach Einschätzung des Rückversicherers Swiss Re in den kommenden Jahren nach oben schießen lassen. Bis zum Jahr 2040 dürften die versicherten wetterbedingten Katastrophenschäden in entwickelten Märkten um 30 bis 63 Prozent zunehmen, sagte der Chefökonom des Schweizer Konzerns, Jérôme Haegeli. In Deutschland könnten die Schäden sogar um mehr als 90 Prozent, in China und Großbritannien um fast 120 Prozent zunehmen.

Der Hurrikan "Ida" hat nach Schätzungen der Experten von RMS im Golf von Mexiko einen milliardenschweren Schaden angerichtet. Der kalifornische Katastrophen-Risikomanager geht davon aus, dass sich der versicherte Schaden insgesamt zwischen 25 und 35 Milliarden Dollar beläuft. "Ida" hatte Ende August als Hurrikan der Stufe vier mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 240 km/h die US-Golfküste erreicht.

Der Fußballverein Paris Saint-Germain (PSG) hat einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem Luxusmodekonzern Christian Dior geschlossen. PSG zufolge wird Dior die offizielle Garderobe der Pariser designen. Es sei das erste Mal, dass Dior einen solchen Deal mit einem Sportverein abgeschlossen habe.

Dior löst damit Hugo Boss ab. Der im Nebenwerteindex MDAX notierte deutsche Modehersteller war seit 2014 der offizielle Ausstatter des Hauptstadtclubs gewesen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 06. September 2021 um 19:13 Uhr.