Ein Mann steht vor dem Logo von IBM | REUTERS
Marktbericht

Dow Jones und DAX im Minus IBM trübt die Börsenlaune

Stand: 21.10.2021 22:20 Uhr

Stürmisch ging es an den Börsen heute wahrlich nicht zu. Ernüchternde Zahlen des Tech-Urgesteins IBM setzten den US-Blue-Chips zu. Der Dow Jones schaffte keinen neuen Rekord. Der DAX hinkte weiter hinterher.

Die Herbst-Rally an der Wall Street hat am Donnerstag an Schwung verloren. Nach den Kursgewinnen der letzten Tage und dem Rekordhoch ging dem Dow Jones die Luft aus. Der US-Standardwerte-Index lag den ganzen Tag im Minus und schloss letztlich nahezu unverändert. "Vorsicht war das Motto des Tages", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Schlechter Tag für IBM

Schuld daran war vor allem IBM. Die enttäuschenden Umsatzzahlen drückten die Aktien um acht Prozent nach unten, den tiefsten Stand seit sieben Monaten. Das IT-Infrastrukturgeschäft hat dem Traditionsunternehmen noch kurz vor seiner Abspaltung die Bilanz verhagelt. In der Sparte für globale Technologie, die nach der Abspaltung im kommenden Monat Kyndryl heißen soll, fiel der Umsatz im vergangenen Quartal um 4,8 Prozent auf 6,15 Milliarden Dollar.

S&P 500 auf Rekordhoch

Besser hielten sich die technologielastigen Indizes. Die Nasdaq gewann fast 0,7 Prozent. Der breiter gefasste S&P 500 stieg um 0,3 Prozent und erreichte in Trippelschritten ein neues Allzeithoch.

DAX im Seitwärtstrend

Ohne die Schützenhilfe vom "großen Bruder" Dow kam auch der DAX nicht voran. Er ging mit einem Minus von 0,3 Prozent bei unter 15.500 Punkten aus dem Handel. Zeitweise hatte es sogar noch düsterer ausgesehen. Zu Handelsbeginn war der deutsche Leitindex bis auf 15.406 Punkte in die Tiefe gerauscht, konnte sich dann aber fangen und sogar zeitweise ins Plus drehen. Der DAX bewegt sich seit Tagen nur noch seitwärts.

Hohe Energiepreise dürften Firmengewinne drücken

Ein weiter großes Problem sind die hohen Energiepreise. "Anleger sorgen sich, dass die jüngsten Preisanstiege auf dem Energiemarkt nicht ohne Einbußen in den Unternehmensgewinnen und damit auch im Wirtschaftswachstum vorüber gehen werden", meint Marktbeobachter Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Ölpreise zeitweise auf Dreijahres-Hoch

Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee stieg zeitweise auf ein Drei-Jahres-Hoch von 86,10 Dollar je Barrel (159 Liter), bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Bis zum Abend verbilligte sich der Ölpreis um 1,5 Prozent auf 84,12 Dollar. Experten erwarten allerdings keine größeren Rücksetzer, da das Angebot der Nachfrage weiter hinterherhinke.

Erdgas und Strom in den USA viel billiger

"Die USA klagen zwar ebenfalls über hohe Energiepreise, verglichen mit Deutschland ist das aber Jammern auf hohem Niveau", betont Experte Stanzl von CMC Markets. "Die US-Erdgaspreise liegen nur bei einem Viertel dessen, was hierzulande bezahlt werden muss. Eine Kilowattstunde Strom kostet in den USA umgerechnet zwölf Euro-Cent und damit nahezu nur ein Drittel des deutschen Preises." Mit anderen Worten: Die hohen Energiepreise in dürften die Umsätze und Gewinne der deutschen Unternehmen weitaus stärker belasten als es in den USA zu befürchten ist.

Rückt der Evergrande-Kollaps näher?

Zudem gab es schlechte Nachrichten aus China. Der hoch verschuldete Konzern China Evergrande erklärte den milliardenschweren Verkauf seiner Dienstleistungssparte Evergrande Property Services an den Konkurrenten Hopson für gescheitert und sorgte dafür wieder für Unruhe unter den Anlegern. Aktien von Evergrande und Evergande Property brachen daraufhin in Hongkong ein.

"Der geplatzte Deal macht es immer unwahrscheinlicher, dass Evergrande in letzter Minute ein Kaninchen aus dem Hut zaubern kann", sagte der Anwalt eines Gläubigers des Immobilienkonzerns. Da die Nachfrist für versäumte Zinszahlungen auslaufe, stellten sich die Leute auf eine Pleite des Unternehmens ein. Evergrande ist mit 300 Milliarden Dollar verschuldet. Der chinesische Vizeministerpräsident Liu He betonte, die Risiken im Immobiliensektor seien kontrollierbar.

Zu viel Optimismus an den Börsen

Ein weiteres Alarmsignal ist eine aktuelle Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII). Demnach ist der Anteil der "Bullen", also der optimistisch gestimmten Anleger, binnen nur einer Woche von 37,9 auf 46,9 Prozent in die Höhe geschnellt. Ein so großer Bullen-Anteil spiegelt beginnende Euphorie wider. Und Euphorie hat den Märkten noch nie gut getan. Denn sind die Anleger schon über die Maßen optimistisch gestimmt, so sind sie auch in der Regel bereits investiert. Woher sollen dann aber wiederum die Käufer kommen, die es braucht, um die Märkte weiter nach oben zu treiben?

Bitcoin nimmt Rekordhoch ins Visier

Nach einer kurzen Verschnaufpause setzte der Bitcoin erneut zum Sprung auf ein Rekordhoch an. Die Cyber-Devise stieg um ein Prozent auf 66.647 Dollar, nachdem sie gestern mit fast 67.000 Dollar die vorangegangene Bestmarke vom April übertroffen hatte. "Der Risikoappetit scheint nur schwer zu bändigen", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. "Vor allem Privatanleger haben Angst, die Rally zu verpassen."

Euro fällt etwas zurück

Der Euro konnte seine anfänglichen Gewinne nicht halten. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel leicht auf 1,1623 Dollar. Immerhin: Seit seinem Mitte Oktober markierten Tief bei 1,1523 Dollar hat der Euro Boden gutmachen können.

Türkische Lira auf neuem Rekordtief

Eine überraschend deutliche Zinssenkung der türkischen Zentralbank beschleunigte die Talfahrt der Landeswährung. Im Gegenzug stiegen Dollar und Euro um jeweils fast drei Prozent und waren mit 9,4782 beziehungsweise 11,0064 Lira so teuer wie nie.

Goldpreis auf Kurs gen 1800-Dollar-Marke

Der Goldpreis tendierte seitwärts. Die Feinunze Gold stagnierte bei 1783 Dollar. "Der Goldpreis kommt damit der psychologisch wichtigen 1800-Dollar-Marke und den charttechnisch wichtigen 100- und 200-Tage-Linien nahe. Diese dürften jedoch schwer zu überwinden sein", meint Daniel Briesemann, Rohstoff-Experte der Commerzbank.

Unterstützung erhalte Gold vom weiter schwächelnden US-Dollar sowie von Kommentaren verschiedener Fed-Vertreter, die kurzfristigen Zinserhöhungen eine Absage erteilt haben.

Versilbern Audi, BMW und Daimler ihren Kartendienst Here?

Die deutsche Autoindustrie will einem Pressebericht zufolge den Kartendienst Here an die Börse bringen. Dies solle über die Verschmelzung mit einer Zweckgesellschaft, einem sogenannten SPAC (Special Purpose Acquisition Company) zu einer hohen Bewertung geschehen, berichtete das "Manager-Magazin" unter Berufung auf Beteiligte.

Die Eigentümer, zu denen vor allem BMW, Daimler und die VW-Tochter Audi zählen, hätten dazu über den Aufsichtsrat ihr Okay gegeben, fast alle Details seien geklärt. Sie erwarteten in etwa eine Verdoppelung der Einstiegsbewertung.

SAP-Kerngeschäft schneller in der Cloud

Schlusslicht im DAX waren die Aktien von SAP mit einem Minus von über drei Prozent. Der Walldorfer Softwareriese hat das Tempo bei der Verlagerung seines Kerngeschäfts in die Cloud erhöht. Die für die kommenden zwölf Monate vertraglich zugesicherten Clouderlöse mit dem Flaggschiffprodukt S/4Hana Cloud stiegen im dritten Quartal währungsbereinigt um 58 Prozent auf 1,28 Milliarden Euro. Er rechne mit einer weiteren Beschleunigung, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Gastro-Erholung kommt Metro zugute

Die Erholung der Gastronomie hat dem Großhandelskonzern Metro ein starkes Schlussquartal beschert. Die Umsätze stiegen im vierten Quartal (per Ende September) um 9,5 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro und lagen damit deutlich über dem Niveau von vor der Pandemie. Damit übertraf Metro die Erwartungen der Analysten deutlich. Die Metro-Aktien schlossen dennoch 0,3 Prozent im Minus.

Novartis unterzeichnet neuen Deal mit BioNTech

Der Pharmakonzern Novartis und das Biotechunternehmen BioNTech haben eine neue Produktionsvereinbarung geschlossen. Wie Novartis heute mitteilte, werde man die Abfüllung und Fertigstellung des mRNA-basierten Corona-Impfstoffs von Pfizer-BioNTech ausweiten. Novartis werde die sterilen Produktionsanlagen am Standort Ljubljana in Slowenien für die Abfüllung von mindestens 24 Millionen Dosen im Jahr 2022 nutzen.

PayPal plant Milliardenübernahme von Pinterest

Der Internet-Bezahldienst PayPal plant Medienberichten zufolge eine milliardenschwere Übernahme der Online-Pinnwand Pinterest. PayPal will demnach den Kauf bis Anfang November unter Dach und Fach bringen und soll 70 Dollar je Pinterest-Aktie geboten haben. Mit dem daraus resultierenden Kaufpreis von insgesamt 45 Milliarden Dollar wäre der Deal die bisher größte Übernahme einer Social-Media-Firma.

Tesla mit Rekordquartal

Trotz der globalen Chipkrise und Lieferproblemen hat der US-Elektroautobauer Tesla im dritten Quartal so viel verdient wie noch nie zuvor in einem Vierteljahr. In den drei Monaten bis Ende September stieg der Gewinn im Jahresvergleich um 389 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um 57 Prozent auf den Rekordwert von 13,8 Milliarden Dollar.

WeWork beim Börsengang heiß begehrt

Zwei Jahre nach einem gescheiterten Versuch hat der US-Büroraum-Anbieter Wework an der Wall Street einen erfolgreichen Börsenstart hingelegt. Die Aktie des Unternehmens legte am Donnerstag nach Handelsbeginn in New York um zwischenzeitlich mehr als 13 Prozent zu. Allerdings war die Bewertung von Wework mit rund neun Milliarden Dollar viel niedriger als die 47 Milliarden Dollar, die das Unternehmen 2019 angepeilt hatte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Oktober 2021 um 09:05 Uhr.