Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Dow & Co. im Minus Vorsicht an der Wall Street

Stand: 18.02.2022 22:25 Uhr

Vor dem langen Wochenende und in Anbetracht der Gefahren in Europa haben die US-Anleger Kasse gemacht. Die führenden Aktienindizes schlossen erneut leichter. Auch der DAX tendierte schwächer.

Die US-Börsen haben vor einem langen Wochenende angesichts der Spannungen in der Ukraine nachgebend tendiert. Wer auf eine Gegenreaktion nach den schweren Verlusten des Vortages gehofft hatte, wurde enttäuscht.

Der Leitindex Dow Jones ging bei 34.079 Punkten aus dem Handel, ein Abschlag von 0,68 Prozent. Auch der marktbreite S&P-500-Index gab nach und schloss bei 4348 Punkten um 0,72 Prozent leichter.

Die Technologiebörse Nasdaq, die am Vortag fast drei Prozent verloren hatte, gab erneut überproportional um 1,23 Prozent auf 13.548 Punkte nach. Ebenso der Auswahlindex Nasdaq 100, der 1,14 Prozent nachgab auf 14.009 Zähler.

Ukraine-Konflikt lastet auf dem Markt

Wie bereits am Vortag und zuvor in Europa lasteten Berichte über zunehmende Kämpfe im Osten des Landes und die Ankündigung der Rebellen dort von Evakuierungen auf dem Aktienmarkt. Beruhigend wirkte allerdings die Nachricht eines geplanten Treffens zwischen US-Außenminister Antony Blinken und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow.

Angesichts der Unsicherheit und weil am Montag in den USA wegen des Feiertags Washington's Birthday nicht gehandelt wird, wollten die Anleger kein großes Risiko eingehen, sagte der Portfolio-Manager Robert Pavlik vom Vermögensverwalter Dakota Wealth: "Niemand will zu exponiert in das lange Wochenende gehen."

Zudem erwarten die US-Investoren im März eine Zinserhöhung der Notenbank Federal Reserve (Fed), über deren Ausmaß allerdings gerätselt wird. Nicht wenige erwarten sogar in einem ersten Schritt eine Erhöhung um 50 Basispunkte. Analyseabteilungen der großen Banken überbieten sich derzeit mit Prognosen, wie viele Zinsschritte bevorstehen, was ebenfalls nicht zur Beruhigung beiträgt.

Staatsanleihen gefragt

Angesichts der Ukraine-Krise suchten Anleger aber Zuflucht in Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen US-Bonds fiel im Gegenzug auf 1,918 Prozent, die Bundrendite verlor fünf Basispunkte auf 0,18 Prozent. Experten verweisen auf die Berichte über eine Evakuierung von Rebellengebieten in der Ost-Ukraine. "Das macht es ein wenig realer und wahrscheinlicher, dass es einen Konflikt geben wird", sagt der Marktstratege Lou Brien vom Handelshaus DRW Trading.

EZB-Zinserhöung noch in diesem Jahr?

Kreisen zufolge sprechen sich derweil immer mehr Mitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) für eine Leitzinserhöhung in diesem Jahr aus. Es zeichne sich eine Einigung ab, dass die Anleihekäufe unter dem allgemeinen Kaufprogramm APP im September auslaufen könnten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Dies könne bedeuten, dass eine erste Zinserhöhung im Dezember erfolgt. Der Bericht belastete die Anleihen jedoch nicht. Schließlich hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde zuletzt eine Zinserhöhung in diesem Jahr nicht mehr ausgeschlossen.

DAX dreht noch stärker ins Minus

Der heimische Aktienmarkt war auch heute nichts für schwache Nerven. Nach einem lange uneinheitlichen Handelsverlauf drehte der deutsche Leitindex DAX letztlich immer mehr ins Minus und schloss bei 15.042 Punkten um 1,47 Prozent schwächer. Damit behauptete der Index immerhin knapp die Marke von 15.000 Punkten, die er im Tagestief bei 14.889 Zählern schon leicht unterschritten hatte. Im Wochenvergleich ergibt sich damit ein Verlust von fast 2,5 Prozent.

Ukraine-Krise und kein Ende

Wie auch in New York waren Aussagen des Chefs der Separatisten in der Region Donezk im Osten der Ukraine, Denis Puschilin Auslöser des Abverkaufs am Nachmittag. Dieser kündigte an, die Einwohner sollten nach Russland in Sicherheit gebracht werden. Damit solle noch am Freitag begonnen werden.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin konstatierte eine Verschlechterung der Lage in der Ostukraine. Zuvor hatten leichte Entspannungssignale auf diplomatischer Ebene den DAX noch gestützt. Im frühen Geschäft markierte der Index bei 15.317 Punkten sein Tageshoch.

"Der Ukraine-Konflikt hängt wie eine graue Wolke über den Aktienmärkten", schrieb Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Die jüngsten Kursschwankungen an den Finanzmärkten begründeten sich aus den ökonomischen Risiken einer Eskalation der Lage. Ein militärisches Vorgehen Russlands würde wirtschaftliche Sanktionen nach sich ziehen.

Führende westliche Politiker wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und US-Außenminister Antony Blinken äußerten sich besorgt. Blinken hatte zuvor aber einem Treffen mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow zugestimmt und damit für Hoffnung bei den Investoren gesorgt. Dieses Treffen soll Ende nächster Woche stattfinden, sofern Russland nicht in die Ukraine einmarschiert. "Das Hin und Her, das politische Börsen ausmacht, dürfte noch eine Weile anhalten", sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Broker CMC Markets.

Ruhe vor dem Sturm am Ölmarkt?

Lohnenswert ist in der aktuellen Gemengelage stets auch ein Blick auf den Ölmarkt. Schließlich ist der Ölpreis generell ein guter Indikator dafür, wie risikobereit oder ängstlich die Anleger gestimmt sind. Rohöl gilt als riskante Anlage. In der Ukraine-Krise kommt dem Ölmarkt jedoch darüber hinaus große Bedeutung zu, ist Russland doch einer der größten Ölexporteure der Welt. Seit Wochen schon wird der Rohstoff daher mit einem Risikoaufschlag gehandelt.

Zum Wochenschluss gaben die Preise für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) nach, haben sich dabei aber deutlich von ihren Tagestiefs gelöst. Dass der Rückgang aber nur eine Momentaufnahme ist, dürfte allen Anlegern klar sein. Sollte die Ukraine-Krise eskalieren, dürfte es mit der Entspannung am Ölmarkt und an den Aktienmärkten rasch vorbei sein.

Im Gegenzug scheint nach jahrelangem Streit über das iranische Atomprogramm nach Darstellung aus EU-Kreisen eine Lösung zum Greifen nah. "Ich erwarte eine Vereinbarung in der kommenden Woche, in den kommenden beiden Wochen oder so", sagte ein hochrangiger Vertreter der Europäischen Union. Das Opec-Mitglied Iran könnte dann wieder an den Markt zurückkehren, was das Angebot erhöhen und den Preis drücken würde.

Gold muss Federn lassen

Auch der Goldpreis hat seine Verluste eingegrenzt, blieb aber moderat im Minus und knapp unter der Marke von 1900 Dollar je Feinunze. Ähnlich wie das Öl gilt das gelbe Edelmetall als klassischer "sicherer Hafen" ein Seismograph für die Risikoaversion der Anleger.

Euro sackt ab

Der Euro hat sich im späten US-Devisenhandel etwas stabilisiert. Zuletzt notierte die Gemeinschaftswährung auf 1,1326 US-Dollar, nachdem sie zuvor bis auf 1,1315 Dollar nachgegeben hatte. Die Kursbewegungen hielten sich kurz vor dem Wochenende aber in Grenzen.

Die Gemeinschaftswährung leidet derzeit unter dem Zinsvoraus der USA, aber auch unter der Krisenlage, in der der Dollar als Weltleitwährung traditionell gesucht ist. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1354 (Donnerstag: 1,1370) Dollar fest.

Rechtsstreit in den USA kostet Allianz Milliarden

Im DAX gehörte heute die Allianz-Aktie zu den größten Verlierern. Denn der Versicherungskonzern muss für einen Rechtsstreit in den USA 3,7 Milliarden Euro zurücklegen und rechnet mit weiteren Belastungen. Unter dem Strich verdiente Allianz im abgelaufenen Jahr infolge der Milliardenbelastung noch rund 6,6 Milliarden Euro, drei Prozent weniger als in dem von Corona-Folgen belasteten Vorjahr.

Bayer erhöht Umsatzprognose für Prostata-Krebsmittel

Der Pharmakonzern Bayer hat nach ermutigenden Daten zum Prostatakrebsmittel Nubeqa seine Umsatzerwartungen an das Mittel kräftig angehoben. Es sei nun von einem Spitzenumsatz von mehr als drei Milliarden Euro auszugehen, teilte das Unternehmen mit. Ursprünglich hatte Bayer für das Medikament mit mehr als einer Milliarde Euro kalkuliert.

Aktivistischer Investor lässt bei RWE nicht locker

Der aktivistische Investor Enkraft legt bei seiner Forderung nach einer raschen Abspaltung des Kohlegeschäfts von RWE nach. RWE sei der drittgrößte CO2-Emittent Europas, schrieb Enkraft-Geschäftsführer Benedikt Kormaier in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Brief an RWE-Aufsichtsratschef Werner Brandt. Die Aktie sei damit für eine große und wachsende Zahl von verantwortungsvollen Investoren kein Investitionsobjekt.

BVB-Torjäger Haaland orientiert sich in Richtung Real Madrid

Die Spekulationen um die Zukunft von Erling Haaland halten an. Wie die spanische Zeitung "Sport" am Freitag berichtet, hat Real Madrid eine "Vorzugsvereinbarung" mit dem 21 Jahre alten Dortmunder Torjäger abgeschlossen. Dies soll dem Tabellenführer der Primera Division das Recht zusichern, vor anderen Mitbewerbern mit Haaland über einen Wechsel verhandeln zu dürfen.

Der norwegische Nationalspieler ist zwar bis 2024 vertraglich an Borussia Dortmund gebunden, könnte den Tabellenzweiten der Fußball-Bundesliga aber aufgrund einer Ausstiegsklausel für angeblich 75 Millionen Euro schon in diesem Sommer verlassen. Laut "Sport" versucht Real Madrid, den Preis zu drücken. Im Gegenzug soll dem BVB die Verpflichtung des ehemaligen Frankfurters Luka Jovic angeboten werden.

Der BVB hat derweil zur Halbzeit des Geschäftsjahres 2021/22 ein deutliches Plus bei Umsatz und Ergebnis verzeichnet. Nach vorläufigen Zahlen kletterte der Konzernumsatz bis Ende Dezember um knapp 20 Prozent auf 212,6 Millionen Euro, wie die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA mitteilte. Der Konzerngewinn lag bei 37,5 Millionen Euro (Vorjahr minus 26,3 Millionen Euro). Als Grund für das Plus nannte die börsennotierte Gesellschaft ein "wesentlich verbessertes Ergebnis aus Transfergeschäften". Dies schlug allein mit 60,2 Millionen Euro zu Buche.

Renault kehrt in die schwarzen Zahlen zurück

Der französische Autobauer Renault hat 2021 dank Sparprogramm und steigender Preise besser abgeschnitten als geplant. Während der Umsatz trotz geringerer Autoverkäufe um 6,3 Prozent auf 46,2 Milliarden Euro zulegte, fuhr das Unternehmen mit 888 Millionen Euro unter dem Strich auch wieder einen Gewinn ein. Renault hatte 2020 in der Corona-Krise einen Rekordverlust von acht Milliarden Euro verbucht.

Hohe Investitionen knabbern an Intel-Marge

Der US-Chipkonzern Intel geht wegen anhaltend hoher Investitionen von keiner schnellen Verbesserung der Marge aus. Die Bruttomarge werde dieses Jahr auf 52 Prozent von fast 58 Prozent im Jahr 2021 fallen und in den kommenden zwei Jahren zwischen 51 und 53 Prozent liegen, gab das Unternehmen bekannt. Intel steigt mitten in der Chipkrise stärker in die Auftragsfertigung ein und baut seine Kapazitäten weltweit massiv aus.

Australien: Amazon-Fahrer bekommen knapp 24 Euro die Stunde

Der australische Bundesstaat New South Wales hat Unternehmen wie Amazon angeordnet, ihren freiberuflichen Lieferfahrern einen Mindestlohn zu zahlen. Nach der stufenweisen Einführung muss den Fahrern mit eigenen Autos letztlich ein Stundenlohn von 37,80 Australischen Dollar (umgerechnet fast 24 Euro) überwiesen werden.

Über dieses Thema berichteten am 18. Februar 2022 tagesschau24 um 09:00 Uhr und BR24 um 09:45 Uhr.