Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

US-Banken enttäuschen Ernüchterung an der Wall Street

Stand: 14.01.2022 22:20 Uhr

Gut, aber nicht gut genug. Die im Vorfeld mit großer Spannung erwarteten Ergebnisse großer US-Banken hielten nicht, was sich die Anleger erhofften. An der Wall Street herrschte danach Ernüchterung.

Anders als im Vorquartal hat der Beginn der US-Bilanzsaison diesmal nicht für einen Befreiungsschlag gesorgt. Vor allem die Zahlen der beiden US-Großbanken JPMorgan Chase und Citigroup fielen bei den Anlegern durch und bescherten beiden Aktien Verluste.

Vor allem der Leitindex Dow Jones gab nach und schloss bei 35.911 Punkten um 0,56 Prozent schwächer. Im Wochenvergleich verlor der Dow damit 0,9 Prozent. Am Vortag hatten sich die Standardwerte noch besser gehalten als die Tech-Aktien, die sich heute erholten und im späten Geschäft sogar noch den Schwenk ins Plus fanden. Die Technologiebörse Nasdaq zog letztlich um 0,59 Prozent an auf 14.893 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 stieg um 0,75 Prozent auf 15.611 Zähler.

Von einer kraftvollen Gegenbewegung konnte aber trotzdem nicht gesprochen werden, nachdem die Techaktien gestern nach gestiegenen Zinsängsten deutlich unter Druck geraten waren und rund 2,5 Prozent verloren hatten. Der marktbreite S&P-500-Index lag wie meist zwischen den beiden Indizes und ging am Ende kaum verändert bei 4662 Zählern aus dem Handel.

"Die Stimmung ist ziemlich trübe, obwohl die Berichtszeit für das vierte Quartal offiziell beginnt ... es scheint, als ob die Inflation weiterhin die vorherrschende Sorge ist", sagte Anlageexperte Sam Stovall vom Analysehaus CFRA Research. Investoren sorgen sich derzeit, dass die Konjunktur in den USA mit einer zu aggressiven Zinspolitik der US-Notenbank abgewürgt werden könnte.

US-Einzelhandel unter Erwartungen

Zudem sorgten schwächer als erwartet ausgefallene Einzelhandelszahlen für lange Gesichter. Denn die Händler haben im wichtigen Weihnachtsgeschäft im Dezember überraschend weniger umgesetzt. Die Erlöse fielen um 1,9 Prozent niedriger aus als im Vormonat, wie das Handelsministerium mitteilte. Experten hatten mit einer Stagnation gerechnet. In der konsumlastigen US-Ökonomie ist das stets eine besonders schlechte Nachricht. Auch das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan sank, wobei vor allem Inflationssorgen die Stimmung der Verbraucher drückte.

Nur Wells Fargo-Daten kommen gut an

Unter den Bankaktien legte einzig die Wells-Fargo-Aktie zu. Der Grund: Einnahmen aus dem Verkauf von Geschäftsaktivitäten haben der amerikanischen Großbank in den Schlussmonaten des vergangenen Jahres zu einem Gewinnschub verholfen. Pro Aktie stand ein Gewinn von 1,38 Dollar je Aktie zu Buche. Analysten hatten mit 1,13 Dollar je Aktie gerechnet.

Platzhirsch JP Morgan weist zwar im abgelaufenen Jahr 2021 erneut einen zweistelligen Milliardengewinn von 48,3 Milliarden Dollar aus, im Schlussquartal kam aber besonders das Handelsgeschäft nicht wie erwartet voran. Die Anleger bestraften das sofort, auch wenn der Gewinn insgesamt über den Erwartungen der Analysten lag. Die Aktie verlor über sechs Prozent und stand am Dow-Ende.

Auch der Finanzkonzern Citigroup berichtete über ein schwächeres Handelsgeschäft im vierten Quartal. Im Schlussquartal fiel der Nettogewinn im Jahresvergleich um rund 26 Prozent auf 3,2 Milliarden Dollar (2,8 Milliarden Euro). Im Gesamtjahr 2021 verbuchte die Citigroup aber trotz des schwächeren Quartals einen Gewinnanstieg um 99 Prozent auf knapp 22 Milliarden Dollar. Das lag jedoch vor allem daran, dass die aufgrund der Corona-Pandemie gebildete Risikovorsorge für ausfallbedrohte Kredite wieder deutlich heruntergefahren werden konnte, wovon auch die anderen Institute profitierten.

DAX fällt unter 16.000 Punkte

Der DAX hat die Woche mit Verlusten beendet. Der heimische Markt litt am Nachmittag unter den schwach aufgenommen US-Bankergebnissen, war nach den Nasdaq-Verlusten vom Vortag aber bereits zuvor angezählt gewesen.

Der Euphoriedämpfer nach dem Fehlstart der US-Berichtssaison sorgte im Gefolge dafür, dass der DAX am Nachmittag nicht aus der Verlustzone herauskam und am Ende bei 15.883 Punkten um 0,93 Prozent schwächer schloss. Der Index konnte damit die Marke von 16.000 Punkten nicht behaupten, die er erst gestern auf Basis der Schlusskurse übertroffen hatte. Im Wochenvergleich ergab sich kaum eine Veränderung.

"Die 16.000 ist im Moment eine verdammt hohe Hürde für den DAX", sagte Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Die Angst, gleich zu Jahresbeginn auf der falschen Seite positioniert zu sein, ist riesig." Ohnehin stimmen die Anleger die hohen Inflationsraten, die Aussicht auf eine straffere US-Geldpolitik sowie die Omikron-Welle die Anleger vorsichtig.

"Neben Omikron und damit verbundenen Konjunktursorgen setzt den Börsen vor allem die verschärfte US-Geldpolitik zu", sagte Aktienmarktstratege Robert Halver von der Baader Bank. "Allein schon aus Glaubwürdigkeitsgründen kommt die Fed nicht an Restriktionen vorbei."

Der Euro fällt wieder zurück

Der Euro notiert im US-Handel bei 1,1416 Dollar mittlerweile rund 0,3 Prozent schwächer und kann damit anfangs stärkere Gewinne damit nicht halten. Händler sprachen nach einer Woche von deutlichen Kursgewinnen von Gewinnmitnahmen. So hatte der Euro am Montag noch zeitweise unter 1,13 Dollar notiert.

Fachleute meinen aber, die Gemeinschaftswährung profitiere derzeit von der Aussicht, dass die Fed die Zinsen nicht stärker als erwartet anheben dürfte, um die Inflation zu bekämpfen. So prognostizierten Commerzbank-Ökonomen, dass die Fed in diesem Jahr viermal den Leitzins anheben werde, das erste Mal im März. Zuletzt war spekuliert worden, dass die Notenbank wegen der hohen Inflation sogar einen noch strafferen Kurs einschlagen könnte.

Allerdings könnte es sich bei den Aufschlägen um eine Momentaufnahme handeln: "Da die USA der Teil der Welt mit der straffsten Geldpolitik bleiben, könnte der Dollar weiter steigen", meint Florian Ielpo, Head of Macro, Multi Asset bei Lombard Odier Investment Managers. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1447 (Donnerstag: 1,1463) Dollar fest.

In den USA ist die Industrieproduktion im Dezember derweil überraschend geschrumpft. Sie fiel um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, wie die US-Notenbank in Washington mitteilte. Analysten hatten hingegen im Schnitt einen Anstieg um 0,2 Prozent erwartet.

Deutsches BIP-Wachstum bewegt nicht

Die aktuellen Daten zum deutschen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ließen die Marktteilnehmer derweil kalt. Mit 2,7 Prozent Wachstum hat sich die Wirtschaft 2021 nach dem Corona-Tief zurückgemeldet, der Zuwachs fiel jedoch geringer aus als erhofft.

China: Rekord beim Handelsüberschuss

Chinas Außenhandel ist im Dezember langsamer als im Vormonat gewachsen. Wie der Zoll berichtete, stiegen die Ausfuhren in Dollar berechnet um 20,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Im November hatte das Plus noch bei 22 Prozent gelegen. Der Handelsüberschuss für das Gesamtjahr 2021 wuchs auf einen Rekordwert von 676 Milliarden Dollar. Das war wahrscheinlich der höchste Wert, den ein Land jemals erzielte.

Ölpreise legen wieder zu

Die Ölpreise haben ihre Gewinne im Verlauf deutlich ausgebaut. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 86,16 US-Dollar. Das waren 1,74 Prozent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,86 Prozent auf 83,94 Dollar. Die Ölpreise bauten so ihre jüngsten Gewinne aus und markierten den vierten Wochengewinn in Folge. Die Preise nähern sich ihren Mehrjahreshochs aus dem Oktober 2021.

"Der durch das Aufkommen der Omikron-Variante ausgelöste Preisrückgang ist vollständig aufgeholt", kommentierte Carsten Fritsch, Rohstoffexperte bei der Commerzbank. "Denn der Einfluss von Omikron auf die Ölnachfrage war bislang deutlich milder als zunächst befürchtet, wie auch die Internationale Energie-Agentur (IEA) in dieser Woche konstatierte." Die Commerzbank hat daher ihre Preisprognose für Brent-Öl für das laufende Quartal von 70 auf 80 Dollar angehoben.

Google setzt auf "hybrides" Arbeiten

Google wettet mit dem milliardenschweren Kauf einer Immobilie in London auf das hybride Arbeiten. Google erwirbt nach eigenen Angaben für eine Milliarde Dollar das Gebäude Central Saint Giles in der Nähe von Covent Garden, in dem das Unternehmen derzeit Mieter ist.

Geplant sei, das Haus für mehrere Millionen zu modernisieren, um mehr Platz für Einzelne zu schaffen und den Anforderungen an das hybride Arbeiten besser gerecht zu werden. So würden auch überdachte Arbeitsplätze im Freien entstehen. Google ist in Großbritannien seit fast 20 Jahren aktiv und beschäftigt rund 6400 Mitarbeiter.

BSI: keine Sicherheitslücken Xiaomi-Smartphones

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in Smartphones von Xiaomi weder Sicherheitslücken noch Hinweise auf Zensurfunktionen entdeckt, teilte die Behörde mit. Das BSI hatte die Geräte aus China über mehrere Monate hinweg untersucht, weil zuvor die litauische Cyberabwehr vor Sicherheitslücken und eingebauten Zensurfunktionen in chinesischen Mobiltelefonen gewarnt hatte. Die Litauer hatten sich konkret auf das Modell Xiaomi Mi 10T 5G bezogen.

Das BSI habe bei der Untersuchung "relevanter Geräte" keine Auffälligkeiten festgestellt. Es sei auch keine Übertragung von Filterlisten festgestellt worden. Deshalb seien keine weiteren Nachforschungen oder andere Maßnahmen bezüglich der Xiaomi-Smartphones erforderlich. Das Ergebnis der Untersuchungen beziehe sich auf Deutschland.

GlobalWafers und Siltronic: Übernahme droht zu scheitern

Die 4,35 Milliarden Euro schwere Übernahme des Chip-Zulieferers Siltronic durch den größeren taiwanischen Rivalen GlobalWafers droht am Widerstand der Bundesregierung zu scheitern. Der Hersteller von Siliziumscheiben (Wafer) für die Halbleiter-Produktion signalisierte am Freitagabend, dass die Hoffnung auf eine Genehmigung der Transaktion durch das Bundeswirtschaftsministerium nach dem Außenwirtschaftsgesetz schwindet: Von dort kämen keine Signale, "ob und unter welchen Umständen eine außenwirtschaftsrechtliche Unbedenklichkeitsbescheinigung für die Übernahme der Siltronic AG durch GlobalWafers erteilt werden kann", teilten die Münchner mit. Es gebe keine Fortschritte in den Gesprächen.

Die Zeit drängt: Bis zum 31. Januar muss das Ministerium von Robert Habeck (Grüne) grünes Licht geben, sonst ist der vor mehr als einem Jahr vereinbarte Verkauf geplatzt. GlobalWafers will mit Siltronic zum japanischen Weltmarktführer Shin-Etsu aufschließen und hat sich 70 Prozent der Aktien gesichert.

Die beiden Konzerne hatten den Plan für die Übernahme Ende 2020 öffentlich gemacht. Globalwafers musste die Offerte auf zuletzt 145 Euro je Aktie nachbessern. Damit wird Siltronic insgesamt mit knapp 4,4 Milliarden Euro bewertet.

SAP setzt auf die Cloud

Der Softwarekonzern SAP hat in der Nacht zu Freitag vorläufige Jahreszahlen präsentiert und ist angesichts des kräftigen Wachstums in der Cloud zuversichtlich für das neue Geschäftsjahr. 2022 sollen die Clouderlöse währungsbereinigt um 23 bis 26 Prozent auf 11,55 bis 11,85 Milliarden Euro klettern. 2021 erhöhten sie sich währungsbereinigt um 19 Prozent auf 9,59 Milliarden Euro und lagen damit am oberen Ende der Prognose.

Großauftrag für Nordex

Der Hamburger Hersteller von Windturbinen, Nordex, meldet neue Großaufträge über insgesamt 245 Megawatt (MW) aus Südamerika. Der norwegische Versorger Statkraft habe 14 Turbinen für einen geplanten 80-MW-Windpark in Brasilien bestellt. Zu dem Auftrag gehöre auch ein dreijähriger Service-Vertrag mit Verlängerungsoption. Ein Entwickler aus Chile habe Ende des vergangenen Jahres 29 Turbinen für einen 165-MW-Windpark bestellt. Hier sei ein zweijähriger Service-Vertrag mit Verlängerungsoptionen auf bis zu 15 Jahre vereinbart worden. Die Kosten für ein Megawatt (MW) installierte Leistung sehen Experten bei 600.000 bis 800.000 Euro.

Wacker verdient mehr

Wacker Chemie hat wegen hoher Preise und einer guten Nachfrage im vergangenen Geschäftsjahr operativ mehr verdient als erwartet. Auf Basis vorläufiger Zahlen stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf rund 1,5 Milliarden Euro, wie das MDAX-Unternehmen mitteilte. Damit übertraf das Management die eigenen Ziele und Erwartungen von Analysten. 2020 lag der Wert noch bei 666,3 Millionen Euro. Den Umsatz steigerte Wacker Chemie um knapp ein Drittel auf etwa 6,2 Milliarden Euro.

Novavax-Impfstoff steht an Februar zur Verfügung

Corona-Impfungen mit dem Präparat des US-Herstellers Novavax sollen voraussichtlich Ende Februar in Deutschland starten können. Die erste Lieferung von 1,75 Millionen Dosen soll ab dem 21. Februar zur Verfügung stehen, wie Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach mit Verweis auf Firmenangaben in Berlin sagte. Genaue Termine für weitere 3,25 Millionen Dosen, die gekauft wurden, stünden noch nicht fest. Er hoffe auf eine Lieferung noch im Februar.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 14. Januar 2022 um 10:00 Uhr.