Gut gelaunter Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

DAX im Aufwind Die Anleger scharren mit den Hufen

Stand: 15.02.2021 21:49 Uhr

Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Corona-Krise, verbunden mit einem kräftigen Konjunkturschub, treibt die Investoren derzeit in die Aktien. Auch an einem umsatzarmen Tag wie heute.

Es sind vor allem die derzeit sinkenden Inzidenzwerte sowie der stetige Fortgang der Impfungen, die für Corona-Zuversicht an der Börse sorgen. Zwar bleibt die Lage besonders wegen der Virus-Mutationen weiter gefährlich, zunehmend setzen die Anleger aber auf den Anfang vom Ende der Pandemie - und positionieren sich entsprechend.

Der DAX bewegte sich zum Wochenauftakt trotz dünner Umsätze nahe seines Rekordhochs bei 14.169 Punkten und legte am Ende des Tages 0,4 Prozent zu auf 14.109 Punkte. Der deutsche Leitindex handelte dabei in einer nur engen Bandbreite von rund 70 Punkten. Dass die Umsätze heute gering blieben, war der Tatsache geschuldet, dass in den USA heute feiertagsbedingt kein Handel stattfindet. Zudem ist und bleibt heute Rosenmontag, auch wenn größere Feierlichkeiten natürlich nicht stattfanden.

Aktien aus der zweiten Reihe stärker gefragt

Noch besser als im Leitindex lief es für die Aktien aus der zweiten Reihe. So war der MDAX der mittelgroßen Börsenwerte auf ein Rekordhoch geklettert und schloss 0,95 Prozent höher bei 32.905 Punkten. Wie kaum ein anderer Index repräsentiert der MDAX den deutschen Mittelstand und ist ein zuverlässiger Hinweisgeber auf die Konjunkturhoffnungen.

"Die aktuelle Stärke der Aktienmärkte rührt vor allem daher, dass die weniger kapitalisierten Aktien aus der zweiten und dritten Reihe überdurchschnittlich stark steigen, während gleichzeitig die Highflyer des Jahres 2020 auf ihren hohen Niveaus verharren", analysierte Experte Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets die Situation.

Johnson macht Mut

Ganz genau blick(t)en die Anleger auf die aktuelle Nachrichtenlage in Sachen Corona. Hoffnungen verbreitete heute der britische Premierminister Boris Johnson. Dieser kündigte einen vorsichtigen Ausstieg aus dem Lockdown an. "Wir müssen sehr klug sein, und was wir sehen wollen, das ist ein vorsichtiger, aber unumkehrbarer Fortschritt", sagt er vor Reportern. "Wenn wir können, werden wir Termine festlegen." Er werde alles tun, damit die Schulen am 8. März wieder geöffnet werden könnten.

Das ist Balsam auf die Wunden der Anleger. Denn mit dem Fortgang der Impfungen steigt die Hoffnung auf einen kräftigen Wirtschaftsaufschwung nach der Krise. "Neben den Hoffnungen, dass das US-Konjunkturpaket nicht mehr lange auf sich warten lässt, sind es die Fortschritte im Kampf gegen das Coronavirus, welche weiter für eine optimistische Grundstimmung auf dem Börsenparkett sorgen", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Die Anzahl der neuen Fälle geht auch in den Corona-Hotspots zurück."

Mehr Impfstoff auf dem Weg nach Europa

Derweil verhandelt die EU mit diversen Herstellern über die Lieferung weiterer Impfdosen. Mit dem US-Pharmakonzern Moderna stehe man in Verhandlungen über 150 Millionen Dosen. Ferner würde ein Vertrag mit Novavax über 200 Millionen Dosen vor dem Abschluss stehen, hieß es aus Medienkreisen. Dagegen sollen die Verhandlungen mit AstraZeneca stocken. Ein Teil der zusätzlichen Moderna-Impfdosen könnte nach Aussage von Insidern bis Juni geliefert werden. Die EU erhält von dem US-Konzern bereits 160 Millionen Dosen, die seit dem vergangenen Monat eingesetzt werden.

Rohstoff-Hausse geht weiter

Auf bessere Zeiten hoffen auch die Anleger an den Rohstoffmärkten, wo die Notierungen ebenfalls kräftig anziehen und hohe Niveaus erreicht haben. Obwohl die chinesischen Händler noch in der Feiertagspause sind, stürmen die Preise für Öl und Industriemetalle am Montag weiter nach oben. Kupfer steigt auf rund 8400 Dollar je Tonne, den höchsten Stand seit mehr als acht Jahren.

Auch die Ölpreise setzten ihren Höhenflug vom vergangenen Freitag fort und erreichen die höchsten Werte seit Februar 2020. Nach der europäischen Leitsorte Brent hat nun auch der Preis für die US-Sorte WTI die Schallmauer bei 60 Dollar je Barrel (159 Liter) durchbrochen.

Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank verwies in einer Einschätzung auf eine gute Nachfrage nach Rohöl in Asien. Außerdem sprach er auch von einer "Wiederbelebung der Nachfrage in den USA". In der größten Volkswirtschaft der Welt werde die Nachfrage nach Rohöl durch ein gewaltiges Konjunkturpaket gestützt, das die Regierung unter Präsident Joe Biden auf den Weg bringen wolle. Am Markt wurde aber auch auf die kalte Witterung in wichtigen Industriestaaten verwiesen. So habe unter anderem ein scharfer Kälteeinbruch in den USA die Förderung, den Transport und die Verarbeitung von Rohöl zu Treibstoffen behindert und die Preise gestützt.

Pfund im Aufwind, Euro gut behauptet

Am Devisenmarkt goutieren die Anleger die Impffortschritte in Großbritannien und greifen beim Pfund zu. Das Pfund Sterling stieg auf ein Drei-Jahres-Hoch von 1,3913 Dollar. Zur europäischen Gemeinschaftswährung erreichte das Pfund mit 1,1461 Euro ein Neuneinhalb-Monats-Hoch.

Der Dollar handelte am späten Abend gegen den Euro bei 1,2131 leicht schwächer. Der Kurs ist besonders wichtig für die Rohstoff-Rally, werden deren Preise doch in Dollar festgesetzt. Ein schwächere Dollar macht sie für Anleger aus anderen Währungsräumen somit günstiger. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2129 (Freitag: 1,2108) US-Dollar fest.

Bitcoin und Dogecoin unter Druck

Die zuletzt im Fokus stehende Kryptowährung Dogecoin brach in den vergangenen 24 Stunden um rund neun Prozent ein. Zuvor hatte Elon Musk mit einem Tweet für Verunsicherung gesorgt. Auch die weltweit bekannteste Kryptowährung, zuvor schon auf dem Weg in Richtung 50.000 Dollar, konsolidiert. Der Bitcoin notiert laut der Plattform CoinMarketCap aktuell etwas über 48.500 Dollar. Binnen Wochenfrist liegt die Digitalwährung allerdings über 20 Prozent im Plus.

Bayer will noch 2021 Curevac-Impfstoff ausliefern

Der Bayer-Konzern will aus seinem Werk in Wuppertal noch in diesem Jahr die ersten Dosen des Curevac-Impfstoffs ausliefern. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir noch vor Jahresende, wenn alles gut geht, die ersten Impfstoffe sogar ausliefern können", sagte Vorstandschef Werner Baumann am Montag während eines Besuchs von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet in dem Werk. Der Impfstoff ist noch nicht zugelassen - ebenso wenig wie das Wuppertaler Bayer-Werk.

1&1 Drillisch wird vierter Netzbetreiber

Deutschland bekommt bald ein viertes Mobilfunknetz: 1&1 Drillisch hat ein Vertragsangebot seines Wettbewerbers Telefónica für ein nationales Roaming angenommen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Bis Mai sollen noch letzte Details geklärt werden, verbindlich ist der Deal aber schon jetzt. "Wir freuen uns über diesen Meilenstein auf unserem Weg zum Netzbetreiber", sagte Drillisch-Chef Ralf Dommermuth.

Rückruf für knapp 1,3 Millionen Mercedes-Fahrzeuge

Daimler ruft in den USA knapp 1,3 Millionen Fahrzeuge von Mercedes-Benz wegen eines möglichen Problems mit dem automatischen Notrufsystem zurück. Der Fehler könnte dazu führen, dass das System bei einem Unfall eine falsche Position des Fahrzeugs melde, hieß es in einem Statement des Autobauers. Nach Angaben der US-Behörden sind zahlreiche Modelle der Baujahre 2016 bis 2021 von der kompakten A- bis zur S-Klasse betroffen.

Lufthansa-Chef skeptisch für den Luftverkehr

Lufthansa-Chef Carsten Spohr erwartet weiterhin keine schnelle Erholung des Luftverkehrs in der Corona-Krise. Bislang sei keine Entspannung zu spüren, stattdessen gebe es zusätzliche Reisebeschränkungen, sagte der Manager am Montag. In den kommenden Wochen werde es daher sehr schwache Passagierzahlen geben und auch ab dem Sommer rechne er nur mit 40 bis 60 Prozent des Vorkrisen-Niveaus.

Unterdessen versucht Lufthansa einen Teil der Flugzeugbestellungen bei Boeing und Airbus auf kleinere Typen umzuschreiben. Die Hersteller schienen mit Blick auf die Aufträge gesprächsbereit, sagte Spohr. Die Lufthansa hat viele Großraumflugzeuge der Typen Airbus A350 sowie Boeing 787 und 777X bestellt. Boeing hat die Auslieferung der ersten 777X jüngst ohnehin auf Ende des Jahres 2023 verschoben.

Lanxess kauft in den USA zu

Unter den Einzelwerten im MDAX macht Lanxess auf sich aufmerksam. Der Chemiekonzern stärkt sein Geschäft für antimikrobielle Mittel mit einer Übernahme in den USA. Für 1,04 Milliarden US-Dollar kauft der Kölner Konzern Emerald Kalama Chemical, das unter anderem Konservierungsstoffe für Lebensmittel, Haushalt und Kosmetik, Aroma- und Duftstoffe sowie Produkte für Tiernahrung herstellt. "Wir stärken unser Segment Consumer Protection weiter und erschließen margenstarke neue Anwendungsfelder, etwa in der Lebensmittelindustrie und der Tiergesundheit", erklärte Lanxess-Chef Matthias Zachert.

Fraport verlängert Lizenz für den Flughafen Antalya

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport darf den Airport im türkischen Antalya für zwei weitere Jahre betreiben. Die Konzession für das Gemeinschaftsunternehmen Fraport TAV Antalya sei bis Ende 2026 verlängert worden, teilte das im MDAX gelistete Unternehmen am Montag in Frankfurt mit. Zudem müsse die Gesellschaft die Konzessionsgebühr für das Jahr 2022 erst im Jahr 2024 begleichen.

Der Einbruch des Flugverkehrs infolge der Corona-Pandemie hat auch Antalya schwer getroffen. Hatte der Airport im Jahr 2019 mit knapp 35,5 Millionen Passagieren den Angaben zufolge noch einen Rekordwert erreicht, brach das Aufkommen im vergangenen Jahr um fast 73 Prozent auf rund 9,7 Millionen Passagiere ein.

Akasol springen nach Übernahmeofferte in die Höhe

Jenseits der großen Indizes schnellen Aktien von Akasol prozentual zweistellig in die Höhe. Der Darmstädter Elektrobatteriehersteller wird für 727 Millionen Euro an den US-Autozulieferer BorgWarner verkauft. BorgWarner bietet 120 Euro je Aktie, das sind 15 Prozent mehr als der Schlusskurs vom Freitag. Börsianer halten den Deal bereits für so gut wie abgeschlossen. Denn die Amerikaner haben sich von den Akasol-Gründern um Konzernchef Sven Schulz bereits 59 Prozent der Akasol-Papiere gesichert. Damit ist die von BorgWarner gesetzte Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie bereits erreicht.

Rose wird neuer BVB-Trainer

Enttäuschung in Mönchengladbach, Vorfreude in Dortmund - Marco Rose hat nach langer Bedenkzeit eine Entscheidung getroffen. Nach gut zweijähriger Erfolgsgeschichte am Niederrhein hat Borussia Mönchengladbach heute erklärt, dass der 44 Jahre alte Trainer den Club zum Saisonende verlässt und zu Borussia Dortmund wechseln möchte. Der BVB hat die Personalie bislang noch nicht bestätigt.

Die lauter werdende Kritik an seiner zögerlichen Haltung veranlassten Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und den Club, die Spekulationen zu beenden. Sein über Wochen ausgebliebenes Treuebekenntnis zum Verein hatte bei den Mönchengladbacher Fans für wachsenden Unmut gesorgt und zudem den sportlichen Aufschwung der Mannschaft gefährdet. Obwohl Eberl die Wahrscheinlichkeit für einen Rose-Verbleib noch am 6. Februar auf "98 Prozent" taxiert hatte, muss er nun auf Trainersuche gehen.

GlobalWafers kommt auf knapp 57 Prozent an Siltronic

Der taiwanesische Chip-Zulieferer GlobalWafers hat sich knapp 57 Prozent an dem Münchner Waferhersteller Siltronic gesichert. Die Schwelle von 50 Prozent, die für den Erfolg des 4,35 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebots entscheidend war, hatten die Taiwaner schon in der vergangenen Woche überschritten. Die übrigen Siltronic-Aktionäre haben von Dienstag an bis zum 1. März noch einmal Zeit, ihre Anteilsscheine anzudienen.

Michelin-Gewinn bricht ein

Der französische Reifenhersteller und Continental-Rivale hat im vergangenen Jahr einen Einbruch beim Gewinn und Umsatz verzeichnet, sieht 2021 jedoch mit Zuversicht entgegen. Der Nettogewinn sei auf 625 Millionen Euro von 1,7 Milliarden 2019 gesunken, teilte Michelin mit. Der Umsatz fiel um 15 Prozent auf 20 Milliarden Euro. Zwar bleibe der Ausblick für 2021 wegen der Coronavirus-Pandemie unsicher. Man rechne jedoch mit einem Wachstum der relevanten Märkte um bis zu zehn Prozent. Michelin kündigte eine Dividendenerhöhung an.

Spotify: Homeoffice für immer?

Mitarbeiter des Musikstreaming-Marktführers Spotify werden nach dem Ende der Corona-Pandemie nicht unbedingt ins Büro zurückkehren müssen. Die in Schweden beheimatete Firma stellte am Freitag ihr Konzept "Arbeiten von überall" vor. Demnach ist Arbeit "nicht etwas, wofür man ins Büro kommt, sondern das, was man tut". Und Effizienz messe man nicht an der Zahl der Stunden, die Leute im Büro verbringen. Auch andere Unternehmen stellen sich auf eine dauerhafte Veränderung des Joballtags durch die Corona-Krise mit ihrer monatelangen Heimarbeit ein.

Börsengang von Universal Music noch 2021?

Der französische Medienkonzern Vivendi steckt den Rahmen für den geplanten Börsengang seiner Musiktochter UMG ab. Die Vivendi-Aktionäre sollen am 29. März auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Pläne für das Plattenlabel entscheiden, das unter anderen die Beatles, Lady Gaga oder Rihanna im Katalog hat. Die Aktie von UMG könnte an der Amsterdamer Euronext-Börse notiert werden. Der Börsengang solle nach Möglichkeit bis Ende 2021 über die Bühne gehen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Februar 2021 um 09:37 Uhr.