Kurstafel

Neue Rekordstände Aktienmärkte im Aufwind

Stand: 28.12.2020 22:25 Uhr

Das war heute ein Börsentag, der Lust auf mehr macht. Sowohl in Frankfurt als auch in New York sprangen die Börsenampeln auf Grün. DAX und Dow Jones markierten neue Rekordstände.

Von Robert Minde, tagesschau.de

Auf den letzten Metern des Jahres 2020 kam heute nochmal viel Bewegung in die Aktienmärkte. Sowohl an der New Yorker Weltleitbörse als auch in Frankfurt erzielten die führenden Indizes neue Rekordstände. Dies gleich aus mehreren Gründen.

Eine Unterschrift macht den Weg frei

In New York war es vor allem die Unterschrift von US-Präsident Donald Trump unter das schon so lange im Kongress in Washington diskutierte Konjunkturprogramm im Volumen von rund 900 Milliarden Dollar, das die Börse antrieb. Zwar stand ein solches Programm schon lange im Raum, es blieb aber ungewiss, wann es denn endlich in Kraft tritt. Nicht zuletzt auch wegen Trumps Unberechenbarkeit.

"Trump dürfte den zunehmenden öffentlichen Druck gespürt haben", schrieb Analyst Edward Moya vom Handelshaus Oanda. Ohne die Unterzeichnung des Hilfspakets hätten viele Amerikaner keine Arbeitslosenhilfe mehr erhalten. Moya nannte Trumps Weigerung, das Paket zu unterzeichnen, ein "unnötiges Drama".

"Wir können nun endlich aufatmen und sagen, dass das Chaos rund um dieses Gesetz vorbei ist", sagte Hussein Sayed, Chef-Anlagestratege des Brokerhauses FXTM.

Wall Street nicht zu stoppen

Die Reaktion der Börse ließ heute nicht lange auf sich warten. Die führenden Aktienindizes markierten neue Allzeithochs. Der Leitindex Dow Jones stieg in der Spitze bis auf 30.525 und schloss am Ende 0,68 Prozent höher bei 30.403 Punkten. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index legte 0,87 Prozent zu bis auf seine neue Bestmarke bei 3.741 und schloss bei 3.735 Zählern. Auch an der Technologiebörse Nasdaq purzelten die Rekorde, der Composite-Index schloss bei 12.899 Punkten.

Gerade die Tech-Aktien, die als Corona-Gewinner gelten, haben den US-Markt im Corona-Jahr 2020 immer wieder angeschoben. Da können die europäischen Märkte nicht mithalten. Ein besonders gern gesehener Effekt der Jahresendrally ist zudem, dass institutionelle Anleger ihren Kunden zum Jahresschluss natürlich gerne hohe Kurse in den Rechenschaftsberichten präsentieren. Ein Effekt, der weltweit immer wieder zum Tragen kommt.

Auch der Dax legt nach

Lange hatte sich der deutsche Leitindex DAX geziert, heute war es endlich so weit. Der Index überwand sein altes Vor-Corona-Rekordhoch vom Februar bei 13.795 Punkten und markierte bei 13.818 Punkten im Verlauf ein neues Rekordhoch. Er folgte damit den bereits seit Wochen kräftig steigenden US-Märkten. Der Schlusskurs lag bei 13.790 Punkten, prozentual gewann der Index damit 1,5 Prozent. Auch die Indizes der zweiten Reihe, MDAX und SDAX, markierten neue Bestmarken, so dass der Aufschwung breit untermauert war. Es war zudem der vierte Gewinntag in Folge.

Viel Gutes im Preis

Zu den Gründen für den Aufschwung gehörte vor allem die Erleichterung der Anleger, dass es auf den letzten Metern doch noch zu einer Brexit-Einigung zwischen der EU und Großbritannien gekommen war. Diese verhindert zunächst das ungeregelte Ausscheiden Großbritanniens aus der EU mit womöglich gravierenden Schäden für die Volkswirtschaften beider Handelspartner. Mittlerweile haben alle 27 EU-Botschafter zugestimmt, so dass die Vereinbarung am 1. Januar in Kraft treten kann.

Corona-Impfungen beginnen

Zudem sorgten die nun auch hierzulande begonnenen Impfungen gegen das Corona-Virus für gute Laune. Auch wenn erst wenig Impfstoff vorhanden ist, sieht die Börse immer mehr Licht am Ende des Tunnels. Eine Überwindung der Krise ist mittlerweile fest in den Kursen enthalten, auch wenn die Lage zumindest unmittelbar weiter angespannt bleiben dürfte.

"Große Probleme wurden in letzter Sekunde gelöst, und auf dem Weg aus der Corona-Pandemie sind Wirtschaft und Gesellschaft mit dem Impfstart in Europa ein ganzes Stück vorangekommen", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Analyst Timo Emden wies darauf hin, dass es für die Märkte entscheidend bleibe, dass die Corona-Pandemie "so schnell wie möglich" unter Kontrolle gebracht werde.

Delivery Hero haussieren

Unter den Einzelwerten im DAX stachen die Papiere des Online-Essensdienstes Delivery Hero besonders hervor. Die Aktie legte über neun Prozent zu und stand mit großem Vorsprung an der Indexspitze. Gleichzeitig markierte sie auch ein neues Allzeithoch.

Das Berliner Unternehmen kann derweil in Südkorea den Konkurrenten Woowa übernehmen, allerdings unter Auflagen. So muss auf Anweisung des Kartellamtes die Südkorea-Tochter Yogiyo verkauft werden, was Firmengründer Niklas Östberg eigentlich vermeiden wollte. Er sprach trotzdem von einer "großartigen Nachricht für unsere beiden Unternehmen und die gesamte Branche".

Starker Euro trübt die Stimmung

Der Euro legte heute ebenfalls zu und war in der Spitze schon bis fast 1,2250 Dollar gestiegen. Am späten Abend wird er wieder tiefer bei 1,2207 Dollar gehandelt. Trotzdem, für die exportorientierte deutsche Wirtschaft sind das keine guten Nachrichten, werden heimische Produkte für Dollar-Inländer doch teurer. Es war der vielleicht einzige Schönheitsfehler am heutigen Tag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2219 (Donnerstag: 1,2193) Dollar fest.

"Ein starker Euro signalisiert normalerweise eine aufstrebende oder stabile Weltwirtschaft", unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Andererseits könne ein zu starker Euro die deutsche Exportindustrie belasten.

Rohstoffmärkte geben nach

Die Kursausschläge bei den Ölpreisen hielten sich heute meist in Grenzen. In der Zeit zwischen den Feiertagen ist das Handelsvolumen gering. Die insgesamt positive Stimmung an den Finanzmärkten stützte die Ölpreise nur vorübergehend. Zwischenzeitlich folgten sie der allgemeinen Kauflaune an den Finanzmärkten, mittlerweile aber sind sie wieder deutlicher ins Minus gedreht. Der "sichere Hafen" Gold war auch nicht gefragt. Im Gegenzug zu den steigenden Aktienmärkten fiel der Goldpreis über 0,7 Prozent.

Bitcoin nimmt nächste Marke ins Visier

An den Kryptobörsen geht unterdessen die atemberaubende Bitcoin-Rally weiter. Der Kurs der bekanntesten Kryptowährung steigt zu Wochenbeginn auf über 27.000 Dollar. Am Wochenende hatte der Bitcoin bei 28.382 Dollar ein Rekordhoch markiert. Damit hat die Digitalwährung seit Jahresbeginn rund 20.000 Dollar zulegen können. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr war der Kurs noch zeitweise auf unter 4000 Dollar eingebrochen.

Brexit-Deal beflügelt Autobauer

Nach dem Handelsabkommen der EU mit Großbritannien stehen am deutschen Aktienmarkt die Autobauer besonders im Fokus, sie gelten als eindeutige Profiteure des Last-Minute-Brexit-Deals. So hatte etwa BMW im Vorfeld gewarnt, ein Austritt ohne Handelsabkommen würde das Unternehmen pro Jahr einen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Entsprechend groß ist nun die Erleichterung unter den Anlegern; Aktien von BMW, Daimler und VW gehören im frühen Handel zu den größten Gewinnern im DAX, konnten ihre Höchstkurse aber nicht halten.

Volkswagen erklärte, der Deal zwischen der EU und Großbritannien schaffe Planungssicherheit für den Konzern und seine britische Marke Bentley Motors. Dies sei insbesondere für die britischen Kunden wichtig.

BMW stockt bei Elektro-Autos auf

BMW will seinen Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Absatz in den kommenden drei Jahren mehr als verdoppeln - "von etwa acht Prozent in diesem Jahr auf rund 20 Prozent in 2023", sagte Vorstandschef Oliver Zipse der "Augsburger Allgemeinen". "Wir erhöhen jetzt noch einmal deutlich die Elektro-Schlagzahl." In den Jahren 2021 bis 2023 werde BMW zusätzlich eine Viertelmillion mehr Elektro-Autos bauen als ursprünglich geplant.

SAP will US-Tochter Qualtrix an die Börse bringen

Der Walldorfer Softwarekonzern strebt den Börsengang für seine defizitäre US-Tochter Qualtrix an der Nasdaq an. Dies gab das US-Unternehmen am Abend nach Börsenschluss bekannt. Die Preisspanne für den Anbieter von Marktforschungs- und Umfragesoftware soll zwischen 20 und 24 Dollar je Aktie liegen. Die SAP-Aktie legte im Späthandel 1,6 Prozent zu.

Deutsche-Post-Chef als Kurstreiber

Post-Chef Frank Appel weiß, wie man Kurse bewegt: "Wir sind zuversichtlich, 2020 mit einem Rekordgewinn abzuschließen", sagte Appel der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das treibt die Aktie der Deutschen Post in die Höhe. Das DAX-Unternehmen gehört dank des E-Commerce-Booms zu den großen Gewinnern der Corona-Krise. Im laufenden Jahr konnte die Aktie rund 20 Prozent hinzugewinnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2020 um 20:00 Uhr.

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