Federal Reserve Bank, Washington, USA
Marktbericht

Vor der Fed-Sitzung Warten auf die Zwischentöne

Stand: 14.06.2021 22:22 Uhr

An der New Yorker Börse setzen die Anleger weiter auf billiges Zentralbankgeld der Notenbank Federal Reserve. Das kam heute den Tech-Aktien zugute, Standardwerte fielen hingegen zurück.

Die Wall Street präsentierte sich zum Wochenauftakt zweigeteilt. Während Standardwerte nachgaben, legten Technologieaktien zu. Allerdings zogen im späten Geschäft alle Indizes noch an, so dass sich der Leitindex Dow Jones noch von seinem Tagestief bei 34.211 Punkten lösen konnte und letztlich bei 34.393 Punkten nur um 0,25 Prozent schwächer schloss. Allerdings schaffte es der Dow den ganzen Tag über nicht, aus dem Minus herauszukommen.

Nasdaq 100 mit Rekordhoch

Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthalten sind, drehte am Ende noch moderat ins Plus und gewann 0,18 Prozent auf 4255 Punkte. Besser erging es der Technologiebörse Nasdaq, die um 0,74 Prozent vorrückte und bei 14.174 Punkten nur einen Punkt unter Tageshoch aus dem Handel ging. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss am Tageshoch bei 14.129 Punkten, gleichzeitig ein neues Rekordhoch und ein Zuwachs von 0,93 Prozent.

Lesen zwischen den Zeilen

Hauptthema an der Street derzeit ist der weitere Zinskurs der Notenbank. Wohl kaum jemand rechnet damit, dass diese auf ihrer morgen beginnenden zweitägigen Zinssitzung eine geldpolitische Wende verkünden wird. Es wird vielmehr mehr auf die Zwischentöne ankommen, so wie häufig, wenn es um Zentralbanken geht.

So gehen Experten davon aus, dass Fed-Chef Jerome Powell auf der Pressekonferenz am Mittwochabend das Mantra verteidigen wird, wonach der aktuelle Preisdruck vorübergehend sei und die Geldpolitik locker bleibe. Somit könnte das billige Geld erst einmal weiter fließen, auch wenn es in den Reihen der Fed-Banker angesichts zuletzt deutlich steigender Preisdaten schon erste kritische Stimmen gibt.

Laut Marktanalyst Jochen Stanzl von CMC Markets bergen die hohen Erwartungen der Anleger aber auch Enttäuschungspotenzial. "Es ist gut möglich, dass die Fed erste Hinweise auf eine Drosselung der Anleihekäufe geben wird. Immerhin haben mehrere Notenbankmitglieder bereits Äußerungen in diese Richtung von sich gegeben." Ob das allerdings im Offenmarktausschuss mehrheitsfähig sein wird, sei offen.

Berg- und Talfahrt bei Novavax

Für Schlagzeilen sorgte am Montag wieder einmal ein Corona-Impfstoff, dieses Mal der noch nicht zugelassene von Novavax. Das Biotech-Unternehmen teilte mit, der eigene Wirkstoff habe sich in Tests hochwirksam gezeigt auch gegen Mutationen des Virus. Den Angaben zufolge soll es zu 90 Prozent vor allen Symptomen schützen, und zu 100 Prozent vor schweren Verläufen. Bei volatilem Handel zwischen 201 und 228 Dollar schloss das Papier an der Nasdaq letztlich bei 207,71 Dollar und verlor damit 0,94 Prozent. Die Papiere der Konkurrenten Moderna und BioNTech gaben deutlich nach.

DAX kann Rekordhoch nicht halten

Der DAX hat heute im frühen Geschäft bei 15.802 Punkte ein weiteres Rekordhoch markiert, konnte das erhöhte Niveau im Verlauf aber nicht verteidigen. Am Ende folgte er einem nachgebenden US-Leitindex Dow Jones nach unten und schloss bei 15.673 Punkten. Besser schlugen sich heute die Werte der zweiten Reihe.

Der MDAX rückte um knapp ein halbes Prozent auf 34.176 Punkte vor und hatte am Morgen bei 34.263 Zählern ebenfalls eine neue Bestmarke aufgestellt. Gewinne und Verluste gingen quer durch alle Branchen. Siemens Energy waren im DAX Tagessieger, Covestro standen am Indexende.

Die Anleger freuen sich nach wie vor über die unvermindert lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und rechnen auch damit, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an diesem Mittwoch an ihrer sehr lockeren Haltung zunächst nichts ändern wird.

"Die Pandemie ist spätestens mit den nun deutlich sinkenden Neuinfektionen gar kein Thema mehr, und auch mit der Inflationsangst scheinen sich die Anleger mehr und mehr arrangieren zu können", sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi.

Rückenwind für den Euro aus Spanien und Frankreich

Der Euro hat sich im Handelsverlauf etwas erholt nachdem er am Morgen noch knapp unter 1,21 Dollar gehandelt worden war. Derzeit werden 1,2124 Dollar bezahlt. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2112 (Freitag: 1,2125) Dollar fest. Insgesamt hielten sich die Kursbewegungen aber in engen Grenzen und Marktbeobachter sprachen von einem impulsarmen Handel.

Gestützt wurde der Euro durch robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone. Wie am späten Vormittag bekannt wurde, hatten die Industrieunternehmen im Währungsraum im April deutlich mehr produziert als erwartet. Zudem wurde der Vormonatsanstieg nach oben revidiert. Außerdem haben die Notenbanken von Spanien und Frankreich ihre Wachstumsprognosen für ihre jeweiligen Volkswirtschaften für dieses Jahr erhöht.

Die französische Notenbank geht nun von einem Wachstum von 5,8 Prozent im Gesamtjahr aus, 0,4 Prozentpunkte mehr als noch im März geschätzt. In Madrid sagte die Zentralbank in der am Montag vorgelegten Prognose für die Monate April bis Juni einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,2 Prozent voraus. Für das Gesamtjahr veranschlagt sie nun ein BIP-Wachstum von 6,2 Prozent und damit etwas mehr als in der März-Prognose mit damals 6,0 Prozent.

Ölpreise drehen noch ins Minus

Die Ölpreise setzten zunächst ihren guten Lauf der Vorwoche fort und erreichten neue mehrjährige Höchststände. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent eroberte oberhalb von 73 Dollar ein neues Zwei-Jahres-Hoch, die US-Leichtölsorte WTI kostete über 71 Dollar je Fass. Im späten Geschäft bröckelten die Gewinne jedoch ab und rutschten noch leicht ins Minus. Trotzdem bleibt das schwarze Gold fundamental weiter gut unterstützt.

"Eine gute Stimmung an den Finanzmärkten und der optimistische Nachfrageausblick führender Energieagenturen tragen zum Preisanstieg bei", erklärt Commerzbank-Rohstoffexperte Eugen Weinberg.

Die Internationale Energieagentur IEA rechnet damit, dass sich die weltweite Ölnachfrage früher als bislang erwartet vom Pandemie-Schock erholen wird. Laut ihrer neuen Prognose von Freitag dürfte die Nachfrage bereits Ende 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreicht haben.

"Sicherer Hafen" Gold nicht gefragt

Der "sichere Hafen" Gold konnte heute in einem Umfeld nachlassender Risikoaversion der Anleger und steigender Aktienmärkte nicht punkten. Der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls gab rund ein halbes Prozent nach auf 1965 Dollar je Feinunze.

Tesla will Bitcoin unter Bedingungen akzeptieren

Der Bitcoin hat am Montag seine Vortagsgewinne ausgebaut und ist zwischenzeitlich wieder deutlicher über 40.000 US-Dollar gestiegen. Aktuell steht er wieder leicht darunter. Der Kurs der bekanntesten Digitalwährung erreichte auf der Handelsplattform Bitstamp in der Spitze 41.050 Dollar. Das waren mehr als 4000 Dollar über dem Tagestief.

Aussagen von Tesla-Chef Elon Musk hatten den Bitcoin bereits am Sonntag beflügelt. Auch andere Kryptowährungen wie zum Beispiel Ether konnten stark zulegen. Hintergrund ist einmal mehr ein Tweet von Musk. Der Tesla-Chef hält den Krypto-Markt bereits seit Wochen in Atem.

Sein neuester Stimmungsumschwung vom Sonntag: Tesla will den Bitcoin als Zahlungsmittel wieder akzeptieren - wenn sich zeige, dass ein angemessener Anteil von etwa 50 Prozent an erneuerbaren Energien bei der Bitcoin-Herstellung genutzt werde und es dabei zudem einen positiven Trend in diese Richtung gebe.

VW: Datenleck in den USA

In Nordamerika sind 3,3 Millionen Kunden und Kaufinteressenten von einem Datenleck bei einem Geschäftspartner von VW betroffen. Eine unbefugte dritte Partei sei durch eine nicht gesicherte Datei an begrenzte persönliche Informationen aus den Jahren 2014 bis 2019 gelangt, hieß es. In fast allen Fällen gehe es um gegenwärtige oder potenzielle Audi-Kunden.

Traton vor Kapitalerhöhung?

Die im SDAX notierte Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton erwägt Insidern zufolge eine Kapitalerhöhung. Die Überlegungen seien in einem frühen Stadium, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Es gehe um ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro oder rund zehn Prozent der Anteile. Das Geschäft könnte nach der Sommerpause anstehen.

Fraport: 360 Prozent mehr Passagiere im Mai

Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport spürt erste Erholungstendenzen nach den Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. Im Mai verbuchte der MDAX-Konzern mit 1,25 Millionen Passagieren knapp 360 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damals war der Flugverkehr allerdings wegen Corona fast zum Erliegen gekommen. Aussagekräftiger ist daher wahrscheinlich ein anderer Vergleich: Im Mai 2019 lag die Zahl der Fluggäste 80 Prozent höher als im Mai 2021.

Nordex winkt Großauftrag aus Australien

Der Windturbinenhersteller Nordex steht nach eigenen Angaben kurz vor dem Abschluss eines Großauftrags in Australien. Dabei gehe es um einen Windpark mit einer Kapazität von einem Gigawatt, teilte Nordex am Montag mit. Der Konzern könne dafür bis zu 180 Turbinen liefern. Die Verhandlungen könnten in den kommenden Wochen abgeschlossen werden und der Auftrag noch im Jahr 2021 verbucht werden. Die Nordex-Aktie legte deutlich zu und war Tagessieger im MDAX.

Neuer Chef bei Grenke

Beim krisengeschüttelten Leasingspezialisten Grenke kehrt weiter keine Ruhe ein. Am Montagabend gab das Unternehmen überraschend den baldigen Abgang seiner mehrjährigen Chefin bekannt. Antje Leminsky habe sich aus persönlichen Gründen entschieden, nach acht Jahren im Vorstand, davon drei Jahre als Vorstandsvorsitzende, das Unternehmen zum 30. Juni 2021 zu verlassen, hieß es.

Nachfolger wird zum 1. August Michael Bücker, zuletzt Mitglied des Vorstands der Bayerischen Landesbank. Während der Übergangsphase greifen laut Mitteilung die Vertretungsregelungen innerhalb des Vorstands. Mit der seit Monaten laufenden Sonderprüfung wegen Bilanzfälschungs-Vorwürfen eines Finanzinvestors habe ihr Rücktritt nichts zu tun, sagte ein Sprecher.

Mister Spex strebt an die Börse

Der Berliner Online-Optiker Mister Spex will bis Ende September an die Frankfurter Börse gehen. Das Unternehmen strebt dabei einen Bruttoemissionserlös aus dem Verkauf neuer Aktien von mindestens 225 Millionen Euro an. Mit dem Geld will der Vorstand das Wachstum beschleunigen, die internationale Expansion vorantreiben und einen Überbrückungskredit finanzieren.

Philips ruft Millionen Beatmungsgeräte zurück

Der niederländische Philips-Konzern hat wegen Qualitätsproblemen drei bis vier Millionen Geräte zur Behandlung von Atemaussetzern im Schlaf zurückgerufen. Der schalldämmende Polyurethanschaum der CPAP-Geräte könne giftige Partikel oder Gase freisetzen und im schlimmsten Fall Krebs verursachen, begründete das Unternehmen den Schritt. Der Vorstand kündigte weitere Rückstellungen in Höhe von 250 Millionen Euro an, bestätigte aber seine Jahresziele.

WhatsApp startet Werbekampagne

Die Facebook-Konzerntochter WhatsApp bekräftigt das Festhalten an Komplett-Verschlüsselung und stellt neue Funktionen zum Schutz der Privatsphäre in Aussicht. Das Ganze ist Teil einer Werbekampagne. WhatsApp hatte in den vergangenen Monaten nach der Ankündigung neuer Nutzungsregeln mit Kritik und einer Abwanderung von Nutzern zu kämpfen.

IBM stellt Quantencomputer vor

Im internationalen Wettlauf um die Technik der Zukunft stellen die Fraunhofer-Gesellschaft und der Computerkonzern IBM am Dienstag (14.00 Uhr) den ersten Quantencomputer des US-Konzerns in Europa vor. Die Anlage am Deutschlandsitz des IT-Unternehmens in Ehningen bei Stuttgart soll unter dem Dach der Fraunhofer-Gesellschaft genutzt werden, die Technologie, Anwendungsszenarien und Algorithmen weiter zu erforschen.

Außerdem sollen mit dem Hochleistungsrechner bundesweit Kompetenzen in Wirtschaft und Wissenschaft aufgebaut und damit internationale Wettbewerbsvorteile geschaffen werden. Bei der Anlage handelt es sich nach IBM-Angaben um "Europas leistungsstärksten Quantencomputer im industriellen Kontext". IBM ist neben Google auf diesem Gebiet führend. Der Quantencomputer ist dem Unternehmen zufolge seit November in Deutschland, seit Februar arbeitet die Fraunhofer-Gesellschaft mit der Anlage. Zur Präsentation am Dienstag wird ein Videostatement von Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

About You-Aktien kommen zu 23 Euro

Die Aktien des Hamburger Online-Modehändlers About You werden für das am Mittwoch geplante Börsendebüt bei 23,00 Euro zugeteilt. Das teilte das Unternehmen am Montag in einer Pflichtmitteilung mit, das damit eine Marktkapitalisierung von rund 3,9 Milliarden Euro erreicht.

Der Ausgabepreis liegt damit etwa in der Mitte der Spanne von 21 bis 26 Euro, zu der die Aktien Investoren angeboten worden waren. Das Volumen des Börsengangs liegt bei 842 Millionen Euro. Für die Frankfurter Börse ist die Otto-Tochter ein weiterer namhafter Zugang, nachdem in diesem Jahr schon der Linux-Softwareanbieter Suse, der Funkmasten-Betreiber Vantage Towers und der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 ihre Börsendebüts gefeiert haben.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 14. Juni 2021 um 10:42 Uhr.