Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Verluste im Januar Schlechtes Omen für das Börsenjahr

Stand: 31.01.2022 22:31 Uhr

Wie der Januar, so das Jahr, besagt eine Börsenregel. Demnach droht ein schlechtes Aktienjahr. Denn im Januar gab es deutliche Kursverluste. Daran änderte auch das gute Monatsende nichts.

Die jüngsten Kursrücksetzer nutzten Schnäppchenjäger heute zum Wiedereinstieg an der Wall Street. Besonders bei Tech-Aktien griffen sie zu. Der Nasdaq-Index sprang zum Wochenstart um 3,3 Prozent nach oben auf knapp 14.240 Punkte. "Nach einem so starken Ausverkauf ist es einfach eine kleine Erleichterungsrally", sagte Lindsey Bell, Anlage-Expertin bei Ally Invest.

Schwächster Jahresstart seit 2008 für die Nasdaq

Dennoch hat der Nasdaq-Index seinen bislang schwächsten Jahresstart seit 2008 hingelegt. Auch der breiter gefasste S&P 500, der sich heute um fast zwei Prozent erholte, gab im Januar um 5,3 Prozent nach und verbuchte damit die größten monatlichen Verluste seit dem von der Corona-Pandemie ausgelösten Crash im März 2020. Etwas glimpflicher kam der Dow Jones davon. Er büßte 3,3 Prozent im Januar ein.

Die Januar-Verluste sind ein schlechtes Omen. Eine alte Börsenregel besagt, dass das Jahr so wie der Januar wird. "Das bedeutet, dass den Anlegern ein schwieriges Jahr bevorsteht", sagte Sam Stovall, Chefanlagestratege bei CFRA Research.

DAX dämmt Monatsverluste ein

Am deutschen Aktienmarkt fiel der Januar ebenfalls ernüchternd aus. Auf Monatssicht büßte der DAX gut 400 Punkte ein. Nachdem der deutsche Leitindex noch Anfang Januar auf ein Rekordhoch von 16.271 Punkten geklettert war, verlor er rasch seinen Schwung und fiel zeitweise bis auf 15.011 Zähler zurück. Seither hat er sich wieder etwas erholt, bleibt aber angeschlagen.

Zum Monatsende konnte der DAX rund ein Prozent zulegen und schloss bei 15.471 Punkten. Am Morgen war er noch kräftiger gestiegen, verlor dann aber an Kraft. Erst dank ein bisschen Rückenwinds von der Wall Street kam das deutsche Börsenbarometer wieder auf Touren.

Inflation höher als gedacht

Der Euro erholte sich heute etwas von seinen jüngsten Verlusten und überwand wieder die Marke von 1,12 US-Dollar. Die in Deutschland stärker als erwartet gestiegenen Verbraucherpreise stützten den Euro. Im Januar sank zwar die Teuerungsrate auf 4,9 Prozent, nachdem sie im Dezember noch bei 5,3 Prozent gelegen war. Volkswirte hatten allerdings mit einem deutlicheren Rückgang auf 4,4 Prozent gerechnet. "Die Teuerung erscheint damit hartnäckiger als zunächst gedacht, und so steht die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck, doch noch schneller zu reagieren", kommentierten die Ökonomen der Helaba die Entwicklung.

EZB unter Druck

"Auf jeden Fall dürften die Notenbanker am Donnerstag in Erklärungsnöte kommen." Dann steht die nächste Zinssitzung der EZB an. An den Finanzmärkten wird eine Leitzinserhöhung durch die EZB in diesem Jahr erwartet. Höhere Zinsen würde den Euro für Anleger attraktiver machen.

"Auch in Europa könnte die Zeit des billigen Geldes auf kurz oder lang vorbei sein", sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG. Wegen des Preisauftriebs stehen die Notenbanken der USA und der Eurozone unter Druck. Anleger fürchten eine stärkere geldpolitische Straffung als bisher angenommen. Dies hatte die Aktienmärkte zuletzt schon erheblich belastet.

Italiens Anleiherenditen sinken

Mit Erleichterung reagierten Investoren auf die Wiederwahl von Sergio Mattarella als Staatspräsident Italiens. Sie griffen am Montag bei den Anleihen des südeuropäischen Landes zu und drückten dadurch die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,294 Prozent. Gleichzeitig schwand die Furcht vor einem Zahlungsausfall.

Ukraine-Konflikt treibt Ölpreise

Der Ölpreis zog erneut an. Die Sorte Brent aus der Nordsee stieg um mehr als ein Prozent auf 91,05 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Nachfrage übersteige das Angebot weiterhin, da vor allem in Europa der Verkehr wieder zunehme, schrieben die Analysten der ANZ Bank. Gleichzeitig seien die Lagerbestände niedrig. In den vergangenen Wochen hatten außerdem die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine Spekulationen auf Erdöl-Lieferausfälle geschürt.

Gold etwas teurer

Der Goldpreis leidet zwar weiter unter den gestiegenen Zinserwartungen und dem starken Dollar, konnte aber zu Wochenbeginn wieder Boden gutmachen. Eine Feinunze Gold kostete heute 1799 Dollar und damit 0,3 Prozent mehr als am Vortag.

BASF muss um Börsengang von Wintershall Dea bangen

Die Beteiligungsgesellschaft LetterOne des russischen Milliardärs Michail Fridman will einem Pressebericht zufolge derzeit einen Börsengang von Wintershall Dea durch seinen deutschen Partner BASF blockieren. Grund sei unter anderem die Marktstimmung gegenüber Vermögenswerten in Russland, wo das Unternehmen einen Teil seiner Gas- und Ölproduktion tätigt, schreibt die "Financial Times".

Gehalt von Telekom-Chef in der Kritik

Politiker der SPD und der Grünen kritisieren die geplante Gehaltserhöhung von Telekom-Chef Höttges um 300.000 Euro. Der Staat ist Miteigentümer der Telekom. Unterdessen will sich die Tochter T-Mobile US einem Medienbericht zufolge von Mitarbeitern trennen, wenn diese bis zum 2. April nicht vollständig gegen Corona geimpft sind.

HeidelCement überrascht

Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat das operative Ergebnis im vergangenen Jahr stärker gesteigert als von Analysten erwartet. Das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebes stieg um zwölf Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Das gab der Zementhersteller am Abend bekannt. Wegen der florierenden Baukonjunktur hatte HeidelCement zwar bereits mit einem starken operativen Gewinnanstieg gerechnet, doch die Höhe des Zuwachses überraschte die Analysten.

Siemens-Gamesa-Führung unter Druck

Nach der Gewinnwarnung von Siemens Gamesa gerät die Führung um Firmenchef Andreas Nauen laut "Handelsblatt" unter Druck. Die erneuten schlechten Nachrichten würden Konsequenzen haben, zitierte die Zeitung aus Unternehmenskreisen von Siemens Energy. Zuletzt machten am Markt Gerüchte die Runde, Siemens Energy könnte Siemens Gamesa komplett übernehmen.

Autobauer Daimler wechselt Firmennamen

Der Autobauer Daimler AG wird sich am morgen offiziell von seinem Firmennamen verabschieden und dann Mercedes-Benz Group AG heißen. Der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius schließt damit einen tiefgreifenden Konzernumbau ab, der Ende vergangenen Jahres mit der Abspaltung des Lkw-Geschäfts von Daimler Truck begonnen hatte.

Siltronic-Übernahme droht zu platzen

Der milliardenschwere Verkauf des Münchener Chip-Zulieferers Siltronic nach Taiwan steht offenbar vor dem Aus. Gespräche zwischen Wirtschafts-Staatssekretär Udo Philipp und der Vorstandschefin des taiwanischen Wafer-Herstellers GlobalWafers, Doris Hsu, blieben ohne Ergebnis, wie Insider Reuters sagten. Das Bundeswirtschaftsministerium könnte die 4,35 Milliarden Euro schwere Übernahme durch Globalwafers torpedieren, indem es die in der Nacht zum Dienstag ablaufende Frist für die Freigabe nach dem Außenwirtschaftsgesetz einfach verstreichen lässt. An der Börse wird längst mit einem Scheitern gerechnet. Die Siltronic-Aktie lag heute rund ein Fünftel unter dem Angebot von GlobalWafers von 145 Euro.

DIC Asset will VIB Vermögen übernehmen

Das Immobilienunternehmen DIC Asset will die Mehrheit an der Immobilienholding VIB Vermögen übernehmen. Das SDAX-Unternehmen will den VIB-Aktionären je Anteilsschein 51 Euro anbieten. Geplant ist keine Komplettübernahme, sondern nur ein Teilangebot. Nach dem Vollzug will DIC Asset rund 51 Prozent der VIB-Aktien halten.

Tonies übertrifft Umsatzprognose

Der für seine Kinder-Musikfiguren bekannte Lautsprecher-Hersteller Tonies hat nach seiner Expansion in die USA einen Umsatzsprung verzeichnet. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Erlös gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 37 Prozent auf 185 Millionen Euro und lag damit über der konzerneigenen Prognose. Das in Düsseldorf gegründete Unternehmen produziert neben Lautsprechern für Kinder kleine Figuren aus bekannten Serien wie der Sesamstraße oder Paw Patrol.

Sixt beklagt Engpässe bei Neuwagen

Deutschlands größter Autovermieter Sixt bekommt weiterhin weniger Neuwagen als er eigentlich braucht. "Wenn wir mehr Autos hätten, könnten wir deutlich mehr Geschäft machen", sagte Vorstandschef Alexander Sixt dem "Handelsblatt". "Für alle Marktsegmente gehen wir 2022 von einem gleichen oder steigenden Marktvolumen aus, aber mit deutlich weniger Fahrzeugen und mit folglich auch tendenziell steigenden Preisen."

IG Metall droht Airbus mit Streik

Im Konflikt um den Umbau der zivilen Flugzeugfertigung in Deutschland haben sich Airbus und die IG Metall heute in Hamburg erneut an den Verhandlungstisch gesetzt. Sollte auch diese siebte Verhandlungsrunde kein Ergebnis bringen, will die Gewerkschaft ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung über einen Streik aufrufen. "Der 31. ist die Deadline", heißt es bei der IG Metall.

Boeing gewinnt Milliardenauftrag

Im Duell mit Airbus hat Boeing einen Achtungserfolg erzielt. Der Flugzeugbauer Boeing hat einen Großauftrag an Land gezogen. Qatar Airways hat heute einen Vertrag mit Boeing über den Kauf von bis zu 102 Maschinen unterzeichnet. Das Paket umfasst laut Boeing 50 Frachtversionen des neuen Großraumfliegers 777X sowie zwei Maschinen der aktuellen Modellserie. Zudem habe die Airline mit dem US-Konzern vorläufige Kaufvereinbarungen für 25 Mittelstreckenjets vom Typ 737 Max sowie Optionen für weitere 25 abgeschlossen. Laut Listenpreisen könnte der Deal ein Volumen von 34 Milliarden US-Dollar erreichen. Boeings Aktien stiegen am Montag zeitweise um knapp fünf Prozent.

Ryanair peilt höhere Ticketpreise im Sommer an

Der Billigflieger Ryanair setzt auf höhere Ticketpreise im Sommer. Da viele Konkurrenten ihr Angebot verringert hätten, könnte es Aufwärtsdruck auf die Preise geben, sagte Finanzchef Neil Sorahan. Sicher sei das aber noch nicht. Im laufenden Quartal dämpfe die Unsicherheit in der Corona-Pandemie die Buchungen, sodass Kunden womöglich weiter über niedrige Ticketpreise gewonnen werden müssten. Im vergangenen Quartal verbuchte Ryanair einen Nettoverlust von 96 Millionen Euro, rund 70 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Spotify geht gegen Fehlinformationen zu Corona vor

Der Streamingdienst Spotify will in den kommenden Tagen alle Beiträge zu Covid-19 künftig mit einem Hinweis versehen, der Nutzer zu wissenschaftlich fundierten Informationen aus verlässlichen Quellen führen soll. Zuvor hatten mehrere Künstler, darunter Neil Young und Joni Mitchell, angekündigt, ihre Musik von Spotify abzuziehen. Damit protestieren sie gegen einen von zahlreichen Wissenschaftlern als verharmlosend kritisierten Corona-Podcast.

Auf dem Spiele-Markt dreht sich das Übernahmekarussell weiter: Nachdem Microsoft für fast 70 Milliarden Dollar die Spielefirma Activision Blizzard schlucken will, plant nun auch einen Milliarden-Deal. Der Playstation-Anbieter will das Studio Bungie schlucken, das Spiele wie "Halo" und "Destiny" entwickelte. Der Deal sei insgesamt 3,6 Milliarden Dollar schwer, wie die Unternehmen am Montag mitteilten. Microsoft möchte mit dem Kauf von Activision stärker im Metaversum-Geschäft mitmischen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2022 um 07:35 Uhr.