US-Notenbanchef Jerome Powell
Marktbericht

Dow Jones leicht höher Powell-Nominierung stützt die Wall Street

Stand: 22.11.2021 22:17 Uhr

Die Erkenntnis, dass der alte Chef der US-Notenbank Federal Reserve auch der neue ist, kam an der Wall Street heute gut an. Tech-Aktien konnten anfängliche Rekordniveaus aber nicht halten.

In New York konnte vor allem die Technologiebörse den Eröffnungsschwung nicht halten und rutschte im Verlauf ins Minus. Im frühen Geschäft hatten der Auswahlindex Nasdaq 100, aber auch und S&P-500-Index zunächst noch neue Rekorde erreicht und damit an die Kursgewinne vom Freitag angeknüpft.

Dann aber nahmen die Anleger Gewinne mit. Der Composite-Index verlor am Ende 1,26 Prozent auf 15.854 Punkte, der Nasdaq 100-Index 1,16 Prozent auf 16.380 Zähler. Das Rekordhoch beim Auswahlindex lag heute bei 16.764 Punkten, beim S&P-500-Index waren es 4743 Zähler. Der marktbreite S&P-500-Index Index schloss letztlich bei 4682 Zählern um 0,32 Prozent niedriger.

Große Tech-Konzerne wie Apple, Alphabet und Microsoft hatten erst am Freitag neue Rekordhochs markiert. Zugleich waren aber zum Wochenschluss auch viele Aktien auf neue 52-Wochen-Tiefs gefallen. Die Papiere von Apple, mittlerweile mit gut 2,6 Billionen Dollar bewertet, erreichten bei über 165 Dollar im Verlauf ein weiteres Rekordhoch, fielen danach aber mit dem Gesamtmarkt ebenfalls zurück. Am Ende schlossen sie bei 161,02 Dollar um 0,29 Prozent nur leicht höher.

Powell-Nominierung stützt den breiten Markt

Besser lief es heute lange Zeit für den Dow Jones Leitindex der Standardwerte, eher dieser im späten Geschäft dann ebenfalls noch unter Druck geriet. Der Index schloss trotzdem noch mit einem einen leichten Gewinn von 0,05 Prozent auf 35.619 Punkte. Die Rekordrally im Dow war nicht zuletzt angesichts wachsender Corona-Sorgen der Anleger zuletzt ins Stocken geraten.

Positiv aufgenommen wurde am Markt insbesondere, dass der amtierende Fed-Chef Jerome Powell von US-Präsident Joe Biden für eine zweite Amtszeit nominiert wurde. Seine Stellvertreterin wird Lael Brainard, die als seine Konkurrentin im Kampf um die Fed-Spitze galt. Auch der Dollar legte im Gefolge zu.

"Die Märkte werten dies als falkenhafte Entscheidung", kommentierte das Analysehaus Capital Economics. Als "Falken" werden Geldpolitiker mit eher straffer Ausrichtung bezeichnet. Powell vertritt eine etwas straffere Linie als Brainard.

"Die Märkte mögen Vorhersagbarkeit", sagte Randy Frederick, Leiter Handel und Derivate beim Vermögensverwalter Charles Schwab. Bei einem Wechsel sei die weitere geldpolitische Richtung nicht so klar gewesen.

Fed-Protokoll und "Black Friday" im Fokus

Im weiteren Wochenverlauf dürften nun das Protokoll der jüngsten Fed-Sitzung, das am Mittwoch zur Veröffentlichung ansteht, sowie der US-Feiertag Thanksgiving den Takt an den Börsen vorgeben. Beim Fed-Protokoll dürfte vor allem die Einschätzung der Zentralbanker zur Inflationsentwicklung auf besonderes Interesse stoßen. Bislang hält die Federal Reserve die hohe Teuerung für ein temporäres Phänomen, im Laufe des nächsten Jahres wird sich die Lage nach Einschätzung der Notenbank ändern.

Statistisch ist die Feiertagswoche übrigens eine gute Zeit für US-Aktien, beginnt doch am Brückentag nach Thanksgiving am Donnerstag mit dem "Black Friday" offiziell das Weihnachtsgeschäft in den USA. Nach den Corona-bedingten Entbehrungen erwarten Marktbeobachter, dass die US-Verbraucher kräftig auf Einkaufstour gehen werden.

DAX kommt nicht mehr vom Fleck

Trotz neuer Rekorde an der Wall Street im frühen Geschäft hat sich der DAX am Nachmittag kaum noch vom Fleck bewegt. Er stagnierte lange und schloss letztlich bei 16.115 Punkten, ein moderater Abschlag von 0,27 Prozent. Lediglich zum Handelsstart fassten die Anleger etwas mehr Mut, das Tageshoch lag bei 16.202 Punkten. Im Verlauf bröckelten die Gewinne dann aber wieder ab, das Tagestief lag bei 16.092 Zählern.

Zuletzt war es am Aktienmarkt nur noch in Trippelschritten bergauf gegangen. Die Wucht der Aufwärtsbewegung fand überwiegend schon im Oktober statt und hat dem Index seitdem eine Hausse von rund 1400 Punkten beschert. Zwischenzeitlich entwickelte sich der heimische Markt sogar besser als die New Yorker Börse, was eher selten ist.

"In Gipfelnähe wird die Luft dünner", titelte der Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank Baden-Württemberg in seinem Wochenausblick. Laut der Helaba hat der Bullenmarkt mittlerweile aber ein historisches Ausmaß erreicht. Die Experten erinnern deshalb an eine alte Börsenweisheit: Alles, was stark ansteigt, kann auch tief fallen.

Corona wieder auf der Agenda

Für eine vorsichtigere Gangart der Anleger sprechen die derzeit verheerenden Corona-Zahlen. Die Neuinfektionen sind stark angestiegen. "Spätestens mit dem harten Lockdown in Österreich kommen auch hierzulande die Sorgen auf, die vierte Welle würde am Ende nur mit dieser strengen Maßnahme zu brechen sein", sagte Anlagestratege Jürgen Molnar vom Brokerhaus Robomarkets.

Trotzdem reagieren die Märkte bisher relativ gelassen, denn in Deutschland zeichnet sich bisher kein flächendeckender Lockdown ab. An den Aktienmärkten hielten sich die Auswirkungen der aktuellen Pandemie-Welle in Grenzen, prognostizierten die Experten der Bank JPMorgan.

T-Aktie an der DAX-Spitze

Die Telekom-Branche wurde heute beachtet wegen einer sich anbahnenden Übernahme. Der US-Finanzinvestor KKR will für elf Milliarden Euro das italienische Telekommunikationsunternehmen Telecom Italia übernehmen. KKR will 0,505 Euro bezahlen und bietet damit eine Prämie von 46 Prozent auf den letzten Schlusskurs vom Freitag.

Solche Schritte bringen oft generelle Branchenfantasie mit sich: Die Titel der Deutschen Telekom stiegen um 2,6 Prozent und waren damit bester Wert im Leitindex. Verlierer des Tages war der Online-Händler Zalando, auch SAP waren nicht gefragt.

Euro weiter noch schwächer

Die absehbar schärfere Gangart der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) stützte heute weiter den Dollar, was im Gegenzug den Euro schwächt - und der deutschen Exportwirtschaft zugute kommt, deren Auftragsbücher prall gefüllt sind. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1278 (Freitag: 1,1271) US-Dollar fest. Im US-Handel wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1237 Dollar erneut schwächer gehandelt, ein Minus von knapp einem halben Prozent. Der Goldpreis sackte mit dem starken Dollar heute deutlicher ab um 1,8 Prozent auf 1805 Dollar je Feinunze.

US-Hausmarkt im Aufwind

In den USA sind die Verkäufe bestehender Häuser im Oktober derweil überraschend gestiegen. Sie legten im Monatsvergleich um 0,8 Prozent zu, wie die Maklervereinigung National Association of Realtors (NAR) am Montag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten im Schnitt hingegen mit einem Rückgang um 1,4 Prozent gerechnet. Der Markt profitiert von einem hohen Beschäftigungsaufbau und niedrigen Hypothekenzinsen. Auf das Jahr hochgerechnet stieg die Zahl der Verkäufe auf 6,34 Millionen. Dies ist der höchste Wert seit Jahresanfang.

EU-Verbrauchervertrauen sinkt

Die Stimmung der Verbraucher in den Euro-Ländern hat sich im November deutlich eingetrübt. Das Barometer für das Verbrauchervertrauen fiel um zwei volle Punkte auf minus 6,8 Zähler, wie aus der heute veröffentlichten Umfrage der EU-Kommission hervorgeht. Ökonomen hatten lediglich mit einem Rückgang auf minus 5,5 Zähler gerechnet. Der Konjunkturindikator ist damit nur noch knapp über dem vor Ausbruch der Corona-Krise erreichten Niveau.

Auf die Kauflaune drücken insbesondere die rasant steigenden Preise. Die Teuerungsrate im Euroraum lag im Oktober mit 4,1 Prozent so hoch wie seit über 13 Jahren nicht mehr. Laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht: Im November sei mit der höchsten Teuerungsrate seit Einführung des Euro 1999 zu rechnen, sagte sie jüngst

Ölpreise bleiben volatil

Die Ölpreise haben sich am Nachmittag in die Gewinnzone bewegt. Sowohl für die Nordseesorte Brent als auch die US-Leichtölsorte zogen die Notierungen an. Zuletzt hatten die Ölpreise wegen Corona-Sorgen und der Diskussion über eine Freigabe der nationalen Ölreserven der großen Volkswirtschaften deutlich nachgegeben.

Eon setzt sich neue Ziele

Der Energiekonzern Eon hat sich neue Mittelfrist-Ziele gesetzt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) soll bis 2026 im Kerngeschäft auf 7,8 Milliarden Euro wachsen. Dies entspreche einer jährlichen durchschnittlichen Wachstumsrate von vier Prozent, teilte das DAX-Unternehmen am Abend überraschend mit.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie soll um acht bis zehn Prozent jährlich wachsen und so bis 2026 0,90 Euro erreichen. Die bisherige Dividendenpolitik von bis zu fünf Prozent Wachstum pro Jahr werde bis dahin verlängert, hieß es in der Mitteilung. Im laufenden Geschäftsjahr plant Eon, eine feste Dividende von 0,49 (0,47) Euro je Aktie zu zahlen. Zudem will Eon vom kommenden Jahr an bis 2026 rund 27 Milliarden Euro investieren. Am Dienstag veranstaltet Eon einen Kapitalmarkt-Tag. Analysten erwarten hier weitere Details zu den Gesamtinvestitionen und Mittelfrist-Zielen.

Vonovia will acht Milliarden Euro einsammeln

Im DAX steht die Vonovia-Aktie unter Druck. Deutschlands größter Wohnungsvermieter ist bei der Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen auf der Zielgerade angekommen: Der Bochumer Konzern will im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund acht Milliarden Euro einsammeln und damit wie angekündigt Teile der Kaufsumme finanzieren.

Merck setzt auf Krebs- und Immuntherapeutika

Die Merck KGaA hält das Geschäft mit neuartigen Behandlungen für Krebs- und Immunerkrankungen für sehr aussichtsreich. Aktuell liege der Fokus auf fünf Wirkstoffkandidaten in mittleren bis späteren Entwicklungsphasen, die das Potenzial hätten, die ersten Vertreter ihrer Arzneimittelgruppe am Markt zu werden, teilte der Darmstädter DAX-Konzern im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsupdates mit.

Deutsche Bank landet Überraschungscoup

Die Deutsche Bank hat einen Nachfolger für ihren scheidenden Aufsichtsratschef Paul Achleitner präsentiert - und damit einen Überraschungscoup gelandet: Alexander Wynaendts soll Achleitner nach der Hauptversammlung am 19. Mai 2022 beerben, wie Deutschlands größtes Geldhaus mitteilte. Der Aufsichtsrat folgte gestern der Empfehlung des Nominierungsausschusses.

Cevian will ThyssenKrupp-Anteile abgeben

Der Thyssenkrupp-Großaktionär Cevian will Kreisen zufolge seinen Anteil an dem Konzern fast halbieren. Der Finanzinvestor biete etwa 43 Millionen Anteilscheine zum Verkauf an, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Abend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente. Die Preisspanne liege bei 10,20 bis 11,29 Euro.

Da es dem Bericht zufolge genügend Nachfrage für alle Papiere gibt, würde der Anteil von Cevian von bisher gut 15 auf etwas mehr als acht Prozent sinken. Auf der Handelsplattform Tradegate sackte der Aktienkurs von Thyssenkrupp zuletzt um mehr als sechs Prozent im Vergleich zum Schlusskurs im Xetra-Hauptgeschäft von 11,29 Euro ab. Am vergangenen Donnerstag war der Aktienkurs nach der Veröffentlichung von überraschend guten Quartalszahlen noch auf den höchsten Stand seit Anfang Mai geklettert.

BioNTech will mehr liefern

Das Mainzer Unternehmen BioNTech will kurzfristig mehr Impfstoff gegen das Coronavirus liefern kann als bisher vereinbart. "Wir prüfen aktuell, ob und wenn ja, wie viele Dosen wir kurzfristig und zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten liefern könnten", sagte eine Firmensprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Laut Gesundheitsminister Jens Spahn sollen bereits in der kommenden Woche eine Million Dosen zusätzlich zur Verfügung stehen. Die BioNTech-Aktie ist wegen der größeren Nachfrage nach Booster-Impfungen im Aufwind.

BioNTech-Gründer Ugur Sahin hat derweil die Investitionspläne seines Unternehmens konkretisiert. Wenn alles umgesetzt sei, werde BioNTech mehr als eine Milliarde Euro in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt investiert haben, sagte Sahin den Zeitungen der VRM-Gruppe.

Raketen-Start-up Astra Space stark gefragt

Ein erfolgreicher Test einer Trägerrakete für Satelliten hilft der Aktie des Start-ups Astra Space. Sie steigt im US-Geschäft um über 30 Prozent. Das ist der drittgrößte Kurssprung seit dem Börsengang des Raketenbauers vor rund einem Jahr. Dem Unternehmen zufolge erreichte der Flugkörper eine Erdumlaufbahn in 500 Kilometern Höhe.

Sandoz weckt Interesse der BioNTech-Großaktionäre

Der schweizerische Pharmakonzern Novartis hat seine Generika-Sparte Sandoz diesen Herbst ins Schaufenster gestellt. Laut einem Bericht des "Handelsblatts" prüfen nun die BioNTech-Großaktionäre Andreas und Thomas Strüngmann gemeinsam mit dem Finanzinvestor EQT den Einstieg bei Sandoz.

Tesla-Fabrik - die Entscheidung rückt näher

Die erneute Erörterung der Einwände von Kritikern an der Fabrik des US-Elektroautobauers Tesla in Grünheide bei Berlin geht heute zu Ende. Damit rückt der Zeitpunkt einer Entscheidung über die Genehmigung für die erste Tesla-Fabrik in Europa durch das Land Brandenburg näher. Erst muss die Erörterung noch ausgewertet werden. Tesla-Chef Elon Musk will, dass die Produktion in Grünheide spätestens im Dezember startet. Bisher baut Tesla über vorzeitige Zulassungen.

EMA prüft Paxlovid

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat mit einer Untersuchung des Covid-19-Medikaments Paxlovid des Herstellers Pfizer begonnen, um Ländern einen frühzeitigen Einsatz noch vor einer Marktzulassung zu ermöglichen. Dazu würden bereits vorhandene Daten von Tests mit Paxlovid bei Erkrankten mit dem Risiko eines schweren Verlaufs ausgewertet, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Vorläufige Ergebnisse wiesen darauf hin, dass Paxlovid das Risiko einer Krankenhausbehandlung oder eines tödlichen Ausgangs einer Corona-Infektion reduziert. Untersucht würden auch Daten zur Qualität und Sicherheit des Medikaments.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2021 um 07:35 Uhr.