Gut gelaunter Händler an der New Yorker Börse

Wall Street legt zu US-Anleger werden wieder mutiger

Stand: 28.05.2021 22:23 Uhr

Vor dem Feiertag am Montag sind die US-Anleger noch etwas aus der Deckung gekommen. Niemand will etwas verpassen, allen Inflationssorgen zum Trotz. Das hält die Märkte auf hohem Niveau.

Die US-Märkte sind am Freitag mit moderaten Gewinnen ins lange Wochenende gegangen. Am Montag bleiben in den USA wegen des Feiertags Memorial Day die Börsen geschlossen. Alle großen Indizes schlossen unter der Führung der Technologiebörse Nasdaq moderat im Plus. Der Leitindex Dow Jones, der lange mit der Marke von 34.600 Punkten rang, ging letztlich bei 34.529 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,2 Prozent.

Kursgewinne verbuchte auch die Technologiebörse Nasdaq, die um 0,1 Prozent vorrückte auf 13.748 Zähler. Am besten schlug sich der Auswahlindex Nasdaq 100, der bei 13.686 Punkten endete, ein Aufschlag von 0,2 Prozent. Der breiter aufgestellte S&P-500 gewann 0,1 Prozent hinzu auf 4204 Punkte.

Insgesamt seien an den US-Börsen die Anleger derzeit wieder risikobereiter angesichts recht solider Wirtschaftsdaten, der Ausgabenpläne von US-Präsident Joe Biden und der Erwartung einer weiter sehr lockeren US-Geldpolitik, hieß es aus dem Handel. Rückenwind erhielt der Markt vom etwas nachlassenden Zinsdruck nach neuen Konjunkturzahlen, die allerdings insgesamt kein klares Bild boten.

Uneinheitliche US-Konjunkturdaten

So hat sich das Geschäftsklima in der Region Chicago im Mai überraschend aufgehellt. Der Indikator stieg um 3,1 Punkte auf 75,2 Zähler, wie die regionale Einkaufsmanagervereinigung am Freitag in Chicago mitteilte. Analysten hatten im Schnitt einen Rückgang auf 68,0 Punkte erwartet.

Das von der Universität Michigan ermittelte Verbrauchervertrauen für den Mai trübte sich dagegen ein. Es fiel in einer zweiten Schätzung um 5,4 Punkte auf 82,9 Punkte und lag damit fast genau im Rahmen der Erwartungen von 83,0 Punkten. Eine erste Schätzung wurde damit geringfügig nach oben korrigiert.

Angesichts rasant steigender Preise hat sich die Konsumfreude der US-Amerikaner im April etwas gelegt. Ihre Ausgaben legten nur um 0,5 Prozent zum Vormonat zu, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Ökonomen hatten mit dieser Zahl gerechnet, nach einem kräftigen Plus von 4,7 Prozent im März.

Die persönlichen Einkommen der Amerikaner sanken im April in einer Gegenbewegung zum Vormonat um 13,1 Prozent, nach einem Zuwachs von 20,9 Prozent im März. Barschecks der Regierung zur Ankurbelung der Konjunktur hatten damals einen wahren Konsumrausch ausgelöst. Den Amerikanern sitzt das Geld nun nicht mehr ganz so locker, zumal die Inflation kräftig in Gang kommt.

Inflation auf dem Vormarsch

Die Preisentwicklung deutet weiter deutlich nach oben. Das von der US-Notenbank Fed bevorzugte Inflationsmaß auf Basis des Preisindex für die Konsumausgaben (PCE) stieg auf Jahressicht um 3,6 Prozent. Der Kernindex erhöhte sich um 3,1 Prozent. Das Preisziel der Fed von zwei Prozent wird damit deutlich überschritten. Die Notenbank hat aber bereits klargestellt, dass sie den Preisanstieg als vorübergehend betrachtet und vorerst keine Änderung der Geldpolitik vornehmen will.

Zwischen Konjunkturhoffnungen und Zinssorgen

Der Blick auf die Makro-Daten gewinnt für die Anleger im Moment besondere Bedeutung, gilt es doch Hinweise auf eine mögliche Kehrtwende der ultraexpansiven Geldpolitik der US-Notenbank zu antizipieren. Diese Sorgen überlagern nach zuletzt gestiegenen Inflationsdaten das Handelsgeschehen schon seit einer Weile. Weitere Hinweise auf die US-Geldpolitik versprechen sich Investoren am Mittwoch vom "Beige Book". Darin veröffentlicht die Notenbank Fed ihren Konjunkturausblick. Auch gibt es im weiteren Wochenverlauf neue Daten vom Arbeitsmarkt.

Biden stellt Haushalt vor

US-Präsident Joe Biden hat am Abend den ersten vollen Haushaltsentwurf seiner Amtszeit mit einem Umfang von sechs Billionen Dollar vorgelegt. Der am Freitag veröffentlichte Plan sieht damit einen Anstieg der Ausgaben von knapp 37 Prozent vor im Vergleich zum Budget 2019, dem letzten vor der Coronavirus-Pandemie. Das Defizit wird auf 1,8 Billionen Dollar geschätzt nach damals 984 Milliarden. Die Gesamtsumme war bereits am Donnerstag bekanntgeworden und hatte scharfe Kritik der oppositionellen Republikaner ausgelöst.

DAX behält Rekordhoch im Visier

Zum Wochenschluss bot sich den Investoren am heimischen Markt ein zuletzt altbekanntes Bild. Der DAX startete einen neuen Versuch in Richtung seines Rekordhochs bei 15.568 Punkten, biss sich dabei aber erneut die Zähne aus. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 15.519 Punkten und verbuchte damit einen Tagesgewinn von 0,7 Prozent. Auf Wochensicht reichte es damit zu einem kleinen Gewinn von 82 Punkten oder 0,05 Prozent. Tagessieger waren Siemens in einer technischen Gegenbewegung nach jüngsten Verlusten.

Wohin geht die Reise?

Trotz der geringen Wochenbewegung im Index: Langweilig war es nicht an der Börse. Der Kampf zwischen Bullen und Bären geht derzeit von Runde zu Runde, wie Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners am Freitag betonte. Seit Wochen schon greifen Investoren unter 15.000 Punkten schnell zu, bei 15.500 Zählern bekommen die Anleger dann aber allmählich wieder kalte Füße.

Laut Altmann ist es "im Moment offen, ob die Reise nach oben oder nach unten geht". Der DAX habe sich bei 15.500 Punkten zunächst festgebissen, lautete sein jüngstes Urteil. Gewisse Ausflüge darüber bis auf Rekordhöhen waren jüngst nur von kurzer Dauer.

Daran ändern auch durchaus berechtigte Konjunkturhoffnungen nichts, die den Index auf dem hohen Niveau halten. "Die Stimmung gegenüber Aktien und anderen Vermögenswerten, die von einer Erholung des Wirtschaftswachstums profitieren können, ist positiv", sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Brokerhaus Think Markets. "Es gibt weitere Lockerungen der Pandemiebeschränkungen in wichtigen Wirtschaftsregionen und eine langsame Wiederaufnahme von Reisetätigkeiten vor den heißen Sommermonaten."

Die Furcht vor steigenden Zinsen und einem drohenden Ende der ultralockeren Geldpolitik dürfte die Anleger angesichts des Inflationsanstiegs allerdings nicht schnell loslassen. "Die übergeordnete Richtung für die kommenden Monate dürfte maßgeblich von der Antwort auf die Frage abhängen, ob die Inflation nur temporär oder doch dauerhaft höher sein wird", prognostizierte Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets.

Euro rappelt sich auf, Türkische Lira auf Rekordtief

Der Euro hat nach langer Zeit ruhigem Handel im späten Geschäft Boden gut gemacht und wird im US-Handel bei 1,2194 Dollar wieder knapp unter der Marke von 1,22 Dollar gehandelt. Zwischenzeitlich wurde die Marke sogar leicht überwunden. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2142 (Donnerstag: 1,2198) US-Dollar fest

Enttäuschende Konjunkturdaten kamen derweil aus Frankreich. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone schrumpfte laut einer zweiten Schätzung im ersten Quartal überraschend um 0,1 Prozent und rutschte damit in eine Rezession. Zunächst war noch ein Wachstum von 0,4 Prozent ermittelt worden.

Die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone hat sich im Mai unterdessen erneut deutlich aufgehellt. Der von der EU-Kommission erhobene Economic Sentiment Indicator (ESI) stieg stärker als erwartet. Er liegt jetzt klar über seinem langfristigen Durchschnitt und ebenfalls höher als vor Ausbruch der Corona-Pandemie.

Deutliche Kursverluste gab es dagegen bei der türkischen Lira. Im Handel mit dem Dollar und dem Euro rutschte die türkische Währung jeweils auf einen Tiefststand. Nach jüngsten Wechseln in der Führung der türkischen Notenbank gibt es am Markt kaum Hoffnung, dass die Zentralbank den starken Anstieg der Inflation in den Griff bekommen könnte.

Die Ölpreise drehten derweil wieder ins Plus. Während ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent rund ein Prozent zulegt, wurde für die US-Sorte WTI rund 0,4 Prozent mehr gezahlt.

Bei Kryptowährungen ging es wieder abwärts. Bitcoin, Ethereum und Ripple fielen deutlich. "Der Bitcoin befindet sich nach wie vor in einem Abwärtsstrudel und tut sich schwer, sich zu befreien", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research. Spekulationen auf eine strengere Regulierung des Sektors lasteten auf der Stimmung.

TUI trennt sich von RIU-Hotel-Immobilien

Der Reisekonzern TUI verkauft seine Anteile an 21 RIU-Hotels für bis zu 670 Millionen Euro an seine spanischen Partner, die Familie Riu. Die 49-Prozent-Beteiligung an den Hotel-Immobilien, die TUI bisher gemeinsam mit der Familie gehalten hatte, geht an die Saranja SL, die Carmen und Luis Riu gehört. Rund 540 Millionen Euro bekommt TUI sofort und will damit seine in der Corona-Pandemie stark gestiegenen Schulden drücken.

Adler bestätigt Prognose

Nach einem Gewinnanstieg zum Jahresstart hat der Wohnimmobilien-Investor Adler seine Prognose für das Gesamtjahr bestätigt. Im ersten Quartal 2021 legte der operative Gewinn aus dem Vermietgeschäft (FFO 1) auf 32,3 Millionen Euro von 11,5 Millionen im Vorjahr zu. Die Nettomieteinnahmen stiegen auf 84,3 Millionen Euro von 27,9 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr 2021 erwartet das Unternehmen weiterhin Nettomieteinnahmen in der Größenordnung von 325 bis 339 Millionen Euro, für den FFO 1 werde eine Spanne von 127 bis 133 Millionen Euro angepeilt. Adler will eine Dividende von 50 Prozent des FFO 1 an die Aktionäre auszahlen.

Großbritannien lässt Impfstoff von Johnson & Johnson zu

Als vierten Impfstoff gegen das Coronavirus hat Großbritannien das Vakzin des US-Konzerns Johnson & Johnson zugelassen. Gesundheitsminister Matt Hancock sprach am Freitag von einem "weiteren Schub" für das britische Impfprogramm. Weil der Impfstoff bereits nach einer Dosis seine volle Wirkung entfaltet, werde er eine wichtige Rolle dabei spielen, alle Menschen in Großbritannien zu impfen und möglicherweise später im Jahr ein Auffrischungsprogramm zu beginnen, sagte Hancock. Die Regierung hat 20 Millionen Dosen bestellt.

BioNTech-Impfstoff für Kinder von EMA zugelassen

Der BioNTech-Impfstoff schützt auch Kinder zwischen 12 und 15 Jahren sicher vor einer Covid-19-Erkrankung. Das zeigen jetzt veröffentlichte Daten, die bereits Grundlage für die Notfall-Zulassung des Impfstoffes in den USA in dieser Altersgruppe waren und die der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Zulassungsprüfung vorlagen - und die nun zur Zulassung geführt haben. Die EU-Kommission muss noch zustimmen, was aber als Formsache gilt. BioNTech-Aktien legen an der Nasdaq deutlich zu. Bislang ist das Vakzin in der EU erst ab 16 Jahren zugelassen.

In der Studie trat demnach bei mehr als 1000 geimpften Kindern und Jugendlichen kein Covid-19-Fall auf, in der etwa gleichen großen, ungeimpften Kontrollgruppe waren es 16. Nach der Impfung sei es überwiegend allenfalls zu leichten Impfreaktionen wie Müdigkeit oder Kopfschmerzen gekommen, schreiben die Wissenschaftler im "New England Journal of Medicine". Die positiven Ergebnisse rechtfertigten auch Tests bei jüngeren Kindern oder anderen, besonders schützenswerten Gruppen wie schwangeren Frauen, betonen sie.

Salesforce profitiert vom Homeoffice

Der Trend zum Homeoffice verschafft dem SAP-Konkurrenten Salesforce ein starkes Quartal. Der Umsatz kletterte von Februar bis April um 23 Prozent auf 5,96 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg auf 469 Millionen Dollar nach 99 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Dies lag über den Erwartungen von Analysten. Zudem hob Salesforce die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr an.

Salesforce profitiert als Branchenprimus auf dem Markt für Kundenmanagement-Software (CRM) vom Trend zum Homeoffice. Unternehmen nutzen zunehmend Rechnerkapazitäten und Anwendungen aus der Cloud, damit ihre Mitarbeiter aus der Ferne agieren können.

Julius Bär: Vergleich im FIFA-Streit  

Der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär erzielt eine Einigung bei der Untersuchung über Geldwäsche- und Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit dem Weltfußballverband FIFA in den USA: Die Bank einigte sich mit dem US-Justizministerium auf einen dreijährigen Aufschub der Strafverfolgung, um den Vorwurf der Beteiligung an Geldwäsche auszuräumen.

Im Zuge des Vergleichs verpflichtete sich die Bank zur Zahlung von insgesamt 79,7 Millionen Dollar. Bär hatte sich bereits im vergangenen November auf die Eckpunkte des Vergleichs mit der US-Justiz verständigt und eine entsprechende Rückstellung gebildet.

Klarna verdoppelt Transaktionsvolumen

Neukunden vor allem in den USA haben dem schwedischen Zahlungsdienstleister Klarna zum Jahresstart ein florierendes Geschäft beschert. Das Bruttowarenvolumen (GMV), der Wert aller über die Plattform getätigten Transaktionen, verdoppelte sich von Januar bis März nahezu auf 18,9 Milliarden Dollar.

Klarna steht Medienberichten zufolge kurz vor einer weiteren Finanzierungsrunde. Erst im März hatte Klarna bei Investoren eine Milliarde Dollar eingesammelt und wird seither mit 31 Milliarden Dollar bewertet. Inzwischen kommt der 2005 gegründete PayPal-Konkurrent auf weltweit mehr als 90 Millionen aktive Nutzer. In den USA verdoppelte sich die Zahl der Kunden im April auf 17 Millionen.

Dreamliner macht Boeing wieder Sorgen

Boeing muss bei der Behebung der Produktionsmängel bei seinem Langstreckenjet 787 "Dreamliner" einem Pressebericht zufolge einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Der Hersteller habe die Auslieferung des Flugzeugtyps ein weiteres Mal gestoppt, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Grund seien weitere Fragen der US-Luftfahrtbehörde FAA zu Boeings Problemlösungen. Der Konzern hatte die Auslieferung der Dreamliner-Jets nach einer fünfmonatigen Unterbrechung erst im März wieder aufgenommen.

Nike erläutert Trennung von Neymar

Nike hat als Grund für die Trennung vom brasilianischen Fußballstar Neymar im vorigen Jahr angegeben, dass Neymar nach einem Belästigungsvorwurf seine Mitwirkung an einer internen Klärung verweigert habe. Eine interne Untersuchung der Vorwürfe, die sich auf das Jahr 2016 bezogen und dem Unternehmen 2018 bekannt geworden seien, habe aber keine belastenden Beweise gegen Neymar ergeben. Nike hatte seinen Sponsorenvertrag im August vergangenen Jahres beendet, ohne einen Grund anzugeben.

Über dieses Thema berichtete am 28. Mai 2021 die tagesschau um 17:00 Uhr und B5 aktuell um 23:14 Uhr.