Federal Reserve Bank, Washington, USA | picture alliance / Xinhua News A
Marktbericht

Nach US-Arbeitsmarktdaten Die Ampel der Fed bleibt auf Gelb

Stand: 08.10.2021 22:18 Uhr

Obwohl wie stets mit Spannung erwartet, haben Daten vom US-Arbeitsmarkt der Wall Street Börse nicht wirklich geholfen. Die Märkte hängen weiter in der Luft, wann die Fed die Zügel anzieht.

Die US-Aktienmärkte haben zum Wochenschluss nachgegeben. Während der Leitindex Dow Jones mit einem Mini-Minus von 0,03 Prozent auf 24.746 Punkte nahezu unverändert schloss, drehte die Technologiebörse Nasdaq nach verheißungsvollem Handelsbeginn ins Minus. Am Ende stand ein Tagesverlust von 0,51 Prozent auf 14.579 Punkte auf dem Laufband. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss in der gleichen Größenordnung leichter bei 14.820 Punkten.

Der marktbreite S&P-500-Index, der sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthält, ging bei 4319 Punkten aus dem Handel, ein moderater Verlust von 0,19 Prozent. Der Rentenmarkt tendierte leichter, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe stieg auf 1,60 Prozent und damit auf ein Viermonatshoch .

Die mit Spannung erwarteten Arbeitsmarktdaten aus dem September haben der Wall Street am Freitag keine ausgeprägten richtungweisenden Impulse geliefert. "Der Bericht ist schwer zu deuten", fasste Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners zusammen. "Eine Arbeitslosenquote auf Jahrestief und neue geschaffene Stellen ebenfalls auf Jahrestief passen nicht so recht zusammen." Die Ampel für den Start des Taperings bleibt ihm zufolge "weiter auf gelb".

Tapering bezeichnen die Experten als den sukzessiven Abbau der monatlichen Anleihekäufe durch die Fed, der momentan noch bei hohen 120 Milliarden Dollar im Monat liegt. Schon länger wird angesichts der Erholung der Wirtschaft und höheren Inflationsraten eine Eindämmung dieser enormen Liquiditätsflut erwartet, die maßgeblich die jüngste Aktienhausse angefeuert hat.

Eine nachhaltige Erholung am Jobmarkt gilt als eine notwendige Voraussetzung dafür, dass die Fed schon bald ihre massiven Konjunkturspritzen niedriger dosieren kann. US-Notenbankchef Jerome Powell hatte gesagt, ihm würde bereits ein "ordentlicher" Arbeitsmarktbericht im September genügen.

Deutlich weniger neue Stellen

Konkret hat die US-Wirtschaft im September deutlich weniger Arbeitsplätze geschaffen als erwartet. Außerhalb der Landwirtschaft seien 194.000 Stellen hinzugekommen, teilte das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mit. Analysten hatten mit einem Zuwachs von im Schnitt 500.000 Stellen gerechnet. Der Septemberwert ist der schwächste seit Dezember 2020.

Insgesamt erholt sich der Arbeitsmarkt zwar weiter von den Folgen der Corona-Pandemie, allerdings eher schleppend. Die getrennt ermittelte Arbeitslosenquote sank um 0,4 Prozentpunkte auf 4,8 Prozent. Vor der Krise lag sie bei 3,5 Prozent. Das als Inflationsindikator geltende Wachstum der Stundenlöhne lag mit 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat über den Erwartungen der Analysten von plus 0,4 Prozent.

"Der Stellenzuwachs ist eine große Enttäuschung. Der Arbeitsmarkt erholt sich zwar, bleibt aber zwei Gänge heruntergeschaltet. Inflationsseitig wird der Anstieg der Stundenlöhne bedrohlicher", kommentierte Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe.

Der DAX beendete die Handelswoche mit moderaten Verlusten von 0,29 Prozent auf 15.206 Zähler und pendelte dabei zwischen 15.184 und 15.266 Punkten. Der Index war damit deutlich weniger volatil als im bisherigen Verlauf der Woche. Eine Verschnaufpause ist nach der rasanten Kursrally der vergangenen Tage, welche den DAX seit seinem Tief am Mittwoch bei 14.819 Zählern in der Spitze über 400 Punkte in die Höhe befördert hatte, jedoch weder verwunderlich noch besorgniserregend.

Trotz der Schwankungen blieb der DAX im Wochenvergleich kaum verändert. Nur kurz sah es dabei so aus, als könnte der Index sogar mit leichten Gewinnen enden, aber eine abbröckelnde Wall Street sorgte für eine leichte Schwäche zum Handelsschluss. Thema des Tages waren natürlich auch hierzulande die Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Angeführt wurde der DAX heute vom Papier des Autozulieferers Continental, das 3,2 Prozent zulegte. Den tiefgreifenden Umbau in Richtung Software und Elektronik bei Continental will die Konzernführung auch als Ansporn verstanden wissen, Berührungsängste gegenüber digitalen Arbeitsformen zu mildern. "Für die gesamte Gesellschaft gilt: Man muss die Menschen begleiten", sagte Personalvorständin Ariane Reinhart zum 150-jährigen Bestehen, das der Autozulieferer am Freitag feierte. Schlusslicht waren Hellofresh, auch die Versorger tendierten leichter.

Deutsche Exporte überraschend gesunken

Derweil mehren sich die Hiobsbotschaften aus der deutschen Wirtschaft. So sind die Ausfuhren der deutschen Wirtschaft im August zur Überraschung von Experten gesunken. Gegenüber dem Vormonat fielen die Exporte um 1,2 Prozent. Analysten hatten dagegen mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet.

"Die deutsche Wirtschaft muss sich auf einen schwierigen Herbst einstellen", warnt Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer Bundesverband der Deutschen Industrie.

Der Euro, der am Morgen noch nachgab, hat sich nach den US-Jobdaten aufgerappelt und wird bei 1,1577 Dollar im US-Handel am Tageshoch gehandelt. Er liegt damit wieder deutlicher über seinem zur Wochenmitte markierten 15-monatigen Tiefstand bei 1,1529 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1569 (Donnerstag: 1,1562) US-Dollar fest.

Die türkische Lira geriet heute mal wieder unter Druck. Zum US-Dollar wurde am Vormittag sogar ein Rekordtief erreicht. Auslöser war ein Medienbericht, der Unzufriedenheit seitens Präsident Recep Tayyip Erdogan mit dem amtierenden Notenbankchef Sahap Kavcioglu nahelegte. Erdogan hatte schon mehrmals die Führung der türkischen Notenbank ausgetauscht.

EZB-Banker diskutieren Ausstieg aus Notfallmaßnahmen

Mehrere Notenbankchefs von Euro-Ländern denken derweil laut über eine Abkehr von den billionenschweren Corona-Notfallhilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach. "Das Motto heißt Ausstieg", sagte Belgiens Notenbankchef Pierre Wunsch am Freitag auf einer Konferenz im slowakischen Strbske Pleso. Dies werde ein schwieriges Vorhaben, denn es gehe darum, weniger zu machen und nicht mehr.

Auch seine EZB-Ratskollegen, der slowakische Notenbankchef Peter Kazimir und Slovieniens oberster Währungshüter Bostjan Vasle, waren auf der Veranstaltung der Ansicht, dass der Zeitpunkt für ein Ende der Hilfen nun näher rücke. Das auf 1,85 Billionen Euro angelegte Notfall-Anleihenkaufprogramm PEPP soll nach bisherigen Planungen noch bis mindestens Ende März 2022 laufen.

EZB-Chefin Christine Lagarde hatte dagegen zuletzt immer wieder die Geldpolitik der ruhigen Hand verteidigt und darauf verwiesen, dass die derzeit höheren Inflationsraten in der EU ein vorübergehendes Phänomen seien, das sich normalisieren werde. Ganz ähnlich argumentiert derzeit auch die Fed, die aber im Zinszyklus wesentlich weiter ist als die EZB.

Die Ölpreise legten zum Wochenschluss wieder zu, nachdem sie sich gestern nach Aussagen aus Russland, das Land werde seine Gasexporte massiv steigern, abgeschwächt hatten. Bis zu den in dieser Woche markierten mehrjährigen Höchstständen ist es nicht mehr allzu weit. Haupttreiber bleibt die angespannte Versorgungslage. Das Ölkartell Opec+ hält anders als sonst diszipliniert die Förderquoten, so dass die Angebotslage angespannt bleibt. Die steigenden Öl- und Gaspreise sind derzeit der größte Preis- und damit Inflationstreiber.

Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer peilt für den Verkauf seiner Sparte "Environmental Science Professional" (ESP) Kreisen zufolge einen Preis von zwei Milliarden Euro an. Zahlreiche Finanzinvestoren, unter ihnen auch Blackrock und CVC, erwögen Gebote, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

2019 hatte die Sparte mit Produkten zur Schädlingsbekämpfung und Unkrautbeseitigung einen Umsatz von 600 Millionen Euro erzielt. Die Verkaufsabsicht hatte Bayer bereits Ende Februar öffentlich gemacht. Die Überlegungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es in den Kreisen weiter. Es gebe keine Gewissheit, dass einer der Interessenten im Bieterprozess fortfahre. Unter Anlegern sorgten die Neuigkeiten zunächst nicht für größere Aufregung. Der Aktienkurs von Bayer legte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion nur leicht zu.

Der Immobilienriese Vonovia steht vor einem Einstieg bei dem in schweres Fahrwasser geratenen Branchenkollegen Adler Group. Der luxemburgische Großaktionär von Adler, Aggregate Holdings, teilte mit, Vonovia habe eine Kaufoption auf 13,3 Prozent der Adler-Anteile erworben. Vonovia teilte anschließend mit, die Kaufoption zu 14 Euro je Aktie über die nächsten 18 Monate ausüben zu können.

Mit 14 Euro läge der Kaufpreis für die Anteile deutlich über dem aktuellen Aktienkurs. Zur Wochenmitte war die Adler-Aktie auf ein Rekordtief von nur noch knapp über neun Euro eingebrochen, nachdem der Shortseller Viceroy schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben hatte. Adler wies diese später "auf das Schärfste" zurück.

Die Volkswagen-Tochter Skoda muss die Produktion in ihren tschechischen Werken vom 18. Oktober an bis zum Jahresende deutlich reduzieren oder sogar ganz stoppen. Grund sei der weltweite Chipmangel, teilte Firmensprecher Tomas Kotera gestern in Mlada Boleslav mit. Man habe eine große Zahl an Fahrzeugen eingelagert, die auf Chips warteten.

Die Aktionäre des Münchner Tierbedarfshändlers Zooplus haben nun die Wahl zwischen zwei finanziell gleichwertigen Übernahmeangeboten. Der kalifornische Finanzinvestor Hellman & Friedman (H&F) zog mit der Offerte der schwedischen Beteiligungsfirma EQT gleich und bietet jetzt ebenfalls 470 Euro je Aktie.

Damit ist H&F nun wieder im Vorteil: Die Amerikaner haben sich nämlich bereits gut 17 Prozent der Zooplus-Anteile von dessen Großaktionären gesichert. Die Zooplus-Aktionäre haben bis 3. November Zeit, eines der beiden Angebote anzunehmen.

Der Elektronik-Riese Samsung hat auch im dritten Quartal 2021 von den steigenden Chip-Preisen durch bestehende Lieferengpässe profitiert. Das südkoreanische Unternehmen rechnet für die Monate Juli bis September mit einem Plus beim operativen Ergebnis von 28 Prozent auf 15,8 Billionen Won (etwa 11,5 Milliarden Euro). Das Unternehmen ist marktführend bei Speicherchips, Smartphones und Fernsehern.

Tesla verlegt seinen Firmensitz offiziell aus dem Silicon Valley nach Texas. Konzernchef Elon Musk gab den Umzug in der Nacht zum Freitag bei der Hauptversammlung des Elektroauto-Herstellers bekannt. Sie wurde bereits am neuen Sitz in der Stadt Austin abgehalten, wo Tesla ein großes neues Werk baut. Bisher hatte Tesla sein Hauptquartier im Herzen des Silicon Valley, in Palo Alto.

Google und Youtube schließen Inhalte, die den menschengemachten Klimawandel leugnen, von Werbeeinnahmen aus. Rund um Inhalte, die "dem fundierten Konsens rund um die Existenz und die Gründe des Klimawandels widersprechen", dürften keine Werbeanzeigen mehr geschaltet werden, teilte der Google-Konzern mit. Auch auf andere Weise, etwa durch Bezahlung von Inhalten, solle mit solchen Falschinformationen kein Geld mehr verdient werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.