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Marktbericht

DAX schließt im Plus Aktienmarkt trotzt Corona-Ängsten

Stand: 22.03.2021 21:26 Uhr

Allen Corona- und Lockdown-Ängsten zum Trotz behauptete der DAX zum Wochenauftakt sein hohes Niveau. Rückenwind kam am Nachmittag aus New York, wo vor allem die Technologiebörse Nasdaq zulegte.

Unter der Führung des neuen Börsenstars Volkswagen hat sich der DAX zum Wochenauftakt widerstandsfähig gezeigt. Er trotzte neuen Corona- und Lockdown-Ängsten und schloss am Ende bei 14.657 Punkten, ein moderater Zuwachs von 0,25 Prozent. Anfänglich stärkere Sorgen der Anleger vor einem neuen Lockdown-Szenario hatten den Index im Tagestief bis auf 14.539 Punkte gedrückt, ehe die Anleger auf dem ermäßigten Niveau wieder Interesse zeigten. Der Index bleibt damit in Schlagweite seines Rekordhochs aus der Vorwoche bei 14.804 Punkten.

Unabhängig von der neuen Corona-Entwicklung standen VW-Aktien wieder besonders im Fokus und legten deutlich zu. VW-Vorzüge waren mit einem Aufschlag von über sieben Prozent Tagessieger im DAX und zogen auch BMW und Daimler mit nach oben. Papiere des Zulieferers Continental waren nach einem negativen Analystenkommentar hingegen nicht gefragt und standen am Indexende.

VW wird neu bewertet

Noch deutlicher schlugen die VW-Stammaktien nach oben aus mit einem Plus von mehr als 14 Prozent. Seit vergangener Woche sorgt die Strategie des Autobauers im Bereich der Elektromobilität für viel Fantasie - gerade auch bei US-Anlegern.

An US-Börsen sind VW-Aktien jedoch nicht notiert. Anleger können dort allerdings so genannte Hinterlegungsscheine (American Depository Receipts - ADR) handeln. Solch ein von einer amerikanischen Depotbank herausgegebener ADR verkörpert eine bestimmte Anzahl hinterlegter Aktien eines ausländischen Unternehmens und kann an deren Stelle am US-Kapitalmarkt gehandelt werden. Im Falle von VW sind die ADRs mit den VW-Stammaktien besichert. Das erklärt, warum die VW-Stämme derzeit stärker steigen als die Vorzüge.

Mit Porsche auf VW wetten

Mit dem steigenden Wert der VW-Aktie rückt auch die Beteiligungsgesellschaft Porsche SE in den Fokus, die mehr als die Hälfte der Stimmrechte an dem Wolfsburger Autobauer hält. Diese wird von Experten vereinzelt als eigentlich momentan beste Möglichkeit genannt, um an der VW-Rally zu partizipieren. Barclays-Analyst Kai Mueller hatte am Freitag den immer größeren Abschlag zum inneren Wert der VW-Position betont. Porsche sei vor diesem Hintergrund die wahre Chance, so der Experte.

Die Mehrheit an der Porsche SE und damit am Konzern wiederum halten die Familien Piech und Porsche. Volkswagen ist und bleibt damit ein Familienunternehmen, was besonders bei angelsächsischen Investoren in der Regel ebensowenig für Begeisterungsstürme sorgt wie das Instrument der Vorzugsaktie, mit der man bekanntlich keinen Einfluss auf die Unternehmensentscheidungen nehmen kann.

Neuer Lockdown droht

Abseits der derzeitigen VW-Hausse ist die verschärfte Corona-Infektionslage und damit verbunden Ängste vor einem neuen Lockdown wieder stärker ins Bewusstsein der Anleger gerückt. Angesichts hoher Neuinfektionszahlen mit der ansteckenderen Mutante des Virus droht mal wieder eine schärfere Gangart seitens der Politik. Derzeit beraten die Ministerpräsidenten der Länder und die Bundesregierung noch über neue Maßnahmen, im Raum steht eine Verlängerung des Lockdowns bis zum 18. April.

Aber obwohl sich dieses Szenario deutlich abzeichnet, geraten die Anleger nicht in eine vergleichbare Panik wie bei den vorherigen Infektionswellen. Lediglich die unmittelbar betroffenen Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor waren heute unter Druck. "Die entscheidende Frage an den Börsen lautet jetzt, wie hoch der wirtschaftliche Schaden für die Unternehmen daraus sein wird", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Bundesbank ist zuversichtlich

Die Bundesbank sieht trotz aller Probleme auch Licht am Ende des Tunnels. "Auch wenn sich nun die vergleichsweise strengen Einschränkungen vermutlich noch deutlich in das zweite Vierteljahr erstrecken werden, so gibt es doch zugleich auch Grund zur Zuversicht", sagte deren Leiter des Zentralbereichs Volkswirtschaft, Jens Ulbrich. "Denn viele der nicht unmittelbar durch die Eindämmungsmaßnahmen betroffenen Bereiche der deutschen Wirtschaft erwiesen sich bislang als bemerkenswert widerstandsfähig. Dies gilt insbesondere für die Industrie."

Zudem habe sich bei den Verbrauchern ein Konsumstau aufgebaut, der zügig abgebaut werden dürfte, wenn die Einschränkungen weitgehend und nachhaltig entfallen. "Die erwartete Wirtschaftserholung ist also nicht grundsätzlich in Frage gestellt, sondern wird sich im Wesentlichen wohl nur zeitlich nach hinten verschieben", sagte Ulbrich.

Bundesanleihen gesucht

Am Rentenmarkt folgten die Anleger in Corona-Zeiten altbekannten Mustern hingegen deutlicher. Sie suchten sichere Häfen wie etwas Bundesanleihen. Der Terminkontrakt Euro-Bund-Future stieg um 0,16 Prozent auf 171,49 Stellen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel im Gegenzug auf minus 0,31 Prozent. Stützend am Markt griff zuletzt die EZB ein mit dem Ziel, die Zinsen niedrig zu halten.

Nasdaq schiebt die Wall Street an

Technologieaktien waren heute die Favoriten an der Wall Street. Damit setzte sich der freundliche Trend vom Freitag dort. Die Nasdaq baute im Verlauf ihre Anfangsgewinne aus, konnte die Spitzenniveaus dann aber nicht ganz halten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss bei 13.086 Punkten, ein Gewinn von 1,7 Prozent. In der Spitze hatte der Index sogar über zwei Prozent zugelegt. Der Composite-Index legte am Ende ebenfalls deutlich zu auf 13.377 Punkte, ein Aufschlag von 1,2 Prozent.

Etwas ruhiger ging es beim Leitindex Dow Jones zu, der sich allerdings ebenfalls im Verlauf steigerte. Im frühen Geschäft hatte der Dow sogar leicht im Minus gelegen. Er ging um 0,3 Prozent höher bei 32.731 Punkten aus dem Handel. Der breiter aufgestellte S&P-500, in dem sowohl Technologieaktien als auch Standardwerte enthalten sind, machte 0,7 Prozent auf 3940 Punkte gut. Nennenswerte Konjunkturdaten standen heute nicht auf der Agenda.

US-Renditen fallen

Unterstützung für die Börse kam dabei von den sinkenden Renditen am US-Anleihenmark. Die Entspannung bei den Anleiherenditen gebe den Technologiewerten Auftrieb, sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Am Bond-Markt deckten sich Investoren wieder mit US-Staatsanleihen ein und drückten die Rendite der richtungweisenden zehnjährigen Titel auf 1,68 Prozent.

Aber auch von der weiter sinkenden Zahl der Corona-Neuinfektionen in den Vereinigten Staaten erhält der Markt Rückenwind. Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden vor knapp zwei Monaten wurden mittlerweile mehr als 100 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht.

Damit gingen die Impfungen deutlich rascher voran als gedacht, denn Biden hatte als Zeitraum für diese Menge die ersten 100 Tage seiner Amtszeit und damit Ende April angegeben. Notenbankchef Jerome Powell hat stets darauf hingewiesen, dass der Schlüssel zur wirtschaftlichen Erholung ausschließlich in der Überwindung der Corona-Krise liege.

Türkische Lira stürzt ab

Für Verunsicherung unter den Anlegern sorgen zu Wochenbeginn derweil die drastischen Kursverluste bei der türkischen Lira. Im Handel mit dem amerikanischen Dollar verlor die Lira zeitweise mehr als 15 Prozent an Wert. Für einen Dollar wurden in der Spitze über 7,93 Lira gezahlt, am frühen Abend haben sich die Verluste etwas ermäßigt.

Trotzdem, die Lira hat seit seit Freitag rund neun Prozent an Wert verloren. Die Währung rutschte ab, nachdem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zum dritten Mal seit Mitte 2019 den Notenbank-Chef entließ - offenbar erneut aus Ärger über steigende Zinsen. "Damit ist klar: In der Türkei ist keine Geldpolitik möglich, die halbwegs stabilitätsorientiert ist", kommentiert Ulrich Leuchtmann, Devisenexperte der Commerzbank.

"Die Schwankungen der türkischen Lira sind für die Unternehmen im Exportgeschäft eine große Herausforderung", sagte der Leiter der Außenwirtschaft beim Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), Ulrich Ackermann.

Der Euro notiert am späten Abend bei insgesamt ruhigem Handel gegen den Dollar gut 0,3 Prozent fester bei 1,1938 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1926 (Freitag: 1,1891) Dollar fest. Der Goldpreis erholte sich am Abend ebenfalls noch etwas auf 1740 Dollar je Feinunze.

Infineon fährt Produktion in Austin wieder hoch

Infineon ersetzt ab heute Nokia im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Unterdessen fährt der Chiphersteller seine Produktionskapazitäten in Austin, Texas, wieder hoch. Ab Juni sollen die ursprünglichen Mengen wieder erreicht werden. Infineon hatte die Anlage wegen eines schweren Wintersturms Mitte Februar abschalten müssen. Das Infineonj-Papier gehörte heute im DAX im Zuge der festen Nasdaq zu den größten Gewinnern.

Siemens Energy ab heute im DAX

Siemens Energy ist von heute an DAX-Mitglied. Das erst 2020 von Siemens abgespaltene Münchener Energietechnik-Unternehmen ersetzt in der ersten Börsenliga den Konsumgüter- und Kosmetikhersteller Beiersdorf. Der wiederum ist nun im MDAX zu finden. Dort zieht zudem die VW-Holding Porsche SE ein. Aus dem Nebenwerte-Index SDAX steigen der Energieparkbetreiber Encavis und der Windkraftanlagenhersteller Nordex in den Index der mittelgroßen Werte auf.

Traton setzt auf Elektro-Lkws

Die VW-Nutzfahrzeugholding Traton will in den kommenden Jahren mehr Geld in die Entwicklung von Elektroantrieben stecken. Bis 2025 sind nun statt einer Milliarde Euro zusammengenommen 1,6 Milliarden für Forschung und Entwicklung in diesem Bereich vorgesehen. 2025 soll weniger als ein Fünftel der Investitionen in der Produktentwicklung auf konventionelle Antriebe entfallen. "Traton setzt klar auf den Elektro-Lkw", sagte Vorstandschef Matthias Gründler laut Mitteilung.

Deutsche Post will mehr E-Autos einsetzen

Um weniger Luftverschmutzung zu verursachen, will der Logistikriese Deutsche Post DHL deutlich mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen schicken. Allein in diesem Jahr werden in Deutschland bis Jahresende 5000 zusätzliche Streetscooter in Betrieb genommen, sagte Konzernchef Frank Appel. Damit wären es etwa 20.000. Bis 2030 soll der Anteil der Stromer in der Firma auf der letzten Meile - also auf der Strecke bis zur Paketabgabe - von weltweit etwa 18 Prozent (Ende 2020) auf 60 Prozent steigen. Sollte der Plan umgesetzt werden, wären am Ende dieses Jahrzehnts mehr als 80.000 E-Fahrzeuge für das Unternehmen unterwegs.

Evotec vereinbart RNA-Forschungspartnerschaft

Das Biotech-Unternehmen Evotec hat eine Forschungs- und Entwicklungspartnerschaft auf dem Gebiet der RNA-Forschung mit dem japanischen Pharmakonzern Takeda vereinbart. Evotec erhält Forschungszahlungen und Meilensteinzahlungen und hat darüber hinaus Anspruch auf Umsatzbeteiligungen bei den Produkten, die aus der Kooperation hervorgehen.

Friedrich Vorwerk nennt Details

Beim Börsengang des niedersächsischen Rohrleitungsbauers Friedrich Vorwerk haben die Emissionsbanken die Preisspanne für die Aktie eingeengt. Bei 45 bis 48 Euro sei das Angebot gut durch Investoreninteresse abgedeckt, teilten die Banken mit. Zunächst war eine Preisspanne von 41 bis 56 Euro je Aktie genannt worden. Der Börsengang soll laut Mehrheitseigner MBB um den 25. März erfolgen.

Aida Cruises: Neustart im Hafen von Las Palmas

Der Carnival-Tochter Aida Cruises hat ihre knapp dreimonatige Corona-Zwangspause beendet: Im Hafen von Las Palmas auf Gran Canaria hat am Samstagabend das Kreuzfahrtschiff "Aidaperla" für eine siebentägige Tour rund um die Kanarischen Inseln abgelegt. Wie Firmensprecher Hansjörg Kunze sagte, gibt es ein umfassendes Gesundheits- und Hygienekonzept. So sei die Passagierkapazität stark verringert worden, die Gäste benötigten einen negativen PCR-Test vor der Anreise. Auch sei die medizinische Betreuung inklusive Testkapazitäten an Bord angepasst worden.

Facebook blitzt beim Obersten US-Gericht ab

Das Oberste Gericht der USA hat einer Beschwerde von Facebook gegen eine 15 Milliarden Dollar schwere Sammelklage eine Absage erklärt. Die Richter lehnten es ab, das weltgrößte Internetnetzwerk anzuhören, das gegen eine Wiederbelebung des Gerichtsverfahren vorgehen wollte. Demnach verstößt Facebook gegen das "Wiretap Act" genannte Bundesgesetz, indem das Unternehmen die Besuche von Nutzern auf Internetseiten beispielsweise über seine "Gefällt mir"-Funktion verfolgte.

Die Sammelklage geht auf das Vorgehen des US-Konzerns zwischen April 2010 und September 2011 zurück. Den Gerichtsunterlagen zufolge wurde die Nachverfolgung danach eingestellt. Inzwischen kommt Facebook weltweit auf mehr als 2,4 Milliarden Nutzer - mehr als 200 Millionen davon leben in den USA. Ursprünglich hatte ein Bundesrichter den Fall abgewiesen, der im vergangenen Jahr allerdings wiederbelebt wurde.

Gewinneinbruch bei Saudi Aramco

Der Gewinn des staatlichen saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco ist im vergangenen Jahr aufgrund niedriger Rohölpreise und eines gesunkenen Absatzes um 44 Prozent zurückgegangen. Der Branchengigant meldete am Sonntag einen Jahresüberschuss von 49 Milliarden US-Dollar - das ist ein Rückgang von gut 39 Milliarden Dollar im Vergleich zum Vorjahr.

Deliveroo legt Preisspanne fest

Der Online-Essenslieferdienst Deliveroo schreitet bei seinem geplanten Börsengang in London voran. Das Unternehmen bietet die Aktien in einer Preisspanne von 3,90 bis 4,60 britische Pfund je Papier an. Das Unternehmen will bis zu rund 385 Millionen Aktien ausgeben. Dies entspricht einer geschätzten Marktkapitalisierung von 7,6 bis 8,8 Milliarden Pfund. Deliveroo gehört zu den Gewinnern der Corona-Pandemie, fuhr 2020 aber trotzdem einen Verlust von 226 Millionen Pfund ein. Aus Deutschland hatte sich der Anbieter im Herbst 2019 zurückgezogen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 22. März 2021 um 18:15 Uhr.