Joe Biden in Rom | AP
Marktbericht

Nach Bidens Konjunkturpaket Dow Jones auf Rekordkurs

Stand: 08.11.2021 22:16 Uhr

Auch wenn die US-Börsen ihre Anfangsgewinne heute nicht halten konnten, bleiben Aktien in den USA weiter das Maß der Dinge. Standardwerte waren gefragt, der Dow Jones markierte dabei ein Rekordhoch.

Die Verabschiedung des billionenschweren Infrastrukturgesetzes in den USA hat heute die Kurse an der Wall Street auf neue Rekordhöhen getrieben. Der Leitindex Dow Jones erreichte bei 36.565 Punkten in der Spitze ein weiteres Rekordhoch, konnte die Gewinne dann aber nicht halten. Am Ende schloss der Dow bei 36.432 Punkten um 0,29 Prozent höher.

Der marktbreite S&P-500-Index scheiterte beim Tageshoch von 4714 Punkten knapp am Rekordhoch nur drei Punkte höher. Er fiel im Verlauf ebenfalls noch zurück und ging bei 4701 Zählern aus dem Handel, ein leichter Tagesgewinn von 0,1 Prozent.

"Dieses Infrastrukturgesetz wird bei Unternehmen wie 3M, Caterpillar und anderen Unternehmen, die den Industriesektor antreiben, für einen Schub sorgen, aber wir glauben auch, dass der Werkstoffsektor von diesem Gesetz wirklich profitieren wird", sagte Greg Bassuk, Chef von AXS Investments. Aktien des US-Baumaschinenherstellers Caterpillar verteuerten sich um vier Prozent.

Auch die Aussicht auf einen Touristenboom in den USA nach dem Wegfall der Corona-Reisebeschränkungen sorgte für Rückenwind in der Branche. Reisefirmen und Fluglinien waren gefragt. Des Weiteren stimmen die bislang vorgelegten Quartalszahlen Investoren überwiegend optimistisch.

Über das Wochenende kamen zudem positive Nachrichten aus China. Die Wirtschaft des Landes verzeichnet im Oktober bei einem zwar schwächelnden Binnenmarkt ein überraschend stärkeres Exportwachstum.

Tesla-Aktie nach Musk-Twitter-Aktion unter Druck

An der Nasdaq geht es heute hingegen weniger stürmisch zu. Die Stimmung litt vor allem unter den Kursverlusten beim E-Autobauer Tesla. Die Aktie fiel in der Spitze um über sieben Prozent, was vor allem den Auswahlindex Nasdaq 100 belastete. Dieser gab um 014 Prozent auf 16.334 Punkte nach. Zum Handelsende lösten sich Tesla-Papiere zwar von ihrem Tiefstand, blieben aber mit 4,9 Prozent tief im Minus.

Der Grund für die Probleme heute: Bei einer von Elon Musk angestoßenen Abstimmung auf Twitter hat eine Mehrheit der Teilnehmer für einen Verkauf eines milliardenschweren Aktienpakets des Tesla-Chefs gestimmt. Anleger stellen sich bereits darauf ein, dass nach Musks Anteilsverkauf mehr Tesla-Aktien auf dem Markt sein werden. Der Composite-Index der Nasdaq legte leicht um 0,1 Prozent zu auf 15.982 Punkte.

Pfizer weiter in aller Munde

Papiere des Pharmariesen holten anfängliche Verluste nach leichten Gewinnmitnahmen größtenteils wieder auf. Die Aktie war am Freitag um fast elf Prozent haussiert. Für Kauflaune hatte ein positives Update des US-Konzerns zu seiner Covid-19-Pille gesorgt. Das Medikament mit dem Namen "Paxlovid" soll einer Analyse erster Testergebnisse zufolge das Risiko von Krankenhauseinweisungen und Todesfällen bei Covid-19-Patienten um 89 Prozent senken. Noch gibt es allerdings keine Zulassung.

DAX kaum bewegt

Zum Wochenstart hat sich der deutsche Leitindex DAX kaum bewegt. Der Index ging bei 16.046 Punkten aus dem Handel, ein leichtes Minus von 0,05 Prozent. Auf das am Freitag erzielte Rekordhoch von 16.084 Punkten konnte der Index nichts mehr draufsatteln, er bleibt aber in unmittelbarer Nähe. Am Freitag hatte der DAX bei 16.054 Punkten geschlossen.

Nachdem der Index seit Anfang Oktober um rund 1200 Punkte gestiegen war, ist eine solche Phase nichts Ungewöhnliches. "Insgesamt tut eine Konsolidierung gut", sagte Marktbeobachter Andreas Lipkow von Comdirect. Interesse an Aktien war aber trotzdem vorhanden, denn der MDAX, der Index der mittelgroßen Aktien, stieg um 0,84 Prozent auf 36.123 Punkte.

Im DAX gab es zu Wochenbeginn bei den Einzeltiteln einige größere Kursausschläge. So sackten die Aktien von Henkel am Index-Ende um knapp sechs Prozent ab. Der Konsumgüterkonzern wird wegen der hohen Rohstoff- und Transportkosten für das laufende Jahr pessimistischer. Auch VW-Vorzugsaktien sackten nach einer negativen Analystenmeinung stärker ab. Gefragt waren hingegen wieder Vorzüge von Merck und Sartorius, die am Freitag stärker nachgegeben hatten. Tagessieger waren Siemens Energy.

Die Perspektiven sind attraktiv

Insgesamt hat sich das Umfeld für Aktien in der abgelaufenen Woche deutlich aufgehellt. Denn die vorerst weiter moderate Geldpolitik der großen Notenbanken sowie das neue Corona-Präparat von Pfizer haben ein günstiges Umfeld für die Aktienmärkte geschaffen. "Nach der lebhaften Sitzung in der letzten Woche ist die Uhr wieder auf Null zurückgestellt, da wir, wenn überhaupt, erst in einigen Monaten mit einer Änderung der Geldpolitik rechnen können", sagte David Madden, Marktanalyst bei Equiti Capital.

"Es ist das Beste aus beiden Welten: Die Volkswirtschaften der USA, Großbritanniens und der Eurozone erholen sich in einem anständigen Tempo, und wir erwarten für einige Zeit keine größeren Änderungen seitens der EZB, der Bank of England oder der Fed", so Madden.

Ethereum auf Rekordhoch, Bitcoin knapp darunter

Weiter aufwärts ging es am Markt für Krypto-Währungen. Sowohl die nach Marktwert größte Digitaldevise Bitcoin als auch die Nummer zwei am Markt, Ethereum, steigen auf Rekordniveaus. Der Bitcoin handelte dabei in der Spitze über 66.000 Dollar.

Die Anleger bleiben also risikobereit. Die Kursrally bei Kryptowährungen kann auch als positives Signal für die Aktienmärkte gedeutet werden, hatte sich der Bitcoin doch in der Vergangenheit als zuverlässiger vorlaufender Indikator für die großen Aktienindizes erwiesen.

Gold bleibt gefragt

Der Goldpreis setzt seine Aufwärtsbewegung zu Wochenbeginn ebenfalls fort. Der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls stieg um 0,5 Prozent auf 1825 Dollar. Nach dem starken US-Arbeitsmarktbericht am Freitag hatte der Goldpreis die 1800-Dollar-Marke im Sturm erobert. Der Euro tendiert im US-Handel bei 1,1588 Dollar etwas höher. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1579 (Freitag: 1,1519) US-Dollar fest.

Öl teurer - Saudi Aramco dreht an der Preisschraube

Die Ölpreise blieben auf hohem Niveau, legten heute aber nur moderat zu. Zuvor waren sie noch stärker angezogen. Genährt wurden diese Spekulationen von einer Preiserhöhung durch den weltgrößten Ölkonzern Saudi Aramco. Insgesamt stützt eine vorsichtige Förderpolitik des Ölkartells Opec+ derzeit den Preis. Die hohen Energiepreise gelten immer noch als Hauptrisikofaktor für einen Inflationsanstieg.

Daimler und Visa wollen Auto zum "Zahlungsgerät" machen

Der Autobauer Daimler will seinen Kunden zusammen mit dem US-Finanzriesen Visa Zahlungen etwa fürs Parken direkt aus dem Auto heraus erleichtern. Im Zuge einer Technologiepartnerschaft will der Autobauer sogenannte In-Car-Payments anbieten, die kein Extra-Gerät wie ein Smartphone zur Authentifizierung erfordern. Kunden bräuchten kein Passwort, das Fahrzeug selbst werde zum Zahlungsgerät.

Analyst: VW kann man mit Tesla nicht mithalten

Die Investmentbank Jefferies hat Volkswagen von "Buy" auf "Underperform" abgestuft und das Kursziel von 270 auf 170 Euro drastisch gekappt. Der Autobauer könne mit der rasanten Entwicklung des Elektroautobauers Tesla nicht mithalten, schrieb Analyst Philippe Houchois. Die Wolfsburger seien zu komplex aufgestellt und hätten mit Altlasten sowie dem Regierungseinfluss zu kämpfen. VW Vorzüge gaben 2,06 Prozent nach.

Henkel wegen hoher Kosten pessimistischer

Der Konsumgüterkonzern Henkel wird wegen der hohen Rohstoff- und Transportkosten für das laufende Jahr pessimistischer. Die Ergebniskennziffern 2021 werden nun am unteren Ende der bisherigen Prognosespanne erwartet. Die bereinigte Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll nun bei rund 13,5 Prozent liegen, das bereinigte Ergebnis je Aktie im hohen einstelligen Prozentbereich.

Nordex enttäuscht

Wegen unerwartet höherer Kosten aufgrund der aktuellen Unsicherheit auf den Rohstoff- und Logistikmärkten rechnet der Windkraftanlagenbauer Nordex mit einer deutlich geringeren Ergebnismarge. Anstelle von bislang 4,0 bis 5,5 Prozent werde für das Gesamtjahr ein operatives Ergebnis von 1,0 Prozent erwartet, teilte der Konzern am Abend nach Börsenschluss in Hamburg mit. Allerdings soll der konsolidierte Umsatz nun bei 5,0 bis 5,2 Milliarden Euro liegen. Bislang hatte der Vorstand im schlechtesten Fall mit 4,7 Milliarden Euro gerechnet.

n den ersten neun Monaten des Jahres erzielte Nordex mit 4,0 Milliarden Euro ein Viertel mehr Erlös als noch vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibung stieg um rund 42 Prozent auf 100,7 Millionen Euro. Das entspricht einer Marge von 2,5 Prozent und damit 0,3 Prozentpunkte besser als noch in den ersten neun Monaten 2020. Die Zahlen zum dritten Quartal will der Konzern am kommenden Montag, 15. Dezember, veröffentlichen. Der Aktienkurs von Nordex sackte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um mehr als drei Prozent ab.

BioNTech erholt vom Kurseinbruch

Papiere von BioNTech stiegen an der Nasdaq heute deutlich um rund zwölf Prozent und holten damit einen Teil der schweren Verluste vom Vortag wieder auf. Am Freitag waren sie an ihrer Heimatbörse noch um knapp 21 Prozent eingebrochen, nachdem der Pharmakonzern Pfizer eine wirksame Pille im Kampf gegen Corona in Aussicht gestellt hatte. Der Bedarf an Vakzinen könnte sinken, sobald es wirksame Medikamente gibt.

Siemens Gamesa mit Lieferketten-Problemen

Der Windanlagenbauer Siemens Gamesa rechnet auch im neuen Geschäftsjahr mit Problemen in der Lieferkette sowie der Logistik. Wegen des schwierigen Umfelds geht die Tochter des DAX-Konzerns Siemens Energy im Geschäftsjahr 2021/22 (per Ende September) von einem Umsatzrückgang von zwei bis sieben Prozent aus.

Altprojekt in Chile belastet Hochtief-Ergebnis

Die zwischenzeitliche Beteiligung an einem Bau eines chilenischen Wasserkraftwerks kostet den Baukonzern Hochtief einige Jahre später viele Millionen. Eine Entscheidung in dem Schiedsgerichtsverfahren zu dem Altprojekt in dem südamerikanischen Land, aus dem sich der Konzern bereits 2017 zurückgezogen hat, wird das Ergebnis in diesem Jahr mit rund 195 Millionen Euro belasten.

Börsen-Aus für Zooplus?

Die beiden Finanzinvestoren EQT und Hellman & Friedman wollen den Online-Tierbedarfshändler Zooplus von der Börse nehmen. Den noch verbleibenden Aktionären wird eine Bargegenleistung von 480 Euro je Zooplus-Aktie angeboten. Nach Ablauf der ersten Annahmefrist halten beide Finanzinvestoren den Angaben zufolge rund 82 Prozent des gesamten Zooplus-Grundkapitals.

Milliarden-Deal um McAfee

Eine Gruppe von Finanzinvestoren kauft den IT-Sicherheitskonzern McAfee für eine zweistellige Milliardensumme. Die Beteiligungsgesellschaften, unter anderen Advent und Permira, zahlten 26 Dollar je Aktie, teilte McAfee am Montag mit. Der Konzern werde damit inklusive Schulden mit mehr als 14 Milliarden Dollar (12,1 Mrd Euro) bewertet. Die Transaktion soll in der ersten Hälfte 2022 abgeschlossen werden. Die Investoren planen, McAfee von der Börse zu nehmen. Das Unternehmen soll sich dann auf Sicherheitsanwendungen für Privatkunden fokussieren. Die 26 Dollar entsprechen einem Aufschlag von rund 22,6 Prozent zum Schlusskurs vom Donnerstag, also bevor Übernahmespekulationen aufkamen.

Buffetts Berkshire Hathaway hat so viel Bares wie noch nie

Unterbrechungen der weltweiten Lieferketten haben die Geschäfte der Beteiligungsgesellschaft von Starinvestor Warren Buffett im dritten Quartal belastet. Das operative Ergebnis blieb mit einem Plus von 18 Prozent auf 6,47 Milliarden Dollar hinter den Markterwartungen zurück. Durch den Verkauf von Aktienpaketen machte Berkshire allerdings auch Kasse: Die Gesellschaft verfügt nun über Barmittel von 142,9 Milliarden Dollar - so viel wie noch nie.