Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Nasdaq verliert US-Job-Daten sorgen für Unbehagen

Stand: 07.01.2022 22:26 Uhr

US-Anleger mussten heute durchwachsene Arbeitsmarktdaten verarbeiten. Dabei verstärkten sich die Sorgen vor einem schnellen Bremsmanöver der Notenbank Federal Reserve. Auch der DAX fiel zurück.

Der US-Arbeitsmarktbericht für Dezember hat zum Wochenschluss auf beiden Seiten des Atlantiks den Sorgen vor steigenden Zinsen neue Nahrung gegeben. Die Kurse gaben überwiegend weiter nach.

An der New Yorker Aktienbörse konnte sich nur der Leitindex Dow Jones dem allgemeinen Abwärtstrend am ehesten entziehen und schloss kaum verändert. Am Ende ging der Dow bei 36.231 Punkten aus dem Handel, ein Mini-Verlust von 0,01 Prozent oder 4,81 Punkten.

Stärker im Verlust schlossen die Technologieaktien, die Nasdaq gab 0,96 Prozent nach auf 14.935 Punkte. Der Auswahlindex Nasdaq 100 beendete den Handel bei 15.592 Zählern, ein Minus von 1,10 Prozent. Der marktbreite S&P-500-Leitindex verlor 0,41 Prozent auf 4677 Punkte.

Durchwachsene Arbeitsmarktdaten

Der offizielle Jobbericht war nach den sehr starken Daten des privaten Dienstleisters ADP vom Mittwoch mit großem Interesse erwartet worden. Er fiel zwar mit Blick auf den Stellenaufbau erneut schwächer aus als prognostiziert, doch "vor dem Hintergrund der auf 3,9 Prozent gesunkenen Arbeitslosenquote und der kräftigen Lohnsteigerungen dürfte sich die US-Notenbank in der beschlossenen, schnelleren Gangart bei der Rückführung der Anleihekäufe aber bestätigt sehen", kommentierte Ökonom Ralf Umlauf von der Helaba.

"Ein chaotischer, verwirrender Arbeitsmarktbericht", kommentierte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Es stelle sich die Frage, ob mehr Jobs geschaffen wurden als ausgewiesen oder ob die Zahlen auf einen Arbeitskräftemangel hinwiesen. "Von beidem etwas, aber es gibt klare Hinweise auf eine Lohn-Preis-Spirale, die nicht ignoriert werden können."

Konkret lagen die Daten mit 199.000 neu geschaffenen Stellen deutlich unter den etwa doppelt so hoch liegenden Erwartungen der Analysten, gleichzeitig fiel die Arbeitslosenquote aber um 0,3 Prozentpunkte auf 3,9 Prozent. Sie liegt damit wieder auf dem Stand von vor der Krise. Zudem stiegen die Löhne um 0,6 statt der erwarteten 0,4 Prozent.

Zur Wochenmitte hatte das Protokoll zur jüngsten Fed-Sitzung die Zinserwartungen der Marktteilnehmer in die Höhe und die Aktienkurse in die Tiefe getrieben. Am Markt wird nun bereits für die Sitzung im März mit der ersten Zinserhöhung gerechnet. Die Fed hatte die steigenden Inflationsraten lange Zeit als "vorübergehendes Phänomen" eingestuft, musste von dieser Einschätzung jedoch zuletzt abrücken.

DAX fällt unter 16.000 Punkte

Die zur Wochenmitte begonnene Korrektur im DAX setzte sich heute in Anbetracht zahlreicher Belastungsfaktoren für den Markt fort. Der DAX verlor am Ende 0,65 Prozent und fiel bei einem Schlussstand von 15.947 Punkten wieder unter die Marke von 16.000 Punkten. Im Vergleich zum letzten Handelstag der Vorwoche, dem 30.12.2021, hat sich der DAX aber kaum bewegt.

Der deutsche Leitindex weitete heute seine Verluste nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts für Dezember aus, der neue Zins- und Inflationsängste schürte.

Diese Zahlen dürften der US-Notenbank Fed nicht gefallen, sagte Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. "Das Tempo des Stellenaufbaus sollte ein schnelleres sein." Gleichzeitig steige durch die höheren Gehälter die Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale. Experten hatten im Vorfeld mit etwa der doppelten Anzahl neuer Jobs in den USA gerechnet.

Hinzu kamen Bedenken um weiter steigende Ölpreise, nachdem aus Kasachstan über Unruhen berichtet wird. Auch die Infektionsdynamik des Omikron-Virus bleibt extrem hoch, Bund- und Länder haben heute die Bestimmungen verschärft.

Hohe Inflation im Euroraum

Zins- und Inflationssorgen gibt es derzeit aber nicht nur in den USA. Denn die Inflation in der Euro-Zone ist dem EZB-Chefvolkswirt Philip Lane zufolge hartnäckiger als gedacht. Die Teuerungsrate werde in diesem Jahr zwar sinken, aber über dem langfristigen Ziel der Europäische Zentralbank verharren, sagte Lane heute dem irischen Sender RTE.

Die EZB strebt mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft an. Die Inflation im Euro-Raum ist im Dezember überraschend auf ein Rekordhoch gestiegen. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich 5,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Ölpreise fallen nach US-Jobdaten zurück

Das Inflationsszenario der großen westlichen Notenbanken dürfte maßgeblich davon, abhängen, ob der drastische Anstieg der Energiepreise unter Kontrolle gebracht werden kann. Danach sah es heute zumindest in der kurzfristigen Betrachtungsweise jedoch nicht aus.

Vielmehr trieben Angebotssorgen wegen der Unruhen in Kasachstan die Ölpreise zum Wochenschluss zunächst weiter in die Höhe. Der Preis für die Nordseesorte Brent kletterte in der Spitze bis auf 83 Dollar je Barrel, den höchsten Stand seit mehr als sechs Wochen. Auch die US-Leichtölsorte WTI legte deutlich zu. Nach den US-Arbeitsmarktdaten fielen die Notierungen allerdings wieder zurück, sie bleiben aber insgesamt auf sehr hohem Niveau.

Die Aufstände in der ehemaligen Sowjet-Republik schürten zuvor Befürchtungen, die dortige Ölproduktion könnte ebenfalls beeinträchtigt sein, erklärt Commerzbank-Rohstoff-Experte Carsten Fritsch. Kasachstan produziert laut Fritsch knapp 1,7 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und gehört damit zu den größeren Produzentenländern innerhalb der OPEC+. Neben Kasachstan nährten aber auch zeitweilige Produktionsrückgänge in Libyen die Angebotssorgen, so der Experte.

Goldpreis unter 1800 Dollar

Die Spekulation auf eine straffere Geldpolitik setzt derweil den Goldpreis unter Druck. Der Preis für die Feinunze Gold kostete 1795 Dollar und damit etwas so viel wie am Vortag. Damit konnte das gelbe Edelmetall die Marke von 1800 Dollar nicht zurückerobern. Steigende Zinsen machen Gold als Anlageklasse unattraktiver, wirft Gold doch selbst keine Zinsen oder Dividenden ab.

Der Euro legt zu

Der Euro hat am Freitag nach der Veröffentlichung des US-Arbeitsmarktberichts zugelegt. Im US-Handel kostet die Gemeinschaftswährung 1,1359 US-Dollar, ein Plus von 0,6 Prozent. Im frühen Handel hatte sie noch knapp unter 1,13 Dollar notiert. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1298 (Donnerstag: 1,1315) Dollar fest.

Auch der europäische Devisenhandel stand ganz im Zeichen der US-Daten und der Inflationsdaten aus der Eurozone. Nach Einschätzung von Commerzbank-Analyst Christoph Weil dürfte es noch bis zum Herbst dauern, bis die Inflationsrate wieder auf das von der EZB anvisierte Ziel von zwei Prozent fallen wird. Die Commerzbank rechnet aber weiter fest damit, dass die EZB die Leitzinsen in diesem Jahr noch nicht erhöhen wird.

Bitcoin auf Drei-Monats-Tief

Für Bitcoin geht es weiter bergab: Die größte und älteste Cyber-Devise verlor in der Spitze bis zu fünf Prozent auf 40.959 Dollar und markierte damit den niedrigsten Stand seit mehr als drei Monaten. Ethereum fiel in der Spitze um knapp neun Prozent ebenfalls auf ein Drei-Monats-Tief von 3129 Dollar. "Bitcoin hat seinen Weg ins Jahr 2022 verschlafen", kommentiert Craig Erlam vom Brokerhaus Oanda. Im weiteren Verlauf erholten sich die Kurse etwas.

Infineon dank Samsung an DAX-Spitze

Im DAX gehörte die Infineon-Aktie zu den Gewinnern. Papiere des Halbleiterherstellers wurden von einem Ergebnissprung bei Samsung Electronics beflügelt. Samsung Electronics hat dank der hohen Nachfrage nach Speicherchips das höchste Betriebsergebnis seit vier Jahren eingefahren.

Zins-Spekulationen beflügeln Bank-Aktien

Europaweit legten Bankenwerte zu. Im DAX konnte sich die Deutsche Bank gegen den negativen Markttrend stemmen und ging als Tagessieger aus dem Handel. Auch die im MDAX notierte Commerzbank verzeichnete deutliche Gewinne. Tags zuvor waren an der Wall Street Papiere von Goldman Sachs, Citigroup und JPMorgan gefragt gewesen. Die Geldhäuser gelten als natürliche Profiteure steigender Zinsen.

Deutsche Bank hält an Jahreszielen fest

Die Deutsche Bank rechnet weiter mit dem Erreichen ihrer Rendite- und Effizienzziele für das laufende Jahr. Er sei "sehr zuversichtlich", dass die Bank ihre selbst gesetzten Vorgaben erfüllen werde, sagte Finanzvorstand James von Moltke dem "Handelsblatt". "Das Renditeziel von acht Prozent ist unser Nordstern, die zentrale Orientierung für die gesamte Bank und den gesamten Umbau."

Volkswagen in USA gut unterwegs

Trotz anhaltenden Chipmangels und eines Dämpfers im Schlussquartal hat Volkswagen im vergangenen Jahr deutlich mehr Autos auf dem US-Markt verkauft. Dank gefragter SUV-Modelle wie Atlas und Tiguan brachte der Wolfsburger DAX-Konzern dort laut Mitteilung von heute 2021 insgesamt 375.030 Autos an die Kundschaft - gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Allerdings liefen die Geschäfte zum Jahresende erheblich schlechter - im letzten Quartal ging der Absatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp elf Prozent auf 84 336 Fahrzeuge zurück. Anhaltende Engpässe bei der Chipversorgung und andere Probleme in den Lieferketten haben den US-Automarkt in den vergangenen Monaten kräftig ausgebremst.

Chip-Krise lastet auf dem Mercedes-Absatz

Der weltweite Mangel an Computerchips hat der Daimler-Pkw-Tochter Mercedes-Benz einen Dämpfer verpasst. Im vergangenen Jahr seien weltweit 2,05 Millionen Fahrzeuge verkauft worden und damit fünf Prozent weniger als im coronabedingt schwachen Vorjahr, teilte der Autobauer heute mit.

Im vierten Quartal brach der Absatz der Marke mit dem Stern fast um ein Viertel ein. Die Nachfrage sei in allen Segmenten und Regionen zwar hoch. "Allerdings bremste der branchenweite Mangel an Halbleitern die Auslieferung von neuen Fahrzeugen stark aus", erklärte der Autobauer.

Mercedes-Benz hat damit erstmals seit fünf Jahren den Titel der weltweit absatzstärksten Premiummarke an BMW verloren. Die Münchner hatten in dieser Woche bereits Platz eins im traditionellen Kopf-an-Kopf-Rennen für sich reklamiert und eine Rekordzahl ihrer Kernmarke von mehr als 2,2 Millionen angekündigt.

CES-Auto von BMW wechselt die Farbe

BMW hat auf der Technik-Messe CES in Las Vegas ein Auto präsentiert, das die Farbe wechseln kann. Das auf den Modellnamen iX getaufte Elektrofahrzeug hat eine spezielle Ummantelung, die ähnlich wie das E-Ink-Display eines E-Book-Readers funktioniert. Dadurch kann es zwischen den Farben Weiß und Dunkelgrau changieren. BMW sprach von einem Forschungs- und Design-Projekt.

Ryanair gibt Basis in Frankfurt auf

Europas größter Billigflieger Ryanair gibt seine Basis am Frankfurter Flughafen auf. Die fünf dort noch stationierten Flugzeuge würden zum 31. März dieses Jahres auf kostengünstigere Flughäfen umverteilt, teilte das irische Unternehmen mit. Als Grund nannte die Gesellschaft die zum Jahreswechsel erhöhten Start- und Landegebühren am größten deutschen Flughafen. Passagiere mit bereits gebuchten Tickets würden in den kommenden Tagen benachrichtigt und erhielten Rückerstattungen.

T-Mobile-Ausblick gefällt nicht

Auf Unternehmensseite standen in New York die Aktien von T-Mobile US im Blickfeld, der Kurs sank um fünf Prozent deutlich. Die Telekom-Tochter hat im vierten Quartal in den USA wieder viele Kunden geködert. Die Anleger reagierten allerdings enttäuscht darauf, dass T-Mobile US 2022 mit einer branchenweiten Abkühlung des zuletzt starken Zulaufs an Neukunden rechnet.

"New York Times" übernimmt "The Athletic"

Der US-Medienkonzern New York Times Company will sein Digitalgeschäft mit dem Kauf des Online-Sportmagazins "The Athletic" verstärken. Der Verlag hinter der traditionsreichen Tageszeitung "New York Times" zahlt für die Übernahme 550 Millionen Dollar in bar. "The Athletic" wurde 2016 gegründet und verfolgt bislang ein striktes Abo-Modell mit konsequenter Bezahlschranke ohne Werbeanzeigen.

Über dieses Thema berichtete BR24 Börse am 07. Januar 2022 um 18:12 Uhr.