Broker handeln an der New Yorker Börse | picture alliance / newscom
Marktbericht

Hochvolatiler Handel Wilder Ritt an der Wall Street

Stand: 25.01.2022 22:28 Uhr

Es war heute erneut ein hochvolatiler Handelstag an der Wall Street vor der wichtigen Zinssitzung der Fed am Mittwoch. Derweil brachte die laufende Berichtssaison so manche positive Überraschung.

Starke Nerven haben die Anleger heute auch an der Wall Street gebraucht, ähnlich wie am heimischen Markt. Auf eine schwungvolle Erholung im späten Vortageshandel folgte zunächst wieder eine Flucht der Anleger, ehe der Abgabedruck dann nachließ, um gegen Ende der Sitzung erneut zuzunehmen. Standardwerte schlugen sich dabei besser als die Nasdaq.

"Wir leben in einer Welt, in der die meisten Marktteilnehmer noch nie einen Zinserhöhungszyklus miterlebt haben", sagte Aktienhändler Keith Temperton vom Brokerhaus Forte Securities. "Alles, was sie kennen, ist eine Fed, die Geld in die Märkte pumpt. Daher ist das jetzt ein Schock."

1000 Punkte Schwankungsbreite im Dow Jones

Der Dow Jones Industrial büßte zeitweise nochmals mehr als zwei Prozent ein. Gut aufgenommene Quartalszahlen einiger Indexmitglieder halfen allerdings dabei, dass er sein Minus danach verringern konnte und zwischenzeitlich sogar ins Plus drehte. Die Schwankungsbreite war erneut hoch, zwischen 33.545 und 34.591 waren es mehr als 1000 Punkte. Am Ende standen 34.297 Punkte, ein Tagesverlust von moderaten 0,19 Prozent.

Zinsängste lasten besonders auf der Nasdaq

Börsianern zufolge ist es die große Frage, wie die Notenbank Fed künftig den Spagat schafft, die hohe Inflation zu bekämpfen und gleichzeitig die Finanzmärkte vor einer Schieflage zu bewahren.

Die Strategen von Goldman Sachs warnen inzwischen vor einem inflationsbedingten Zinsschock, der auch die Gefahr eines Wachstumsschocks mit sich bringe. Das Risiko dafür sei recht hoch, auch weil der Inflationsdruck derzeit viel größer sei als etwa zu Beginn der 1980er-Jahre, hieß es. Besonders für stärker verschuldete Unternehmen aus der Technologiebranche wird die Perspektive steigender Zinsen schon länger als Problem angesehen.

Dementsprechend tat sich die Technologiebörse Nasdaq schwerer. Bei ebenfalls volatilem Handel schloss sie bei 13.539 Zählern, ein Minus von 2,28 Prozent. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 2,48 Prozent auf 14.149 Punkte. Die Tech-Indizes hatten im Tief um fast drei Prozent nachgegeben. Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Standard, als auch Technologiewerte enthalten sind, schloss bei 4356 Punkten um 1,23Prozent tiefer.

Die Aktien von Nvidia prägten dabei das Bild im weiterhin schwachen Chipsektor. Der Grafikkarten-Spezialist rechnet Insidern zufolge nicht mehr mit der Übernahme des Chip-Designers Arm. Zeitweise verloren die Aktien fast sechs Prozent, zuletzt reduzierte sich der Abschlag um 4,48 Prozent auf 223,24 Dollar.

Berichtssaison in vollem Gang - Microssoft-Aktie unter Druck

Zwar blicken derzeit die Anleger primär auf die Notenbank und ihre Geldpolitik, gleichzeitig sorgte aber die laufende Berichtssaison der Unternehmen heute überwiegend für gute Laune, zumindest bei Standardaktien. Am Abend nach Börsenschluss legte dann noch Microsoft-Zahlen vor, die zwar besser als erwartet ausfielen, trotzdem sackte die Aktie in einem für Tech-Aktien schwachen Gesamtmarktumfeld nachbörslich über drei Prozent ab.

Vor allem sprudelnde Umsätze der Cloud-Sparte Azure haben das Geschäft von Microsoft angeschoben. Von Oktober bis Dezember kletterte der Umsatz um ein Fünftel auf 51,7 Milliarden Dollar, wie der US-Konzern mitteilte. Das lag über den Erwartungen von Analysten. Der Gewinn legte um 21 Prozent auf 18,8 Milliarden Dollar zu.

Dem weltgrößten Softwarekonzern kommt der Trend zum hybriden Arbeiten - der Kombination von Zeiten im Homeoffice und im Büro - zu Gute. Um das zu realisieren, benötigen Firmen Speicherplatz und Anwendungen in der Cloud, auf die jeder von überall Zugriff hat. Microsoft hatte erst vergangene Woche mit der Übernahme des Call-of-Duty-Machers Activision Blizzard Schlagzeilen geschrieben. Für den Computerspielehersteller will der Konzern 69 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

Volatiler Handel an der Frankfurter Börse

Der DAX hat bei nervösem Handel zwischen 14.979 und 15.205 Zählern geschwankt und dabei des Öfteren die Richtung gewechselt. Am Ende erholte sich der deutsche Leitindex um 0,75 Prozent und schloss bei 15.123 Punkten. Damit behauptete der Index die Marke von 15.000 Punkten, die er im Verlauf schon unterschritten hatte.

Nach dem scharfen Rückschlag von gestern machte der DAX damit einen kleinen Teil seiner Verluste vom Vortag wieder wett. Belastet wurde die Nachmittagstendenz insbesondere von der schwachen Wall Street, ehe zum Handelsschluss doch noch etwas Interesse aufkam.

Ifo-Index überraschend stark

Geholfen hatte nach holprigem Start ein überraschend positiver Ifo-Geschäftsklimaindex, der am Vormittag über den Erwartungen lag. Der Ifo-Index stütze "unsere Prognose, dass sich die deutsche Wirtschaft ab dem Frühsommer kräftig erholen wird, wenn die Corona-Welle abebben dürfte", sagt Jörg Krämer, Chefvolkswirt bei der Commerzbank.

Boden erreicht?

Die markttechnisch orientierten Investoren fragen sich derweil, ob der Tiefpunkt bereits erreicht ist. Angesichts der nun erreichten, schon seit einem Jahr wichtigen Wendezone um 14.800/15.000 Punkte sei jetzt eine Bodenbildung wahrscheinlich, kommentiert Andreas Büchler, Marktbeobachter bei Index Radar. Seiner Ansicht nach hat der DAX nun ein Erholungspotenzial bis etwa 15.300/15.425 Punkte.

Die Fed-Sitzung steht über Allem

Das alles überragende Thema aber war und ist die Zinssitzung der Fed, deren Ergebnisse morgen Abend ab 20:00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (MEZ) bekannt gegeben werden. Die Anleger erhoffen sich Klarheit über den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank. Dieser hat Auswirkungen nicht nur auf den Kapitalmarkt, sondern auch auf alle anderen Anlageklassen.

"Die nächsten paar Tage werden von großer Bedeutung sein. Vieles könnte von der morgigen Mitteilung der Fed abhängen und davon, ob sie das richtige Gleichgewicht zwischen dem Ernstnehmen der Inflation und einer nicht zu aggressiven Zinserhöhung findet. Es ist ein Drahtseilakt, aber wenn die Zentralbank das richtige Gleichgewicht findet, könnten diese Niveaus mehr verlockend sein", kommentiert Craig Erlam vom Broker Oanda.

Euro bei 1,13 Dollar

Der Euro wurde am Dienstag trotz des positiven Ifo-Index die meiste Zeit des Tages unter 1,13 US-Dollar gehandelt. Die Gemeinschaftswährung erreichte im Handelsverlauf den tiefsten Stand seit Ende Dezember, notierte aber zuletzt im US-Handel wieder etwas stärker bei 1,1301 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1268 (Montag: 1,1304) Dollar fest.

Für Verunsicherung sorgen die absehbar straffere US-Geldpolitik, die den Zinsvorsprung noch verstärken wird, und die Ukraine-Krise. Devisenhändler greifen in diesem Umfeld zudem vermehrt zu Währungen, die als sichere Alternativen gelten. Dazu zählen neben Dollar auch der japanische Yen und der Schweizer Franken.

US-Hauspreise bleiben auf hohem Niveau

Der Anstieg der US-Hauspreise hat sich im November auf hohem Niveau weiter abgeschwächt. In den 20 großen Metropolregionen der Vereinigten Staaten stiegen die Preise gegenüber dem Vorjahresmonat um 18,3 Prozent, wie aus dem in New York veröffentlichten S&P/Case-Shiller-Index hervorgeht. Im Vormonat hatte der Anstieg noch 18,5 Prozent betragen. Analysten hatten im Schnitt mit 18,0 Prozent gerechnet.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Preise im November um 1,2 Prozent, nach 1,0 Prozent im Vormonat. "In den vergangenen Monaten sind die Hauspreise mit einer sehr hohen, aber zurückgehenden Rate gestiegen", sagte Direktor Craig Lazzara von S&P. Dieser Trend habe sich im November fortgesetzt. Der starke Anstieg der Häuserpreise wurde durch die Corona-Pandemie ausgelöst. Viele Menschen zog es aus den großen Städten in die Vorstädte.

American Express verdient prächtig - Aktie haussiert

Bereits vor Börsenstart hatte Dow-Mitglied American Express vorgelegt. Trotz der neuen Corona-Welle durch die Omikron-Variante laufen die Geschäfte beim Kreditkarten- und Finanzkonzern weiter rund. Im vierten Quartal stiegen die Erlöse im Jahresvergleich um 30 Prozent auf 12,1 Milliarden Dollar.

Laut Vorstandschef Stephen J. Squeri wurden Kreditkartenausgaben auf "Rekordniveau" verzeichnet. Unterm Strich verdiente American Express 1,7 Milliarden Dollar und damit 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Trotz Omikron legte das Zahlungsvolumen der Kreditkartenkunden des Konzerns überraschend stark zu. Die Quartalszahlen übertrafen die Erwartungen der Analysten deutlich. American Express hob zudem die Umsatzziele für das laufende Geschäftsjahr an und will erstmals seit 2019 die Quartalsdividende erhöhen. Die Anleger waren begeistert und trieben das Papier mit einem Plus von XXX Prozent an die Dow-Spitze.

IBM-Zahlen kommen gut an

Auf die gestern Abend nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen von IT-Urgestein IBM reagierte der Kurs des Dow-Konzerns ebenfalls mit einem Plus von XXX Prozent. Eine starke Nachfrage nach Cloud-Software und IT-Services hatte IBM das größte Umsatzplus seit Jahren beschert.

Der Nettogewinn legte um knapp eine Milliarde auf 2,33 Milliarden Dollar beziehungsweise 2,57 Dollar je Aktie zu. Der Konzern bekräftigte seine Prognose für ein Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich im laufenden Jahr, verglichen mit 3,9 Prozent im letzten Jahr. Die Analysten der DZ Bank sprachen von einem ermutigenden Start für die "schlankere" IBM.

Johnson & Johnson mit Umsatz- und Gewinnsprung

Der US-Pharma- und Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson (J&J) aus dem Leitindex Dow Jones hat im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Dazu trugen vor allem das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Arzneien sowie mit dem Corona-Impfstoff bei, wie J&J vor Börseneröffnung mitteilte. Die Aktie des Indexschwergewichts zog ebenfalls an.

Im neuen Jahr will das Unternehmen zwar die Erlöse weiter steigern und noch mehr verdienen. Das Wachstumstempo dürfte allerdings nachlassen, wohl auch weil mit weniger Einnahmen mit dem Vakzin des Konzerns zu rechnen ist. Für 2022 erhofft sich die Unternehmensspitze nunmehr drei bis dreieinhalb Milliarden Dollar Erlös durch den Impfstoff. Zum Vergleich: Allein im Schlussquartal brachte das Vakzin noch einen Umsatz von mehr als 1,6 Milliarden Dollar.

Verizon über der eigenen Prognose

Der US-Telekomriese Verizon aus dem Dow Jones hat seine mehrfach erhöhten Jahresziele erfüllt und will 2022 noch einen draufsetzen. Der für die Branche spannende Umsatz mit Mobilfunk-Serviceleistungen solle um rund neun bis zehn Prozent steigen, teilte das Unternehmen in New York mit.

Ohne den Zukauf des Telekomunternehmens TracFone erwartet der Vorstand ein Plus von mindestens drei Prozent. 2021 erlöste Verizon insgesamt 68,5 Milliarden US-Dollar (60,5 Mrd Euro) mit Mobilfunk-Dienstleistungen, was mit einem Plus von 4,7 Prozent mehr war als vom Management in Aussicht gestellt wurde.

3M wie erwartet

Dank einer starken Nachfrage nach Schutzmasken infolge der Omikron-Ausbreitung im Schlussquartal hat der US-Mischkonzern 3M, ebenfalls aus dem Dow-Jones-Index, seine Ziele erreicht. Insgesamt sei der Jahreserlös um knapp zehn Prozent auf 35,4 Milliarden US-Dollar (31,3 Mrd Euro) gestiegen, teilte das für seine gelben Post-It-Zettel bekannte Unternehmen am Dienstag in St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota) mit. Damit erreichte 3M das obere Ende seiner eigenen Zielvorgabe. Der Gewinn stieg um neun Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar.

Lufthansa hat Italien im Visier

Die Lufthansa nimmt mit einem starken Partner Kurs auf das langgehegte Ziel Italien. Gemeinsam mit der großen Container- und Kreuzfahrtreederei MSC aus Genf strebt Europas umsatzstärkster Luftverkehrskonzern die mehrheitliche Übernahme der Alitalia-Nachfolgerin ITA Airways an, wie alle Beteiligten bestätigt haben. Lufthansa-Aktien stiegen um 1,78 Prozent auf 6,68 Euro.

Rückstellungen für Rechtsfälle lasten auf Credit Suisse

Kosten für juristische Auseinandersetzungen drücken die skandalgeplagte Schweizer Großbank Credit Suisse im Schlussquartal 2021 in die roten Zahlen. 500 Millionen Franken müssten für bedeutende Rechtsstreitigkeiten zurückgestellt werden. Teilweise würden die Kosten ausgeglichen durch Gewinne aus Immobilienverkäufen in Höhe von 225 Millionen Franken. Aber unter dem Strich werde ein Verlust im vierten Quartal anfallen, sagte eine Sprecherin. Vor Abzug der bereits angekündigten Goodwill-Wertminderung von rund 1,6 Milliarden Franken rechnet der Erzrivale der Deutschen Bank mit einem in etwa ausgeglichenen Vorsteuerergebnis.

Ericsson mit starkem Quartal

Der schwedische Netzwerkausrüster Ericsson hat trotz der Probleme in China im vergangenen Jahr mehr verdient. Das um die Kosten für den Konzernumbau bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei um elf Prozent auf 32,3 Milliarden Kronen geklettert, teilte der Nokia-Konkurrent mit. Der Umsatz blieb konzernweit trotz des Rückgangs in China stabil bei rund 232 Milliarden schwedischen Kronen, das entspricht rund 22 Milliarden Euro. Umsatz und Ergebnis fielen damit besser als von Experten erwartet aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Januar 2022 um 09:00 Uhr.