Schild "Nasdaq" | REUTERS
Marktbericht

Weiter auf Rekordkurs Die Nasdaq ist nicht zu stoppen

Stand: 28.06.2021 22:27 Uhr

An der New Yorker Aktienbörse haben die Anleger heute umgeschichtet. Raus aus den Standardwerten, rein in die Technologieaktien. Derweil stiegen auch in den USA die Corona-Sorgen.

In New York haben die Anleger zum Wochenstart ganz auf Technologieaktien gesetzt und im Gegenzug Standardwerte abverkauft. Die Nasdaq markierte im Handelsverlauf bei 14.505 Punkten ein weiteres Rekordhoch, auch der Auswahlindex Nasdaq 100 setzte bei 14.530 Punkten eine erneute Bestmarke. Am Ende ging der Composite-Index bei genau 14.500 Punkten um 0,98 Prozent höher aus dem Handel, der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 14.524 Punkten um 1,25 Prozent höher. Damit ging heute der jüngste Rekordlauf der Nasdaq weiter.

Der Leitindex Dow Jones gab im Gegenzug um 0,44 Prozent nach und schloss bei 34.283 Zählern. Der marktbreite S&P-500-Index, in dem sowohl Technologie- als auch Standardwerte enthalten sind, erreichte im Verlauf bei 4292 ebenfalls ein weiteres Rekordhoch und schloss am Ende bei 4290 Punkten um 0,23 Prozent höher.

Niemand will die Party verpassen

Papiere von Intel, Salesforce, Apple, Nvidia und Microsoft führten die Gewinnerlisten mit deutlichen Zuwächsen an und markierten zum Teil weitere Rekordstände. Es sei ermutigend, dass die Anleger in Tech-Aktien umschichteten, statt ihre Bestände breit abzuverkaufen, sagte Investmentstratege Sam Stovall vom Handelshaus CFRA. "Es gibt mehr Angst, etwas zu verpassen als die Angst, Geld zu verlieren, und das ist bei Technologieaktien sehr ausgeprägt", sagte Händler Dennis Dick von Bright Trading. Vor allem da die Sorgen über eine steigende Inflation abebbten, griffen die Investoren verstärkt zu Wachstumsaktien.

Facebook erstmals mehr als ein Billion Dollar wert

Besonders im Fokus stand dabei die Facebook-Aktie. Eine gegen Facebook abgewiesene Wettbewerbsklage hat am Montag die Aktien des Sozialen Netzwerks in die Höhe katapultiert. Nicht nur ein Rekordhoch wurde erreicht, sondern erstmals übersprang der Börsenwert des Unternehmens auch die Marke von einer Billion US-Dollar (840 Milliarden Euro). Zuletzt stiegen die Papiere um 4,2 Prozent auf 355,64 Dollar. Der Börsenwert lag damit bei etwas über einer Billionen Dollar. Auslöser des Kurssprungs war, dass ein Gericht in den Vereinigten Staaten die Kartellbeschwerde der US-Wettbewerbsbehörde FTC abgewiesen hat. Damit sei die Sorge gewichen, dass Facebook sich womöglich von Instagram und WhatsApp hätte trennen müssen, hieß es am Markt.

Corona ist auch an der Street wieder ein Thema

Nachdem zuletzt allerdings der weitere Zinskurs der US-Notenbank Federal Reserve alleine die Schlagzeilen beherrschte, kehren Corona-Sorgen nun auch an die Wall Street zurück. Die Angst vor neuen Reiserestriktionen setzte den Tourismusaktien zu. Die Kreuzfahrtschiff-Betreiber Carnival, Royal Caribbean und Norwegian fielen deutlich, der Airlines-Sektor gibt mehr als drei Prozent ab.

Grundsätzlich gibt es den Börsenstrategen zufolge aber weiterhin Luft nach oben. "Es bleibt abzuwarten, ob dies die mehrwöchige Rallye umkehrt oder nur eine Pause vor weiteren Kursgewinnen für die Aktienmärkte bietet", sagte Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Handelshaus ThinkMarkets. "Die Anleger haben bisher jeden Rücksetzer zum Kaufen genutzt, dank der anhaltenden Konjunkturhoffnungen und vor allem der Unterstützung der Notenbanken."

Warten auf den US-Arbeitsmarktbericht

Aus fundamentaler Perspektive dürfte die Gelassenheit der Anleger im Lauf der Woche auf einen neuen Prüfstand gestellt werden. Am Freitag steht das Highlight der Börsenwoche an: der US-Arbeitsmarktbericht für Juni. Anleger und Marktbeobachter werden vor allem die frischen Zahlen zu den Löhnen genau unter die Lupe nehmen. Sollten diese stärker steigen, dürfte das neue Ängste vor einer Lohn-Preis-Spirale entfachen.

"Käme es tatsächlich zu einer Lohn-Preis-Spirale, würde die Erwartung der Fed, dass es sich bei der gestiegenen Inflation lediglich um ein temporäres Phänomen handelt, jedenfalls einen herben Dämpfer erleiden", unterstreicht auch Aktienstratege Uwe Streich von der Landesbank LBBW.

Viel Nervosität am deutschen Markt

Gleich mehrfach hat der deutsche Leitindex DAX heute das Vorzeichen gewechselt um am Ende des Tages bei 15.554 Zählern aus dem Handel zu gehen, ein Tagesverlust von 0,34 Prozent. Immer stärker in den Vordergrund drängen Nachrichten zur Ausbreitung der neuen Delta-Variante des Coronavirus, die für eine zunehmend eingetrübtere Stimmung der Anleger sorgen. Vor allem Reise und Freizeitaktien gaben nach.

Ansonsten haben sich Bullen und Bären weiter belauert, wie schon in den jüngsten Handelstagen. Der DAX pendelte zischen 15.542 und 15.668 Zählern. "Es ist weiterhin eine Mischung aus Optimismus und Zurückhaltung, die das Geschehen an der Frankfurter Börse kennzeichnet, und so dürfte sich der Seitwärtstrend zunächst fortsetzen", bemerkte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Broker Axi. Er verwies aber auch auf die zunehmenden Sorgen um die rasche Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus in Europa.

Warnung vor der vierten Corona-Welle?

Zwar sind die Infektionszahlen hierzulande weiter gering, der Vormarsch der Delta-Variante sorgt aber zunehmend für Besorgnis, nicht nur an der Börse. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder rechnet damit, dass Delta auch in Deutschland bald weit verbreitet ist. "Die Delta-Variante zu ignorieren, wäre ein schwerer Fehler. Wir dürfen auf keinen Fall den Kopf in den Sand stecken und glauben, es zieht an uns vorbei wie ein leichtes Sommergewitter", so Söder.

Die Bundesregierung verschärft die Corona-Einreiseverordnung trotzdem vorerst nicht. Bei Beratungen von Bund und Länder am Montag habe sich ergeben, dass die Mehrheit der Bundesländer keine Verschärfung wolle, hieß es am Abend in Medienberichten, die sich auf Teilnehmerkreise beziehen. Allerdings waren ohnehin keine Entscheidungen in dem Gespräch zwischen dem Kanzleramt und den Staatskanzleichefs der Länder geplant.

Freizeitaktien unter Druck

Im DAX gingen Gewinne und Verluste quer durch alle Branchen. Autowerte schwächelten stärker nach negativen Analystenkommentaren, Freizeit- und Reiseaktien gaben wegen der gestiegenen Corona-Sorgen stärker nach.

Im MDAX gehörten Lufthansa und der Flughafenbetreiber Fraport zu den schwächster Wert. "Die Anleger wachen allmählich auf und erkennen, was da langfristig auf den Sektor zukommen könnte", sagte Marktstratege Michael Hewson vom Handelshaus CMC Markets. Auch die Aktien großer Hotelketten wie Accor und Intercontinental litten und gaben je rund drei Prozent nach.

Im DAX standen HeidelbergCement am Ende, nachdem das Papier in der Vorwoche noch deutlich zugelegt hatte. Bau und Infrastrukturaktien dürften vom geplanten Konjunkturprogramm der US-Regierung in Billionenhöhe profitieren. Im Index ganz vorne standen Delivery Hero und RWE.

Euro seitwärts um 1,19 Dollar

Der Euro hält sich am Montag über der Marke von 1,19 US-Dollar und wird im US-Handel mit 1,1925 Dollar bezahlt. Insgesamt aber hielten sich die Kursbewegungen zu Wochenbeginn in engen Grenzen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1910 (Freitag: 1,1950) US-Dollar fest. Morgen könnte es mehr Bewegung geben, denn aus Deutschland werden die Juni-Inflationsdaten erwartet, zudem das Verbrauchervertrauen, auch aus ganz Europa und den USA.

"Warten auf Impulse", laute derzeit das Motto beim Euro, schrieben die Experten der Landesbank Helaba. Die Erwartungen, dass die US-Notenbank eher unter Druck stehe als die EZB, Veränderungen an der geldpolitischen Ausrichtung vorzunehmen, hätten den Dollar zuletzt gestützt, dürften aber weitgehend verarbeitet sein.

EZB diskutiert über Ausstieg aus PEPP

Apropos EZB: Die Debatte über einen Ausstieg aus der Corona-Krisenpolitik gewinnt bei der Europäischen Zentralbank (EZB) an Fahrt. Der italienische EZB-Direktor Fabio Panetta sprach sich am Montag dafür aus, wesentliche Elemente aus der Pandemiebekämpfung auch nach der Krise beizubehalten. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann plädierte dagegen dafür, das zentrale Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP zu beenden, sobald die Notsituation überwunden sei. Laut Österreichs Notenbank-Chef Robert Holzmann könnten die PEPP-Käufe womöglich im März 2022 planmäßig gestoppt werden.

Ölpreise fallen zurück

Die Ölpreise sind nach anfänglichen Kursgewinnen zurückgefallen, bleiben aber in der Nähe mehrjähriger Höchststände. "Auch eine mögliche Anhebung der Produktion der OPEC, ob um 500.000 oder gar eine Million Barrel täglich nach der bereits vereinbarten Erhöhung im Juli um 800.000 Barrel täglich, kann offensichtlich den Markt nicht erschrecken", schlussfolgert Commerzbank-Rohstoff-Experte Eugen Weinberg.

Bitcoin mit Gegenreaktion

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer nutzen Anleger die Chancen zum Einstieg bei Kryptowährungen. Die Cyberdevise Bitcoin steigt zeitweise über 35.000 Dollar, nachdem sie am Wochenende auf gut 30.000 Dollar gefallen war. "Die Spekulation in den Kryptowährungen lässt mehr und mehr nach", unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. "Ein Anstieg in Bitcoin Richtung 40.000 könnte erfolgen, dort befindet sich ein wichtiger Widerstand."

BaFin erlaubt Bitcoin-Verwahrgeschäft

Die Finanzaufsicht BaFin hat derweil erstmals einem Unternehmen eine Erlaubnis zur Verwahrung von Cyberdevisen gegeben. Die Coinbase Germany GmbH erhielt von der Behörde die Erlaubnis für das neu als Finanzdienstleistung eingeführte Kryptoverwahrgeschäft, wie die BaFin am Montag mitteilte. Eine solche Erlaubnis bietet nach Einschätzung von Experten eine Startposition für die Entwicklung von kryptowertbasierten Geschäftsmodellen.

Coinbase-Aktien springen an der Nasdaq deutlich an. "Dies ist ein Ritterschlag und ein Meilenstein in der deutschen Krypto-Geschichte", sagte Analyst Timo Emden von Emden Research.

Grünes Licht für Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen

Das Bundeskartellamt hat keine Einwände gegen den Zusammenschluss der beiden größten deutschen Wohnimmobilienkonzerne Vonovia und Deutsche Wohnen. "Die gemeinsamen Marktanteile der Unternehmen rechtfertigen keine wettbewerbsrechtliche Untersagung", sagte Kartellamtspräsident Andreas Mundt. Die Wettbewerbsbehörde habe deshalb grünes Licht für die geplante Übernahme gegeben.

Sewing dringt auf Fortschritte bei Kapitalmarktunion

Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing hat bei einer Bankenkonferenz in Frankfurt auf Fortschritte bei der Vereinheitlichung der Kapitalmärkte in Europa gedrungen. Ein gemeinsamer europäischer Kapitalmarkt sei unter anderem "die Voraussetzung dafür, dass uns die Transformation zu einer nachhaltigen Wirtschaft gelingt".

Bei der Kapitalmarktunion geht es im Kern darum, bürokratische Hürden zwischen den einzelnen Staaten der Europäischen Union abzubauen, um so Unternehmen mehr Möglichkeiten zu geben, sich Geld zu beschaffen. Verbraucher sollen zudem mehr Möglichkeiten für grenzüberschreitende Geldanlagen bekommen.

Mobilfunkmesse nur mit schwacher Besetzung

Die Mobilfunk-Messe Mobile World Congress begann am Montag ohne die meisten großen Aussteller, die sie sonst zum wichtigsten Branchentreff machen. Unter anderem bleiben angesichts der Corona-Risiken der Smartphone-Weltmarktführer Samsung, die Netzwerkausrüster Ericsson und Nokia sowie die Deutsche Telekom dem Event in Barcelona fern.

TUI-Aktie stockt Corona-Anleihe auf

TUI stockt eine im April begebene Anleihe zur finanziellen Überbrückung der Corona-Krise noch einmal auf. Wie das Unternehmen am Montagabend mitteilte, soll das Volumen von 400 Millionen Euro um neue sogenannte Wandelschuldverschreibungen über bis zu 190 Millionen Euro erweitert werden. Solche Papiere können vom Eigentümer zu einem späteren Zeitpunkt in Aktien getauscht werden. Die Hannoveraner erklärten, die Konditionen seien die gleichen wie bei dem im Frühjahr an den Markt gebrachten Titel.

Die TUI-Aktie in London sackte bis zum Handelsschluss um 5,3 Prozent ab, diejenige in Frankfurt um 5,7. Neben der Verwässerung und der Verschärfung der Pandemie belastete ein Pressebericht, wonach die Bundesregierung wegen der wieder steigenden Corona-Zahlen in Großbritannien britische Touristen aus der EU fernhalten wolle.

VW nennt Zeitrahmen für Abschied vom Verbrennungsmotor

Nach der Konzern-Tochter Audi hat nun auch die Kernmarke VW einen konkreten Zeitrahmen für den endgültigen Abschied vom Verbrennungsmotor genannt. "In Europa steigen wir zwischen 2033 und 2035 aus dem Geschäft mit Verbrenner-Fahrzeugen aus", sagte VW-Vertriebsvorstand Klaus Zellmer dem "Münchner Merkur". In den USA und China werde der Ausstieg etwas später erfolgen, in Südamerika und Afrika werde es noch ein gutes Stück länger dauern.

CureVac rechnet schnell mit Studienergebnissen

Der Vorstandsvorsitzende des Tübinger Impfstoffentwicklers Curevac, Franz-Werner Haas, rechnet sehr bald mit finalen Ergebnissen der zulassungsrelevanten Studienphase. "Es wird nicht länger als eine Woche oder zehn Tage dauern. Wir rechnen kurzfristig mit den Ergebnissen", sagte Haas am Montagabend in Tübingen bei einer Pressekonferenz.

Curevac hatte kürzlich bekanntgegeben, dass sein Corona-Impfstoffkandidat der ersten Generation nach einer vorläufigen Auswertung über eine Wirksamkeit von rund 47 Prozent verfügt. Damit wäre der Impfstoff deutlich weniger wirksam als andere Impfstoffe. Die Mitteilung hatte für einen deutlichen Rückgang des Börsenkurses und Enttäuschung bei Politikern gesorgt.

Varta produziert künftig stärkere Batterien für Fitnessuhren

Der Batteriehersteller Varta nimmt im schwäbischen Nördlingen ein Werk für leistungsstarke Lithium-Ionen-Zellen für Fitnessuhren und ähnliche Produkte in Betrieb. Heute hat das Unternehmen die Fabrik gemeinsam mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger offiziell eröffnet. An dem Standort im Landkreis Donau-Ries hatte Varta auch bisher bereits eine Produktion, die nun erweitert wird.

Fluglinie United steht vor Bestellung von über 200 Flugzeugen

Im MDAX ist die Airbus-Aktie ins Minus gedriftet. Dabei steht United Airlines offenbar vor dem Abschluss einer enormen Bestellung von Flugzeugen. Die US-Fluggesellschaft wolle bei den Herstellern Airbus und Boeing mehr als 200 Mittelstreckenjets kaufen, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Demnach könnte United Airlines mindestens 150 Boeing 737 Max und 50 Airbus A321neos bestellen.

Johnson & Johnson legt Opioid-Klagen in New York bei

Johnson & Johnson hat sich in der Opioid-Krise mit dem US-Bundesstaat New York auf einen Vergleich geeinigt. Der US-Pharmakonzern zahlt 263 Millionen US-Dollar, um den Streit um seine Rolle beim Vertrieb süchtig machender Schmerzmittel zumindest innerhalb von New York beizulegen. Johnson & Johnson kommentierte, die Einigung passe zum Angebot des Konzerns, alle Opioid-Klagen weltweit für fünf Milliarden Dollar beizulegen.

Didi beendet Zeichnungsfrist vorzeitig

Uber-Rivale Didi schließt Insidern zufolge die Bücher für seinen geplanten bis zu vier Milliarden Dollar schweren Börsengang in den USA bereits an diesem Montag. Der chinesische Fahrdienstvermittler bietet seine Papiere in einer Spanne von 13 bis 14 Dollar an. Offizielles Ende der Zeichnungsfrist ist bislang Dienstag.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Juni 2021 um 07:35 Uhr.