Händlerin an der Börse Frankfurt
Marktbericht

DAX verliert leicht Börse schaltet einen Gang zurück

Stand: 15.03.2021 21:28 Uhr

Die Anleger haben zum Wochenstart nach den Gewinnen der Vorwoche nur mit gebremstem Schaum agiert. Nach flottem Start fehlten neue Impulse, so dass am Ende ein moderates Minus stand.

Der DAX schloss bei 14.461 Punkten, ein moderater Tagesverlust von 0,3 Prozent. Am Morgen hatte es noch besser ausgesehen, das Tageshoch lag bei 14.572 und damit in Reichweite des Rekordhochs von 14.595 Zählern. Für weitere Rekordstände fehlte dem Index aber die Kraft, zumal nach dem fulminanten Wochenplus von rund vier Prozent in der Vorwoche sowie einer New Yorker Börse, die anfängliche Gewinne ebenfalls nicht halten konnte.

"Nach dem jüngsten Kraftakt wäre eine kurze Pause wohlverdient. Zumal in den USA die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen wieder steigt und die Infektionszahlen hierzulande zunehmen", gab Marktanalyst Christian Henke vom Broker IG zu bedenken. Es drohe eine dritte Corona-Infektionswelle und auch das Impftempo lasse weiter zu wünschen übrig.

Astra-Impfungen ausgesetzt

Apropos niedriges Impftempo: Das Problem droht sich zu verschärfen, nachdem die Bundesregierung heute Covid-Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff ausgesetzt hat und damit der Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts und anderen europäischen Ländern folgte. Grund sind ungeklärte Todesfälle, die jetzt geprüft werden sollen. "Die Nachricht, dass nun auch Deutschland vorerst die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca aussetzt, sorgte am Nachmittag für zusätzlichen Abgabedruck", erklärt Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets. Die Astra-Aktie reagierte jedoch kaum.

Rückenwind aus USA und China

Übergeordnet bleiben die Börsenbullen trotzdem im Vorteil. Sie setzen ganz auf eine Überwindung der Corona-Krise und einen starken Wirtschaftsaufschwung im Anschluss. Für Optimismus sorge weiter das inzwischen von US-Präsident Joe Biden unterschriebene knapp zwei Billionen US-Dollar schwere Corona-Hilfspaket für die US-Wirtschaft, sagte David Madden, Marktexperte von CMC Markets. Zudem verwies er auf weitgehend positive Konjunkturdaten aus China am Morgen. Sowohl die Industrie als auch die Einzelhandelsumsätze haben sich dort zum Jahresbeginn weiter vom Corona-Schock erholt.

T-Aktie nach oben ausgebrochen

Beim Blick auf die Einzelwerte fielen die Telekom-Aktien erneut auf, die im Tageshoch bis auf 16,75 Euro gestiegen waren und damit ihren jüngsten Kursschub fortsetzten. Der Schlusskurs lag dann unter Tageshoch bei 16,65 Euro, ein Gewinn von 0,9 Prozent. Die im DAX schwer gewichtete, aber sonst eher träge Aktie ist damit aus ihrem seit Juni 2020 anhaltenden Seitwärtstrend nach oben ausgebrochen. Sie steht derzeit so hoch wie zuletzt im Sommer 2017.

Früher als sonst halten die Bonner am 1. April ihre Hauptversammlung ab, auf der eine Dividende von 0,60 Euro beschlossen werden soll. Selbst auf dem aktuell erhöhten Niveau ergibt sich immer noch eine Rendite von rund 3,6 Prozent, ein nicht zu unterschätzendes Argument besonders für institutionelle Investoren wie Fonds oder Banken. Fundamental erhielt die Aktie Rückenwind von einem Großauftrag der Deutschen Post für die Tochter T-Systems.

Tagessieger waren VW, Tagesverlierer Covestro, die über drei Prozent nachgaben. Auch BASF tendierten leichter. Deutsche Bank sanken ebenfalls stärker, nachdem sie zuletzt aber im Sog steigender Zinsen gut gelaufen waren.

Dow volatil und auf Rekordhoch

Wegen der Umstellung der Uhren auf Sommerzeit begann der Handel in New York heute schon um 14:30 Uhr unserer Zeit - bis Europa zum Monatsende ebenfalls umstellt. Im späten Geschäft heben sich letztlich noch die Bullen durchgesetzt. Zum Start legte der Leitindex Dow Jones zunächst zu, konnte sein Niveau aber nicht halten und sackte ab.

Am Ende aber holte der Leitindex dann wieder deutlich auf und schloss bei 32.953 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,53 Prozent. Kurz vor Handelsschluss markierte er zudem noch bei 32.973 Punkten ein weiteres Rekordhoch. Auch der S&P-500-Index legte zum Handelsschluss noch auf Rekordniveau stärker zu und ging bei 3968 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 0,6 Prozent. Das Hoch lag bei 3970 Zählern.

Nasdaq macht Boden gut

Prozentual noch besser sah es an der Technologiebörse Nasdaq aus, die sich nach holprigem Start im Verlauf immer mehr stabilisierte und am Ende über ein Prozent zulegte. Der Composite-Index gewann 1,05 Prozent auf 13.459 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 legte 1,1 Prozent zu auf 13.082 Punkte. Tech-Aktien gehörten zuletzt nicht unbedingt zu den Favoriten der Anleger. Unter den Einzelwerten begünstigte der zuletzt gestiegene Konjunktur- und Impfoptimismus eher zyklische Aktien, heute waren dies besonders die Fluglinien.

Blick auf die Notenbank

Börsianern zufolge zeigten sich Investoren auch wegen der Sitzung der US-Notenbank (Fed) in dieser Woche etwas zurückhaltender. Die Angst vor einem Anstieg der Inflation hatte die Renditen von US-Anleihen mit längeren Laufzeiten zuletzt nach oben getrieben, was den Tatendrang der Anleger derzeit dämpft. Zum Wochenauftakt sanken die Renditen der richtungweisenden zehnjährigen Bonds aus den USA zwar leicht auf 1,61 Prozent, hielten sich damit aber weiterhin in der Nähe ihres am Freitag erreichten Höchststands von 1,64 Prozent.

"Die US-Wirtschaft scheint in einer besseren Verfassung zu sein als die meisten anderen entwickelten Volkswirtschaften", sagte Hussein Sayed, Chef-Marktstratege beim Broker FXTM. "Trotz der rosigeren Wirtschaftsaussichten wird erwartet, dass bei der Fed-Sitzung in dieser Woche keine größeren politischen Änderungen vorgenommen werden." Nach der Verabschiedung des Konjunkturpakets sei es aber unvermeidlich, dass die BIP-Prognosen der Fed nach oben revidiert würden, sagten die Ökonomen der ANZ Bank.

Empire-State-Index besser als erwartet

Neben dem Konjunkturprogramm der Regierung sorgte ein besser als erwartet ausgefallener Empire-State-Index aus dem Großraum New York für bessere Stimmung. Dieser an der Börse viel beachtete Konjunkturindikator fiel für den März mit 17,4 Punkten besser aus als erwartet. Experten hatten nur mit einem Wert von 15,0 Punkten gerechnet.

Die Daten beflügelten den Dollar, der gegen den Euro am späten Abend rund 0,2 Prozent zulegt und bei 1,1928 Dollar gehandelt wird. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1920 (Freitag: 1,1933) Dollar fest. Die Kursausschläge am Devisenmarkt hielten sich zum Wochenauftakt in Grenzen. Der US-Dollar profitierte als Weltreservewährung etwas von der durchwachsenen Stimmung an den Aktienmärkten. Dies setzte andere Währungen moderat unter Druck.

Ölpreise sacken ab

Die Ölpreise, die nach den starken China-Daten zunächst anzogen, sind mittlerweile deutlicher ins Minus gerutscht. Sie bleiben aber auf hohem Niveau. Der Preis für die Feinunze Gold zog 0,2 Prozent an auf 1728 Dollar. In der vergangenen Woche hatte sich das gelbe Edelmetall oberhalb der 1700-Dollar-Marke stabilisieren können, nachdem es zuvor auf ein Neun-Monats-Tief von 1676 Dollar gefallen war.

Bitcoin fällt deutlich unter 60.000er-Marke zurück

Nach der jüngsten Rekordjagd ging es heute mit dem Bitcoin deutlich bergab. Die Cyber-Devise kostete am späten Abend rund 56.800 Dollar, nachdem sie am Wochenende ein Rekordhoch von 61.780,63 Zählern erreicht hatte. "Als Impulsgeber fungieren abermals die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks mit ihren Liquiditätsschwemmen, um der Covid-19 gebeutelten Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen", sagt Analyst Timo Emden von Emden Research.

BMW und Daimler machen Tempo bei Elektroautos

Daimler-Forschungsvorstand Markus Schäfer strebt laut "Handelsblatt" den vorzeitigen Abschied des Autobauers vom Verbrennungsmotor an. "Wir bereiten uns jedenfalls auf eine frühere Umstellung vor", bekundete Schäfer. Bisher hatte Mercedes angekündigt, bis 2039 bei Neufahrzeugen klimaneutral zu werden. Unterdessen will Daimler-Konkurrent BMW laut "Handelsblatt" in der kommenden Woche das Absatzziel für Elektroautos weiter erhöhen.

Neues Sparprogramm bei VW

Volkswagen will in einer weiteren Streichungsrunde Tausende von Stellen abbauen. Dazu vereinbarte das Unternehmen nach eigenen Angaben mit dem Betriebsrat ein neues Sparprogramm. Es enthält ein umfassendes Altersregelungspaket sowie eine Verlängerung des Einstellungsstopps bis zum Jahresende. Insidern zufolge sollen 3000 bis 4000 Arbeitsplätze abgebaut werden.

VW plant sechs Batterie-Gigafabriken in Europa

Gleichzeitig hält der Wolfsburger Autobauer heute seinen virtuellen "Power Day" ab. Um den rasant steigenden Bedarf an Batteriezellen für seine E-Autos in den nächsten Jahren zu decken, treibt Volkswagen den Aufbau von Produktionskapazitäten voran. Bis 2030 wolle man zusammen mit Partnern insgesamt sechs Zellfabriken in Europa in Betrieb nehmen, sagte Technikvorstand Thomas Schmall am Montag. Zusammen sollen die Gigafabriken Zellen mit einem Energiegesamtwert von 240 Gigawattstunden im Jahr produzieren. Die damit verbundenen Investitionen nannte Volkswagen nicht. In der Branche geht man von zwei Milliarden Euro je Fabrik aus.

Für die weiteren Gigafabriken werden derzeit mögliche Standorte und Partnerschaften geprüft. Zudem soll die Zahl der Schnellladestationen deutlich erhöht und die Kosten für Batteriezellen gesenkt werden.

Zäsur bei der Allianz

Die Allianz baut das Geschäft um und entmachtet dabei ihre große Deutschland-Holding. Die Produkt-Verantwortung liege künftig vollständig bei den drei Sparten für die Lebens-, Sach- und Krankenversicherung, sagte Allianz-Personalvorständin Renate Wagner am Montag. Europas größter Versicherer will damit die Zusammenarbeit seiner operativen Einheiten über Ländergrenzen hinweg forcieren. Produkte sollen - soweit möglich - künftig für mehrere Länder zugleich entwickelt werden, um Größeneffekte zu nutzen.

Allianz-Vorstandschef Oliver Bäte treibt mit dem Umbau eine stärkere Vereinheitlichung und Vereinfachung der Produktwelt voran, die er sich auf die Fahnen geschrieben hat. Künftig soll ein Produkt idealerweise von der Tochter entwickelt werden, die das am besten kann. Der Umbau im Inland soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Arbeitsplätze sollen nicht abgebaut werden.

Modehändler Zalando nimmt sich viel vor

Der Online-Modehändler Zalando will im laufenden Jahr die Erfolge aus dem Corona-Jahr übertreffen. Es werde ein Umsatzplus zwischen 24 und 29 Prozent auf 9,9 bis 10,3 Milliarden Euro angepeilt, teilte das MDAX-Unternehmen nach Börsenschluss mit. Im vergangenen Jahr waren die Erlöse um 23 Prozent auf acht Milliarden Euro geklettert. Die Aktie legte im nachbörslichen Parketthandel zu.

Zalando profitiert davon, dass immer mehr Menschen angesichts vielerorts geschlossener Läden im Internet ihre Kleidung kaufen und nach Hause liefern lassen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) verdoppelte sich nahezu auf knapp 421 Millionen Euro nach fast 225 Millionen Euro in 2019. Im laufenden Jahr soll das bereinigte Betriebsergebnis zwischen 350 und 425 Millionen Euro liegen.

Zudem will Zalando mehr investieren als noch 2019 und nun 350 bis 400 Millionen Euro in die Hand nehmen - vor allem für Logistik und Technologie. Am Dienstag wird der Konzern, der inzwischen als Dax-Anwärter gilt, detaillierten Einblick in das abgelaufene Geschäftsjahr geben

Lufthansa hofft auf Mallorca-Oster-Boom

Die Lufthansa-Billigflugtochter Eurowings hat wegen großer Nachfrage ihr Angebot für Flugreisen nach Mallorca ausgeweitet. Für die beginnende Oster-Reisezeit würden allein 300 Zusatzflüge angeboten, teilte Eurowings mit. Der Hintergrund: Das Robert-Koch-Institut stuft seit Sonntag Mallorca nicht mehr als Risikogebiet ein. Die bisherigen Flüge auf die Balearen-Insel waren daraufhin laut Eurowings "im Nu ausgebucht".

Carnival-Chef dämpft Kreuzfahrt-Hoffnungen

Die von der Pandemie hart gebeutelte Kreuzfahrtindustrie hat nach Ansicht von Carnival-Chef Arnold Donald noch mindestens zwei weitere harte Jahre vor sich. Die Branche dürfte wohl nicht vor 2023 wieder das Niveau von vor der Virus-Krise erreichen, sagte Donald der "Financial Times".

H&M-Aktie auf Drei-Jahres-Hoch

Geschlossene Ladengeschäfte haben H&M den Quartalsumsatz vermiest. In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres (Dezember bis Februar) brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als ein Viertel auf 40,1 Milliarden schwedische Kronen ein. Damit übertraf H&M jedoch die Markterwartungen.

Die Aktien des weltweit zweitgrößten Modehändlers steigen in Stockholm um gut drei Prozent auf ein Dreieinhalb-Jahres-Hoch. Die Experten von JPMorgan lobten die Erlöse von umgerechnet vier Milliarden Euro vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie als ordentliches Ergebnis.

Alibaba in China unter Druck

Alibaba-Papiere gaben in New York nach. Der chinesische Internet-Riese steht einem Pressebericht zufolge unter Druck, einen Teil seiner Beteiligungen an Medienunternehmen abzustoßen. Die chinesische Regierung sei besorgt über den Einfluss des Unternehmens auf die gesellschaftliche Meinung im Land, berichtete das "Wall Street Journal" (WSJ) am Montag und bezog sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen. Vertreter des Staats hätten sich über den Umfang der Beteiligungen entsetzt gezeigt und das Unternehmen aufgefordert, einen Plan vorzulegen, um diese deutlich zu reduzieren. Laut den Insidern muss dieser Plan von höchster Regierungsstelle genehmigt werden.

Stripe ist wertvollstes Silicon-Valley-Einhorn

Der US-Zahlungsdienstleister Stripe hat in einer Investorenrunde weitere 600 Millionen Dollar eingesammelt und steigt damit zum wertvollsten nicht-börsennotierten Unternehmen aus dem Silicon Valley auf. Das 2010 gegründete Fintech wird nun mit 95 Milliarden Dollar bewertet - das ist fast dreimal so viel wie Deutsche Bank und Commerzbank zusammen am Markt wert sind. Hauptinvestoren in der neuen Finanzierungsrunde sind der Risikokapitalgeber der Allianz, Allianz X, Axa, Baillie Gifford, Fidelity, der Irish Strategic Investment Fund (ISIF) und Sequoia Capital.

Friedrich Vorwerk legt Preisspanne für geplanten Börsengang fest

Der Börsengang des niedersächsischen Rohrleitungsbauers Friedrich Vorwerk soll bis zu 515 Millionen Euro einbringen. Das Unternehmen aus Tostedt bei Hamburg legte die Preisspanne für bis zu 9,2 Millionen Aktien am Montagabend auf 41 bis 56 Euro fest. Bis zu 112 Millionen Euro davon fließen dem Unternehmen selbst zu, das mit dem Erlös primär in das Geschäft mit der Produktion, dem Transport und der Speicherung von Wasserstoff investieren will. Der Rest geht an die Alteigentümer, die Berliner Beteiligungsgesellschaft MBB, die bisher zwei Drittel der Anteile hält, und Vorstandschef Torben Kleinfeldt.

Bis zu 46 Prozent der Anteile sollen nach dem Börsengang im Streubesitz sein. Insgesamt wird das Unternehmen am oberen Ende der Preisspanne mit 1,12 Milliarden Euro bewertet. Die Zeichnungsfrist für die Vorwerk-Aktien läuft bis zum 23. März. Zwei Tage später soll das Unternehmen sein Debüt an der Frankfurter Börse feiern. Organisiert wird die Emission von den Investmentbanken Berenberg und Jefferies.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. März 2021 um 17:45 Uhr in den Wirtschaftsmeldungen.