New York Stock Exchange an der Wall Street
Marktbericht

Rekorde bei Dow und S&P US-Börse dreht noch ins Plus

Stand: 16.08.2021 22:39 Uhr

Schwache Konjunkturdaten aus China haben zunächst auch die Wall Street belastet. Aber im Verlauf erholten sich die Indizes kräftig und markierten sogar neue Rekorde. Ein beeindruckender Tages-Dreh.

An der New Yorker Weltleitbörse bot sich den Anlegern heute zunächst eine ähnliche Gemengelage wie in Europa. Schwache chinesische Konjunkturdaten, gepaart mit den chaotischen Bildern aus Afghanistan, dämpften die Stimmung.

Zunächst - denn wie sich die Märkte danach im Laufe des Handelstages erholten, war schon beeindruckend. Von Ausverkauf oder gar Panik keine Rede - im Gegenteil. Die großen Indizes erholten sich im Verlauf, ließen ihre Tiefstände erst immer weiter hinter sich und erreichten mit den buchstäblich letzten Handelsminuten noch neue Rekordstände.

Der Leitindex Dow Jones, der im Tief bis auf 35.231 Punkte absackte, schloss am Ende fast genau 400 Punkte darüber bei 35.625 Punkten und markierte bei 35.631 Punkten ein weiteres Rekordhoch. Prozentual war es ein Tagesgewinn von 0,31 Prozent. Ebenso spektakulär war die Entwicklung des marktbreiten S&P-500-Index, der am Ende bei 4480 Punkten doch noch ein weiteres Rekordhoch erreichte und fast auf den Punkt genau auf diesem Niveau bei 4479 Punkten aus dem Handel ging. Es war ein Gewinn von letztlich gut einem Viertel Prozent. Zuletzt hatte der Index fast jeden Tag mit kleinen Schritten ein neues Rekordhoch markiert, wonach es heute lange Zeit wahrlich nicht ausgesehen hatte.

Auch die Technologiebörse Nasdaq schloss deutlich über Tagestief bei 14.793 Punkten, letztlich nur ein moderater Tagesverlust von 0,2 Prozent. Ähnlich der Auswahlindex Nasdaq 100, dessen Schlusskurs bei 15.140 Punkten lag, sogar noch ein Mini-Plus von 0,03 Prozent.

Durchatmen nach der Rally

Neben den schwachen China-Daten blieb natürlich die Zinspolitik der Notenbank Federal Reserve (Fed) im besonderen Fokus der Anleger. Experten haben zuletzt die Erwartung geäußert, dass eine Straffung der Geldpolitik wohl eher früher als später auf der Agenda der Fed stehen dürfte. Vor allem die anziehende Inflation hat zuletzt bei den Verbrauchern für eine schlechtere Einschätzung des so wichtigen Konsumklimas gesorgt.

Die Börse sei für eine beträchtliche Zeit steil nach oben gegangen, sagte Aktienhändler Dennis Dick vom Brokerhaus Bright Trading. Jetzt wolle der Markt eine Pause und Gewinne mitnehmen. "Ich denke, dass über das Wochenende Afghanistan der Börse die Ausrede dafür geliefert hat." So schnell kann sich auch für die Experten der Wind drehen.

Hackerangriff bei T-Mobile US?

Unter den Einzelwerten verloren Aktien von T-Mobile US 2,9 Prozent. Die Tochter der Deutschen Telekom hat nach Berichten über einen mutmaßlichen Hackerangriff Untersuchungen eingeleitet. Zuvor wurde in einem Online-Forum die Nachricht gepostet, dass mit dem Angriff Daten von mehr als 100 Millionen Nutzern abgegriffen worden seien. Im DAX behauptete sich die Konzernmutter Deutsche Telekom gegen den Trend leicht im Plus, gab aber im Verlauf anfänglich höhere Avancen wieder ab.

Gegenwind vom Empire-State-Index

Apropos US-Konsumklima: Das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den August war schon am Freitag unerwartet stark eingebrochen und auch der Konjunkturindex für den Großraum New York, der Empire State Index, fiel am Nachmittag mit 18,3 Punkten deutlich schwächer aus als erwartet. Im Vormonat hatte der Indikator noch mit 43,0 Punkten einen Rekordstand erreicht. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf im Schnitt 28,5 Punkte gerechnet.

Rücksetzer im DAX

Der Leitindex DAX, der noch am Freitag lautstark bejubelt die Marke von 16.000 Punkten überwand und bei 16.030 Zählern einen neuen Rekord markierte, rutschte heute ab. Am Ende schloss der Index über Tagestief bei 15.925 Punkten, ein Verlust von 0,32 Prozent. Allerdings löste sich der Index am Nachmittag im späten Geschäft dabei von seinen Tiefständen, die unter 15.900 Zählern lagen. Der MDAX verlor zu Wochenbeginn 0,54 Prozent auf 35.722 Punkte und auch europaweit wurden Verluste verbucht. Allerdings seien die Umsätze im DAX eher gering gewesen, sagte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

China bleibt unberechenbar

Weltweit an den Börsen standen chinesische Konjunkturzahlen im Fokus der Märkte, so auch an der heimischen Börse. Im Reich der Mitte waren Daten zum Einzelhandel und zur Lage der Industrie schwächer als erwartet ausgefallen, wofür unter anderem rigide Corona-Maßnahmen als Begründung ins Feld geführt wurden. Abseits dieser Maßnahmen, unter anderem der Schließung großer Container-Häfen wegen sehr weniger Corona-Fälle, hat die strenge Regelungswut der chinesischen Behörden die Anleger zuletzt zunehmend verunsichert.

Ob es die Lage in Hong Kong, die Ablehnung des Bitcoin oder die Geschäftsmodelle der großen Internetkonzerne wie Tencent oder Alibaba sind, der chinesische Staat hat zuletzt verstärkt eingegriffen und zeigt damit, dass er unberechenbar bleibt. So etwas ist Gift für langfristig (und marktwirtschaftlich) denkende Investoren an freien Kapitalmärkten - was folgerichtig dafür sorgte, dass zuletzt mehr Geld nach Europa und in die USA floss. In Japan sorgten zudem steigende Corona-Zahlen für Unmut.

Droht die "Bullenfalle" ?

Nachdem der DAX am Freitag die 16.000-Punkte-Marke überwunden hatte, waren vor allem charttechnisch orientierte Investoren begeistert gewesen. Denn neue Widerstände auf dem weiteren Weg nach oben gab es keine, was ein sehr starkes Zeichen für weiter steigende Kurse ist.

Aber der heutige Rückschlag, auch wenn er moderat ausfiel, sorgt nun für mehr Nachdenklichkeit. Ein möglicher Fehlausbruch, im Fachjargon "Bullenfalle" genannt, steht im Raum. Aus charttechnischer Sicht befinde sich der DAX der kritischen saisonalen Phase, in welcher er statistisch nicht allzu weit vorankomme, schrieb der Experte Andreas Büchler von Index-Radar. Daher dürfte der obere Rand des kurzfristigen Schwankungsbandes bei 16.050 bis 16.200 Punkten vorerst das erzielbare Maximum darstellen.

Beruhigung am Devisenmarkt

Der Euro gab gegenüber dem Dollar wieder etwas nach. Der Eurokurs hatte am Freitag deutlich zugelegt, nach dem eingetrübten US-Konsumklima. Der Devisenmarkt habe sich zudem erleichtert gezeigt, dass die Inflation in den USA den Hochpunkt erreicht haben könnte, schreiben Experten der Commerzbank. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1772 (Freitag: 1,1765) US-Dollar fest aktuell wird die Gemeinschaftswährung im US-Handel nur leicht darüber gehandelt.

Ölpreis unter Druck - was macht die OPEC?

Die schwachen China-Daten schüren am Ölmarkt Ängste vor einer stockenden konjunkturellen Erholung und damit einer nachlassenden Öl-Nachfrage des größten Öl-Importeurs der Welt. Die führenden Sorten Brent und WTI schwanken stark, bleiben aber bisher stets im Minus.

Spannend ist nun, ob die OPEC auf den Preisverfall am Ölmarkt reagieren wird. Schließlich nähern sich die Ölpreise derzeit rasant der für Saudi-Arabien kritischen Schwelle von 66 Dollar. "Diesen Preis benötigen sie, um ihren Haushalt ausgeglichen zu gestalten. Ein erneuter Fall des Ölpreises liegt nicht im Interesse der OPEC", unterstreicht Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest.

Die OPEC und ihre Verbündeten (Opec+) wollen Insidern zufolge in den kommenden Monaten trotz US-Foderungen nicht mehr Öl fördern als geplant. "Ich denke nicht, dass es einen Bedarf darüber hinaus gibt", sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montag. In der vergangenen Woche hatte US-Präsident Joe Biden die Opec+ gebeten, die Ölproduktion auszuweiten, um steigende Benzinpreise zu verhindern. Diese gelten als Bedrohung für die globale Wirtschaftserholung.

Bayer zieht vor den US-Supreme Court

Bayer setzt im milliardenteuren Glyphosat-Rechtsstreit in den USA auf eine höchstrichterliche Entscheidung, um eine Trendwende herbeizuführen. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern hat nach eigenen Angaben vom Montag einen Antrag auf Revision des Falls Hardeman beim höchsten US-Gericht, dem Supreme Court, eingereicht.

Sollte das Gericht den Fall zur Entscheidung annehmen und im Sinne von Bayer urteilen, hätte dies Signalwirkung. Bayer verspricht sich davon, die Streitigkeiten im Grunde beenden zu können. Anderenfalls will der Konzern ein eigenes Programm aufsetzen, um mit weiteren Klagen rund um Glyphosat umzugehen. Das könnte Bayer teuer zu stehen kommen. Bayer-Chef Werner Baumann hatte den Gang vor den Supreme Court bereits angekündigt. Er rechnet damit, dass die Richter in den kommenden sechs Monaten über die Annahme des Antrags entscheiden werden.

Hella kommt in französische Hände

Am deutschen Aktienmarkt stand die im MDAX notierte Hella-Aktie im Fokus. Die Gründerfamilie Hueck/Röpke gab am Samstag dem französischen Autozulieferer Faurecia den Zuschlag für ihr Paket von 60 Prozent der Hella-Aktien. Die übrigen Aktionäre bekommen ein Übernahmeangebot über 60 Euro je Aktie zuzüglich einer Dividende von 96 Cent. Insgesamt wird der Scheinwerferspezialist aus Lippstadt in Nordrhein-Westfalen bei dem Verkauf mit 6,8 Milliarden Euro bewertet.

Bund trennt sich von ersten Lufthansa-Anteilen

Die Lufthansa-Aktie war einer der größten Verlierer im MDAX. Der Bund hat damit begonnen, sich von Unternehmensanteilen der Lufthansa zu trennen. Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) will in den kommenden Wochen seinen Aktienanteil an dem MDAX-Konzern um maximal ein Viertel auf 15 Prozent reduzieren.

CureVac macht Fortschritte mit Covid-Impfstoff

Das Tübinger Biotechunternehmen CureVac macht nach den enttäuschenden Studienergebnissen seines ersten Covid-19-Vakzins Fortschritte bei der Entwicklung eines Impfstoffs der zweiten Generation. Dieser Impfstoff - den CureVac anders als den ursprünglichen nicht alleine, sondern in Partnerschaft mit dem britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline entwickelt - habe in einer präklinischen Studie eine verbesserte Immunantwort und Schutzwirkung gezeigt, teilten die beiden Unternehmen am Montag mit.

Voraussichtlich im vierten Quartal wollen CureVac und GlaxoSmithKline den Impfstoff nun in die klinische Erprobung am Menschen bringen. Die 150-Millionen-Euro schwere Kooperation baut auf dem bestehenden Impfstoff von CureVac auf. Dieser erzielte in der entscheidenden klinischen Studie, deren Ergebnisse im Juni veröffentlicht wurden, aber nur eine Gesamt-Wirksamkeit von 48 Prozent. Im ersten Halbjahr schrieb CureVac, an dem auch der Bund beteiligt ist, vor allem wegen hoher Forschungskosten einen operativen Verlust von 263,7 Millionen Euro nach einem Minus von 26,4 Millionen Euro vor Jahresfrist.

Bundesliga-Auftakt beflügelt BVB-Aktie

Die im SDAX notierte Aktie von Borussia Dortmund stieg nach dem Auftaktsieg in der Bundesliga auf den höchsten Stand seit Mai 2020. Die starken Angreifer Erling Haaland und Marco Reus hatten den Revierclub zum 5:2 über Eintracht Frankfurt geführt. Dem BVB gelang vor 25.000 Zuschauern der siebte Auftaktsieg in Serie. Damit wurde der Ligarekord der Bayern aus den Jahren 2012 bis 2018 eingestellt.

Akasol eröffnet Gigafactory offiziell

Der Batteriehersteller Akasol hat offiziell seine vollautomatisierte Fertigung in Darmstadt eröffnet. Die "Gigafactory 1" kann Batteriesysteme mit einer Kapazität von 2,5 Gigawattstunden bauen und nahm bereits im vergangenen Oktober die Serienproduktion auf. Der vom US-Autozulieferer Borgwarner übernommene Batteriehersteller will eine baugleiche Fabrik in der Nähe der US-Stadt Detroit aufbauen.

Behörde prüft Tesla-Autopilot - Aktie fällt

Der US-Elektroautobauer Tesla ist wegen seines Fahrassistenzsystems Autopilot erneut ins Visier der amerikanischen Behörden geraten. Nach Unfällen zwischen Tesla-Autos und Rettungsfahrzeugen leitete die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA eine formelle Untersuchung ein, wie die Behörde am Montag mitteilte. Seit Januar 2018 habe es elf solche Unfälle gegeben, bei denen es einen Toten und 17 Verletzte gegeben habe.

Von Tesla war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Die Aktie des Elektroautobauers verlor an der Wall Street 4,5 Prozent. Teslas Assistenzsystem für automatisiertes Fahren erlaubt dem Fahrer, zeitweise die Hände vom Steuer zu lassen. So verwies die NHTSA auf einen Unfall im Januar 2018, bei dem ein Tesla in ein stehendes Feuerwehrauto fuhr. Das Design des Autopiloten habe es dem Fahrer erlaubt, sich nicht um das Fahren zu kümmern.

Etappensieg für Sonos im Patentstreit mit Google

Der Lautsprecher-Spezialist Sonos hat einen Etappensieg in seinem Patentstreit mit Google erzielt. Ein Richter der US-Handelsbehörde ITC kam zu dem Schluss, dass der Internet-Konzern fünf Patente der Hifi-Firma verletzt. Die ITC kann bei Patentverletzungen die Einfuhr von Waren in die USA untersagen.

Biontech/Pfizer reichen Daten zu Auffrischungsimpfung ein

Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer haben erste Daten für die Zulassung einer Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht. In den kommenden Wochen sollten diese Daten einer Phase-1-Studie auch bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA und weiteren Behörden eingereicht werden, teilten die Unternehmen am Montag mit. Weitere Daten sollen folgen.

Die Teilnehmer der Phase-1-Studie hätten acht bis neun Monate nach der zweiten Dosis eine Auffrischungsimpfung erhalten. Im Vergleich zu einer zweifachen Impfung hätten bei den Menschen mit Auffrischungsimpfung "signifikant höhere neutralisierende Antikörpertiter" nachgewiesen werden können - sowohl gegen das ursprüngliche Virus als unter anderem auch gegen die Delta-Variante.

Über dieses Thema berichtete am 16. August 2021 Deutschlandfunk um 07:35 Uhr in der Börse und tagesschau24 um 09:00 Uhr.