Händler an der New Yorker Börse | picture alliance / ASSOCIATED PR
Marktbericht

Leichte Verluste Wall Street dreht ins Minus

Stand: 09.09.2021 22:20 Uhr

Die großen US-Aktienindizes konnten heute anfängliche Gewinne nicht halten und gaben im Verlauf nach. Obwohl sich EZB und Federal Reserve derzeit moderat geben, bleibt Skepsis an den Märkten.

Anders als hierzulande gab es an der New Yorker Aktienbörse heute kein Happy-End. Unter der Führung des Leitindex Dow Jones gaben die großen Indizes im Handelsverlauf anfängliche Gewinne ab. Zwar hielt sich die Technologiebörse Nasdaq (mal wieder) etwas besser als die Standardwerte, insgesamt aber war es ein trister Handelstag. Vor allem Pharma-Aktien gaben nach, nachdem zunehmend Berichte im Raum stehen, dass die Biden-Administration die Medikamentenpreise senken will.

Der Dow Jones verlor am Ende 0,43 Prozent und rutschte unter die Marke von 35.000 Punkten. Der Schlusskurs lag bei 34.879 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq rang lange mit ihren Schlusskursen, um am Ende bei 15.248 Punkten etwas leichter um 0,25 Prozent aus dem Handel zu gehen. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 sackte ab auf 15.561 Punkte, ein Tagesverlust von 0,31 Prozent. Der breiter aufgestellte S&P-500-Index gab 0,46 Prozent nach auf 4493 Punkte. Damit gaben alle Indizes ihre Anfangsgewinne komplett wieder ab.

Immer wieder die Fed

Wesentlich konkreter als in Europa ist die Diskussion über das Tapering, also die sukzessive Rückführung der Anleihenkäufe durch die Fed, in den USA. Dort sorgen sich Anleger schon länger, dass diese möglicherweise eher früher als später auf die Bremse treten könnte. Der Präsident der New Yorker Fed, John C. Williams, sagte in der vergangenen Nacht, dass das Tapering eher früher als später erfolgen könnte.

Äußerungen verschiedener Notenbanker in diese Richtung sind bisher aber nicht zum Tragen gekommen. Denn es ist auch das erklärte Ziel der Bank, die Märkte nicht zu erschrecken. Diese vorsichtige Gangart hat insbesondere die Technologiewerte bisher gestützt, die in unmittelbarer Reichweite ihrer Rekordstände bleiben.

Marktteilnehmer fragen sich allerdings immer wieder, wann die US-Notenbank mit der Rückführung der konjunkturstützenden Anleihekäufe beginnen wird. Die Befürchtung, dass dies doch recht bald geschehen könnte, wurde nach den neuen Jobdaten am Donnerstag nicht kleiner.

US-Erstanträge so niedrig wie seit März 2020 nicht mehr

Konkret ist die wöchentliche Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe auf das niedrigste Niveau seit fast 18 Monaten zurückgegangen. Vergangene Woche stellten 310.000 Bürger einen Antrag auf staatliche Stütze - 35.000 weniger als in den sieben Tagen zuvor, wie das Arbeitsministerium in Washington am Donnerstag mitteilte. Ökonomen hatten mit 335.000 gerechnet.

Der Arbeitsmarkt ist allerdings noch immer von den Folgen der Corona-Krise gezeichnet: Die Zahl der Beschäftigten liegt noch um rund 5,3 Millionen unter ihrem Höchststand von Februar 2020. Die Fed will weitere wesentliche Fortschritte in Richtung ihres Vollbeschäftigungsziels sehen, bevor sie mit dem Abschmelzen ihrer massiven Krisenhilfen beginnt. Fed-Beobachter rechnen damit, dass es um die Jahreswende herum soweit ist.

Der DAX hat sich nach den mit Spannung erwarteten geldpolitischen Beschlüssen der EZB im Handelsverlauf deutlich erholt und seine jüngste Verlustserie knapp beendet. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 15.623 Punkten um 0,1 Prozent höher. Das Tagestief lag bei 15.454, das Tageshoch bei 15.693 Punkten. Nach einem solchen Happy-End hatte es lange nicht ausgesehen, denn die Anleger hatten im Vorfeld eine deutlich härtere Gangart der EZB erwartet. Diese blieb letztlich aber meist unverbindlich.

Die nächsten Handelstage müssen nun zeigen, ob der DAX sich wieder in Richtung seiner Rekordstände bewegen kann oder ob weiter Unsicherheit im Markt bleibt und sich der Eiertanz der vergangenen Handelstage fortsetzen wird. Klar ist jedenfalls seit heute, dass die EZB nicht mit der Axt auf die Märkte losgehen wird. Von daher verfolgt sie eine ähnlich vorsichtige Strategie wie die US-Notenbank Federal Reserve (Fed), zumal sie im Zinszyklus ohnehin weit hinter der Fed zurück ist. Kritischer Dauerbegleiter der Börse wird im Gegenzug wohl der unberechenbare Fortgang der Corona-Pandemie und deren Auswirkung auf das Ausmaß der Konjunkturerholung sein.

EZB drosselt Anleihekäufe

im vierten Quartal soll der Erwerb von Staats- und Unternehmenspapieren im Rahmen des Corona-Notkaufprogramms PEPP "moderat" geringer ausfallen als derzeit. Unklar blieb zunächst, wie stark die Drosselung ausfallen wird. Zugleich bestätigte die EZB die Laufzeit von PEPP mit einem Volumen von 1,85 Billionen Euro bis mindestens Ende März 2022. Ein Ende des Zinstiefs im Euroraum ist darüber hinaus nicht in Sicht. Den Leitzins im Euroraum hält die EZB damit weiter auf dem Rekordtief von null Prozent.

"Da hat der EZB-Rat das Minimum des Möglichen beschlossen. Gar nichts zu ändern, wäre angesichts des Inflationsanstiegs zu wenig gewesen. Dafür bleibt die volle Flexibilität und der Rahmen des PEPP sowie der bisherige Zeitplan erhalten", kommentierte Jens-Oliver Niklasch, Analyst der Landesbank Baden Württemberg. Angesichts der weiter vorhandenen Abwärtsrisiken für die Konjunktur wegen der Delta-Variante, der Impfmüdigkeit und de Lieferengpässe sei dies eine nachvollziehbare Entscheidung.

"Es kam, wie es kommen musste. Die EZB fährt die Anleihekäufe im Rahmen des PEPP-Programms zurück. Allerdings gab sie keinen klaren Hinweis auf eine große Richtungsänderung", kommentierte Otmar Lang von der Targobank.

"Inflationsrisiken nur temporär"

EZB-Chefin Christine Lagarde erklärte insbesondere, die Bank halte weiter an der These fest, dass die jüngsten Teuerungsschübe nur temporärer Natur seien. Die Inflationsrate war im August auf 3,0 Prozent hochgeschnellt, den höchsten Wert seit rund zehn Jahren. "Wir gehen davon aus, dass die Teuerung in diesem Herbst weiter anzieht, 2022 aber abflaut."

Gründe für die stärkere Inflation seien etwa höhere Ölpreise, die Rückkehr zur alten Mehrwertsteuerhöhe in Deutschland und Materialengpässe. Für 2022 hoben die Volkswirte ihre Inflationsprognose von 1,5 auf 1,7 Prozent an, für 2023 von 1,4 auf 1,5 Prozent.

Christine Lagarde | imago images/Xinhua

Christine Lagarde Bild: imago images/Xinhua

Der Euro notiert im US-Handel etwas höher bei 1,1828 Dollar. Zuletzt bröckelte er langsam aber stetig gegenüber dem Greenback, ohne aber durchzufallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1838 (Mittwoch: 1,1827) US-Dollar fest

Die Ölpreise sind am Donnerstag Achterbahn gefahren. Von zwischenzeitlichen Verlusten erholten sich die Kurse rasch wieder, um danach mit einer schwächelnden Wall Street wieder zurückzufallen. In den USA sind die Lagerbestände an Rohöl laut Energieministerium in der vergangenen Woche weniger als erwartet gefallen. Die US-Ölproduktion sank hingegen deutlich. Die Daten sind allerdings durch die Auswirkungen des Hurrikan "Ida" verzerrt worden.

Noch immer liegen weite Teile der Rohölförderung im Golf von Mexiko still. Knapp zwei Wochen nachdem die Förderung wegen "Ida" überwiegend stillgelegt wurde, sind erst gut 20 Prozent der Produktion in der US-Golfregion wieder angelaufen. Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank bezifferte den Produktionsverlust in den USA auf 1,4 Millionen Barrel pro Tag. Seiner Einschätzung nach kommt die Normalisierung der Produktion nun deutlich langsamer voran als nach dem Hurrikan "Katrina" vor 16 Jahren. Der Goldpreis bewegt sich kaum und bleibt leicht unter der Marke von 1800 Dollar je Feinunze.

Stärkster DAX-Gewinner war die Merck-Aktie, die sich mit einem Kursplus von knapp 2,0 Prozent ihrem Rekordhoch wieder annäherte. Der Darmstädter Pharmakonzern blickt optimistischer in die Zukunft und strebt bis 2025 einen Umsatz von rund 25 Milliarden Euro an.

"In allen drei Unternehmensbereichen Healthcare, Life Science und Electronics stehen die Weichen bereits auf nachhaltigem, profitablem Wachstum", sagte Vorstandschefin Belen Garijo zum Kapitalmarkttag des DAX-Unternehmens. Die neuen Umsatzziele bis 2025 liegen über der aktuellen Konsensschätzung, betont Analyst Richard Vosser von JPMorgan.

Der aktivistische Investor Enkraft Capital ist bei RWE eingestiegen und fordert eine Abtrennung des umstrittenen Geschäfts rund um die Braunkohle, um den Wert der Aktie zu steigern. Das kam am Markt gut an, die RWE-Aktie gehörte ebenfalls zu den Gewinnern im DAX.

Der österreichische Unternehmer Michael Tojner hat das Interesse an Teilen der Airbus-Tochter Premium Aerotec vorerst verloren, will das Kapitel aber noch nicht dauerhaft abschließen. "Wir bemühen uns derzeit nicht mehr um Premium Aerotec und beenden damit diese vielen Diskussionen", sagte Tojner der "Augsburger Allgemeinen" (Freitagausgabe).

Premium Aerotec steht im Zentrum der Airbus-Umbaupläne für die Fertigung ziviler Flugzeuge in Deutschland. Für die Produktion kleinerer Bauteile, im Airbus-Jargon "detail parts", die bei der Tochter angesiedelt ist, will Airbus eine neue Gesellschaft gründen, die als "Global Player im Bereich Einzelteil-Fertigung" auch andere Kunden bedienen soll. Feste Absicht des Airbus-Managements ist es, dafür einen "starken, externen Partner" ins Boot zu holen. Die Airbus-Aktie wird ab dem 20. September in den DAX aufsteigen, heute legte sie 1,5 Prozent zu.

Der Strafprozess zur Volkswagen-Dieselaffäre wird im Fall des früheren Konzernchefs Martin Winterkorn noch einmal verschoben. Wie sich bereits abgezeichnet hatte, entschied das Landgericht Braunschweig, den Verfahrensteil gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden (74) "auf einen späteren Zeitpunkt" zu vertagen. Dies teilte die zuständige Kammer am Donnerstag mit. Der entsprechende Abschnitt werde zur gesonderten Verhandlung abgetrennt.

Grund sind gesundheitliche Probleme Winterkorns, der sich gerade einer Operation unterziehen musste. Gegen vier weitere Angeklagte soll die Hauptverhandlung wie geplant am kommenden Donnerstag (16.9.) eröffnet werden. Ursprünglich hatte sie weit früher beginnen sollen, die Corona-Lage machte aber schon zwei Verschiebungen nötig.

Der US-Biotechkonzern Moderna will eine Einfach-Impfung entwickeln, die eine Auffrischungsimpfung sowohl gegen Covid-19 als auch gegen saisonale Grippe kombiniert. Für Moderna habe es derzeit höchste Priorität, einen solchen Impfstoff auf den Markt zu bringen, sagt Vorstandschef Stephane Bancel auf dem Forschungstag des Unternehmens. Diesen jährlichen Auffrischungsimpfstoff, der mit einer Dosis verabreicht werden soll, wolle Moderna ständig anpassen und aktualisieren. Die Aktie legte an der Nasdaq deutlich zu.

Der US-Halbleiterhersteller Intel will bis Jahresende bekanntgeben, wo auf dem europäischen Festland er bis 2030 acht große Chip-Fabriken bauen wird. Das sagte Vorstandschef Pat Gelsinger der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Derzeit gebe es etwa zehn Standort-Kandidaten, darunter mehrere in Deutschland. Gelsinger habe sich deshalb bereits mit Vertretern der EU-Kommission getroffen und sei auch zweimal mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammengekommen.

Der US-Videospielhändler Gamestop hat im zweiten Quartal dank der Erholung von der Corona-Krise starke Geschäftszuwächse verbucht, blieb aber hinter den Markterwartungen zurück. Den Verlust verringerte Gamestop von 111,3 Millionen auf 61,6 Millionen Dollar. Die Aktie fiel zunächst deutlich zurück, erholte sich dann aber wieder.

Der E-Auto-Bauer Tesla will in das Geschäft mit Energiehandel einsteigen. Tesla sucht derzeit nach Mitarbeitern für den Bereich Energiehandel zur Unterstützung seiner Batterie- und Erneuerbare-Energie-Projekte, wie aus einer Stellenanzeige des Unternehmens auf LinkedIn hervorgeht. Tesla ist bereits im Photovoltaik-Geschäft tätig und bietet Solarziegel an. Zudem baut Tesla die größte Solaranlage der USA. Außerdem will der Autobauer Strom in Texas vermarkten.

Die Investmentgesellschaft von Ex-Microsoft-Chef Bill Gates kontrolliert künftig die Luxus-Hotelkette Four Seasons Hotels and Ressorts. Cascade Investments übernimmt für 2,21 Milliarden Dollar rund die Hälfte der Anteile des saudischen Prinzen Al-Walid bin Talal an der Kette. Damit hat Cascade 71,3 Prozent der Hotel-Aktien in seinen Besitz gebracht. Die Kette wird auf einen Wert von zehn Milliarden Dollar taxiert.

Das deutsch-chinesische Startup Agile Robots hat bei Geldgebern unter Führung des japanischen Technologieinvestors Softbank 220 Millionen Dollar eingesammelt und steigt zum Einhorn auf. Agile Robots sei damit derzeit weltweit das einzige Einhorn im Bereich der Robotik, teilte das Münchner Unternehmen am Donnerstag mit. So werden Startups bezeichnet, die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind.

Neben Softbank beteiligten sich unter anderen Abu Dhabi Royal Group, Hillhouse Ventures und Sequoia Capital China sowie strategische Investoren wie Xiaomi und ehemalige Führungskräfte des Apple-Zulieferers Foxconn an der Finanzierungsrunde. Das frische Geld will die 2018 als Ausgründung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstandene Firma in die Produktentwicklung, den Vertrieb sowie den Auf- und Ausbau der Serienfertigung beispielsweise in Kaufbeuren im Allgäu stecken. Die Roboter von Agile Robots werden bereits in verschiedenen Bereichen eingesetzt, etwa in der Orhopädie oder Neurochirurgie.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 09. September 2021 um 17:00 Uhr.