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Marktbericht

Verhaltener Wochenauftakt DAX im Seitwärtstrend gefangen

Stand: 05.07.2021 18:09 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt bewegt sich weiter seitwärts auf hohem Niveau. Für vergleichbar starke Kurszuwächse wie zuletzt in den USA fehlen aber hierzulande die Impulse.

Der DAX hat zum Wochenstart Altbekanntes geboten. Verluste im frühen Geschäft hat der Index im Verlauf wieder ausgeglichen, zu mehr reichte es aber (mal wieder) nicht. Der Index tendiert damit weiterhin seitwärts auf hohem Niveau und bleibt in einer engen Handelsbandbreite zwischen 15.500 und 15.700 sowie dem Rekordhoch bei 15.802 Zählern.

Heute ging der DAX letztlich bei 15.561 Punkten wenig verändert um 0,1 Prozent höher aus dem Handel. Er erholte sich dabei von seinem Tagestief am Morgen bei 15.535 Punkten, das Tageshoch lag bei 15.673 Punkten. Unter den Einzelwerten legten Heidelbergcement als Tagessieger rund 1,3 Prozent zu, Schlusslicht war die Fresenius-Dialysetochter FMC, deren Aktien 1,3 Prozent nachgaben.

Richtungsentscheid vorerst vertagt

Aus technischer Perspektive bleiben die Kräfte zwischen Käufern (Bullen) und Verkäufern (Bären) damit zu Wochenbeginn weitgehend gleichmäßig verteilt. Für einen belastbaren Richtungsentscheid im deutschen Leitindex würde erst ein Ausbruch über die jüngsten Tageshochs bei 15.709 Zählern oder ein Rutsch unter die Schlüsselmarke von 15.500 Punkten sorgen.

Weiter hinter den US-Märkten zurück

Anders als in den USA fehlt hierzulande der Funke, um die jüngste Rekordhatz der US-Märkte mitzugehen. Diese profitieren trotz zunehmender Inflationssignale von einer weiterhin expansiven Notenbank, allen voran die hochbewerteten US-Technologieaktien, die sich so aber nicht auf dem deutschen Kurszettel finden. Kopfzerbrechen bereite Investoren derzeit auch die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus, warf Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG ein. "Die Angst ist, dass sich die Mutante weiter ausbreitet und mögliche neuerliche Einschränkungen folgen."

Wall Street wegen Feiertag heute geschlossen

Von der Wall Street kamen heute keine frischen Impulse, die US-Börsen blieben wegen des nachgeholten Feiertages "Independence Day" (4. Juli) geschlossen. Am Freitag hatte der US-Arbeitsmarktbericht für Juni noch für Rekorde bei den Nasdaq-Indizes und dem marktbreiten S&P 500 gesorgt, waren die Daten doch gut, aber nicht zu gut ausgefallen. Ein Szenario, das an der Wall Street ausgesprochen gut ankommt, ist doch mit unmittelbaren geldpolitischen Dämpfern der US-Notenbank Federal Reserve zunächst nicht zu rechnen. Die Hausse kann also erst einmal weitergehen.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Apple & Co. keine Rekorde markieren und damit insbesondere die Nasdaq nach oben ziehen. Am Freitag hatte der Nasdaq-Composite-Index bei 14.649 Punkten im Verlauf seine Bestmarke markiert und bei 14.639 Zählern nur knapp darunter geschlossen. Auch der Auswahlindex Nasdaq 100 und der marktbreite S&P-500-Index laufen derzeit von Rekord zu Rekord.

Für den S&P 500, der für die Ertragsmessung der Fondsmanager und anderer institutioneller Anleger das Maß der Dinge ist, liegt die Latte mittlerweile bei 4355 Punkten. Rund 15 Prozent hat der Index damit in diesem Jahr hinzugewonnen. Kein Wunder, dass die US-Anleger frohlocken. Der Leitindex Dow kann nicht ganz mithalten, bleibt aber bei zuletzt 34.786 Punkten auf hohem Niveau und in Schlagweite seiner Bestmarke bei knapp über 35.000 Zählern.

Euro bewegt sich kaum

Der Euro handelt am späten Nachmittag kaum bewegt bei 1,1865 Dollar und damit leicht unter etwas höheren Kursen am Vormittag. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1866 (Freitag: 1,1823) US-Dollar fest. Wegen der Abwesenheit der US-Investoren erlebte auch der Devisenmarkt einen verhaltenen Handelstag.

Robuste Konjunkturdaten aus der Eurozone stützten den Euro zunächst etwas. Die Unternehmensstimmung in der Eurozone hat sich im Juni weiter aufgehellt und ist auf den höchsten Stand seit 15 Jahren gestiegen. Der Einkaufsmanagerindex des Marktforschungsunternehmens IHS Markit ist zudem noch etwas stärker gestiegen als in einer ersten Schätzung ermittelt. Die Eurozone starte mit Vollgas in den Sommer, erklärte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Der Euro rangiert aber trotzdem weiterhin in der Nähe des niedrigsten Standes seit etwa drei Monaten. Ein Grund dafür sind zunehmend auseinander klaffende Erwartungen an die Geldpolitik der Eurozone und der USA. Während in den Vereinigten Staaten zumindest perspektivisch eine etwas weniger großzügige Ausrichtung erwartet wird, macht die EZB bisher keine Anstalten, an ihrer lockeren Linie etwas zu ändern. Die Aussicht treibt den Dollar und lastet auf dem Euro.

Deutsche Autozulassungen steigen, bleiben aber unter Vorkrisenniveau

In Deutschland sind im Juni erneut deutlich mehr Autos neu zugelassen worden als im Vorjahr - die Zahlen der Schlüsselbranche liegen aber weiterhin klar unter Vorkrisenniveau. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) meldete am Montag für Juni rund 274.000 Neuzulassungen, das waren knapp 25 Prozent mehr als im Juni 2020. Im Mai hatte der Anstieg bereits rund 37 Prozent betragen. 

Besonders deutlich war auch im Juni der Anstieg bei Pkw mit alternativen Antrieben: Neu zugelassen wurden gut 311 Prozent mehr Elektroautos und rund 190 Prozent mehr Plug-in-Hybride. Im Juni erreichten Elektroautos laut KBA einen Marktanteil an den Neuzulassungen von 12,2 Prozent, Plug-in-Hybride einen Anteil von 11,4 Prozent. Der Anteil der Benziner ging hingegen um 4,6 Prozent auf insgesamt knapp 40 Prozent der Neuzulassungen zurück. Der Anteil der Dieselfahrzeuge verringerte sich um 18,8 Prozent auf aktuell 19,9 Prozent.

Insgesamt blieben die Neuzulassungen weit hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Im Juni 2019, vor Ausbruch der Corona-Pandemie, waren rund 325.000 Fahrzeuge neu zugelassen worden, rund 16 Prozent mehr als im Juni 2021. Trotz der positiven Tendenz könne von einer "durchgreifenden Markterholung" also noch immer "keine Rede" sein, erklärte der Automobilmarktexperte der Unternehmensberatung EY, Peter Fuß. Die Kauflust der Privatleute und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen kehrten zwar langsam zurück. Doch die Produktionsengpässe aufgrund des Chipmangels bremsten den Neuwagenabsatz erheblich. Autoaktien reagieren am Nachmittag kaum und tendieren uneinheitlich.

OPEC-+-Verhandlungen vor dem Scheitern

Ein Risikofaktor für die weiteren DAX-Perspektiven bleibt der Ölpreis. Die geplante Fortsetzung der Verhandlungen des Ölverbundes Opec+ an diesem Montag wurden laut Kreisen ohne Einigung abgesagt. Es gebe auch kein Datum für ein mögliches neues Treffen der Energieminister, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von Delegierten. Die aktuellen Fördermengen sollen zunächst bestehen bleiben, hieß es weiter.

Die Ölpreise zogen nach der Meldung an. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteurt sich am späten Nachmittag um rund ein Prozent in Richtung 77 Dollar, auch das US-Öl WTI kostet ein Prozent mehr und fast 76 Dollar je Barrel (159 Liter). Die Preise beider Sorten liegen damit in Reichweite ihrer zuletzt erreichten Zweieinhalb-Jahres-Hochs. Die großen Erdöl-Exporteure - zu denen neben der Opec Förderländer wie Russland gehören - versuchen seit mehreren Tagen, sich auf neue Förderquoten zu einigen.

Daimler, Traton und Volvo bauen E-Laster-Ladenetz auf

Die drei größten europäischen Lastwagenbauer Daimler Truck, Traton und Volvo wollen gemeinsam ein Hochleistungsladenetz für batterieelektrische Schwerlaster und Busse aufbauen. Die Unternehmen wollen dafür ein Joint Venture im kommenden Jahr an den Start bringen. Sie bezeichneten dies als einen Beitrag der Branche zum klimaneutralen Transportwesen in der Europäischen Union bis 2050, wie es der "Green Deal" der EU anstrebt.

Bugatti verschmilzt mit Rimac

Die Luxus-Sportwagenmarke Bugatti verlässt nach mehr als zwei Jahrzehnten den Volkswagen-Konzern. Die VW-Tochter Porsche und der kroatische Elektro-Sportwagenspezialist Rimac hätten Verträge zu einem Joint-Venture namens Bugatti-Rimac unterschrieben, erklärte Porsche am Montag. Daran werde Rimac 55 Prozent halten und Porsche 45 Prozent. Es soll im vierten Quartal an den Start gehen. VW überträgt sein Bugatti-Eigentum dafür an Porsche. "Wir bündeln die starke Expertise von Bugatti im Hypercar-Geschäft mit der großen Innovationskraft von Rimac auf dem zukunftsträchtigen Gebiet der Elektromobilität", erklärte Porsche-Chef Oliver Blume."

VW-Chef Herbert Diess hatte den Plan eines Gemeinschaftsunternehmens mit Rimac im März angekündigt. Porsche wolle eine starke Rolle als strategischer Gesellschafter einnehmen, erklärte der Stuttgarter Autobauer. Er hatte vor drei Jahren eine Partnerschaft mit Rimac geschlossen und hält mittlerweile 24 Prozent an der Firma.

Lufthansa wieder mit mehr Dienstreisen

Beim MDAX-Unternehmen Lufthansa wächst aufgrund der gesunkenen Corona-Infektionszahlen die Nachfrage nach Dienstreisen. "Wir erleben derzeit ein Comeback der Dienstreise. Gerade in Deutschland und Europa zieht die Nachfrage der Unternehmen nach Flugreisen wieder deutlich an", sagte Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister der "Welt am Sonntag". "Seit vier Wochen registrieren wir eine verstärkte Nachfrage nach dienstlichen Flügen für September, Oktober und November. Das ist ein deutliches Signal."

Sartorius hebt die Prognose an

Der Labordienstleister und Pharmazulieferer Sartorius wird nach guten Geschäften in den ersten sechs Monaten zuversichtlicher für das Gesamtjahr. So soll der Umsatz 2021 währungsbereinigt statt um etwa 35 Prozent jetzt um rund 45 Prozent steigen, wie das im MDAX gelistete Unternehmen überraschend am Montagabend in Göttingen mitteilte. Auch das bereinigte operative Ergebnis soll höher ausfallen als bisher gedacht. Am Finanzmarkt kamen die Nachrichten am Abend gut an: Die Sartorius-Aktie legte auf der Plattform Tradegate nachbörslich zu.

Für das erste Halbjahr erwartet die Sartorius-Führung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein währungsbereinigtes Umsatzplus von etwa 60 Prozent. Davon sollen etwas über 34 Prozent als bereinigtes operatives Ergebnis übrig geblieben sein. Die vollständigen Halbjahreszahlen will Sartorius wie geplant am 21. Juli veröffentlichen.

Indus übernimmt Flaco

Im SDAX gehören Aktien von Indus Holding zu den größten Gewinnern. Die Horngroup Holding, ein Tochterunternehmen von Indus, übernimmt 80 Prozent der Anteile an der Flaco Geräte GmbH. Das mittelständische Unternehmen Flaco mit Sitz in Gütersloh stellt Produkte und Systeme für das Fluid Management in Werkstätten, Tankstellen und Industriebetrieben her und erwirtschaftet laut Indus jährlich einen Umsatz von rund zwölf Millionen Euro.

Bezos - lieber Raumfahrt-Pionier als Amazon-Chef

Nach fast drei Jahrzehnten an der Spitze von Amazon gibt Konzerngründer Jeff Bezos heute die Leitung des Unternehmens an seinen Nachfolger Andy Jassy ab. Bezos bleibt aber Vorsitzender des Verwaltungsrats und dürfte die Geschicke des Konzerns auch künftig entscheidend mitbestimmen. Der 57-Jährige will sich nach eigenen Angaben künftig anderen Projekten stärker widmen, etwa seinem Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Am 20. Juli will er persönlich am ersten bemannten Flug des Unternehmens ins All teilnehmen.

Chinas Digital-Aufsicht geht gegen Didi vor

Der chinesische Fahrdienst-Vermittler Didi Chuxing ist kurz nach seinem Börsengang in New York ins Visier der chinesischen Aufsicht geraten. Die Pekinger Cyberspace-Aufsichtsbehörde ordnete am Sonntag die Löschung der Didi-App aus chinesischen AppStores an. Bei einer Untersuchung seien "schwerwiegende Verstöße" bei der Erhebung und Verwendung personenbezogener Daten durch Didi festgestellt worden, hieß es. Das Unternehmen müsse die Probleme zunächst lösen.

Über dieses Thema berichtete am 05. Juli 2021 Deutschlandfunk um 07:35 Uhr in der Börse und die tagesschau um 17:00 Uhr.