Börsenhändler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

DAX tritt auf der Stelle Anleger meiden das Risiko

Stand: 10.05.2021 22:22 Uhr

In den USA eilt der Dow Jones von Rekord zu Rekord. Im DAX lassen sich die Anleger von der Wall Street dagegen nicht inspirieren und nehmen zum Wochenstart etwas Tempo raus.

Der DAX tritt zum Wochenstart bei 15.400 Punkten auf der Stelle. Nach einer dreitägigen Erholungsrally warten die Investoren jetzt auf neue Kaufimpulse. Immerhin bleibt der DAX-Rekord bei 15.501 Punkten in Reichweite.

"Solange das Allzeithoch in Sichtweite bleibt, bleibt die Stimmung am deutschen Aktienmarkt gut", sagte Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. "Rücksetzer an den Aktienmärkten animieren zu einem Neueinstieg, was in Anbetracht der zum Teil hohen Bewertungsniveaus etwas verwundert", kommentieren die Marktbeobachter der Helaba. Noch immer stütze der Konjunkturoptimismus infolge der Aussicht auf weitere Lockerungen der Corona-Beschränkungen.

Grundsätzlich besteht also die Chance auf weiter steigende Notierungen: Paradoxerweise sei der deutlich hinter den Erwartungen zurückgebliebene Beschäftigungsaufbau in den USA positiv für die Börsen, sagte Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. "Nun ist der Druck auf die US-Notenbank, die Zinsen früher zu erhöhen, um eine Überhitzung der Wirtschaft zu verhindern, gesunken. Für die Aktienmärkte, die von der ultralockeren Geldpolitik abhängig sind, sind das erfreuliche Nachrichten."

Hohe Nachfrage nach Rohstoffen

Dass die Finanzmärkte von einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft ausgehen, zeigt ein Blick auf die Preise für Industriemetalle. Bei Kupfer geht die Rekordjagd zu Wochenbeginn weiter. Das Industriemetall, dessen Preisentwicklung als guter Indikator für die Konjunkturentwicklung betrachtet wird, verteuert sich dank Spekulationen auf eine anziehende Nachfrage bei einem gleichzeitig knappen Angebot auf 10.747,50 Dollar je Tonne. Andere Industriemetalle wie Zinn, Zink und Aluminium waren jeweils so teuer wie seit Jahren nicht.

Das macht Aktien aus dem Bergbau- und Energiesektor attraktiv. In den USA steigen die Aktien des Aluminiumhersteller Alcoa, Titel des Kupferminenbetreibers Freeport-McMoran zogen ebenfalls überdurchschnittlich an, auch Titel des Stahlherstellers United States Steel legten kräftig zu. In Europa haussierten Bergbauwerte wie Rio Tinto, BHP und Glencore.

Inflation unter Beobachtung

Allerdings wirken teure Rohstoffe inflationsverstärkend. Sollte die Inflation tatsächlich anziehen, könnten die Notenbanken gezwungen sein, ihre lockere Geldpolitik zu überdenken, die mittlerweile seit Jahren der wesentliche Faktor für steigende Aktienkurse sind ist. Deshalb beobachten die Anleger diese Entwicklung sehr genau.

Bei den europäischen Auswahlindizes schloss der EuroStoxx50 0,3 Prozent tiefer auf 4023 Zählern. Der breit gefasste Stoxx600 markierte dagegen zwischenzeitlich mit 446,19 Punkten einen neuen Bestwert und ging 0,1 Prozent fester aus dem Handel. Der Pariser Cac 40 legte minimal zu.

Dow Jones erstmals über 35.000 Punkten

An der Wall Street verlor der Dow Jones 0,1 Prozent auf 34.742 Punkte, nachdem er lange Zeit im Plus gelegen hatte. Er erreichte zwar den vierten Tag in Folge ein Rekordhoch und stieg erstmals über die Marke von 35.000 Punkten. Der US-Leitindex konnte das Niveau aber nicht verteidigen.

Der S&P 500 büßte ein Prozent auf 4188 Zähler ein. Der technologielastige Nasdaq 100 schloss 2,6 Prozent leichter auf 13.359 Punkten. Technologieaktien litten Händlern zufolge unter steigenden Rohstoffpreisen, die Sorgen schürten, dass die Inflation das Wachstum in der größten Volkswirtschaft der Welt zum Entgleisen bringen könnte.

Ölpreis könnte für teures Benzin sorgen

Die Öl- und Gaspreise ziehen am Montag nach dem Hackerangriff auf den US-Pipeline-Betreiber Colonial Pipeline merklich an. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent steigt um mehr als ein Prozent auf 69,20 Dollar.

Nach dem Cyberangriff mit Erpressungssoftware ist der Betrieb bei Colonial Pipeline vorübergehend eingestellt worden. Das Unternehmen transportiert etwa 45 Prozent aller an der Ostküste verbrauchten Kraftstoffe und beliefert mehr als 50 Millionen Amerikaner.

Laut Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch hätte eine längere Unterbrechung Auswirkungen auch auf Europa. Fehlende Mengen in den USA könnten zu ungewöhnlichen Benzinlieferungen von Europa in Richtung USA führen: "In der Folge könnten also auch hier die Benzinpreise steigen."

Der Euro hat zu Beginn der Woche den höchsten Stand seit über zwei Monaten erreicht. Am Montagvormittag stieg der Kurs der Gemeinschaftswährung zeitweise bis auf 1,2178 US-Dollar und damit auf den höchsten Stand seit Ende Februar. Der Euro profitierte weiterhin von einer Dollar-Schwäche nach enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Ether auf Rekord, Kurseinbruch bei Dogecoin

Bei den Digitalwährungen bleiben die Kursbewegungen erratisch. Während der zweitgrößte Kryptowert Ethereum abermals ein Rekordhoch markiert, steigt die marktgrößte Digitaldevise Bitcoin in Richtung 60.000 US-Dollar. Der Shootingstar der vergangenen Wochen, die als Internetwitz gestartete Kryptoanlage Dogecoin, brach dagegen am Wochenende um fast 40 Prozent ein.

Tesla-Chef und Krypto-Fan Elon Musk hatte am Wochenende durch die amerikanische TV-Show Saturday Night Live geführt und dabei Dogecoin überwiegend humoristisch thematisiert. Das kam am Markt offenbar nicht gut an.

Milliardengewinn für BioNTech

Der Mainzer Corona-Impfstoffhersteller BioNTech hat im ersten Quartal dieses Jahres einen Quartalsgewinn von 1,1 Milliarden Euro erzielt. Im ersten Quartal 2020 musste BioNTech noch einen Nettoverlust von 53 Millionen Euro hinnehmen - Hauptgrund dafür waren hohe Forschungs- und Entwicklungskosten. Die Umsatzerlöse erreichten in den ersten drei Monaten rund 2,05 Milliarden Euro. Das waren mehr als 70 Mal so viel wie im entsprechenden Zeitraum 2020.

Die Europäische Union kauft derweil innerhalb der nächsten Jahre bis zu 1,8 Milliarden weitere Dosen Corona-Impfstoff von BioNTech/Pfizer. Damit sollen die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU gegen Covid-19 geschützt und Impfungen von Erwachsenen aufgefrischt werden. Unterdessen expandiert BioNTech weiter ins Ausland: Geplant ist noch in diesem Jahr ein weiteres Werk in Singapur, wie das Unternehmen mitteilte

Squeeze-out: MAN-Aktien springen hoch

Aktien von MAN springen zu Wochenbeginn knapp 30 Prozent in die Höhe. Hintergrund ist der bereits im Februar 2020 beschlossene Squeeze-out, der nun endlich umgesetzt werden soll. Die Volkswagen-Nutzfahrzeugtochter Traton bietet den verbliebenen MAN-Aktionären als Abfindung 70,68 Euro je Stamm- oder Vorzugsaktie. Ein Händler bezeichnete das als ordentliche Prämie, die auf viel Akzeptanz stoßen dürfte. Am Freitag hatten beide MAN-Aktien nahe 55 Euro geschlossen.

Porsche plant vollelektrischen Macan für 2023

Die Volkswagen-Tochter Porsche will ihr nächstes vollelektrisches Modell, den Macan, in der ersten Jahreshälfte 2023 auf die Straße bringen, wie Entwicklungsvorstand Michael Steiner der "Welt am Sonntag" sagte. Der SUV soll auf der "Premium Platform Electric" (PPE) entstehen.

TAG Immobilien verdient zum Jahresauftakt deutlich mehr

Steigende Mieten in Ballungszentren treiben TAG Immobilien weiter an. Zudem profitiert das Unternehmen von Dienstleistungen rund um Immobilien. Im ersten Quartal erhöhte sich das operative Ergebnis (FFO 1) im Jahresvergleich um 8,6 Prozent auf 45,6 Millionen Euro. Die für Immobilienunternehmen wichtige Kenngröße FFO gibt an, wie viel Geld aus dem laufenden Geschäft nach Abzug vor allem von Zinszahlungen und Steuern verbleibt.

Airbus schlägt wieder weniger Flugzeuge los

Der europäische Flugzeugbauer Airbus hat im April 45 neue Maschinen an seine Kunden übergeben - deutlich weniger als im außergewöhnlich starken März (72 Maschinen). Unterdessen sammelte Airbus im April trotz der Corona-Krise Bestellungen über 48 Verkehrsflugzeuge ein, kassierte aber auch 22 Stornierungen.

Kupferkonzern Aurubis profitiert vom Rohstoffboom

Der Rohstoffboom der vergangenen Monate hat den Kupferkonzern Aurubis auch in seinem zweiten Geschäftsquartal angetrieben. Das um Metallpreisschwankungen bereinigte operative Ergebnis vor Steuern stieg um 72 Prozent auf 103 Millionen Euro. Das Konzernergebnis erhöhte sich in gleichem Maße auf 79 Millionen Euro. Die Jahresprognose für 2020/21 (per Ende September) wurde bestätigt.

Deutsche Pfandbriefbank mit Gewinnsprung

Ein höherer Zinsüberschuss und gesunkene Sorgen wegen möglicher Kreditausfälle haben der Deutschen Pfandbriefbank im ersten Quartal einen kräftigen Gewinnsprung beschert. Unter dem Strich stand ein Überschuss von 42 Millionen Euro nach gerade einmal zwei Millionen ein Jahr zuvor, wie der im SDAX gelistete Gewerbeimmobilienfinanzierer mitteilte.

Nabu hat Bedenken gegen Tesla-Pläne

Die Pläne von US-Elektroautobauer Tesla für eine Batteriefabrik in Grünheide bei Berlin stoßen beim Naturschutzbund Nabu auf Bedenken. "Mittlerweile ist eine richtige Batteriezellfertigung geplant, die sicher nochmal mit einem anderen Wasserverbrauch und anderen Gefahrenstoffen in Verbindung steht, als wenn nur Fertigbauteile eingebaut werden", sagte die Landesgeschäftsführerin des Nabu Brandenburg, Christiane Schröder.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 10. Mai 2021 um 08:10 Uhr in der Börse.