Nasdaq
Marktbericht

Tech-Aktien gefragt Die Nasdaq-Rally geht weiter

Stand: 30.08.2021 22:25 Uhr

Der US-Aktienmarkt präsentiert sich weiter zweigeteilt. Während Tech-Aktien von Rekord zu Rekord eilen, bleiben Standardwerte zurück. Darunter leidet auch der stagnierende DAX.

Nachlassende Zinsängste haben an der New Yorker Aktienbörse vor allem Technologieaktien angetrieben. Sowohl der breit gefächerte S&P 500, der sowohl Technologie- als auch Standardwerte beinhaltet, als auch die wichtigsten Technologie-Indizes erreichten weitere Höchststände. Vor allem das jüngst verkündete Stillhalten der Notenbank Federal Reserve (Fed) treibt diese Märkte weiter an.

"Der Markt war in der vergangenen Woche voll und ganz auf einen Zeitplan für das Tapering vorbereitet und die Tatsache, dass sich die Fed nicht wirklich dazu geäußert hat, hat den Märkten einen zusätzlichen Schub gegeben", sagte Ross Mayfield, Investmentstratege beim Vermögensverwalter Baird. Mit "Tapering" bezeichnen die Finanzmärkte das sukzessive Zurückfahren der milliardenschweren Anleihenkäufe durch die Fed.

Der S&P-500-Index, wichtiger Maßstab für die Wertentwicklung bei institutionellen Anlegern, schloss bei 4528 Punkten um 0,43 Prozent höher. Der Index markierte bei 4537 Punkten dabei im Verlauf erneut eine Bestmarke, wie schon an vielen Handelstagen zuvor. Noch besser hielten sich die reinen Tech-Indizes der Technologiebörse Nasdaq.

Der Composite-Index rückte um 0,90 Prozent auf 15.265 Punkte vor und erreichte im Verlauf bei 15.288 Punkten sein Tages- und Rekordhoch. Noch stärker präsentierte sich der Auswahlindex Nasdaq 100 bei 15.605 Punkten, ein Tagesgewinn von 1,12 Prozent. im Verlauf lag die Bestmarke bei 15.620 Punkten.

Dem Leitindex der Standardwerte, dem Dow Jones, ging es derweil ähnlich wie dem DAX. Er stagnierte auf hohem Niveau und blieb unter seinem Rekordhoch bei etwas über 35.600 Punkten - obwohl mit Apple und Microsoft zwei Tech-Riesen die größten Schwergewichte sind. Er schloss leicht um 0,16 Prozent im Minus bei 35.399 Punkten.

Apple standen mit einem Tagesgewinn von 3,04 Prozent auf 153,12 Dollar an der Indexspitze und damit auf Rekordhoch. Das Verlaufshoch lag bei 153,49 Dollar nur leicht darüber. Der Börsenwert der Kultmarke liegt damit bei über 2,5 Billionen Dollar.

Aktien von Adtran standen unter den US-Einzelwerten besonders im Blick. Sie bauen ihre Verluste an der Nasdaq im Verlauf aus und verloren am Ende deutlich 16,5 Prozent. Der US-Konzern will den deutschen Telekomausrüster Adva Optical übernehmen, dessen Aktie im Gegenzug deutlich um über zehn Prozent zulegte. In der Spitze hatte das Papier zum Wochenauftakt um 20 Prozent zugelegt und mit 15,48 Euro den höchsten Kurs seit dem Jahr 2001 erreicht.

Bei der angestrebten Transaktion wird Adva mit knapp 760 Millionen Euro bewertet, wie die Unternehmen mitteilten. Die Übernahme soll über einen Aktientausch erfolgen, dabei sollen Adva-Aktionäre für jedes Papier 0,8244 Aktien des fusionierten Unternehmens ("HoldCo") erhalten. Die Adtran-Aktien würden im Verhältnis eins zu eins in Aktien der neuen Holdinggesellschaft eingetauscht.

Es bleibt dabei: Am deutschen Aktienmarkt geht es kaum voran derzeit. Der DAX setzte heute seine Seitwärtsbewegung auf hohem Niveau fort, zu mehr reicht es derzeit nicht. Der Index schloss am Ende des Tages bei 15.887 Punkten um 0,22 Prozent leicht höher. Die Bandbreite war heute zwischen 15.856 und 15.896 Punkten gering.

Damit bleibt der Markt einerseits auf hohem Niveau, es fehlen aber weiterhin die Kaufanreize, um über das in diesem Monat erst erreichte Rekordhoch bei 16.030 Punkten hinaus zu steigen. Selbst die bis auf weiteres expansive US-Notenbank Federal Reserve (Fed) und amerikanische Börsen in Rekordlaune können an dieser Tendenz nichts ändern.

Denn der export- und industrielastige DAX entwickelt sich schon seit einer Weile schlechter als die Technologiebörsen in den USA. Am kommenden Freitag will die Deutsche Börse eine neue Zusammensetzung des dann auf 40 Werte aufgestockten deutschen Leitindex bekannt geben, der geänderte Branchenschwerpunkte setzen soll.

Inflation so hoch wie 1993

Wenig geholfen haben darüber hinaus auch die heimischen Inflationsdaten für den August. Sie zeigen eine deutlich gestiegene Inflationsdynamik an. Zwar kommt diese Entwicklung, wie auch in den USA, aufgrund einiger Sondereffekte nicht völlig überraschend und war dementsprechend auch erwartet worden, frische Kaufargumente lassen sich damit aber auf dem hohen Niveau sicher nicht begründen.

Konkret ist die Inflation in Deutschland auf den höchsten Stand seit fast 28 Jahren geklettert. Waren und Dienstleistungen waren im August durchschnittlich 3,9 Prozent teurer als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt zu seiner ersten Schätzung mitteilte. Einen stärkeren Preisauftrieb gab es zuletzt in der Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung - im Dezember 1993 mit damals 4,3 Prozent. Ökonomen hatten mit einem Wert von 3,9 Prozent gerechnet, nach einer Inflationsrate von 3,8 Prozent im Juli.

"Die deutsche Inflation folgt weiterhin ihrem Pfad nach oben, der durch Basiseffekte und andere coronabedingte Sonderfaktoren zu guten Teilen auch für die kommenden Monate vorgegeben ist und in der Spitze wohl im Herbst auf Werte klar über vier Prozent führen dürfte", kommentierte Elmar Völker von der LBBW.

Danach, so die offizielle Lesart der EZB (und auch der Fed), wird sich dieses temporäre Phänomen wieder zurückbilden. An der Börse bleibt in einem Inflationsszenario aber trotzdem ein flaues Gefühl, denn in Stein gemeißelt ist diese Entwicklung auch nicht.

Wichtige Konjunkturdaten stehen an

Ein Grund für die Zurückhaltung hierzulande dürfte auch mit wichtigen Konjunkturdaten zusammenhängen, die in den kommenden Tagen anstehen. Die Marktstrategen der Credit Suisse sprechen von einer "Woche der Makrodaten": Nach den deutschen Inflationsdaten werden am Dienstag die Verbraucherpreise in der Eurozone veröffentlicht, aus den USA kommen Daten zum aktuellen Verbrauchervertrauen. Am Freitag schließlich folgt der US-Arbeitsmarktbericht für August.

Auch nach Ansicht von Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank, hat es diese Woche in sich, denn hinzu komme am Dienstag noch der Einkaufsmanagerindex in China: Der Indikator dürfte Kater zufolge zeigen, welche aktuellen Belastungen aus der fortgesetzten chinesischen No-Covid-Strategie entstehen. Sollte Chinas Konjunktur an Fahrt verlieren, wären negative Auswirkungen insbesondere auch auf Deutschlands Volkswirtschaft gewiss.

Der Euro handelt im US-Handel kaum verändert fast genau bei 1,18 Dollar. Seit der Tapering-Rede von Jerome Powell am Freitag steht der Greenback zu anderen Währungen leicht unter Druck.

Im Gegenzug kletterte der Euro zeitweise über die Marke von 1,18 Dollar. Im Handelsverlauf konnten Daten zur Preisentwicklung in der Eurozone keine größeren Impulse liefern. Auch überraschend schwächere Daten vom US-Hausmarkt bewegten kaum. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1801 (Freitag: 1,1761) Dollar fest.

Die Ölpreise sind heute im Verlauf nach zunächst schwächerem Beginn wieder ins Plus gedreht. In der vergangenen Woche hatten die Notierungen so stark zugelegt wie zuletzt vor 14 Monaten.

Der tropische Wirbelsturm Ida sorgt allerdings vorerst nicht für größere Preisbewegungen. Bevor der Hurrikan am Sonntag im Südosten der USA an Land getroffen war, hatte er die ölreiche Region im Golf von Mexiko durchquert und nun vor allem in Lousiana für große Schäden gesorgt.

Am Markt ist derzeit noch nicht klar, wie stark der Sturm die Ölindustrie im Süden der USA getroffen hat. Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank verwies auf Angaben von US-Behörden. Demnach war am Sonntag fast die gesamte US-Ölproduktion im Golf von Mexiko stillgelegt. Außerdem mussten zahlreiche Raffinerien ihren Betrieb wegen Stromausfällen ebenfalls einstellen. "Über Schäden an der Infrastruktur gibt es im Moment noch keine verlässlichen Informationen", sagte Fritsch.

Am Mittwoch steht ein Treffen der Ländergruppe Opec+ an, ein wichtiges Datum für die Ölmärkte. Insidern zufolge werden die großen Exportländer bei ihrem Treffen wie geplant eine Anhebung der Produktionsmenge um 400.000 Barrel pro Tag beschließen. Zuvor war am Markt darüber spekuliert worden, ob die Opec+ angesichts weltweit steigender Corona-Fälle von einer Produktionsausweitung absehen wird.

Der schwächelnde Dollar hatte dem Goldpreis bereits zum Wochenschluss Auftrieb gegeben. Das gelbe Edelmetall eroberte die psychologisch bedeutsame 1800-Dollar-Marke zurück und verteidigte sie. Zu Wochenbeginn kostete eine Feinunze Gold 1809 Dollar und damit rund ein halbes Prozent weniger als am Freitag.

Der Hurrikan "Ida" setzt nicht nur der Ölindustrie, sondern auch den Rückversicherern zu. Die Aktien des Weltmarktführers Münchener Rück und die Nummer zwei der Branche, Swiss Re, geben nach. Die MüRü-Aktie gehörte mit einem Minus von 1,3 Prozent zu den größten DAX-Verlierern. ZKB-Analyst Georg Marti geht davon aus, dass der Hurrikan umfangreiche Sachschäden hinterlassen und auch die Rückversicherungsbranche belasten dürfte. Alleine für Swiss Re schätzte er einen Schaden von mehreren Hundert Millionen Dollar.

Die Aktionäre des Solar- und Windparkbetreibers Encavis aus dem MDAX müssen sich auf eine deutliche Verwässerung ihres Anteils einstellen. Wie das Unternehmen am Wochenende mittelte, werden die 2017 und 2019 begebenen Hybrid-Wandelanleihen vorzeitig pflichtgewandelt.

Der Wandlungspreis liege, wie zuletzt am 31. Mai verkündet, bei 7,0836 Euro. Das Gesamtvolumen der noch ausstehenden Schuldverschreibungen beträgt den Angaben zufolge 149,5 Millionen Euro. Daraus und aus den Angaben des Unternehmens auf dessen Internetseite über die Zahl der aktuell ausstehenden Papiere ergibt sich eine Zunahme der Aktienzahl um gut 15 Prozent.

Einem Bericht der "Economic Times" zufolge fühlt der Elektroautobauer Tesla bei indischen Firmen vor, um die Versorgung eines geplanten Werks auf dem Subkontinent sicherzustellen. Die Aussicht auf zusätzliche Aufträge von Tesla beschert den Autozulieferern teilweise prozentual zweistellige Kursgewinne. Die Aktien von Bharat Forge, Sona BLW und Sandhar steigen um bis zu 13,7 Prozent. Das Tesla-Papier selbst legt knapp ein Prozent zu.

Knaus Tabbert will investieren

Mittelfristige Wachstumsziele des Wohnmobilherstellers Knaus Tabbert lassen die Anleger zugreifen. Das Unternehmen will den Umsatz bis 2025 auf zwei Milliarden Euro steigern und dafür in den Ausbau der Produktion investieren, um die in Pandemie-Zeiten erhöhte Nachfrage bedienen zu können. "Diese für uns wichtige Erweiterung der Kapazitäten ermöglicht es uns, signifikantes Wertschöpfungspotenzial für unsere Aktionäre zu nutzen", kommentierte Finanzchef Marc Hundsdorf. Das Unternehmen ist seit September vergangenen Jahres an der Börse notiert.

Am deutschen Aktienmarkt rückt Qiagen in den Fokus. Das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen peilt Übernahmen an und könnte künftig seine Aktionäre mit Dividendenzahlungen erfreuen. "Wir sind zurzeit sehr aktiv", sagte Finanzvorstand Roland Sackers der "Börsen-Zeitung" mit Blick auf Zukäufe. An einer Erweiterung des Test-Portfolios oder weiterem Zugang zu Bioinformatik habe der Konzern großes Interesse.

Der Online-Broker Flatexdegiro hat einen Aktiensplit angekündigt. Aktionäre erhielten für je ein Papier drei zusätzliche Anteilscheine. Damit solle die Liquidität der Aktie weiter erhöht und der Aktienbesitz für Anleger noch leichter zugänglich gemacht werden. Wirksam werden soll das Verfahren am 2. September 2021.

Der Fotodienst setzt sein Aktienrückkaufprogramm fort. Der Vorstand habe beschlossen, vom 1. September 2021 bis 30. Mai 2022 bis zu 200.000 eigene Aktien im Volumen von bis zu 20 Millionen Euro über die Börse zurückzukaufen, teilte das SDAX-Unternehmen mit Sitz in Oldenburg nach Börsenschluss mit.

Impfstoffaktie Valneva auf Rekordjagd

Anhaltende Fantasie auf einen Corona-Impfstoff lässt die Papiere des französischen Biotechunternehmens Valneva weiter ansteigen. Sie gewannen rund zehn Prozent und bauten damit das Plus in den vergangenen 13 Handelstagen auf gut 70 Prozent aus. Das Unternehmen rückte zuletzt stärker in den Blickpunkt, da es auf die klassische Herangehensweise mit einem inaktiven Virus (Totimpfstoff) gegen Covid-19 setzt. Derzeit gibt es aber noch keine Zulassung. Valneva selbst erwartet noch vor Jahresende eine Zulassung in Großbritannien. Trotz der starken Kursgewinne in den vergangenen Wochen ist Valneva mit einem Börsenwert von 1,8 Milliarden ein Leichtgewicht unter den Impfstoffherstellern.

Japan hat erneut Verunreinigungen in einer Ampulle des Covid-19-Impfstoffs von Moderna festgestellt. Eine sehr kleine, schwarze Substanz sei in einer Impfstoffampulle von Moderna gefunden worden, so ein Beamter der Präfektur Gunma. Erst vergangene Woche hatte Japan die Verwendung von 1,63 Millionen Moderna-Dosen gestoppt, nachdem der inländische Vertriebshändler Takeda Pharmaceutical Berichte über Verunreinigungen in einigen Fläschchen erhalten hatte.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. August 2021 um 09:05 Uhr.