Händler an der NYSE
Marktbericht

Neue Bestmarken US-Börsen auf Klettertour

Stand: 23.08.2021 22:18 Uhr

Auf breiter Front sind die Kurse an der New Yorker Börse heute gestiegen und haben weitere Bestmarken erreicht. Steigende Ölpreise befeuerten den Aufschwung, der schon am Freitag eingesetzt hatte.

Die US-Märkte knüpften zum Wochenstart nahtlos an die positive Tendenz vom Freitag an und markierten dabei sogar weitere Rekorde. Mehr Risikobereitschaft der Anleger und steigende Ölpreise waren die Treibsätze für einen erfolgreichen Handelstag. Zwar wird die Ausbreitung der Delta-Variante an den Märkten nach wie vor mit Sorgen verfolgt, dies hat aber heute die Börsenbullen nicht wirklich aufgehalten.

Der Leitindex Dow Jones legte am Ende 0,61 Prozent zu und schloss bei 15.335 Punkten. Er visiert damit sein Rekordhoch bei über 35.600 Punkten an, bis zu dem es nur noch rund 300 Punkte oder weniger als ein Prozent sind.

An der Technologiebörse Nasdaq und beim marktbreiten S&P-500-Index wurden derweil schon Rekord-Fakten geschaffen. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss bei 15.312 Zählern um 1,46 Prozent höher und markierte im Verlauf bei 15.341 Punkten ein Rekordhoch. Der Composite-Index legte ebenfalls zu und ging bei 14.942 Punkten um 1,55 Prozent besser aus dem Handel.

Eine weitere Rekordmarke gab es im Handelsverlauf auch beim marktbreiten Benchmark-Index S&P-500-Index mit 4490 Punkten. Der Schlusskurs lag bei 4479 Zählern, ein Tagesgewinn von 0,85 Punkten. Der Index steht damit kurz davor, die Marke von 4500 Punkten zu erreichen. Das wären gut 1000 Punkte oder mehr als 30 Prozent mehr als vor einem Jahr und rund 1200 Punkte mehr als beim Zwölf-Monats-Tief im September 2020 bei 3236 Punkten.

"Nach der Korrektur, die wir in der vergangenen Woche gesehen haben, ist das wirklich eine Rückkehr", sagte Marco Willner, Chefstratege beim Vermögensverwalter NNIP. Allerdings werde weiterhin in Richtung Jackson Hole und auf die Delta-Variante geblickt.

Bei den Standardwerten half heute ein anziehender Ölpreis. Die Aktien der US-Ölkonzerne Chevron und Exxon Mobil gewannen deutlich. Chevron gehörten zu den größten Gewinnern im Dow und legten 2,5 Prozent Prozent zu.

Der deutsche Leitindex DAX hat nach einem wechselvollen Handelstag am Montag unter Tageshoch nur moderat höher geschlossen. Im späten Geschäft konnte der Index immerhin noch etwas von der steigenden Wall Street profitieren, so dass die Anfangsgewinne nicht völlig verpufften. Zum Handelsstart hatte der Index bei 15.930 Punkten sein Tageshoch markiert, eher er danach stetig zurückfiel.

Am Ende ging der DAX bei 15.852 Punkten aus dem Handel, ein Tagesgewinn von 0,28 Prozent. Für mehr reicht es derzeit wohl nicht, obwohl die US-Märkte sich schon seit Freitag wieder deutlich im Erholungsmodus befinden. Seitdem der DAX am Freitag vor einer Woche bei 16.030 Punkten ein Rekordhoch markierte, wirkt der Markt wie gelähmt. Aufbruchstimmung will jedenfalls nicht aufkommen, obwohl das Rekordhoch erst nach langem Kampf erreicht und stürmisch bejubelt worden war.

Immer wieder Corona

Mit den zuletzt sprunghaft steigenden Corona-Neuinfektionszahlen kommt allerdings ein alter Bekannter hierzulande wieder zurück. Aber auch in Asien stiegen die Zahlen zuletzt wieder. In China gehen die Behörden mit rigorosen Maßnahmen auch gegen vereinzelte Infektionsausbrüche vor, was in der exportabhängigen deutschen Industrie sofort Sorgen um die internationalen Lieferketten befeuert.

"Es zeichnet sich immer deutlicher ab, dass China als wirtschaftliches Zugpferd der Region vorerst ausfällt, mit entsprechenden Konsequenzen für die globale Nachfrage", sagte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt.

Wann kommt die US-Zinswende?

Auch die zukünftige Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) wird eher argwöhnisch beäugt, deutet sich doch eine Zinswende in naher Zukunft an. Das ist zwar an sich keine neue Erkenntnis, aber niemand weiß derzeit so genau, wie und wann dieser Prozess beginnen wird.

Auf der wichtigen Jackson-Hole-Konferenz wird am Freitag Fed-Chef Jerome Powell eine mit Spannung erwartete Rede zur US-Konjunktur halten. Investoren erhoffen sich Hinweise darauf, wann die Federal Reserve damit beginnen wird, ihre massiven Konjunkturhilfen herunterzufahren.

Wegen der Corona-Krise findet der Geldpolitik-Kongress das zweite Jahr in Folge lediglich online statt. "Die Leute erwarten, dass die konjunkturstützende Ausrichtung der Fed für mindestens eine weitere handvoll an Monaten beibehalten wird," meint Thomas Hayes, Experte beim Vermögensverwalter Great Hill Capital in New York mit Blick auf die Corona-Delta-Variante.

Tapering-Sorgen bleiben

Derzeit kauft die Fed im Monat für 120 Milliarden Dollar Anleihen, um die Wirtschaft zu stützen, und die Märkte fragen sich, wie sie aus diesem Programm aussteigen wird. "Der Markt ist so hypersensibel, was das Tapering angeht (...) das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass es zu mehr Schwankungen kommt", kommentierte Ryan Detrick, Marktstratege beim Finanzdienstleister LPL Financial.

Als "Tapering" wird an der Börse das Herunterfahren der umfangreichen Anleihekäufe durch die US-Notenbank bezeichnet. Beim Tapering dreht die Federal Reserve (Fed) den Märkten also allmählich den Geldhahn zu.

Der Euro legt hat am Montag zu. Im US-Handel weitet die Gemeinschaftswährung ihre Gewinne aus und kostet 1,1748 US-Dollar. In der Nacht hatte sie noch unter 1,17 Dollar notiert. Vor dem Wochenende war der Euro mit 1,1664 Dollar auf den tiefsten Stand seit etwa neun Monaten gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1718 (Freitag: 1,1671) US-Dollar fest. Die insgesamt freundliche Stimmung an den europäischen Aktienmärkten stütze den Euro, hieß es.

Stimmung trübt sich ein

Die im August etwas eingetrübte Unternehmensstimmung in der Eurozone belastete nicht. Schließlich lag der von Markit erhobene Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft im Rahmen der Erwartungen und befindet sich weiterhin auf einem hohen Niveau. "Der Wirtschaftsaufschwung der Eurozone hat im August seine beeindruckende Dynamik beibehalten", erklärte Markit-Chefökonom Chris Williamson.

Der Einkaufsmanagerindex von IHS Markit gab im August gegenüber dem Vormonat um 0,7 Punkte auf 59,5 Zähler nach. Der Rückgang fiel damit etwas stärker aus als von Analysten im Schnitt erwartet.

Auch in den USA fiel der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft - Dienstleister und Industrie zusammen - um 4,5 auf 55,4 Punkte und damit zum dritten Mal in Folge, wie das Institut IHS Markit am Montag zu seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 58,3 Zähler gerechnet. Auch die US-Wirtschaft musste vor allem Lieferengpässen Tribut zollen.

Der fallende Dollar gab dem Goldpreis ebenfalls Rückenwind. Der Preis für eine Feinunze des gelben Edelmetalls stieg deutlich um 1,5 Prozent und überwand damit die Marke von 1800 Dollar je Feinunze.

Die Ölpreise setzten zu Wochenbeginn ebenfalls zu einer starken Gegenbewegung an. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuerte sich um mehr als fünf Prozent auf 68,80 Dollar je Barrel. Auch der Preis für die US-Sorte WTI stieg in der gleichen Größenordnung auf 65,73 Dollar.

In der vergangenen Woche waren die Ölpreise auf den tiefsten Stand seit Mai gefallen. Vor allem der starke Dollar hatte die Preise für WTI und Brent belastet, verteuert er doch Öl in Ländern außerhalb des Dollar-Raums und dämpft so die Nachfrage.

Erstmals seit Mai kostete ein Bitcoin zwischenzeitlich wieder mehr als 50.000 Dollar, fiel danach allerdings wieder unter diese Marke. "Die seit Mitte Juli laufende Erholung ist intakt. Die Kleinspekulanten bleiben auf der Käuferseite", betont Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest. Der Gesamtwert aller Kryptowährungen liegt laut der Internetseite Coinmarketcap nun wieder über zwei Billionen Dollar.

Für Rückenwind am Kryptomarkt sorgt zu Wochenbeginn eine Ankündigung von Paypal: Der US-Zahlungsdienstleister führt in dieser Woche den Kauf, Verkauf und Besitz von Kryptowährungen auch in Großbritannien ein. Das neue Angebot solle den Menschen in Großbritannien bei der "Erkundung" von Kryptowährungen helfen. US-Kunden von Paypal können bereits seit März digitale Währungen nutzen.

RWE ordnet angesichts des schnellen Wachstums der Ökostromsparte sein Erneuerbare-Energien-Geschäft neu. Das Geschäft mit der Windkraft auf Hoher See (Offshore) fällt künftig in einen eigenen Bereich, für den Sven Utermöhlen die Verantwortung übernimmt, wie der DAX-Konzern mitteilte. Das Geschäft mit der Windkraft an Land (Onshore) und Solaranlagen (PV) wird von Silvia Ortin Rios geleitet.

Die bisherige Chefin von RWE Renewables, Anja-Isabel Dotzenrath, verlasse RWE und habe die Geschäftsführung der RWE Renewables GmbH zum 23. August 2021 niedergelegt. Mit der Trennung des Offshore- und Onshore-Geschäfts in separate Bereiche wolle RWE sich besser auf die spezifischen Anforderungen der unterschiedlichen Geschäfte ausrichten, hieß es weiter.

Der Lastwagenhersteller Daimler Truck zeigt sich zuversichtlich, die herkömmliche Dieseltechnologie bei Lkw in der EU schneller als politisch angepeilt zu überwinden. Es sei möglich, "dass wir bis 2030 schon einen Anteil von 40, 50 oder 60 Prozent an CO2-neutralen Batterie- oder Brennstoffzellen-Lkw bei unserem Absatz in der EU erreichen", sagte Technologievorstand Andreas Gorbach. Daimler-Papiere gaben knapp 0,4 Prozent nach.

Vonovia-Aktien lagen am DAX-Ende und verloren rund 2,3 Prozent. Deutschlands größter Immobilienkonzern begann mit seinem neuen Übernahmeangebot für den Konkurrenten Deutsche Wohnen. Ab heute konnten die Aktionäre der Deutsche Wohnen das Angebot von 53 Euro je Aktie über ihre Depotbank annehmen und ihre Aktien andienen. Die Angebotsfrist endet voraussichtlich am 20. September 2021 um 24 Uhr. Ein neues Übernahmeangebot werde es nicht geben, machte der Immobilienkonzern erneut klar.

Das Leasingunternehmen Grenke verkauft seine 25-prozentige Minderheitsbeteiligung an der Fintech-Firma Viafintech. Der Anteil gehe zu einem Preis im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich an die österreichische Paysafecard.com Wertkarten, teilte Grenke mit. Mit Abschluss der Transaktion werde sich der Konzerngewinn "innerhalb der nächsten Monate außerordentlich erhöhen".

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Mittel des deutschen Herstellers BioNTech und seines US-Partners Pfizer als erstem Corona-Impfstoff in den USA die vollständige Zulassung erteilt. Sie gelte für Menschen ab 16 Jahren, teilte die FDA am Montag mit und nannte die Entscheidung einen "Meilenstein" im Kampf gegen die Pandemie. Die Notfallzulassung für Personen ab zwölf Jahren bleibe weiterhin bestehen. Die Aktie legte an der Nasdaq deutlich zu.

Der Impfstoff ist in den USA seit Dezember mit einer Notfallzulassung im Einsatz, im Mai hatten BioNTech und Pfizer die vollständige Zulassung beantragt. Auch die Impfstoffe von Moderna und Johnson & Johnson werden in den USA bereits seit Monaten basierend auf Notfallzulassungen eingesetzt. Moderna hat Anfang Juni die vollständige Zulassung bei der FDA beantragt, allerdings noch nicht alle Dokumente dafür eingereicht. Johnson & Johnson will einen solchen Antrag noch in diesem Jahr stellen.

Die US-Regierung verspricht sich von einer vollständigen Zulassung einen Impfschub. Schließlich koppeln etwa Arbeitgeber, Krankenhäuser und Bildungseinrichtungen eine Impfpflicht für ihre Mitarbeiter, Besucher und Studenten an eine solche endgültige Zulassung.

Am Montag wurde zudem bekannt, dass Pfizer in einer milliardenschweren Übernahme nach dem Onkologiespezialisten Trillium Therapeutics greift. Die Aktien des Unternehmens konnten ihren Wert mit etwa 17,50 Dollar gegenüber dem Schlusskurs am Freitag fast verdreifachen. Der Pharmariese war bereits im vergangenen Jahr eingestiegen und übernimmt ihn nun für 2,26 Milliarden Dollar komplett.

Der weltgrößte Cloud-Computing-Anbieter Amazon arbeitet an einem eigenen Quantencomputer. "Wir haben ein internes Projekt, einen eigenen Quantencomputer zu bauen, Software und Algorithmen dafür zu entwickeln", sagt Oskar Painter, Chef des Quantenhardware-Teams bei Amazon Web Services (AWS), dem "Handelsblatt". Auf dem Weg zur kommerziellen Nutzung der neuen Technologie haben bislang Google und IBM die Nase vorn.

Das Debakel um Feuergefahr bei Elektrofahrzeugen vom Typ Chevrolet Bolt EV kommt den größten US-Autobauer General Motors (GM) immer teurer zu stehen. Das Unternehmen teilte mit, dass nun alle Bolt-EV-Modelle zurückgerufen werden müssen - auch die der neuesten Jahrgänge. Die zusätzlichen Kosten bezifferte der Hersteller auf rund eine Milliarde Dollar. Der Großteil der betroffenen Fahrzeuge wurde in den USA verkauft, der Rest in Kanada.

Der britische Milliardär Richard Branson bringt ein weiteres Unternehmen aus seinem Firmenuniversum an die Börse. Das Raumfahrt-Unternehmen Virgin Orbit soll über ein Investmentvehikel platziert werden und auf einen Marktwert von 3,2 Milliarden Dollar kommen. An der Transaktion beteiligt sich der US-Flugzeugbauer Boeing, wie Virgin Orbit am Montag mitteilte. Insgesamt erhält das Unternehmen, das 2017 gegründet wurde, um die Geschäfte mit Satelliten von den Raumfahrt-Tourismus-Aktivitäten von Virgin Galactic zu trennen, 100 Millionen Dollar von Investoren.

Branson will Virgin Orbit im Rahmen eines sogenannten SPAC-Deals an die US-Technologiebörse Nasdaq bringen. Im Rahmen dessen ist ein Zusammenschluss mit dem Investmentvehikel NextGen Acquisition Corp. geplant, das von einem ehemaligen Goldman-Sachs-Banker ins Leben gerufen wurde. Branson hat mit seinem Mischkonzern Virgin Group in der Musikbranche und der Luftfahrt ein Vermögen gemacht. Vor zwei Jahren brachte er die Raumfahrtgesellschaft Virgin Galactic an die Börse, die touristische Flüge ins Weltall anbieten soll. Boeing-Aktien legten über drei Prozent zu und waren bester Dow-Jones-Wert.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 23. August 2021 um 09:00 Uhr.