Wall Street New York
Marktbericht

Nach Powells Rede Wall Street wieder auf Rekordkurs

Stand: 27.08.2021 22:19 Uhr

Insgesamt moderate Töne von Notenbank-Chef Jerome Powell zur weiteren Geldpolitik haben die US-Börsen zum Wochenschluss weiter befeuert. Sie bleiben damit unbeirrt auf Rekordkurs.

Zum Wochenschluss gab es an der New Yorker Weltleitbörse Gewinne auf breiter Front. Alle großen Indizes schlossen nach einer vom Markt positiv aufgenommenen Rede von US-Notenbank-Chef Jerome Powell deutlich in der Gewinnzone. Es war der Höhepunkt der Börsenwoche, der sowohl dem marktbreiten S&P-500-Index als auch der Technologiebörse Nasdaq weitere Rekordstände bescherte.

Powells Rede galt seit Tagen schon als zentrales Thema an den Finanzmärkten. Er stellte zwar eine Reduzierung der Federal-Reserve-Anleihekäufe noch in diesem Jahr in Aussicht, blieb aber unkonkret und wies auf die derzeit wieder von dem Coronavirus ausgehenden Gefahren hin.

"Keine Nachrichten fungieren derzeit als gute Nachrichten", urteilte Marktbeobachter Timo Emden von Emden Research. "Solange die US-Notenbank im Nebel stochert, kann der Aktienmarkt im Niedrigzins offensichtlich weiter einen Nährboden finden", betonte der Experte.

Rekorde, wohin das Auge blickt

Einzig der Leitindex Dow Jones hat noch nicht den Sprung über sein bisheriges Hoch bei knapp über 35.600 Punkten geschafft, legte aber heute auch 0,69 Prozent auf 35.455 Punkte zu. Fast schon normal sind hingegen die täglichen Bestmarken der beiden Indizes der Technologiebörse Nasdaq sowie des breiter aufgestellten S&P-500-Benchmarkindex.

Letzterer ist vor allem für die Erfolgsmessung institutioneller Anleger maßgeblich und damit von herausragender Bedeutung für die US-Finanzindustrie. Er enthält sowohl Technologie- als auch Standardwerte. Der Schlusskurs lag heute bei 4509 Punkten um 0,88 Prozent höher, die neue Bestmarke dabei bei 4513 Punkten.

Der Nasdaq-Composite und der Auswahlindex Nasdaq 100 markierten heute beide neue Bestmarken. Der Composite-Index ging bei 15.129 Punkten aus dem Handel, ein Zuwachs von 1,23 Prozent. Das Rekordhoch lag bei 15.144 Punkten. Der Auswahlindex erreichte 15.432 Punkte, ein Aufschlag von 1,01 Prozent - der Index setzte seine neue Bestmarke bei 15.447 Punkten.

Powell vermeidet scharfe Töne

Powell sieht die Federal Reserve (Fed) konkret zwar auf einem guten Weg zum angestrebten Ausstieg aus dem Krisenmodus nach der Corona-Pandemie, vermied aber konkretere Hinweise. Insbesondere zum Beginn und zum Ausmaß der Drosselung der Anleihenkäufe, dem sogenannten "Tapering", machte er keine Angaben. Er stellte allerdings eine Reduzierung der Fed-Anleihekäufe noch in diesem Jahr in Aussicht. "Es könnte angemessen sein, in diesem Jahr mit dem Tapering zu beginnen", so der Fed Chef wörtlich.

Powell äußerte sich in einer virtuellen Ansprache anlässlich des internationalen Jackson-Hole-Notenbankertreffens. Von den Börsen war die Rede mit Spannung erwartet worden, gelten doch die milliardenschweren Geldspritzen der Fed als eine entscheidende Triebfeder der jüngsten Börsenhausse.

"Der wichtigste Punkt vom heutigen Tag ist, dass Powell die Tapering-Pläne nicht vom Tisch genommen hat. So glaubt der Markt weiter an die Erholung und kann sich auf die Reduktion vorbereiten, die aus unserer Sicht Ende des Jahres beginnen wird. Die Unsicherheit bleibt niedrig", erklärte Christoph Kutt von der DZ Bank.

Im Fokus der Anleger am US-Markt stand auch der Energiesektor, der von steigenden Ölpreisen profitierte. Aktien von Exxon Mobil und Chevron legten zu. Die Ölpreise zogen angesichts einer Hurrikan-Warnung für den Golf von Mexiko an - die Region deckt 17 Prozent der US-Rohölproduktion ab, zudem liegen mehr als 45 Prozent der Raffinerie-Kapazitäten entlang der Küste.

Je geringer die Unsicherheiten, je besser ist das für die Börsen. Mit den eher gemäßigten und beruhigenden Aussagen von Jerome Powell können die Anleger leben, wie deren Reaktion zeigte.

Der DAX eroberte im Verlauf die charttechnisch wichtige Marke von 15.800 Punkten zurück und schloss um 0,37 Prozent höher bei 15.851 Zählern. Das Tagestief hatte bei 15.752 Punkten fast genau 100 Punkte tiefer gelegen. Im Wochenvergleich ergibt sich damit ein leichtes Plus von 0,28 Prozent. An der Wall Street, die zuletzt ohnehin besser gelaufen war als der heimische Markt, gab es neue Rekorde.

Unter den Einzelwerten im DAX waren die Schwankungen überschaubar, anfänglich stärkere Verluste bei einigen Aktien wurden eingegrenzt. So auch bei der Deutschen Bank, die nach dem jüngsten Debakel um die Fondstocher DWS weiter unter Druck stand. Keine Erholung gab es allerdings bei Tagesverlierer FMC, der Dialyse-Tochter des Gesundheitskonzerns Fresenius, die über 1,7 Prozent verlor.

Zu den größten Gewinnern gehörten Vonovia-Papiere, die rund 1,3 Prozent zulegten und zusammen mit Tagessieger Infineon am stärksten gefragt waren. Der Immobilienkonzern hatte am Morgen bekanntgegeben, Unternehmensanleihen über insgesamt fünf Milliarden Euro im Zusammenhang mit dem geplanten Kauf der Deutsche Wohnen platziert zu haben.

Die Gemeinschaftswährung reagierte mit Gewinnen auf Powells Ausführungen und übersprang in der Spitze sogar die Marke von 1,18 Dollar. Im US-Handel wird der Euro bei 1,1797 Dollar gehandelt und damit gut 0,4 Prozent höher. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1761 (Donnerstag: 1,1767) US-Dollar fest. Neue Daten zum Konsumverhalten sowie zum Preisauftrieb in den USA hatten den Markt zuvor wenig bewegt.

US-Preisauftrieb bleibt hoch

In den USA sind die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher im Juli weiter gestiegen. Die Konsumausgaben erhöhten sich gegenüber dem Vormonat um 0,3 Prozent, wie das Handelsministerium in Washington mitteilte. Die Einnahmen stiegen auf Monatssicht um 1,1 Prozent. Während letztere deutlich stärker zulegten als von Analysten erwartet, stiegen die Konsumausgaben etwas schwächer als im Schnitt prognostiziert.

Der Preisauftrieb bleibt unterdessen hoch. Der auf den Konsumausgaben basierende Preisindex PCE stieg gegenüber dem Vorjahresmonat um 4,2 Prozent und gegenüber dem Vormonat um 0,4 Prozent. Der Kernindex ohne Energie und Nahrungsmittel stieg auf Jahressicht um 3,6 Prozent und zum Vormonat um 0,3 Prozent. Die Erwartungen von Analysten wurden weitgehend getroffen.

Die US-Notenbank präferiert den Preisindikator PCE gegenüber dem bekannteren Index CPI. Letzterer liegt in der Regel höher, so auch aktuell bei 5,4 Prozent. Die Fed betrachtet die hohe Teuerung als übergangsweise Entwicklung, gegen die sie geldpolitisch nicht vorgehen will.

Der Goldpreis hat einhergehend mit dem schwächeren Dollar ebenfalls zugelegt und die psychologisch bedeutsame 1800-Dollar-Marke überwunden. Am Abend wurden für eine Feinunze Gold 1818 Dollar gezahlt, 1,4 Prozent mehr als am Vortag.

In der Karibik bewegt sich ein gefährlicher Tropensturm auf Kuba und die Golfküste der USA zu. "Mehrere Ölunternehmen im Golf von Mexiko haben bereits begonnen, ihre Ölplattformen zu evakuieren und die Ölproduktion zu unterbrechen", so Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch.

Das treibt die Ölpreise zum Wochenschluss weiter in die Höhe. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent stieg um 1,2 Prozent. Bei der US-Sorte WTI lag das Plus bei 1,1 Prozent ähnlich hoch. "Beide Ölpreise haben damit im Wochenverlauf rund zehn Prozent zugelegt und stehen vor dem jeweils stärksten Wochengewinn seit mehr als 14 Monaten", so Fritsch.

Am deutschen Aktienmarkt standen weiterhin Papiere der Fondsanbieters DWS und seines Mutterkonzerns Deutsche Bank im Fokus der Anleger. Die US-Börsenaufsicht SEC prüft laut Insidern, ob die DWS zu lax mit Kriterien bei nachhaltigen Investments umgegangen ist.

Gestern rauschten die Aktien der DWS um mehr als 13 Prozent nach unten. Auch heute war den Papieren von Deutscher Bank und DWS zunächst keine Erholung vergönnt, erst im späten Geschäft wurden die Verluste mit dem steigenden Gesamtmarkt etwas eingegrenzt.

Angesichts der anhaltenden Chipkrise weitet der Autobauer Daimler die Kurzarbeit an mehreren seiner Standorte kommende Woche wieder aus. In den Mercedes-Werken in Bremen, Rastatt sowie im ungarischen Kecskemét und teils in Sindelfingen werde die Produktion in der neuen Woche stillstehen, teilte der Konzern mit. In dieser Woche ruhten die Maschinen bereits in Bremen und in Teilbereichen des Sindelfinger Werks.

Das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen peilt Übernahmen an und könnte künftig seine Aktionäre mit Dividendenzahlungen erfreuen. "Wir sind zurzeit sehr aktiv", sagte Finanzvorstand Roland Sackers der "Börsen-Zeitung" (Samstag-Ausgabe) mit Blick auf Zukäufe.

An einer Erweiterung des Test-Portfolios oder weiterem Zugang zu Bioinformatik habe der Konzern großes Interesse. Der Dax-Aspirant verfügt über volle Kassen. Die Liquidität liegt bei rund einer Milliarde US-Dollar. Der freie Cash-flow hat sich allein im ersten Halbjahr dieses Jahres auf fast 200 Millionen Dollar verdoppelt. Qiagens Geschäfte laufen seit Beginn der Pandemie durch den Absatz von Reagenzien und Tests zur Diagnose von Covid-19 glänzend.

Das Biotechunternehmen Morphosys hat in der EU die bedingte Zulassung für Tafasitamab in Kombination mit Lenalidomid bei einer speziellen Krebsproblematik erhalten. Dabei gehe es um die Behandlung Erwachsener mit rezidiviertem oder refraktärem diffusem großzelligem B-Zell-Lymphom. Anleger zeigten sich zufrieden, schon im nachbörslichen US-Handel legte der Aktienkurs am Donnerstag deutlich zu und liegt aktuell an der Nasdaq knapp drei Prozent im Plus.

Der Veranstalter und Tickethändler CTS Eventim macht sich Hoffnungen auf einen Großauftrag. Man befinde sich zusammen mit France Billet und Orange Business Service in der Endphase von Verhandlungen mit dem Organisationskomitee für die Olympischen und Paralympischen Spiele in Paris 2024 über ein Ticketingabkommen. CTS Eventim erwarte aus der Vereinbarung einen positiven Umsatzbeitrag in zweistelliger Millionenhöhe.

Papiere von Borussia Dortmund stürmt an die SDAX-Spitze. Anleger sahen nach der Auslosung der Gegner in der Champions League gute Chancen für ein Weiterkommen. Die Westfalen treffen in Gruppe C auf Sporting Lissabon, Ajax Amsterdam und Besiktas Istanbul.

Nach dem Boom in der Corona-Krise flaut das Wachstum bei Peloton deutlich ab. Im jüngsten Geschäftsquartal steigerte der Fitnessgeräte-Spezialist die Erlöse im Jahresvergleich zwar um 54 Prozent auf 936,9 Millionen Dollar. Im vorherigen Quartal hatte der Umsatz jedoch noch um mehr als das Doppelte zugelegt und über eine Milliarde Dollar betragen. Das kam in Verbindung mit einem verhaltenen Ausblick bei den Anlegern nicht gut an. Für Nervosität sorgte auch, dass Peloton ein nicht näher definiertes Buchhaltungsproblem einräumte.

Der Computerriese Dell macht dank des anhaltenden Trends zur Heimarbeit in der Pandemie und des hohen Bedarfs an PCs, Notebooks und Tablets weiter gute Geschäfte. Im zweiten Quartal (bis Ende Juli) steigerte Dell den Umsatz im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 26,1 Milliarden Dollar. Allerdings sank das Nettoergebnis - unter anderem wegen deutlich gestiegener Forschungs- und Entwicklungsausgaben - um 20 Prozent auf 880 Millionen Dollar.

Die russischen Behörden haben gegen das in den Niederlanden ansässige Unternehmen Booking.com wegen Missbrauchs seiner Marktdominanz eine Geldstrafe von 13 Milliarden Rubel (umgerechnet 14,9 Millionen Euro) verhängt. Die Antimonopolbehörde wirft Booking.com vor, dass es russischen Hotels und Herbergen verboten habe, ihre Dienstleistungen auf anderen Plattformen günstiger anzubieten.

Bei der kontaminierten Charge des Covid-19-Impfstoffs von Moderna in Japan wurden einem Medienbericht zufolge womöglich Metallpartikel gefunden. Die Partikel reagierten auf Magnete, weshalb man vermute, dass sie metallisch seien, berichtete der japanische Sender NHK. Ein Vertreter des Gesundheitsministeriums erklärte dagegen, um was es sich bei der Verunreinigung handele, sei bisher nicht bestätigt worden.

Apple-Chef Tim Cook hat derweil zu seinem zehnjährigen Jubiläum an der Spitze des US-Technologieriesen einen Bonus im Wert von rund 750 Millionen Dollar bekommen. Der 60-Jährige erhielt mehr als fünf Millionen Apple-Aktien und verkaufte diese für 751 Millionen Dollar (rund 638 Millionen Euro), wie aus einem bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Dokument hervorgeht.

Cook hatte die Aktienoptionen 2011 zugesprochen bekommen, als er den erkrankten Apple-Gründer Steve Jobs als Konzernchef abgelöst hatte. Festgeschrieben war, dass Cook die Aktien erst nach zehn Jahren erhält. Rund 1,1 Million der Aktien waren dabei an die Kursentwicklung zwischen den Jahren 2018 und 2021 gekoppelt. Der Wert der Aktien des iPhone-Herstellers verdreifachte sich in der Zeit, Apple wird inzwischen mit mehr als 2,4 Billionen Dollar bewertet.

Apple hat sich zudem in einem Gerichtsstreit mit kleineren Entwicklern über die Rolle des Konzerns beim App-Vertrieb auf dem iPhone und iPad auf Änderungen geeinigt. Mit dem Entgegenkommen in der hitzig geführten Debatte soll eine Sammelklage der US-Entwickler beendet werden. Davon unberührt bleiben die größeren rechtlichen Streitigkeiten, etwa mit dem Spieleentwickler Epic oder dem Streamingdienst Spotify.

Der zu Walt Disney zählende Sportsender ESPN hat am Freitag bei den Aktien des Medienkonzerns für Rückenwind gesorgt. Sie bauten am Schluss ihr Plus im Leitindex Dow Jones auf etwa zwei Prozent aus, nachdem es in einem Bericht des "Wall Street Journal" hieß, man spreche mit Wettanbietern über eine Markenlizenz.

Davon mitbeflügelt wurden auch die Papiere der beiden namentlich erwähnten Glücksspiel-Konzerne Caesars Entertainment sowie Draftkings. Deren Aktien rückten in New York ebenfalls vor. Dem Bericht zufolge verspreche sich ESPN durch solch einen Deal einen Geldsegen mit einer Summe von drei Milliarden US-Dollar, die über mehrere Jahre fließen könnte.

Über dieses Thema berichtete B24 im Börsenticker am 27. August 2021 um 17:45 Uhr.