Gut gelaunte Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

Kursgewinne auf breiter Front Börsenwoche mit Happy-End

Stand: 09.07.2021 22:10 Uhr

Während es am deutschen Aktienmarkt derzeit wild rauf und runter geht, purzeln an der Wall Street die Rekorde. Der S&P 500 knackte am Freitag eine neue Bestmarke. Der DAX ging gut erholt ins Wochenende.

Gestern hatte es noch nach einer eher miesen Börsenwoche ausgesehen. Die Angst vor einer raschen Ausbreitung der Delta-Variante und neuerlichen Einschränkungen für die Wirtschaft hatte die Kurse absacken lassen. Doch passend zum Wochenschluss hellte sich die Stimmung der Anleger wieder auf. Der DAX legte um 1,7 Prozent und schaffte doch noch ein kleines Wochenplus von 0,2 Prozent.

Schnäppchenjäger treiben die Wall Street

Kräftige Unterstützung kam von der Wall Street. Der Dow Jones kletterte um 1,3 Prozent nach oben auf über 34.800 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 krönte die Woche mit einem erneuten Rekord von 4369 Zählern. Selbst die anfangs schwächelnde Tech-Börse Nasdaq drehte auf und schloss 0,7 Prozent fester. Damit war der gestrige Kursrücksetzer wieder vergessen. Schnäppchenjäger griffen zu. "Bei jedem Ausverkauf hat es Käufer gegeben, und dieses Muster wiederholt sich seit Monaten", sagte Rick Meckler, Partner beim Vermögensverwalter Cherry Lane Investments.

Vorhang auf für die Berichtssaison!

Die Anleger blicken nun gespannt auf die nahende Bilanzsaison, die kommende Woche mit den großen Banken beginnt. Analysten erwarten nach Angaben von Refinitiv im Schnitt ein Gewinnwachstum von 65,8 Prozent für S&P-Unternehmen im zweiten Quartal. "Sobald wir in die Gewinnsaison eintreten, erwarten wir eine Art Polster für den Markt", erklärte Peter Cardillo, der bekannte Chefmarktökonom bei Spartan Capital Securities. Nicht nur eine Gruppe weniger Unternehmen, sondern die Vertreter der meisten Branchen dürften starke Gewinne vermelden, glaubt er.

Renditen der US-Anleihen ziehen wieder etwas an

Bei US-Staatsanleihen, die zuletzt als sicherer Hafen gefragt waren, kam es nun aber zu Gewinnmitnahmen. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihen zog am Freitag wieder auf 1,36 Prozent an, nachdem sie am Vortag bei 1,25 Prozent auf ein Fünfmonatstief gefallen war. Entsprechend gehörten Finanztitel zu den Favoriten im Dow Jones. Bei Banken gelten höhere Zinsen im Geschäft zum Beispiel mit Krediten als Vorteil.

Warten auf die Inflationsdaten

Der nächste Härtetest dürfte am Dienstag bevorstehen. Dann werden die neuesten US-Inflationsdaten für Juni veröffentlicht. Im Mai waren die Verbraucherpreise überraschend um fünf Prozent gestiegen - so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Das hatte die Furcht vor einer Zinsanhebung und einer strafferen Geldpolitik der Fed erneut angefacht.

Goldman Sachs sieht das Zenit beim S&P 500 erreicht

Angesichts der fulminanten Rally des S&P 500 mehren sich die warnenden Stimmen. David Kostin, Goldman-Sachs-Aktienstratege, traut dem marktbreiten amerikanischen S&P-500-Index im Jahresverlauf nicht mehr viel zu. Kostin sieht den S&P 500 zum Jahresende bei 4300 Punkten - leicht unterhalb seines aktuellen Kurses. Höhere Zinsen, steigende Inflationsraten und höhere Steuern dürften das Aufwärtspotenzial des Index begrenzen.

Zinsen im Fokus

Goldman Sachs rechnet damit, dass die zehnjährige Rendite bis zum Jahresende auf 1,9 Prozent und bis Ende 2022 sogar bis auf 2,1 Prozent anschwellen wird. Steigende Zinsen belasten die Aktienmärkte, machen sie Aktien doch im Vergleich zu Anleihen weniger attraktiv. Zuletzt rentierten die zehnjährigen US-Staatsanleihen, die zeitweise bis auf 1,7 Prozent gestiegen waren, mit 1,3 Prozent wieder deutlich tiefer.

Ölpreise steigen erneut kräftig

Spekulationen auf einen Angebotsengpass trieben heute den Ölpreis. Die Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 2,2 Prozent auf 75,74 Dollar je Barrel. Rückenwind für den Ölmarkt kam von den sinkenden Lagerbeständen in den USA und der stagnierenden Produktion der Schieferölindustrie.

Der Euro konnte seine frühen Verluste wettmachen und etwas zulegen auf 1,1874 Dollar Ein Grund dafür waren Erwartungen einer künftig weniger großzügigen Geldpolitik in den USA, was den Dollar unterstützte. Zuletzt war der Euro auf einen dreimonatigen Tiefstand gefallen. Die Feinunze Gold kostet mit 1807 Dollar etwas mehr als am Vortag.

Unerwartet hoher Milliardengewinn von VW

Größter DAX-Gewinner waren die VW-Aktien mit einem plus von fünf Prozent. Der Autobauer überraschte mit seinen vorab veröffentlichten Eckdaten zum ersten Halbjahr am Nachmittag. Die Wolfsburger gehen nach eigenen Angaben davon aus, dass sie operativ rund elf Milliarden Euro verdient haben. Der Chip-Engpass dürfte erst im zweiten Halbjahr 2021 das Ergebnis beeinträchtigen, teilte der Autobauer mit. 2020 hatte VW noch in den ersten sechs Monaten einen operativen Verlust von knapp 1,5 Milliarden Euro eingefahren.

Zudem wurde am Nachmittag bekannt gegeben, dass Herbert Diess den VW-Konzern mit einer neuen Strategie weiterführen und den Umbruch durch die Digitalisierung in der Autobranche angehen soll. Der Aufsichtsrat beschloss, dass der Vorstandschef einen neuen Vertrag bis zum Herbst 2025 erhält. Kernprojekte werden nach dem Anlauf der Elektromobilität nun auch Vernetzung, Dienstleistungen und Entwicklung eigener Software sein.

Bei BASF stimmt wieder die Chemie

Auch die Titel von BASF waren gefragt. Der Chemiekonzern erhöhte am Nachmittag zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Jahresziele – und zwar deutlich. Der Umsatz soll auf 74 bis 77 (bislang 68 bis 71) Milliarden Euro klettern. Bisher war eine Spanne von 68 bis 71 Milliarden Euro geplant. Beim Betriebsergebnis (Ebit vor Sondereinflüssen) werden auf 7,0 bis 7,5 Milliarden Euro - statt bisher 5,0 bis 5,8 Milliarden Euro - angepeilt.

Höhere Preise und steigende Absatzmengen lassen den Gewinn von BASF sprudeln. Zwischen April und Juni verzehnfachte sich das Betriebsergebnis auf 2,35 Milliarden Euro. Der Umsatz wuchs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 55,8 Prozent auf 19,75 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte die Corona-Pandemie den weltgrößten Chemiekonzern noch schwer gebeutelt.

BioNTech/Pfizer setzen auf Auffrischungsimpfung

Die Aktien von BioNTech stiegen um über vier Prozent, die Titel von Pfizer um 1,2 Prozent. Die Unternehmen gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung des gemeinsamen Coronavirus-Vakzins nach einem halben Jahr aus. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, "dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird". Pfizer will in den USA zeitnah eine Notfallzulassung für eine dritte Dosis des Corona-Impfstoffes Comirnaty beantragen.

Airbus liefert im Juni deutlich mehr Jets aus

Der Flugzeugbauer Airbus hat im Juni wieder mehr Jets an seine Kunden übergeben und neue Aufträge hereingeholt. Mit 77 Maschinen lag die Zahl der Auslieferungen deutlich über den 50 Stück vom Mai. Zugleich holte der Konzern trotz der Corona-Krise Bestellungen über 73 Verkehrsflugzeuge herein. Davon gehen 70 Maschinen an die US-Fluggesellschaft United. Die Stornierungen hielten sich mit zwei Maschinen in engen Grenzen.

Viele Corona-Tests machen Synlab optimistischer

Das brummende Geschäft mit Corona-Tests stimmt den Labordienstleister Synlab noch optimistischer für das laufende Jahr. Das Management peilt 2021 ein Umsatzwachstum von bis zu einem Viertel auf 3,2 bis 3,3 Milliarden Euro an. Bisher war lediglich von mehr als 3,0 Milliarden die Rede gewesen. Synlab hat neben verschiedene Tests auf das SARS-CoV-2-Virus auch zahlreiche andere Angebote rund um die Labordiagnostik etwa für Kliniken und Mediziner.

Ottobock auf Kurs gen Börse

Der niedersächsische Prothesen-Konzern Ottobock, bei dem vor vier Jahren der schwedische Finanzinvestor EQT eingestiegen war, nimmt Insidern zufolge einen milliardenschweren Börsengang im kommenden Jahr in Angriff. Das Unternehmen sei gerade dabei, Investmentbanken zu mandatieren, die Ottobock bei der Emission begleiten sollen, sagten mehrere mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Levi Strauss startet wieder durch

Die Aktien von Levi Strauss gewannen 1,3 Prozent. Der US-Jeans-Konzern hat von einer höheren Nachfrage nach Bekleidung durch die Rückkehr von Beschäftigen ins Büro profitiert. Für das zweite Quartal verbuchte Levi Strauss ein bereinigtes Ergebnis von 23 Cent je Aktie nach einem Verlust von 48 Cent im gleichen Vorjahreszeitraum. Analysten hatten dagegen nur mit neun Cent je Anteilschein gerechnet. Der Nettoumsatz erhöhte sich von 497,5 Millionen auf 1,28 Milliarden Dollar.

Tesla liefert Model Y ab August in Deutschland aus

Tesla startet in wenigen Wochen mit der Auslieferung seines Mini-SUV Model Y in Europa. Die ersten Fahrzeuge sollen im August in Deutschland übergeben werden. Sie kommen aus Shanghai. Tesla wollte ursprünglich im Juli mit der Produktion des Model Y in Grünheide in Berlin beginnen, doch die Fertigstellung des ersten europäischen Werks verzögert sich.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 09. Juli 2021 um 20:12 Uhr.