Händler an der New Yorker Börse
Marktbericht

Vorsichtige Anleger Ende der US-Börsenrally

Stand: 31.08.2021 11:35 Uhr

An der Wall Street nahmen die Anleger vor der Ansprache von Notenbank-Chef Jerome Powell Gewinne mit. Die tagelang währende Börsen-Rally ist damit zumindest kurzfristig beendet.

In meist kleinen Schritten eilten die großen US-Aktienindizes zuletzt von Rekord zu Rekord - nicht spektakulär, aber stetig. Erst gestern hatten S&P 500 und die Nasdaq neue Rekorde erreicht. Damit war heute Schluss, es war seit langem der erste Tag, an dem keine neuen Bestmarken zu vermelden waren.

Im Gegenteil, alle großen Indizes schlossen am Ende im Minus - auch der Leitindex Dow Jones, der anfangs noch im Plus lag. Er ging bei 35.213 Punkten um 0,54 Prozent leichter aus dem Handel. Gleiches galt für den marktbreiten S&P-500-Benchmarkindex, der zuletzt fast täglich neue Bestmarken aufgestellt hatte. Er gab 0,58 Prozent ab auf 4470 Punkte.

Auch die Technologiebörse Nasdaq, die erst am Dienstag erstmals über 15.000 Punkte gestiegen war, lag am Ende im Minus. Der
Schlussstand lag bei 14.945 Punkten, ein Tagesverlust von 0,64 Prozent. Das Tageshoch lag bei 15.059 Zählern noch über der zuletzt überwundenen Tausendermarke. Der Auswahlindex Nasdaq 100, zuletzt auf scheinbar nicht enden wollender Klettertour, gab 0,59 Prozent nach auf 15.278 Punkte.

Immer wieder die Fed

Natürlich war das sich abzeichnende Ende des ultraexpansiven Zinsregimes der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) an der Wall Street mal wieder das große Thema. Für die meisten Investoren ist dabei klar, dass es bald mit dem "Tapering" losgehen wird, es fragt sich nur, wie und wann. Mit "Tapering" wird die sukzessive Rückführung der milliardenschweren Anleihenkäufe bezeichnet, die derzeit von der Fed zur Stützung der Wirtschaft getätigt werden.

Die eigentliche Entscheidung über den genauen Beginn des "Taperings" erwarten die meisten Börsianer allerdings erst für eine der kommenden Fed-Sitzungen, vielleicht schon Ende September. Auch die Berichte über eine Explosion am Kabuler Flughafen sorgten im Verlauf für Verunsicherung. Dabei hat es viele Tote gegeben, unter anderem auch US-Soldaten.

Erstanträge leicht schwächer

Mit Hinblick auf die weitere Zinspolitik der Fed schauen die Märkte derzeit mit Argusaugen auf neue Konjunkturzahlen und dabei besonders auf Daten vom Arbeitsmarkt. Hat doch die Fed eine Straffung der Geldpolitik maßgeblich von einer Erholung am Jobmarkt abhängig gemacht.

Dieser hat in der vergangene Woche zumindest eine Pause eingelegt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe - ein Frühindikator für den Arbeitsmarkt - stiegen im Wochenvergleich um 4000 auf 353.000, wie das Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 350.000 Anträgen gerechnet.

In den vergangenen Monaten hat sich die Lage am Arbeitsmarkt gleichwohl deutlich gebessert. Der schwere Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 ist schon seit längerem überwunden. Allerdings liegt die Zahl der Arbeitslosen immer noch deutlich höher als vor der Krise.

Nervöse DAX-Anleger

Der DAX hat heute den zweiten Tag in Folge schwächer geschlossen. Kein spektakulärer Ausverkauf, aber trotzdem wurde deutlich, dass die Anleger immer nervöser werden. Am Ende des Tages verlor der deutsche Leitindex 0,42 Prozent und schloss bei 15.792 Punkten.

Damit bleibt die wichtige technische Unterstützungsmarke bei 15.800 Punkten, das Ausbruchsniveau vor Erreichen des Rekordhochs bei 16.030 Punkten, weiter umkämpft. Eine Richtungsentscheidung ist somit nicht gefallen. Das Tagestief lag bei 15.701, das Hoch bei 15.834 Punkten.

Sorgen vor einer bevorstehenden Straffung der US-Geldpolitik, aber auch Konjunktursorgen wegen steigender Corona-Zahlen drückten auf die Stimmung.

Konjunktur- und Coronasorgen wachsen

Zu den schlechten Nachrichten von der deutschen Konjunkturfront trugen die eingetrübten Exporterwartungen der deutschen Industrie im August bei. Dies vor allem wegen der Verschärfung der Corona-Krise, unter anderem in Asien. Die zuvor sehr gute Stimmung unter den Exporteuren habe sich merklich verschlechtert, teilte das ifo-Institut mit. Der ifo-Index der Exporterwartungen fiel auf 16,6 Punkte nach 23,1 im Juli und 23,9 im Juni.

Auch das Konsumklima in Deutschland hat sich der jüngsten Verbraucherumfrage des Nürnberger GfK-Instituts zufolge eingetrübt. Steigende Preise und neue Corona-Sorgen bremsen demnach die Lust auf größere Einkäufe. Der GfK-Konsumklimaindex sank von minus 0,4 Punkten auf minus 1,2 Punkte.

Schöner fällt derzeit der Blick in den Rückspiegel aus: Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge haben die DAX-Konzerne noch nie so viel operativ verdient wie im zweiten Quartal dieses Jahres. Eine Entwicklung, die die Börse bereits weit im Voraus antizipiert hat und ein maßgeblicher fundamentaler Treiber für die derzeitigen Rekordniveaus war und ist. Unter der Annahme einer Überwindung der Corona-Krise haben die Anleger kräftig zugegriffen - deshalb führt jede erneute Verschärfung der Corona-Zahlen auch zu neuer Unsicherheit.

Mit 45 Milliarden Euro wurde beim operativen Ergebnis das VW-Vorkrisenniveau von 2019 sogar um 89 Prozent übertroffen. Der Umsatz kletterte gegenüber dem Vorjahresquartal um 29 Prozent, gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 immerhin um 14 Prozent.

Sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) hatte der Volkswagen-Konzern mit 67,3 Milliarden Euro respektive 6,6 Milliarden Euro die Nase vorn. VW-Vorzugsaktien legten im DAX gegen den Trend leicht zu.

Die rasante Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus drückte auch die Ölpreise. Allerdings dürften die Anleger nach den kräftigen Gewinnen des Vortages auch Gewinne mitnehmen. Die beiden führenden Sorten Brent und WTI verloren moderat.

Trotz der jüngsten Kurssteigerungen - Nachfragesorgen sind zuletzt wieder verstärkt aufgekommen. Insbesondere in Asien kommt es zu Belastungen durch neue Beschränkungen des öffentlichen Lebens.

Der Goldpreis schwankte heute ebenfalls und war zuletzt leicht ins Plus gedreht auf 1793 Dollar je Feinunze. Im Wochenverlauf hatte sich das gelbe Edelmetall noch zeitweise über die psychologisch wichtige Marke von 1800 Dollar vorgewagt, konnte die Kursgewinne aber nicht halten. Der Euro bewegt sich bei 1,1751 Dollar etwas leichter. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1767 (Mittwoch: 1,1736) Dollar fest.

Die US-Börsenaufsicht SEC ermittelt einem Medienbericht zufolge gegen die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wegen des Verdachts auf "Greenwashing". Die Aufseher prüfen, ob der Vermögensverwalter zu lax mit Kriterien bei nachhaltigen Investments umgegangen ist, wie das "Wall Street Journal" berichtet.

Die Papiere der im SDAX notierten Fondsgesellschaft brachen um über 13 Prozent ein. Damit wurden rund eine Milliarde Euro Börsenwert vernichtet. Im DAX gehörte die Aktie des Mutterkonzerns Deutsche Bank mit einem Minus von über zwei Prozent zu den größten Verlierern.

Auch die Aktie von Delivery Hero musste Federn lassen und rangierte am DAX-Ende. Der Essenslieferdienst muss für sein anhaltend starkes Wachstum und die Expansion etwas tiefer in die Taschen greifen. Im ersten Halbjahr stand ein Verlust von fast einer Milliarde Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor war das Minus mit knapp 448 Millionen Euro nur etwa halb so groß ausgefallen.

Deutsche Post rechnet mit mehr Briefwählern

Die Deutsche Post bereitet sich für die diesjährige Bundestagswahl auf deutlich mehr Briefwähler als bei der Bundestagswahl 2017 vor. "Ob das im hohen 40er-Prozentbereich oder sogar im 50er-Prozentbereich sein wird, werden wir sehen", sagte Tobias Meyer, Vorstand für den Bereich Post und Pakete Deutschland, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Vorbereitet sind wir auch auf den Fall, dass mehr als 60 Prozent der Wähler Briefwahl nutzen."

Die Aussicht auf einen höheren Jahresgewinn verleiht der Fielmann-Aktie Auftrieb und trieb sie an die SDAX-Spitze. Das Papier der Optiker-Kette stieg zeitweise auf den höchsten Stand seit Anfang Juli. Fielmann rechnet nun für das laufende Jahr mit einem Vorsteuerergebnis von mehr als 200 Millionen Euro. Im Juli hatte Fielmann erstmals eine Prognose für 2021 ausgegeben und ankündigt, etwa 200 Millionen erreichen zu wollen.

Das deutsche Unternehmen BioNTech und sein US-Partner Pfizer wollen bis Ende der Woche weitere Daten für die Zulassung einer Auffrischungsimpfung gegen das Coronavirus bei der US-Arzneimittelbehörde FDA einreichen. Eine Phase-3-Studie ergab nach Angaben der Hersteller, dass eine Auffrischungsimpfung mit ihrem Vakzin "signifikante neutralisierende Antikörpertiter" gegen das Coronavirus aufweise. Auch in Brasilien wollen die beiden Partner mit einer Impfstoffproduktion beginnen.

Der SAP-Konkurrent Salesforce traut sich nach der Übernahme des Bürochat-Anbieters Slack mehr zu. Für das im Januar 2022 zu Ende gehende Geschäftsjahr rechnet Salesforce nun mit Erlösen zwischen 26,2 und 26,3 Milliarden Dollar. Das sind etwa 600 Millionen Dollar mehr als bisher in Aussicht gestellt. Salesforce-Finanzchefin Amy Weaver sagte, jetzt könne auf Slacks Momentum aufgebaut werden.

Die australische Fluggesellschaft Qantas und ihre Tochter Jetstar wollen voraussichtlich ab Ende des Jahres erstmals wieder regelmäßig internationale Ziele anfliegen. Voraussetzung ist, dass der Plan der Behörden umgesetzt wird, bis Dezember 80 Prozent der etwa 25 Millionen Einwohner Australiens vollständig zu impfen. Die Fluglinie will dann zunächst Länder mit hohen Impfraten anfliegen.

Der US-Konzern Western Digital ist Insidern zufolge in Gesprächen über eine 20 Milliarden Dollar schwere Fusion mit dem weltweit zweitgrößten Speicherchiphersteller Kioxia aus Japan. Durch den Zusammenschluss würde ein Unternehmen entstehen, das größentechnisch an den Branchenprimus auf dem Speicherchipmarkt, Samsung Electronics, heranreicht. Die Nachfrage nach Speicherchips boomt angesichts des 5G-Netzausbaus und dem durch die Corona-Krise ausgelösten Trend zum Homeoffice.

Das Online-Netzwerk Facebook könnte noch in diesem Jahr seine digitale Geldbörse für Kryptowährungen starten. Die Führung des Konzerns sei "ziemlich bestrebt", die Anwendung namens Novi noch in diesem Jahr einzuführen, sagte der Leiter der Krypto-Abteilung bei Facebook, David Marcus, dem Nachrichtenportal "The Information". Novi sei "bereit", die nötigen Lizenzen für den Einsatz in den USA und in anderen Ländern seien vorhanden.

Die Aktien von Salesforce haben sich am Donnerstag im US-Softwaresektor mit einem erfreulichen Quartalsbericht positiv hervorgehoben. Der SAP-Rivale überzeugte im zweiten Geschäftsquartal sowie mit erneut erhöhten Jahresprognosen - und trieb damit die Aktien um knapp fünf Prozent nach oben. Sie lagen damit gegen den Trend unangefochten an der Spitze im Dow Jones Industrial.

Wie Salesforce am Vorabend nach Börsenschluss mitteilte, dürfte der diesjährige Umsatz bei 26,2 bis 26,3 Milliarden Dollar liegen. Zuvor waren 25,9 bis 26 Milliarden Dollar angepeilt worden. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie ist das Unternehmen mit 4,36 bis 4,38 Dollar noch optimistischer geworden. Im zweiten Quartal wurden außerdem die Erwartungen der Analysten übertroffen.

Forbes will an die Börse

Der Herausgeber des für seine Wirtschaftsberichterstattung und Superreichen-Listen bekannten US-Magazins "Forbes" will an die Börse. Der Schritt solle über die Fusion mit einer bereits börsennotierten Zweckgesellschaft erfolgen, kündigte der hinter dem Traditionsblatt stehende Medienkonzern Forbes Global Media Holdings am Donnerstag an. Nach Abschluss der Transaktion sollen die Papiere demnach unter dem Börsenticker "FRBS" an der New York Stock Exchange gelistet werden. Das Unternehmen werde bei der Fusion mit rund 630 Millionen Dollar (536 Mio Euro) bewertet. Der Börsengang soll Ende 2021 oder Anfang 2022 abgeschlossen werden.

Über dieses Thema berichteten am 26. August 2021 Deutschlandfunk um 07:35 Uhr und tagesschau24 um 09:05 Uhr.