Händler an der Frankfurter Börse
Marktbericht

DAX und Dow Jones Anleger schnaufen durch

Stand: 03.02.2021 22:20 Uhr

Der DAX hat seinen jüngsten Aufwärtstrend zwar fortgesetzt, allerdings nicht mehr so stürmisch wie zuletzt. Gleiches gilt für die Wall Street, trotz guter Zahlen aus dem Tech-Sektor.

Der DAX hat am Mittwoch den dritten Tag in Folge höher geschlossen und damit seine jüngsten Erholung in Richtung der Marke von 14.000 Punkten fortgesetzt. Am Ende des Tages stand ein Gewinn von 0,7 Prozent auf 13.933 Punkte auf der Anzeigetafel der Frankfurter Börse. Im Handelsverlauf rückte der deutsche Leitindex zwar nahe an die runde Tausendermarke heran, konnte diese aber letztlich nicht überwinden.

Tagessieger Daimler sorgt für Furore

Zu den größten Tagesgewinnern im DAX gehörten unter der Führung von Daimler die Autoaktien. Der Stuttgarter Autobauer gab am Abend kurz vor Börsenschluss bekannt, dass sich der Konzern neu aufstellen wolle. Künftig soll es nur noch die Mercedes-Benz AG für Autos und Vans sowie die Daimler Truck AG für Lastwagen und Busse geben. Die Truck AG soll an die Börse gebracht werden. Das Unternehmen bestätigte damit Gerüchte, die bereits den ganzen Tag über im Markt lagen. Die Anleger waren begeistert, die Daimler-Aktie stieg fast neun Prozent.

Adidas und die beiden Fresenius-Aktien lagen hingegen schwächer im Markt. FMC konnte damit die anfängliche Erholung nach der jüngsten Gewinnwarnung nicht behaupten.

Ruhigere Gangart an der Wall Street

Trotz guter Zahlen aus dem Technologiesektor von den beiden Schwergewichten Alphabet und Amazon haben sich die Anleger an der New Yorker Aktienbörse zur Wochenmitte zurückgehalten. Nach recht flottem Start, der vor allem die Technologiebörse Nasdaq nahe an neue Höchststände brachte, flachte das Handelsgeschehen ab .

"Der Markt braucht eine Verschnaufpause, bevor er seinen Anstieg wieder aufnimmt", sagte Thomas Hayes, Manager beim Vermögensverwalter Great Hill. Investoren warteten nun auf Details zu den geplanten US-Staatshilfen zur Abfederung der Coronavirus-Pandemie. Experten wiesen auch darauf hin, dass die Berichtssaison im wichtigen Technologiesektor mit den jüngsten Zahlen durch sei und so mancher Investor Gewinne einstreiche.

Der Leitindex Dow Jones beendete den Handel bei 30.723 Punkten, ein moderater Tagesgewinn von 0,12 Prozent. Auch bei den anderen großen Aktienindizes waren die Schwankungen überschaubar. Der breit aufgestellte S&P-500-Index ging um 0,1 Prozent höher bei 3830 Punkten aus dem Handel. An der Technologiebörse Nasdaq schloss der Auswahlindex Nasdaq 100 sogar um 0,4 Prozent leichter bei 13.402 Punkten. Der Composite-Index kam am Ende kaum vom Fleck und schloss bei 13.610 Punkten nahezu unverändert.

Yellen mahnt Konjunkturprogramm an

Gerne gehört haben werden die Investoren aber Aussagen der neuen Finanzministerin Janet Yellen. Diese macht sich für eine vollständige Umsetzung des geplanten Hilfspakets zur Überwindung der Corona-Krise im Volumen von 1,9 Billionen Dollar stark, auf das die Börse schon lange wartet.

Es sei absolut notwendig, das Vorhaben zu realisieren, sagt Yellen nach einer Telefonkonferenz mit Bürgermeistern sowohl der Republikaner als auch der Demokraten von Präsident Joe Biden. Dieser hat das Paket vorgeschlagen, die Republikaner wollen aber 618 Milliarden Dollar weniger ausgeben. "Der Nutzen, jetzt und umfassend zu handeln, wird die Kosten auf lange Sicht bei weitem übersteigen", erklärt Yellen laut ihrem Ministerium.

Aufsicht schaut auf Gerangel zwischen Hedgefonds und Kleinanlegern

Yellen wird auch noch in einer anderen Sache aktiv, die der Börse zuletzt aufgestoßen war. Sie ruft die obersten Aufseher der Wall Street zusammen. In dieser Woche werde es eine Zusammenkunft der Spitzen der Börsenaufsicht SEC, der Terminmärkte-Behörde Commodity Futures Trading Commission und der Notenbank Federal Reserve (Fed) sowie ihrem New Yorker Ableger geben, teilte das Ministerium am Dienstag mit. Dabei soll es um die von einem Machtkampf zwischen Kleinanlegern und Hedgefonds ausgelösten hohen Kursschwankungen gehen.

Der Euro schwächelt

Am Devisenmarkt kommt die Marke von 1,20 Dollar in Sichtweite. Der Euro bewegt sich so auf dem niedrigsten Niveau seit Anfang Dezember. Am frühen Abend notiert die Gemeinschaftswährung etwas höher bei 1,2035 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2017 (Dienstag: 1,2044) Dollar fest.

Erneut wurde der Euro durch schwache europäische Konjunkturdaten belastetet. Im Vormittagshandel war bekannt worden, dass sich die Stimmung im spanischen Dienstleistungssektor wegen der Beschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie stark eingetrübt hat. Ein Stimmungsindikator des britischen Forschungsinstituts Markit fiel deutlich unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten und deutete damit ein Schrumpfen der Aktivitäten hin.

US-Konjunktur mit mehr Schwung

Im Gegenzug kamen aus den USA gute Konjunkturdaten. So stieg der vielbeachtete Einkaufsmanagerindex ISM für den Dienstleistungssektor im Januar überraschend und signalisiert ein robustes Wachstum in dem durch die Corona-Krise besonders hart getroffenen Sektor.

Zudem fielen Daten vom US-Arbeitsmarkt im Januar deutlich stärker aus als erwartet. Der private Dienstleister ADP berichtete über 174.000 neue Stellen, erwartete worden waren nur 49.000.

"Super Mario" wieder im Fokus

Kaum eine Reaktion gab es bisher am Markt auf die Rückkehr von Ex-EZB-Chef Mario Draghi auf die politische europäische Bühne. Denn Draghi soll Italien aus der Krise führen: Am Mittwoch beauftragte Staatschef Sergio Mattarella den 73-Jährigen mit der Regierungsbildung, wie ein Sprecher des Präsidenten mitteilte.

"Das ist ein erfahrender Macher, ein großartiger Politiker, und wir wissen, dass er 'alles, was notwendig ist' tun wird, um Italien aus der schlimmsten Wirtschafts- und Gesundheitskrise seit dem Krieg zu führen", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com.

Zuvor waren Sondierungsgespräche für eine Neuauflage der bisherigen Koalition gescheitert. Draghi wird nun prüfen, ob er im Parlament eine Mehrheit für eine Expertenregierung findet. Die größte Fraktion im Parlament, die Fünf-Sterne-Bewegung, äußerte bereits Vorbehalte. An der Mailänder Börse legte der Leitindex FTSE MIB 30 über zwei Prozent zu.

Ölpreise klettern weiter

Die Ölpreise haben zur Wochenmitte weiter zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Mittwochabend 58,49 US-Dollar und damit 69 Cent mehr als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,03 Dollar auf 55,79 Dollar.

Seit Beginn der Handelswoche sind die Preise für US-Öl und Brent-Öl um jeweils mehr als fünf Prozent gestiegen. Beide Notierungen haben den höchsten Stand seit etwa einem Jahr erreicht. Die gute Stimmung an den internationalen Finanzmärkten zog die Ölpreise mit nach oben.

Gestützt wurden die Preise darüber hinaus von einem Rückgang der US-Rohölreserven sowie Aussagen des Förderverbundes Opec +, dass die coronabedingten Überschüsse abgebaut würden und man an der Förderpolitik festhalte.

Siemens-Hauptversammlung mit Chefwechsel

Der scheidende Siemens-Chef Joe Kaeser hat den von ihm angestoßenen Umbau des Münchner Industriekonzerns als Grundlage des Erfolgs verteidigt. "Ohne die Erfolge des Sanierungskonzepts 'Vision 2020' und der strategischen Zukunftsausrichtung von 'Vision 2020+' würde es unser Unternehmen immer noch geben", sagte der 63-Jährige auf der virtuellen Hauptversammlung am Mittwoch in München. Der neue Siemens-Chef Roland Busch will den Münchner Technologiekonzern noch stärker auf Digitalisierung trimmen. Dazu gehörten nicht nur hohe Wachstumsraten, starke Renditen und ein hoher Mittelzufluss (Cash-flow), sondern auch ein hoher Anteil an wiederkehrenden Umsätzen und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Die Siemens-Aktie notiert am Mittag klar im Plus.

Bayer mit Etappensieg im Glyphosat-Rechtsstreit

Bayer hat nach Schwierigkeiten bei einem wichtigen Teil seines milliardenschweren Glyphosat-Vergleichspakets in den USA eine Einigung erzielt. Der Konzern gab am Mittwochabend eine formelle Übereinkunft mit den Klägeranwälten bekannt, bei der es um die Handhabung und Beilegung möglicher künftiger Klagen wegen des Unkrautvernichters geht. Teil der Einigung ist eine Zusage von bis zu zwei Milliarden Dollar von Bayer, für die das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr Rückstellungen gebildet hat.

Der Vorschlag zum Umgang mit möglichen künftigen Klagen stand auf der Kippe, nachdem der zuständige US-Bezirksrichter Vince Chhabria daran Zweifel geäußert hatte. Bayer zog darauf im vergangenen Juli seinen Antrag auf vorläufige Genehmigung dieser Vereinbarung zurück. Im November musste der Konzern bereits einräumen, dass dieser Teil des Vergleichspakets etwa zwei Milliarden Dollar kosten wird und damit mehr als die ursprünglich erwarteten 1,25 Milliarden.

Delivery Hero muss 1,4 Milliarden Euro wertberichtigen

Der Essensauslieferer Delivery Hero muss wahrscheinlich eine Wertminderung auf den Firmenwert des südkoreanischen Zukaufs Woowa vornehmen. Weil der Dax-Konzern die Tochter zum Teil mit eigenen Aktien bezahlt und diese stark im Wert gestiegen sind, muss Delivery Hero den Wert von Woowa nach jetzigem Stand um 1,4 Milliarden Euro nach unten korrigieren. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch nach Börsenschluss mit. Die Aktie gab nachbörslich um knapp ein Prozent nach.

Die Wertminderung werde nach Abschluss der Transaktion fällig und hänge vom Aktienkurs von Delivery Hero ab, hieß es weiter. Sie sei nicht durch die Geschäftsentwicklung von Woowa ausgelöst. Unterdessen habe die südkoreanische Kartellbehörde KFTC den Kauf schriftlich genehmigt. Im Dezember hatte die Behörde schon erklärt, dass sie mit der 3,6-Milliarden-Euro-Übernahme einverstanden ist, wenn Delivery Hero die dortige Tochter Yogiyo verkauft. Delivery Hero hatte daraufhin erklärt, das tun zu wollen. Jetzt bekräftigte der Konzern, die Woowa-Übernahme bis März abschließen zu wollen.

Commerzbank beschließt neue Strategie

Der Vorstand der Commerzbank hat die Details für den Konzernumbau festgezurrt. Die vom Management vorgeschlagene Strategie werde vom Aufsichtsrat inhaltlich und fachlich mitgetragen und die Umsetzung werde "konstruktiv" begleitet, teilte das Institut am Mittwochabend nach einer außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums mit. Die zweitgrößte deutsche Privatbank streicht 10.000 Stellen und schließt bundesweit 340 Filialen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die Bank im vergangenen Jahr wegen der Corona-Krise tief in die roten Zahlen gerutscht ist. Der Betriebsverlust summierte sich nach vorläufigen Zahlen auf 233 Millionen Euro nach einem Gewinn von 1,3 Milliarden Euro im Jahr 2019. Unter dem Strich stand ein Verlust von knapp 2,9 Milliarden Euro nach einem Gewinn von 585 Millionen Euro.

Cancom wendet das Blatt im vierten Quartal

Das Münchener IT-Beratungshaus hat mit einem Endspurt im vergangenen Jahr statt des erwarteten Gewinnrückgangs eine Gewinnsteigerung erzielt. Dank der guten Nachfrage im margenstarken Servicegeschäft sei das operative Ergebnis (Ebitda) in den letzten drei Monaten 2020 um 42 Prozent auf 45,4 Millionen Euro gesprungen, teilte Cancom mit. Damit habe das Ebitda im Gesamtjahr auf 123 (Vorjahr: 119) Millionen Euro zugelegt. Im Oktober hatte das Unternehmen seine Jahresprognose noch nach unten korrigiert und war von einem Ebitda-Rückgang auf 110 bis 115 Millionen Euro ausgegangen. Der Umsatz stieg im vierten Quartal um gut zehn Prozent auf 468 Millionen Euro.

Pandemie bremst Novo Nordisk aus

Der Pharmakonzern Novo Nordisk hat das Corona-Jahr 2020 mit mehr Umsatz und Gewinn beendet. Allerdings sei das Wachstum durch die Pandemie ausgebremst worden, da weniger Patienten mit einer Behandlung begonnen hätten. Die Erlöse des Insulinspezialisten waren 2020 um vier Prozent auf knapp 127 Milliarden Dänische Kronen (17,1 Milliarden Euro) gestiegen. Vor allem das Geschäft mit neueren Diabetes-Medikamenten lief gut und sorgte für prozentual zweistellige Wachstumsraten. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen rund 42 Milliarden Kronen, das waren acht Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Sony hebt Prognose an

Der japanische Elektronikkonzern hat nach einem guten Weihnachtsgeschäft seine Jahresprognose angehoben. Für das im März endende Geschäftsjahr werde nun mit einem Betriebsergebnis von umgerechnet 7,4 Milliarden Euro gerechnet, statt bisher rund 5,5 Milliarden Euro. Von Oktober bis Dezember kletterte das Betriebsergebnis dank einer guten Nachfrage nach Videospielen, Kinofilmen und anderen Unterhaltungsangeboten überraschend stark um ein Fünftel auf 2,84 Milliarden Euro.

Vodafone profitiert von deutschen Kunden

Gute Geschäfte in seinem wichtigsten Einzelmarkt Deutschland haben dem britischen Telekommunikationskonzern Vodafone ein besseres Quartal beschert als erwartet. Der von Analysten besonders beachtete Konzern-Serviceumsatz stieg im dritten Geschäftsquartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus eigener Kraft um 0,4 Prozent auf 9,4 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch in London mitteilte. Viele Menschen nutzen wegen andauernder Corona-Lockdowns ihre Smartphones intensiver. An der Börse legte die Aktie am Mittwochvormittag kräftig zu.

Jeff Bezos verlässt Amazon-Chefposten

Zwei US-Technologiegiganten sorgten am Vorabend für Aufmerksamkeit auf dem Börsenparkett. Amazon gab den Rückzug von Konzernchef und -gründer Jeff Bezos von der Firmenspitze bekannt. Im dritten Quartal werde er die Führung an den derzeitigen Chef der Cloud-Sparte AWS, Andy Jassy, abtreten und dann an die Spitze des Verwaltungsrats wechseln.

Bei Alphabet klingeln die Kassen

Und der Google-Mutterkonzern Alphabet hat angeschoben von aktiveren Werbekunden in der Corona-Krise mehr als 50 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftet. Der Alphabet-Umsatz stieg im vergangenen Quartal um 23,5 Prozent auf 56,9 Milliarden Dollar. Beim Gewinn gab es einen Sprung von fast 43 Prozent auf gut 15,2 Milliarden Dollar, wie der Internet-Riese nach US-Börsenschluss am Dienstag mitteilte.Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet. Die Aktie stieg im nachbörslichen US-Handel um fünf Prozent.

Kryptowährung Ether so hoch wie nie

Die nach Bitcoin zweitgrößte Kryptowährung Ether ist am Mittwoch auf ein Rekordhoch gestiegen. Auf der Handelsplattform Bitfinex stieg der Kurs bis auf 1576 US-Dollar, das höchste jemals erreichte Niveau. Ether hat nach Bitcoin den größten Marktanteil aller Kryptowährungen. Er beträgt zurzeit etwa 16 Prozent. Ether hatte zunächst wenig von der Kursrally profitiert, die Bitcoin Anfang 2021 auf ein Rekordhoch von 42 000 Dollar getrieben hat. Seit Anfang des Jahres hat Ether aber deutlich zugelegt, während der Bitcoin-Kurs eher gesunken ist.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Februar 2021 um 07:35 Uhr.