Börse Frankfurt
Marktbericht

DAX schließt leicht im Minus Anleger bleiben in der Warteschleife

Stand: 31.05.2021 20:14 Uhr

Bei ruhigem Handel bewegte sich der DAX zum Wochenstart in engen Bandbreiten. Im besonderen Fokus bleibt weiterhin das Thema Inflation, zu dem es heute neue Zahlen aus Deutschland gab.

Wirklich überraschend war Börsengeschehen heute nicht, weil schon oft dagewesen. In den USA wird der Feiertag "Memorial Day" begangen, die Wall Street bleibt daher geschlossen, ebenso wie die Börse in London. Mit größeren Schwankungen war wegen des Ausbleibens angelsächsischer Investoren im Vorfeld schon nicht zu rechnen. Der deutsche Leitindex bewegte sind denn auch in einer engen Bandbreite zwischen 15.414 und 15.499 Punkten und schloss letztlich bei 15.421 Punkten um 0,6 Prozent leichter.

Im Mai legte der Index damit knapp 1,9 Prozent zu. Die Börsenweisheit "Sell in May and go away", wonach der am Aktienmarkt oftmals als schwächer angesehene Mai für Verkäufe genutzt werden sollte, befolgten die Investoren diesmal also nicht.

Siemens am DAX-Ende, CureVacs Zeitplan wird eng

Bei den meisten Einzeltiteln im DAX waren die Schwankungen überschaubar. Volkswagen und Delivery Hero gehörten zu den größten Gewinnern, stärker bergab ging es bei Tagesverlierer Siemens und auch bei SAP.

CureVacs Zeitplan wackelt

Beim Impfstoffhersteller CureVac könnte es eng werden mit einem Zulassungsantrag noch im zweiten Quartal. Nach den Daten zur Wirksamkeit des Mittels, die CureVac im Juni erwartet, solle "schnellstmöglich" die Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragt werden, erklärte eine Firmensprecherin. Bei den Corona-Impfstoffherstellern BioNTech und Moderna vergingen zwischen der Veröffentlichung der Wirksamkeitsdaten und dem Zulassungsantrag bei der EMA zwischen zwei und drei Wochen.

Die Europäische Union hat sich von dem CureVac-Impfstoff bis zu 405 Millionen Dosen gesichert. Das Mittel basiert wie auch die Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna auf Boten-RNA (mRNA), die den menschlichen Zellen die Information zur Bekämpfung von Krankheitserregern vermitteln soll.

DAX am Widerstand bei 15.500 Punkten

Auch ohne die Investoren aus Übersee gilt derzeit, dass sich der deutsche Leitindex an der Marke von 15.500 Punkten die Zähne ausbeißt. Er bleibt damit auf hohem Niveau und auch in Reichweite seines Rekordhochs bei 15.568 Punkten, aber zu mehr reicht es aktuell nicht.

"Es ist und bleibt ein Tauziehen zwischen Skeptikern und Optimisten", sagte Analyst Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus. "Während bei der einen Hälfte der Konjunkturoptimismus überwiegt, deckeln bei der anderen Hälfte die Inflationssorgen und die damit im Zusammenhang stehenden Zinsfantasien weitere Aufwärtsambitionen."

Hohe Energiepreise treiben die Inflation im Mai bis auf 2,5 Prozent

Apropos Inflation: Die deutschen Inflationsdaten aus dem Mai waren am Nachmittag das Thema des Tages. Die Inflationsrate stieg im Vergleich zum Vorjahresmonat um 2,5 Prozent, wie das Statistische Bundesamt bekanntgab. Experten hatten mit einem Anstieg um 2,3 Prozent gerechnet. Damit erhöhte sich die Inflationsrate bereits zum bereits fünften Monat in Folge. Gegenüber April 2021 stiegen die Verbraucherpreise um 0,5 Prozent.

Trendwende oder Basiseffekt?

Für die Anleger stellt sich die Frage, ob die anziehende Inflation bei der Europäischen Zentralbank für ein Umdenken sorgen könnte. Fakt ist, dass die höheren Raten von steigenden Energiepreisen befeuert werden, aber auch viel mit dem Wirtschaftseinbruch wegen der Corona-Pandemie vor einem Jahr zu tun haben könnte.

"Die heute gemeldete neuerliche Beschleunigung der Inflation in Deutschland kommt angesichts sich verstärkender positiver Basiseffekte nicht gänzlich überraschend", so Elmar Völker von der LBBW. "Hinsichtlich der Implikationen für die Geldpolitik im Euroraum ändert sich gleichwohl an der bisherigen Einschätzung erst einmal nichts: Die EZB wird weiterhin auf die temporäre Natur vieler Preiseffekte verweisen und auf die - vor allem für den Euroraum insgesamt - weiterhin sehr moderate Kerninflation."

Gleichwohl dürfte es zumindest kurzfristig weiter bergauf gehen mit den Raten, denn neben den Preiserhöhungen bei Waren werden in den kommenden Monaten steigende Dienstleistungspreise das Bild prägen, meint Michael Heise, Chefvolkswirt bei HQ Trust. "Im kommenden Jahr wird sich die Inflation wieder deutlich beruhigen, auch wenn sie vermutlich nicht mehr auf die ganz niedrigen Niveaus von rund ein Prozent aus den Jahren vor der Pandemie zurückfallen dürfte", so Holger Schmieding von der Berenberg Bank.

Stärkere Effekte in den USA

In jedem Fall wird die Inflationsdebatte in der Eurozone nicht in dem Ausmaß geführt wie in den USA, wo die Preise zuletzt im April um 4,2 Prozent anzogen. Dort ist auch die Diskussion über ein Eingreifen der Zentralbank viel weiter, wie zuletzt aus den Kommentaren führender Notenbanker abzulesen war. Auch das Zinsniveau ist insgesamt schon sehr viel höher als in Europa. Zehnjährige Staatsanleihen, die hierzulande im Minus rentieren, werfen in den USA gut 1,6 Prozent ab. Der Leitindex Dow Jones hatte am Freitag bei 34.529 Punkten um 0,2 Prozent höher geschlossen und bleibt damit in Reichweite seines Rekordhochs bei 35.095 Punkten.

Euro bei 1,22 Dollar

Auch am Devisenmarkt geht es heute ruhig zu. Der Euro hat aber seine jüngste Schwächephase überwunden und handelt bei fast genau 1,22 Dollar gegen den Greenback wieder auf höherem Niveau. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2201 (Freitag: 1,2142) Dollar fest. Die steigenden Inflationsraten, zuvor auch aus Italien und Spanien, bewegen die Gemeinschaftswährung nicht. Morgen werden Inflationsdaten für die gesamte Eurozone erwartet.

China schreitet gegen Yuan-Anstieg ein

China macht unterdessen erste Anstalten, um einen zu starken Anstieg der Landeswährung Yuan zu verhindern. Am Montag hob die chinesische Notenbank mit Wirkung Mitte Juni den Satz für Fremdwährungen an, die die nationalen Banken vorhalten müssen. Es ist die erste Anhebung seit 2007.

Die höhere Devisennachfrage der Banken könnte den Yuan-Kurs drücken. Die chinesische Währung profitiert schon seit einiger Zeit von der rapiden Erholung der chinesischen Wirtschaft von der Corona-Pandemie. Eine zu starke Währung ist jedoch nicht im Sinne Chinas, da sie die Exporte der Volksrepublik verteuert und somit auf der Handelsaktivität lastet.

Starkes Quartal für die Türkei

Die Wirtschaft in der Türkei hat zu Beginn des Jahres trotz der Corona-Krise insgesamt merklich zulegen können. Wie das nationale Statistikamt mitteilte, stieg die Wirtschaftsleistung des Landes (BIP) im ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 1,7 Prozent. Im Vergleich zum Niveau des ersten Jahresviertels 2020 betrug das Wirtschaftswachstum 7,0 Prozent. Die Entwicklung war zuletzt besser als von vielen Experten erwartet.

Besonders deutlich wuchsen zum Jahresstart der Konsum der privaten Haushalte und die Investitionen. Die Staatsausgaben stiegen ebenso. Auch der Außenhandel trug zum Wachstum der türkischen Volkswirtschaft bei, da die eigenen Exporte zunahmen, während die Einfuhren sanken. Erkauft wird das Wirtschaftswachstum aber durch eine hohe Inflation und die weiterhin schwache Landeswährung Lira.

Sorgen bei der Deutschen Bank

Nach Berichten des "Wall Street Journal" und der Nachrichtenagentur Bloomberg hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) bei ihrer jährlichen Bewertung festgestellt, dass die Deutsche Bank in Sachen Risikomanagement und Compliance weiterhin Mängel habe. Möglich seien Sanktionen, einschließlich hoher Geldstrafen. Die Deutsche Bank wollte sich zu den Berichten nicht äußern.

Grenke-Gewinn sinkt

Der mit Kritik an seiner Bilanzierung kämpfende Leasingspezialist Grenke spürt die Folgen der Corona-Krise. Das Neugeschäft bei Leasing und Factoring brach im ersten Quartal um 39 Prozent auf 536 Millionen Euro ein. Der Gewinn sackte um 18 Prozent auf 14 Millionen Euro ab. Grenke hatte Mitte Mai für den Konzernabschluss 2020 das uneingeschränkte Testat durch die Prüfungsgesellschaft KPMG erhalten und damit wieder etwas Vertrauen zurückgewonnen.

Grenke geht davon aus, dass die noch laufende Sonderprüfung der Finanzaufsicht BaFin bald abgeschlossen ist. Der Konzern wurde im vergangenen Jahr von dem Leerverkäufer Fraser Perring mit Vorwürfen der Bilanzfälschung, Geldwäsche und des Betrugs konfrontiert. Grenke hat eigene Prüfungen eingeleitet, außerdem schaut sich die BaFin den Vorfall an.

Autoindustrie über Vorkrisenniveau

Die weltweite Autoindustrie hat im ersten Quartal einer Studie zufolge schon wieder mehr umgesetzt und operativ auch mehr Geld verdient als vor der Corona-Krise. Der Gewinn der größten Autohersteller vor dem Abzug von Zinsen und Steuern stieg der Branchenerhebung des Beratungsunternehmens EY zufolge im Zehn-Jahres-Vergleich sogar auf den höchsten überhaupt in einem Startquartal gemessenen Wert.

Bei den Verkaufszahlen erreichte die Autobranche das Vorkrisenniveau aber noch nicht. Der weltweite Pkw-Absatz legte laut der Studie im Jahresvergleich zwar um 15 Prozent zu, lag mit 16,9 Millionen Fahrzeugen aber immer noch neun Prozent niedriger als im ersten Quartal 2019.

Lufthansa spürt viel Rückenwind

Die Lufthansa will angesichts der steigenden Reisenachfrage in den kommenden Wochen bis zu 50 zusätzliche Flugzeuge reaktivieren. "Seit acht Wochen wachsen die Buchungszahlen stabil, in der vergangenen Woche mit einem deutlichen Sprung nach oben. Das waren die stärksten sieben Tage seit April 2020", sagte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag).

"Für Flüge im Juli und August ist die Nachfrage zehn- bis elfmal so hoch wie noch vor vier Wochen." Auf manchen Strecken sei die Nachfrage sogar höher als vor der Corona-Pandemie. Die Infektionszahlen sinken seit geraumer Zeit, die Buchungen ziehen an. Zugleich forderte Hohmeister die Politik auf, den digitalen Impfpass bis Ende Juni an den Start zu bringen.

Mediaset will ProSiebenSat.1 stärker einbinden

ProSiebenSat.1-Großaktionär Mediaset hat dem deutschen Fernsehkonzern Rückendeckung zugesichert - und fordert zugleich mehr Zusammenarbeit in Strategiefragen. Man wünsche sich mehr Engagement vom bayerischen Konzern. Mediaset werde das ProSieben-Management am Dienstag bei der Hauptversammlung unterstützen.

Die von der Familie des ehemaligen italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi kontrollierte Mediaset will den TV-Konzern bei seinen Wachstumsplänen in Europa stärker einbinden. ProSiebenSat.1-Chef Rainer Beaujean hat allerdings wiederholt deutlich gemacht, dass eine Fusion nicht sinnvoll sei. Vielmehr hält er seinen Konzern durch die breite Aufstellung mit Dating-Geschäft und Online-Portalen für krisenresistenter als traditionelle Medienunternehmen. Die Italiener halten direkt und indirekt rund 23,5 Prozent an ProSiebenSat.1 und buhlen seit längerem um eine engere Zusammenarbeit.

Biontech-Impfstoff für Kinder in der EU zugelassen

Auch Kinder ab zwölf Jahren können in der Europäischen Union nun mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft werden. Nach einer Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA erteilte die EU-Kommission nach eigenen Angaben am Montag offiziell die Zulassung. In Deutschland hat allerdings die Ständige Impfkommission noch keine Empfehlung ausgesprochen.

Mit dem Präparat des Mainzer Unternehmens und dessen US-Partner ist nun erstmals ein Corona-Impfstoff auch für Personen unter 16 Jahren in Europa zugelassen. Die EMA hatte am Freitag die Beurteilung abgegeben, dass die Anwendung für Kinder sicher sei. Grundlage war die Prüfung durch den zuständigen Expertenausschuss. "Die Mitgliedsstaaten können nun entscheiden, ob sie ihre Impfkampagne auf junge Leute ausweiten", schrieb EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Montag auf Twitter. "Um diese Krise zu beenden, zählt jede Dosis."

Atlantia zieht endgültig einen Schlussstrich unter Brückeneinsturz

Die Aktionäre der italienischen Infrastruktur-Holding Atlantia haben grünes Licht für den vollständigen Verkauf des Autobahnbetreibers Autostrade per l'Italia (ASPI) gegeben. Die Anteilseigner stimmten am Montag mit einer Kapitalmehrheit von 87 Prozent für die milliardenschwere Offerte der Staatsbank CDP, des Finanzinvestor Blackstone und der australischen Investmentbank Macquarie. Damit wird ein Schlussstrich unter den Streit um die Schuld an dem Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua 2018 gezogen. Atlantia-Aktien legten in Mailand rund 2,8 Prozent zu.

Autostrade wird in dem Geschäft mit 9,3 Milliarden Euro bewertet. Die von der Milliardärsfamilie Benetton kontrollierte Atlantia ist seit dem Brückeneinsturz mit 43 Toten über Kreuz mit der Regierung in Rom. Diese gibt der Holding die Schuld an dem Unglück und drohte mit dem Entzug der Lizenz. Der Streit hat auch die EU-Kommission auf den Plan gerufen.

Intel-Chef warnt vor jahrelangen Chip-Engpässen

Die Lieferengpässe bei Halbleitern könnten nach Einschätzung von Intel-Chef Pat Gelsinger noch lange andauern. Zwar habe die Industrie inzwischen die kurzfristigen Beschränkungen adressiert, jedoch könne es mehrere Jahre in Anspruch nehmen, um Antworten auf Knappheiten bei der Auftragsfertigung, einzelnen Komponenten und Schichtträgern zu finden, sagte Gelsinger. Die fehlende Verfügbarkeit von Chips hat jüngst bereits mehrere Autohersteller gezwungen, Bänder anzuhalten, und wirkt sich auch auf die Produktion von Elektronik aus.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Mai 2021 um 17:00 Uhr.