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Marktbericht

Leicht im Plus DAX stoppt kleine Talfahrt

Stand: 25.11.2021 18:38 Uhr

Erholungsversuch an den Börsen: Nach fünf Verlusttagen in Folge hat der Dax erstmals wieder im Plus geschlossen. Allerdings waren die Umsätze wegen der geschlossenen Wall Street recht dünn.

Die Anleger bleiben hin- und hergerissen - zwischen weiter anziehenden Corona-Zahlen und der Gelegenheit für günstige Einstiegskurse. Dementsprechend nervös ging es auch heute am deutschen Aktienmarkt zu. Lange Zeit lag der DAX im Plus, büßte dann aber die Gewinne wieder ein und drehte ins Minus, bevor er dann doch noch ein Happy-End schaffte. Der deutsche Leitindex beendete den Xetra-Handel 0,25 Prozent fester bei 15.917 Punkten.

Keine Impulse heute von der Wall Street

Insgesamt waren aber die Umsätze recht dünn. Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect sprach von einem "lustlosen Handel" - angesichts der wegen des Erntedankfestes Thanksgiving geschlossenen US-Börsen. Viele Anleger nutzen den Feiertag für ein verlängertes Wochenende, zumal auch am Freitag der Handel an der Wall Street verkürzt ist.

Tiefpunkt erreicht?

Seit seinem Rekordhoch von 16.290 Punkten in der vergangenen Woche hat der DAX zeitweise bis zu 3,4 Prozent eingebüßt und nahezu die gesamten November-Gewinne abgegeben. Der Tiefpunkt wurde gestern mit 15.740 Punkte erreicht. Seither hat sich der deutsche Leitindex wieder etwas aufgerappelt. "Die Erholung von den gestrigen Tiefs könnte der Ansatz für eine Bodenbildung gewesen sein", zeigt sich der CMC-Markets-Marktanalyst Jochen Stanzl vorsichtig optimistisch. Nun sei es wichtig, dass der DAX nicht unter das jüngste Tief falle.

"Frischer Wind" von der Ampel

Unterstützung erhielt der DAX vom gestern vorgestellten Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP. "Die Ampel-Koalition bringt frischen Wind in das politische Deutschland", meint Marktbeobachter Stanzl. In einer zügigen Regierungsbildung würde er nun ein wichtiges Signal sehen für Anleger.

Kauflaune der Verbraucher trübt sich ein

Allerdings dämpften die explodierenden Coronavirus-Fallzahlen heute die Stimmung am deutschen Aktienmarkt. Eine weitere Belastung ist das eingetrübte Konsumklima in Deutschland. Der GfK-Index, der die Kauflaune der deutschen Verbraucher widerspiegelt, sackte auf den niedrigsten Stand seit einem halben Jahr. Die vierte Corona-Welle und die steigenden Preise drohen den Konsumenten die Weihnachtsstimmung zu vermiesen.

Die Stimmung in der Exportindustrie hat sich laut ifo-Institut hingegen verbessert. Das Barometer für die Aussichten der Branche sei im November von 13,1 Punkten auf 15,8 Punkte gestiegen. "Die deutsche Exportwirtschaft ist trotz Lieferproblemen bei Vorprodukten und Rohstoffen robust aufgestellt", sagte ifo-Präsident Clemens Fuest.

Ölpreise sinken etwas

An den Ölmärkten hat sich die Lage beruhigt. Die Ölpreise gehen leicht zurück. Nach der Freigabe strategischer Ölreserven durch große Verbrauchsländer wie die USA dreht sich am Ölmarkt alles um die Reaktion der Förderländer. Fraglich ist, ob der Ölverbund Opec+ den im Sommer eingeschlagenen Kurs beibehält und seine Produktion weiterhin um 400.000 Barrel je Monat anhebt.

Laut Commerzbank-Experte Carsten Fritsch könnten die Produktionserhöhungen für zweieinhalb Monate ausgesetzt werden, ohne dass es zu einer Verknappung am Ölmarkt komme. Ein solcher Schritt würde die ohnehin angespannte Atmosphäre aber wohl weiter aufheizen. Die Reservefreigabe der Verbrauchsländer wird auch als Reaktion auf die Weigerung der Opec+ angesehen, ihre Förderung stärker auszuweiten. Hintergrund der Debatte sind die hohen Ölpreise, die als Bedrohung für die wirtschaftliche Erholung angesehen werden.

Euro hält sich über 1,12 Dollar

Der Euro verteidigt die Marke von 1,12 US-Dollar. Am Vortag war der Kurs erstmals seit Mitte 2020 unter 1,12 Dollar gerutscht. Der Devisenhandel sollte ähnlich wie der Aktienhandel wegen des US-Feiertags tendenziell ruhig verlaufen.

Lira-Verfall könnte zu Bankenkrise führen

Die türkische Lira hat sich etwas stabilisiert, nachdem sie in den vergangenen Tagen zu Dollar und Euro auf Rekordtiefstände gefallen war. Die türkische Notenbank macht bisher aber keine Anstalten, ihren Lockerungskurs aufgrund der Inflation zu korrigieren. Der Druck seitens der politischen Führung, insbesondere von Staatschef Recep Tayyip Erdogan, gilt als sehr hoch. Erdogan sei der "schlechteste Notenbanker der Welt", meint Fondsmanager Frank Fischer von Shareholder Value Management ironisch. Er befürchtet eine europäische Bankenkrise, sollte der Lira-Verfall weitergehen. Vor allem französische Banken sind stark in der Türkei präsent.

Ampel-Vertrag treibt grüne Aktien

Die Einigung der Ampel-Parteien SPD, Grünen und FDP auf einen Koalitionsvertrag gibt vor allem Papieren von Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien Auftrieb. Die Aktien des Windanlagenbauers Nordex springen um über sechs Prozent nach oben. Die Titel von Siemens Energy gewinnen 1,5 Prozent. Zu Siemens Energy gehört die Wind-Tochter Gamesa. Auch die Papiere von RWE legen um über vier Prozent zu. Der Versorger entwickelt sich zunehmend zu einem Ökostrom-Anbieter.

Synbiotic mit starken Kursgewinnen

Außerhalb der DAX-Familie schossen die Aktien der Cannabis-Firma Synbiotic um zehn Prozent auf 24,00 Euro nach oben. Die Koalitionsparteien haben sich darauf geeinigt, den Verkauf von Cannabis an Erwachsene für den Freizeitkonsum in lizenzierten Geschäften zu legalisieren.

Daimler-Chef Källenius lobt Ampel-Pläne

Daimler-Vorstandschef Ola Källenius hat Pläne der künftigen "Ampel"-Koalition zur Elektromobilität begrüßt. "Beim ersten Überfliegen des Koalitionsvertrags gefallen mir drei Zahlen: 15 Millionen Elektroautos, eine Million Ladepunkte und 80 Prozent Erneuerbare Energien", sagte Källenius. Das seien konkrete Ziele für das Jahr 2030. Diese würden den Wandel der Automobilindustrie unterstützen.

Die "Ampel"-Parteien hatten zuvor unter anderem angekündigt, dass sie den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos beschleunigen wollen. Dabei solle der Schwerpunkt auf die Schnellladeinfrastruktur gelegt werden, heißt es in dem von SPD, Grünen und FDP vorgelegten Koalitionsvertrag.

Automarkt überwindet Halbleiter-Delle nur langsam

Die Autohersteller können die vom Halbleiter-Mangel verursachte Absatzdelle nach Einschätzung eines Experten nur langsam überwinden. Auf dem deutschen Markt rechnet Ferdinand Dudenhöffer vom privaten Center Automotive Research (CAR) im laufenden Jahr mit einem Absatz von weniger als 2,7 Millionen Fahrzeugen, was ein Rückgang von acht Prozent im Vergleich zum schwachen Jahr 2020 wäre.

Erst in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres sei mit einem kräftigen zweistelligen Wachstum zu rechnen, wenn die Halbleiterkrise und mögliche Verwerfungen der vierten Covid-19-Welle überwunden seien. Dudenhöffer rechnet für das Gesamtjahr 2022 mit einem Wachstum um zehn Prozent auf 3,01 Millionen Einheiten.

Neuer Chef bei Infineon

Beim Chiphersteller Infineon ist die Chef-Frage endlich geklärt: Der bisherige Chef des Tagesgeschäfts, Jochen Hanebeck, wird Anfang April 2022 neuer Vorstandsvorsitzender. Er löst nach zehn Jahren den scheidenden Vorstandschef Reinhard Ploss ab. Dies beschloss der Aufsichtsrat am Donnerstag. Der Vertrag des 53-jährigen Hanebeck läuft bis Ende März 2027. Die Geschäfte von Infineon boomen in der Chipkrise. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Gewinn von Infineon auf 1,17 Milliarden Euro mehr als verdreifacht. Das Unternehmen erzielte den höchsten Umsatz seiner Geschichte.

Wird die Software AG verkauft?

Die im Mittelwerteindex MDax notierten Aktien der Software AG zogen im Späthandel um mehr als elf Prozent an. Der zweitgrößte deutsche Software-Konzern hinter SAP lotet einen Verkauf aus. Es würden verschiedene strategische Optionen geprüft, darunter auch eine Veräußerung der am Markt mit knapp 2,6 Milliarden Euro bewerteten Firma, meldete Bloomberg unter Berufung auf Insider. Die Darmstädter Software AG richtet sich seit einiger Zeit stärker auf die Cloud aus und damit auf wiederkehrende Umsätze durch Abonnements statt Lizenzen. Großaktionär der Software AG ist die Software AG Stiftung, die 31 Prozent hält.

Baidu: Robotertaxis in Peking

Der chinesische Technologieriese Baidu darf eine Flotte von Robotaxis in Peking bereitstellen. Dem Konzern sei der Betrieb von maximal 100 fahrerlosen Taxis in einem 60 Quadratkilometer großen Gebiet im Stadtzentrum erlaubt worden, berichtete die Zeitung "Beijing Daily". Baidu teilte mit, es sei das erste Mal, dass das Robotaxi-Angebot Apollo Go auf offener Straße eingesetzt wird. Zum Start würden 67 Fahrzeuge mit mehr als 600 Haltestationen angeboten. Neben Baidu hat auch das von Toyota unterstützte Startup Pony.ai die Genehmigung erhalten, Robotaxis in der chinesischen Hauptstadt einzusetzen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. November 2021 um 09:00 Uhr.