Wall Street New York
Marktbericht

Dow Jones im Minus US-Anleger bleiben in Deckung

Stand: 07.06.2021 22:21 Uhr

Vor neuen Preisdaten im weiteren Wochenverlauf tat sich an der New Yorker Börse heute nicht viel. Viel Bewegung gab es dafür bei der Biotech-Firma Biogen, die einen wichtigen Erfolg feierte.

Die großen Aktienindizes in New York schlossen zum Wochenstart uneinheitlich. Der Leitindex Dow Jones, der anfangs noch als einziger Index im Plus lag, drehte danach ins Minus und schloss bei 34.630 Punkten, ein Tagesverlust von 0,36 Prozent. Spiegelbildlich verhielt sich dazu die Technologiebörse Nasdaq. Sie ging nach schwächerem Start um knapp ein halbes Prozent höher aus dem Handel bei 13.881 Punkten. Der Auswahlindex Nasdaq 100 schloss bei 13.802 Punkten leicht um 0,2 Prozent höher. Der marktbreite S&P-500-Index beendete den Tag bei 4226 Punkten um 0,1 Prozent leichter.

Zurückhaltung vor Preisdaten

Vor den wichtigen Verbraucher-Preisdaten am kommenden Donnerstag wagten sich die Anleger nicht wirklich aus der Deckung, größere Abgabeneigung gab es aber auch keine. Von den Daten erwarten sich die Investoren weitere Hinweise auf einen möglichen Zeitpunkt für eine Straffung der ultralockeren Geldpolitik. Im April hatte die Inflationsrate mit einem Plus von 4,5 Prozent einen ordentlichen Satz nach oben gemacht und damit viele Anleger verschreckt. Die abwartende Tendenz könnte den Markt auch die nächsten Handelstage noch bestimmen, dazu ist das Thema Zinsen einfach zu wichtig.

"Es gibt keinen Abwärtstrend im Markt, aber die Frage unter den Investoren ist, woher mit all dem eingepreisten Optimismus von der wirtschaftlichen Wiedereröffnung der nächste Wachstumsschub kommen soll", sagte Manager Rick Meckler von Cherry Lane Investments.

Ein weiteres Thema unter den Anlegern war das der Besteuerung großer Digitalkonzerne. Nach dem Willen der führenden Industrienationen sollen sie künftig weltweit mindestens 15 Prozent Steuern zahlen. Nach jahrelangen Verhandlungen einigten sich die Finanzminister der G7-Staaten auf eine globale Steuerreform. Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Markt seien aber minimal, da die Details in den kommenden Monaten noch verhandelt werden müssten, erläuterten Analysten.

Die Aktien von Alphabet, Amazon oder auch Apple reagierten allerdings kaum auf diese Nachrichten, Alphabet C markierten zwischenzeitlich sogar ein Rekordhoch, ebenso wie das Netzwerk Facebook.

FDA winkt Alzheimer-Medikament durch - Aktie haussiert

Als Einzelwert zog Biogen die Aufmerksamkeit auf sich, denn der Biotech-Konzern könnte dank der Zulassung eines neuen Mittels gegen Alzheimer nun ein Blockbuster-Medikament in seiner Pipeline haben. Biogen-Aktien hoben an der Nasdaq ab und stiegen teilweise rund 60 Prozent. Am Ende stand ein Plus von 38 Prozent auf dem Laufband bei 395,85 Dollar. Auch andere Werte wie etwa Eli Lilly und Morphosys reagierten positiv.

Denn zur Behandlung einer zugrundeliegenden Ursache der Nervenkrankheit Alzheimer Demenz ist erstmals seit dem Jahr 2002 ein Medikament zugelassen worden. Die US-Gesundheitsbehörde FDA gab dem Biogen-Mittel Aducanumab am Montag grünes Licht. Das Mittel hatte in einer klinischen Studie zunächst positive Ergebnisse erzielt, die sich in einer weiteren Studie allerdings nicht bestätigt hatten.

Alzheimer-Experte Ronald Petersen von der Mayo Clinic sprach von einem "besonderen Tag". Er wies jedoch darauf hin, dass das Mittel keine Heilung bringe. "Es besteht die Hoffnung, dass dies das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt." Biogen kann mit einem Milliarden-Geschäft rechnen: Guggenheim-Analyst Suneja traut dem Medikament ein Spitzenumsatzpotenzial von mindestens zehn Milliarden Dollar zu.

Meme-Aktien wieder im Fokus

Unterdessen setzte sich auch der Hype um sogenannte Meme-Aktien fort. Den größten Kurssprung dieser von Kleinanlegern in sozialen Netzwerken hochgejubelten Anteilsscheine fuhr erneut der Kinobetreiber AMC Entertainment ein. Der US-Konzern, der in der vergangenen Woche seinen Börsenwert fast verdoppelt hatte, zog um bis zu 24,5 Prozent an, am Ende waren es knapp 15 Prozent.

Auch weitere "Meme"-Aktien wie die Anteilsscheine des US-Videospielehändlers Gamestop und die Titel des Kopfhörer-Anbieters Koss verteuerten sich um mehr als zwölf Prozent. Die Titel gehören zu einer Gruppe von Firmen, die sich bei Kleinanlegern in Online-Foren großer Beliebtheit erfreuen. Mit konzentrierten Käufen haben sie in den vergangenen Monaten wiederholt institutionelle Anleger dazu gezwungen, ihre Wetten auf einen Kursverfall dieser Aktien aufzulösen und ihnen dadurch Milliarden-Verluste eingebrockt. Angesichts des steilen Kursanstiegs von Aktien mit Fan-Gemeinden im Internet will die US-Börsenaufsicht SEC genau hinschauen.

DAX fällt nach Rekord zurück

Eine schwächere Wall Street hat den heimischen Anlegern heute zumindest den Nachmittag vermiest. Der DAX folgte am Nachmittag den abbröckelnden Kursen in New York und schloss zum Wochenstart letztlich leicht 0,1 Prozent im Minus bei 15.677 Punkten. Zuvor hatte der deutsche Leitindex anfängliche Verluste wettgemacht und bei 15.732 Zählern am Mittag ein weiteres Rekordhoch markiert.

Besser machte es der MDAX, der Index der mittelgroßen Werte, der nur knapp an der Marke von 34.000 Punkten scheiterte und bei 33.924 Punkten um 0,7 Prozent höher aus dem Markt ging. Auch der von vielen exportstarken Mittelständlern geprägte Index erreichte im Verlauf bei 33.992 Zählern ein Rekordhoch. Insgesamt bleibt der deutsche Aktienmarkt damit auf hohem Niveau und getragen von Konjunkturhoffnungen der Anleger nach dem Ende der Pandemie.

Autoaktien sind gefragt

Im besonderen Fokus der Börsenbullen stehen weiterhin zyklische Aktien, die Anteilsscheine der Autowerte waren im DAX unter der Führung des Zulieferers Continental gefragt. Der Elektrifizierungstrend der Branche und der Konjunkturaufschwung nach der Corona-Krise, der gerade die zyklischen Branchen aufholen lässt, gelten als wichtigste Treiber für den europäischen Branchenindex, der seinen guten Lauf heute fortsetzt. Verluste von über drei Prozent verbuchte das Indexschwergewicht Linde plc., das am DAX-Ende stand.

15.500-Punkte-Marke im Visier

Aus technischer Perspektive sollten Anleger nach dem heutigen Rekord das alte Ausbruchsniveau bei rund 15.500 Punkten im Auge behalten. Dort, auf Höhe der alten Hochs (15.502/15.538 Punkte), sollten mögliche Abwärtsbewegungen auslaufen, um keinen nachhaltigen Schaden anzurichten.

Solange sich der DAX per Schlusskursbasis über 15.500 Punkten hält, ist mit einer Fortsetzung der Aufwärtsbewegung Richtung 16.000 Punkte zu rechnen. Bei einem Sturz darunter würde sich hingegen das Risiko eines Fehlausbruchs auf der Oberseite und daraus resultierender Kursverluste erhöhen.

Euro legt zu

Der Euro hat am späten Nachmittag zugelegt und ringt im US-Handel mit der Marke von 1,22 Dollar, ein Zuwachs gegen den Dollar von rund 0,25 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,2162 (Freitag: 1,2117) Dollar fest. Etwas fundamentalen Gegenwind bekam der Euro zunächst durch schwache Auftragsdaten aus der deutschen Industrie. Entgegen dem erwarteten moderaten Anstieg gingen die Bestellungen im April leicht zurück. Allerdings folgt der Rückgang auf einen starken Vormonat.

Industrieaufträge überraschend gefallen

Die Auftragseingänge der deutschen Industrie waren im April gegenüber März überraschend um 0,2 Prozent zurückgefallen. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg um 0,5 Prozent gerechnet. Der jüngste Rückgang folgt auf einen deutlichen Anstieg um 3,9 Prozent im Vormonat.

Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen hält das allerdings nicht für besorgniserregend. "Dies gilt umso mehr, als auch die Umfragen zeigen, dass die Geschäfte der Industrieunternehmen sehr gut laufen. Allerdings haben diese weiter Probleme, die Flut an Aufträgen auch zu bewältigen."

Ölpreise fallen nach Höchstständen leicht zurück

Die Ölpreise sind am Montag etwas gefallen, bleiben aber auf hohem Niveau. Zeitweise war der WTI-Preis erstmals seit Oktober 2018 auf 70 Dollar gestiegen. Brent kostet mit über 71 Dollar je Fass zurzeit annähernd so viel wie zuletzt vor gut zwei Jahren.

Am Markt wurden die jüngsten moderaten Verluste mit einer Gegenbewegung aufgrund von Gewinnmitnahmen begründet. Auch für die Rohstoffexperten der Commerzbank kommen die Preisabschläge angesichts der Gewinne in den letzten Wochen nicht überraschend. "Der Rückenwind, den die Ölpreise aktuell von nahezu allen Seiten erhalten, bleibt weiter stark", heißt es in einem Marktkommentar.

Getrieben werden die Erdölpreise vor allem durch die Aussicht auf eine kräftige konjunkturelle Erholung auf Grundlage fortschreitender Corona-Impfungen. In den USA, China und weiten Teilen Europas hat sich die Virus-Situation deutlich entschärft. In anderen großen Ländern wie Indien oder Brasilien bleibt die Lage hingegen angespannt. Aber selbst in Indien wurden die Corona-Beschränkungen zuletzt etwas gelockert.

Tesla-Aktie von Anonymous-Drohungen betroffen

Die Tesla-Aktie reagiert zunächst mit Verlusten auf die Drohungen der Hackergruppe Anonymous, die sich Tesla-Chef Elon Musk als neues Ziel ausgesucht hat. Im weiteren Handelsverlauf erholte sich das Papier aber und legte am Ende leicht zu. Mit Anonymous wirft dem Multimilliardär vor, dass seine Angestellten unter schlechten Arbeitsbedingungen zu leiden hätten und dass Kinder in Lithium-Minen die Rohstoffe für die Tesla-Batterien förderten. Musk hatte wegen seiner erratischen und stets massiv kursbewegenden Twitter-Äußerungen zum Bitcoin den Zorn der Hackergruppe auf sich gezogen.

Winterkorn-Schadenersatz an VW steht

Der Wolfsburger Autokonzern ist sich mit Anwälten und Versicherern mehrerer Ex-Topmanager um den früheren Konzernchef Martin Winterkorn grundsätzlich einig über Schadenersatz wegen des Diesel-Skandals. Die genauen Summen und Modalitäten stehen allerdings noch nicht fest. Klar ist dagegen, dass Hans Dieter Pötsch den VW-Aufsichtsrat auf Vorschlag seiner Mitkontrolleure weitere fünf Jahre leiten soll.

Online-Fahrradhändler Bike24 strebt an die Börse

Der Dresdner Online-Fahrradhändler Bike24 strebt ein Listing an der Frankfurter Börse an. Insidern zufolge könnte Bike24 dabei mit deutlich mehr als einer halben Milliarde Euro bewertet werden. Das 2002 gegründete Unternehmen gehört mehrheitlich dem US-Finanzinvestor The Riverside Company. Auch die Gründer um Vorstandschef Andres Martin-Birner sind weiterhin beteiligt. Bike24 verkauft Fahrräder, E-Bikes, Ausrüstung und Bekleidung.

Tastaturhersteller Cherry plant Börsengang in Frankfurt

Der Tastaturhersteller Cherry strebt noch vor der Sommerpause einen Börsengang in Frankfurt an. Dabei sollen neue Aktien im Volumen von 140 Millionen Euro ausgegeben sowie bestehende Anteilsscheine umplatziert werden. Cherry wurde nach eigenen Angaben 1953 in Highland Park im US-Bundesstaat Illinois gegründet und verlegte 1967 seinen Sitz nach Deutschland.

Reckitt Benckiser verkauft chinesisches Babynahrungsgeschäft

Der britische Sagrotan-Hersteller Reckitt Benckiser verkauft sein chinesisches Babynahrungsgeschäft an einen lokalen Investor. Die chinesische Primavera Capital Group habe einen Übernahmepreis von 2,2 Milliarden US-Dollar akzeptiert, teilten die Briten am Wochenende mit. Den Nettobarmittelzufluss von etwa 1,3 Milliarden Dollar will Reckitt in den Schuldenabbau stecken.

Moderna beantragt Impfstoff-Zulassung für Kinder in der EU

Der US-Pharmakonzern Moderna hat eine Zulassung seines Corona-Impfstoffs für Jugendliche in der EU beantragt. Das gab das Unternehmen am Montag bekannt. Bei einem positiven Votum der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) wäre der Moderna-Impfstoff das zweite für Jugendliche in der EU zugelassene Vakzin nach dem von BioNTech/Pfizer.

An der Börse reagieren die Anleger überschwenglich, das Moderna-Papier legt an der Nasdaq deutlich zu. Auch die Papiere der anderen Hersteller BioNTech/Pfizer und CureVac rücken gegen den Markt stärker vor.

Google akzeptiert Kartellstrafe aus Frankreich

Die größte Alphabet-Konzerntochter Google zahlt in Frankreich eine vom Kartellamt verhängte Buße von 220 Millionen Euro wegen der Bevorzugung eigener Dienste bei der Zuteilung Online-Werbeplätzen. Nach einem wegweisenden Vergleich mit den französischen Wettbewerbshütern will der Internet-Konzern außerdem seine Methoden bei der Versteigerung von Werbeanzeigen weltweit ändern. Google hat aber für die Änderungen mehrere Monate Zeit: Einige Änderungen würden bis zum ersten Quartal 2022 umgesetzt, hieß es von der Behörde.

Apple öffnet Video-Chat-Software

Der iPhone-Hersteller öffnet seine Videochat-Software FaceTime für Nutzer von Windows- und Android-Systemen. Damit tritt Apple stärker in Konkurrenz zu Anbietern wie Zoom. Zudem sollen Streaming-Inhalte von Anbietern wie Disney+ leichter eingebunden werden können, wie es anlässlich der jährlichen Entwicklerkonferenz WWDC hieß.

Die neue iPhone-Software soll Text in Fotos auslesen können, auf den Geräten wird automatisches Übersetzen in andere Sprachen möglich. Zugleich stärkt Apple den Schutz der Privatsphäre mit neuen Funktionen gegen die Nachverfolgung des Nutzerverhaltens bei E-Mails und im Webbrowser Safari.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Börse am 07. Juni 2021 um 07:35 Uhr.